H. Peter Wolzenburg

Am Heiligabend

Irgendwann an einem Heiligabend.
Draußen schneite es, klirrende Kälte ließ Eisblumen an den Fensterscheiben entstehen.
In der großen, stabilen, aus Baumstämmen gebauten Holzhütte, prasselte ein wohliges Feuer im Kamin. Aus dem Schornstein auf dem Dach kräuselte weißer Rauch hervor.
Vier Personen befanden sich in der Rustikalen Behausung, Mutter, Vater und zwei Kinder. Alle saßen um den großen Holztisch herum.
Die Eltern hatten ihr ganzes Geld an die Schneestadt überwiesen.
"Ohne diese Spende ist es leider nicht möglich, das der Chef vorbeikommt und Geschenke für die Kinder bringt". Sagte das Büro des Weihnachtsmannes, der auch Bürgermeister von Schneestadt war.
So saßen nun die Eltern mit den Kindern am Tisch und warteten auf den Weihnachtsmann. Ein erwartungsvolles Strahlen in den Augen der Kinder entschädigte die Eltern für Vieles. Mutter und Vater aßen das letzte Brot und die Kinder nagten an Plätzchen, welche die Mutter vom letzten Mehl gebacken hatte.
So sah das Festmahl dieser armen Familie aus. Allen knurrte der Magen.
Vater nahm die Hände seiner Frau in die seinen und drückte sanft, gab ihr zu Verstehen: "Alles wird gut meine Liebe, alles wird gut".

Es klopfte an der Türe, aufgeregt wippten die Kinder auf ihrem Holzschemel.
Vater stand auf, öffnete die Türe und sah keine Menschenseele.
"War wohl der Wind". Meinte er.
Als die Kinder keinen Weihnachtsmann sahen war die Enttäuschung groß.
"Hey, hier unten". Hörte der Vater eine Stimme. Auch die anderen vernahmen die Stimme und sahen nach unten.
Da saß ein Hase, der vor Kälte bibberte, mit einer mit bunten Eiern gefüllten Kiepe auf dem Rücken.
"Da bin ich, ich bin der Osterhase und wollte was vorbeibringen". Sprach der Hase mit vor Kälte zittriger Stimme". "Es ist Weihnachten". Sagte der Vater verwirrt.
Der Hase antwortete gelangweilt: "Ach tatsächlich, verdammt da bin ich aber viel zu spät gekommen". Er drehte sich um und hoppelte davon.
Die Idee haben und handeln geschah in gleicher Sekunde. Geistesgegenwärtig schlug der Vater die Türe von außen zu, damit die Kinder nichts mitbekamen und rannte dem Hasen hinterher. Mit drei, vier Riesenschritten hatte er den Unterkühlten und deshalb langsamen Hasen erreicht. "Hey Osterhase". Rief der Vater.
Der Hase blieb stehen, schaute sich um und sah eine Faust auf sich zukommen.
Die Faust schickte den Hasen ins Land der Träume. Vater holte erneut aus und brach dem Hasen, mit der Handkante, das Genick.
Grinsend dachte der Vater an ein Sprichwort was er mal hörte:
"Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben".
Schnell vergrub der arme Mann den Hasen unter einem Schneehaufen hinter dem Haus.
Der Weihnachtsmann sollte nicht unbedingt den toten Hasen sehen.
Dann nahm er die Kiepe mit den Eiern und ging ins Haus.

Die Kinder fragten nach dem Osterhasen und ihr Vater erklärte den Kleinen, wobei er seiner Frau zu zwinkerte, das der Hase auf dem Heimweg wäre und wegen dem hohen Schnee wollte er die Kiepe nicht weiter mit rumschleppen. Er hätte die Kiepe mit den Eiern dagelassen und guten Appetit gewünscht.
Die sättigenden Eier vertrieben schnell das knurren aus den Mägen dieser armen Familie.
Eine dreiviertel Stunde später lud der Weihnachtsmann die Geschenke ab und verschwand wieder mit seinem Schlitten in die dunkle Nacht.
Kurz darauf brachte Mutter die Kinder zu Bett.
Der Vater begab sich, mit einem scharfen Messer versehen, hinter das Haus und häutete den toten Hasen.
Am ersten Weihnachtstag aß sich die Familie an einem leckeren Hasenbraten satt.
Alle waren glücklich.

ENDE H.P.Wolzenburg - geschrieben im Oktober 2002

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