Helga Schmiedel

Gaukler und Koloss

Es ist Wochenende. Nachbarn und auch Gäste haben sich aufgemacht, um den Wildschwein-Nachwuchs am Rande des Waldes zu besuchen. Das Wildgehege von Förster Paulus ist nach wie vor ein Magnet. Die Sonnenstrahlen wärmen die Frischlinge. Sie liegen eng wie die Ölsardinen aneinander geschmiegt und dösen behaglich vor sich hin. Ihre Mutter, Bache Susi, bewacht von weitem die hell- und dunkelbraun gestreiften Frischlinge.

Neben mir steht das Mädchen Clara. Fasziniert betrachtet sie die Schwarzkittel, vor allem auch den Familienvater, Keiler August. Da flatterten vom Nachbargehege, wo das Damwild wohnt, zwei Schmetterlinge, Zitronenfalter, herein. Gemächlich segeln die zarten Gaukler über die Köpfe der Kolosse. Die Wildschweine lassen sich davon nicht stören. Da fragt Clara, die auch schon im Schnee das Wildgehege besucht hatte: „Was machen eigentlich die Schmetterlinge im Winter?“ Die Anwesenden sehen sich fragend an, aber eine Antwort weiß keiner so recht.

Ein schlaues Buch gibt zu Hause Auskunft. Und hoffentlich erfährt diese auch Clara. Die Schmetterlinge haben unterschiedliche Strategien über die kalte Jahreszeit zu kommen. Einige von ihnen leben nur ein paar Wochen oder Tage. Andere, wie die Zitronenfalter, werden bis zu einem Jahr alt. Sie suchen sich im Herbst einen warmen Platz. Das sind Baumhöhlen, Dachböden oder Holzschuppen. Sie brauchen ja nicht viel Raum und sind sehr bescheiden. Von den ersten Sonnenstrahlen im Frühling lassen sie sich wecken und flattern als erste durch Wald und Flur. Zu ihnen gehört auch das Pfauenauge, das ebenso als Falter den Winter verschläft.

Dann gibt es von den Schmetterlingen solche, die als Raupen oder Puppen über den einzigen Winter in ihrem Leben kommen. Beispielsweise der Schwalbenschwanz wickelt sich zu Beginn der kalten Jahreszeit in Blätter ein und spinnt einen wärmenden Kokon um sich, oder die Puppen vergraben sich in der Erde. Im Frühjahr kommen sie hervor und schlüpfen im April. Dazu gehört das Landkärtchen. Eine zweite Generation von ihnen schlüpft dann ab Juli. Dagegen überwintern die Raupen vom großen Schillerfalter völlig ungeschützt beispielsweise an Weidenspitzen. Schon im Sommer legt der Apollofalter seine Eier an Blütenstängel, die dort überwintern.

Es gibt aber auch Schmetterlinge, die einen langen Weg auf sich nehmen. Der Admiral überwintert im warmen Süden und wandert von dort im Frühling zu uns ein. Von Nordafrika kommend, fliegt der Distelfalter über unsere Gefilde bis nach Skandinavien hoch!

So unterschiedlich die Schmetterlinge auch sind, eines haben sie gemeinsam: In ihren bunten Farben sind sie wunderschön anzusehen!

Die zwei Zitronenfalter, die die Wildschweine umgaukelten, gehören zu den bekanntesten Schmetterlingen. Sie überwintern, wie gesagt, als Falter, und sie werden bis zu zwölf Monate alt. Die Kolosse im Wildgehege sind mit bis zu achtzehn Jahren wahre Methusalems gegenüber den flatternden Gauklern. Bald ziehen sich diese zurück, aber im Frühling und Sommer ist das Betrachten immer wieder ein wahres Erlebnis!

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das sich naturgemäß dann dreht
und schnelle ganz geschwind,
aus diesem Lüftchen wird ein Wind,
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vor den Gewalten der Natur.
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