Hans Witteborg

Dachs und Fuchs




Mit den Tieren reden tun viele Leute, dass sie ihnen sprachlich antworten, d.h. dass man sich mit ihnen regelrecht unterhalten kann, ist wohl außer Franz von Assisi noch niemandem so recht gelungen. In Fabeln jedoch ist dies überhaupt kein Problem. Einfach fabelhaft! So kann ich also glaubhaft mit Augenzwinkern versichern, dass sich folgende Geschichte so abgespielt hat, wie ich sie euch erzähle und wenn ihr Parallelen findet, wird sie noch glaubwürdiger.

Ein Dachs, der im Wald weithin als wunderbarer Architekt und Baumeister unterirdischer Behausungen bekannt war, hatte im Laufe seines Daseins tief im Inneren der Erde ein unübersehbares Labyrinth von Höhlen und Gängen angelegt mit etlichen Notschlupflöchern, ein wahrer Palast, ausgesprochen weiträumig angelegt. Da er zudem ein Reinlichkeitsfanatiker war, wurde es ihm mit der Zeit wirklich recht mühsam seine
Behausung in dem Zustand zu erhalten, der seiner Ästhetik entsprach. Mit anderen Worten: er gab einen Teil seines Besitzes einfach auf indem er dort nicht mehr verweilte.
Eines Tages kam zufällig Reinecke Fuchs, der Listige, an einem Eingang zu dem Dachsbau vorbei. Er suchte gerade eine Unterkunft vor den kalten Wintertagen und da er im Grunde die Arbeit, sich selbst eine Heimstatt zu schaffen, verabscheute, untersuchte er den Dachsbau auf Tauglichkeit, fand ihn passend und auch unbewohnt, was ihm einigen Ärger ersparte. Kurzer Hand nahm er freudig Besitz und machte es sich für eine längere Zeit bequem. Im Gegensatz zu Dachsen sind Füchse aber nicht besonders reinlich. So ließ er Überreste seiner Mahlzeiten einfach herum liegen, ja er genierte sich nicht einmal seine Notdurft in der Unterkunft zu verrichten. Auf diese Weise machte sich bald ein durchdringender Geruch bemerkbar, der sich durch den gesamten Bau verbreitete. Irgendwann erreichte der Gestank auch den Teil des Baues, den der Dachs noch bewohnte. Das störte Meister Grimbart gewaltig und so machte er sich auf, die Ursache dieses Desaster zu suchen. Er brauchte nicht lange herum zu irren, da stieß er auf den Teil seiner Wohnung in dem der Fuchs sich eingerichtet hatte.
Der Dachs stellte ihn wütend zur Rede: „ Was fällt dir Schweinigel ein, meinen Bau so zu versauen. Da lass ich dich hier schon umsonst wohnen und du richtest so einen Mist an. Nicht nur, dass dies total unhygienisch ist, du forderst die Jagdhunde geradezu heraus und gefährdest mit deinem Benehmen unser aller Leben….du…du.. MESSI,
du!“ „Pah,“ antwortete der Fuchs, “ich lebe, wie es mir gefällt, da hast du mir nicht drein zu reden.“ „Wenn du selbst so eine Lebensweise betreibst, wie willst du dann deinen Kindern als Vorbild dienen. Sie werden all den Schmutz auch in ihre Gedanken aufnehmen und nie zu wertvollen Mitgliedern der Waldgesellschaft werden, schämen solltest du dich,“ giftete der Dachs. Der Fuchs lachte ihm frech ins Gesicht, drehte ihm sein Hinterteil zu und furzte ihm zum Abschied noch auf die empfindliche Nase.
Der Dachs hatte die Schnauze voll und schwor sich nicht mehr einzumischen. Der Fuchs änderte sein Benehmen nicht sondern gab die schlechten Manieren an seine Welpen weiter. Und so blieb die Waldgesellschaft unverändert… nichts änderte sich.
Nichts? Eines Tages hörte man Hundegebell….

Schäden an der Gemeinschaft entstehen durch Nichteinmischung, Verlust von Vorbildfunktionen,
nachlässige Erziehung und Respektlosigkeit. Die Jugend braucht neben Vertrauen auch Leitung und Halt.
Hans Witteborg, Anmerkung zur Geschichte

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 03.03.2011. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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Die Gedichte begleiten durch die vier Jahreszeiten und erzählen wie die Natur erwacht, blüht und welkt, wissen von reicher Ernte zu berichten. Der Spätsommer im Park, winterliche Gefilde oder Mailandschaften scheinen auf. Der Autor verwendet meist gereimte Zeilen, zeigt sich als Suchender, der neues Terrain entdecken möchte. Der Band spricht von den Zeiten der Liebe, zeigt enttäuschte Hoffnungen und die Spur der Einsamkeit. Wut und Trauer werden nicht ausgespart. Es dreht sich das Kaleidoskop der Emotionen. Der kritische Blick auf die Gesellschaft und sich selbst kommt zum Zuge. Kassandras Rufe sind zu hören. Zu guter Letzt würzt ein Kapitel Humor und Satire. So nimmt der Autor seine Zettelwirtschaft aufs Korn, ein hoffnungsloser Fall.

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