Paul Rudolf Uhl

Equipment

 

Am Maifeiertag machten wir eine Radltour: über den Fünferlsteg, jenseits des Inn fuhren wir bis Wernstein, wo Einkehr war auf einen „Großen Braunen“ und weiter, nach Schärding. Wir hätten gerne das Schiff genommen zurück bis Ingling, aber es war schon weg. Aber macht nichts, dann radeln wir eben auf der linken Innseite hinunter, schauen im Klettergarten ein bißchen zu und kehren beim Tony in Neuhaus noch ein, dann erst strampeln wir heim!
Bleibt aber kurz vor der Heimstatt noch der Fuchsbauernberg, der fordert, das Radl in der Hitze noch 12 Minuten den 22 % steilen Berg hinauf zu schieben, weil wir ja keine 21 Gänge haben wie die Mountainbikes...
 
Zugegeben, wir haben halt noch ein altmodisches Equipment, nur 7 Gänge Nabenschaltung, was ja nicht viel besser ist als die Dreigangschaltung. Und schwer sind unsere Räder, sauschwer! Nix mit Alu- Rahmen! 800 Mark hatten sie ja auch mal gekostet und sie sind sehr solide, werden bestimmt noch 25 Jahre halten – so´n Quatsch, so lange können wir gar nicht radfahren!
 
Die Sportskameraden, denen wir begegnet sind – und erst recht die, welche uns überholten: haben da nicht ein paar ein bißchen mitleidig gelächelt? – Nun gut, ich hatte ein verwaschenes, ehemals oliv-farbiges T-Shirt an und einen grünen Seidenblouson um die Hüften gewickelt, falls es windig würde. Und die gute, grüne Jeans an. Aber Snickers- Schuhe, als sportliches Acces-soire...! - Gerlinde sagte vorhin  „Laubfrosch“ zu mir, weil alles grün bzw. oliv war.
Meine Kopfbedeckung war eine graue Sportmütze, früher sagte man Schlägermütze dazu - gut, um die Stirn vor der Sonne zu schützen!
 
Ihre Hose aber zwickte auch etwas, wie sie mir gestand und die Jeansjacke war vielleicht ein bisserl warm. Die Handtasche hatte sie an den Lenker gehängt, praktisch und griffbereit, das Handy darin und die Geldbörse.
Aber besser sehen die modernen Radfahrer schon aus, wenn sie mit ihren, chromblitzenden, luft- oder öldämpfergefederten Radrahmen vorbeiziehen, 21 oder 28 Gänge drin und hoch-gezogene Lenkstangen (aber so heißt das ja heute sicher nicht mehr!) mit Griffschaltung –
 
Und erst das Outfit! Die Helme sind ja zum Teil phantastische Schöpfungen, mit eingebauten Kopfhörern, das Hemd ist fetzig gestreift in Neon- Farben, die Hose schrill bunt mit Schaum-stoffeinlagen, die Stümpfe oder Socken aus reflektierenden Sicherheits- Lycra.
 
Im Vorbeifahren glaubte ich mal, Nobelmarken wie das kleine Krokodil, Boss oder Nike gesehen zu haben – aber das sind sicher schon Marken, deren Popularität in den Neunzigern hoch war und die nun schon im Auslaufen begriffen sind...?
Die mehrfarbigen Schuhe sind natürlich auch aus bestem Hause.
Deren Wimmerl ist auch leuchtend signalfarbig und elegant an den verlängerten Rücken geschnallt – da kann ich mit meiner auf den Gepäckträger geklemmten Ledertasche, in der ein Halstuch, meine kleine Kamera, Tempo- Taschentücher und vom letzten Tanzabend sogar noch immer der bunte Fächer ist, nicht konkurrieren!
Und erst Gerlinde´s an den Lenker gehängte Handtasche! So ein Anachronismus!
 
Aber recht verschwitzt sahen die meisten schon aus, weil diese modernen Fasern ja keine Ventilation erlauben und mein Baum-woll T-Shirt  nimmt meinen Schweiß dankbar auf – falls ich überhaupt ins Schwitzen komme...
 
Und Klingeln scheinen diese Luxus-Räder auch nicht mehr zu haben, da muss gepfiffen oder gerufen werden – oder eine warnende, lautstarke, kurze Vollbremsung, die auch Krach macht, ist von Nöten...
Vielleicht ist doch nicht alles Gold, was glänzt...

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 28.03.2011. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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