Helga Schmiedel

Die Macken des Mimen

Eine junge Frau konnte nicht ahnen, dass sie sehr bald ihrem Idol, dem Schauspieler Gerard Philipe sehr nahe sein würde.

In der Redaktion war Mia neu. Vor allem musste sie ihr Können jetzt beweisen. Da der Kulturredakteur kurz nach ihrem Eintritt einen schweren Verkehrsunfall hatte, war das für sie ein günstiger Zeitpunkt. "Wir werfen Sie einfach ins Wasser. Nun machen sie etwas daraus!" hatten die großen Bosse gesagt.

Als Mia die Einladung für eine Pressekonferenz mit Gerard Philipe erhielt, wusste sie instinktiv, dass ihre Stunde der Bewährung gekommen war. Der berühmte Schauspieler beendete die Dreharbeiten zum Film "Till Ulenspiegel". Er wollte der Presse einen Einblick in diese Arbeit und auch in sein Leben gewähren, ehe er nach Frankreich zurückkehrte.

Etwa 50 Journalisten und Bildberichterstatter mit riesigen Kameras warteten 10 Uhr ungeduldig wie Turnierpferde vor dem Startzeichen. Es vergingen Minuten, es verging eine halbe Stunde, dann eine ganze. Wer aber nicht kam, war Gerard Philipe.

Auch Mia lief aufgeregt hin und her, immer in der Nähe der Kollegen vom Film, die keine Telefonverbindung zur Crew herstellen konnten. Dann hörte Mia wie einer sagte: "Gerard wird beim Cuttern des Streifens nicht fertig geworden sein. Er hat die Journalisten hier einfach vergessen." Jetzt witterte sie Morgenluft: "Wer wird den Film vertreiben?" so fragte Mia. "Na, die DEFA Berlin natürlich" wurde geantwortet.

Ihr Fahrerkollege staunte nicht schlecht, als er Mia ganz lässig und langsam kommen sah - und dann ihre aufgeregten Worte hörte: Sofort nach Berlin zur DEFA! Schnell!" Hinterher stellte sich heraus, dass kein Radar auf der Strecke lauerte, denn das hätte übel ausgehen können! Im DEFA-Gelände angekommen, sahen sie auf dem Parkplatz einen feuerroten Sportwagen mit französischem Kennzeichen. "Gerard Philipe ist hier, suchen wir ihn!" Mia setzte ihr verführerischstes Lächeln auf, und dank des Presseausweises bekam sie den Hinweis, dass er im Nebenraum der Kantine mit seiner Begleitung das Mittagessen einnimmt.

Dann wurde Mia nur noch durch eine Glastür von ihm getrennt. Entweichen konnte er nicht mehr. Sie bezog Position. In aller Ruhe konnte sie ihn studieren. Und nun verstand sie auch, warum Gerard Philipe, als er in Dresden mit seiner Frau die Gemäldegalerie im Zwinger besuchte, nicht erkannt worden war. -
Er wirkte nur durch das magische Auge der Kamera! -
Hier hinter der Glastür hätte man denken können, er sei ein ganz normaler Gast und nicht ein "Fanfan, der Husar"! Dieses Phänomen ist manchmal auch bei Models zu finden.

Der Filmstar sprach mit seinen Begleitern, hin und wieder gestikulierte er lebhaft. Seine etwas kurzen Finger sah Mia. Und, oh großes Staunen, er hatte angeknabberte Fingernägel. Schnell musste sie diese Eindrücke wegstecken, denn die Herren standen auf, kamen direkt auf sie zu und waren zu einem Gespräche bereit!

Am nächsten Tag, als Mias einseitige Reportage mit Fotos über Gerard Philipe, alias Till Ulenspiegel, als einziger Bericht in i h r e r Zeitung stand, wusste Mia, dass sie die Feuertaufe bestanden hatte.

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