Christina Wolf

Ganz ohne Chance!?

Wie oft werden abfällige Bemerkungen über Menschen ausgesprochen, die, wie wir meinen, so gar nicht in unser Straßenbild passen. Heruntergekommen, verwahrlost, in schmutziger Kleidung, mit übel riechender Alkohlfahne und lallende Selbstgespräche führend. Das alles möchten unsere Augen möglichst nicht sehen, wirken störend.

Ohne den Werdegang eines solchen Menschen zu kennen, fallen schlechte Urteile über ihn wie Hackbeile. Ohne ein Stück seines vorherigen Lebens mit ihm gegangen zu sein, sollte man sich erst einmal die Frage stellen, warum er so geworden ist - gestolpert, gefallen und straffällig wurde.
Dann könnte man doch Vieles besser verstehen.

So wie bei Sigi mit grausamen, menschenunwürigen Erlebnissen. In ärmlichen Verhältnissen mit mehreren Geschwistern aufgewachsen, seine Eltern notorische Alkoholiker und arbeitsunfähig.
Bereits als kleines Kind lernte er die Härte des Lebens kennen, litt permanent Hunger, wurde geschlagen und verachtet. Liebe hat er nie kennen gelernt. Denn Sigi war geistig behindert und sein Gesicht nicht nur von einer Hasenscharte verunstaltet.

Mit 15 Jahren wurde er von seiner Mutter vor die Tür gesetzt, mit den Worten: "unser Geld reicht nicht mehr, um dich zu versorgen!"
Da stand er nun, ohne Geld, ohne Essen, ohne Zuwendung, ohne ein Dach über dem Kopf, allein und verlassen und wusste nicht wohin. Wie sollte es weitergehen?

Mehrere Wochen irrte er halb verhungert durch die Stadt, suchte Unterschlupf und etwas zu Essen in den Abfalleimern und bettelte in den Geschäften und auf der Straße.
Bevor die Wärmestube in dieser Stadt eingerichtet wurde, gab es das "Garagenobjekt", wo man solche hilfsbedürftige Straßenkinder und obdachlose Menschen auffing. Sogenannte "street-worker" suchten und sammelten diese armen Menschen auf.

So fand man auch eines Tages Sigi, halbverhungert, krank in einem Park liegend, völlig kraftlos und am Ende. Er wurde von den Mitarbeitern des Garagenobjektes aufgelesen, mitgenommen und versorgt. Von da an wurde sein kümmerliches Leben wieder lebenswert und etwas Freude kehrte zurück in sein wundes Herz.

Doch dies dauerte einige Zeit, zuviel hatte dieser arme Mensch erleiden müssen. Seit seiner Geburt stand kein guter Stern über ihm.
Die ersten Notmaßnahmen wurden getroffen. Sigi bekam erstmal ein gutes, reichliches und warmes Essen, konnte Duschen, frische, schöne Kleidung anziehen, wurde ärztlich versorgt und vorübergehend in einem kleinen Wohnheim, das nur 6 Zimmer hatte, untergebracht. Er war nicht mehr allein, wurde liebevoll betreut und mit herzlichen und guten Worten seelisch aufgebaut.

Nach ein paar Wochen konnte für ihn ein bezahlbares Zimmer mit kleinem Bad im Haus einer älteren, netten Frau gefunden werden. Dort lebt Sigi nun schon viele Jahre und ist glücklich über seine neue, doch viel bessere Lebenssituation. Er hat ein Zuhause, darf dort seine beiden Katzen, die er sich aus dem Tierheim holten durfte, halten, die er über alles liebt und für seine arme, geschundene Seele braucht.

Jeden Tag besucht er die Wärmestube in seiner Stadt. Dort kann er täglich sein warmes Mittagessen einnehmen, Gespräche mit den Mitarbeitern und Besuchern führen, ein Pfarrer steht als Seelsorger zur Seite, seine Wäsche waschen, kaputte Kleidung wird wieder genäht, sich neue Kleidung und Schuhe aussuchen und mitnehmen, er bekommt Tierfutter für seine Katzen, Lebensmittel und Toilettenartikel für zu Hause mit auf den Nachhauseweg. Sämtliche alltägliche Sorgen und Nöte finden offenes Gehör und jeder bemüht sich zu helfen, wo und wie man nur kann.

Mitgenommen, aufgefangen, versorgt, geliebt, wieder ein menschenwürdiges Leben gegeben -
eine neue Chance für unseren armen Sigi, dessen Augen wieder strahlen und uns bewegt immer wieder DANKE sagen!

Die großartige Hilfsbereitschaft in solchen Einrichtungen sind von unschätzbarem Wert und oftmals Rettung in letzter Sekunde.
Sigi sah wieder Licht am Ende eines langen, dunklen Tunnels!!!


(c) Christina Wolf
      20. 02. 2011

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