Christina Dittwald

Am Hochzeitsmorgen

 


Es war im März 1971, der Morgen meiner Hochzeit., im Haus meiner Eltern. Das ganze Haus war voll von Verwandten und  Freunden, die sogar aus Frankreich angereist gekommen waren.
Also gemütlich war es nicht, ich als Braut musste mich um 6 Uhr morgens  duschen, weil die Zeit im Bad pro Person genau eingeteilt war.
 
Papa nervte das Gewusel, mich genauso, und so beschlossen wir, zusammen unter dem Vorwand, für alle Brötchen zu besorgen, zu flüchten.
 
Wir gingen durch ein nahes Wäldchen und Papa erzählte mir mit einem Kloß im Hals,
wie er mit mir als kleines Mädchen immer an dem kleinen Bach Kaulquappen gefangen hat
und wie wir in einem Einweckglas Brackwasser mitgenommen hatten, um es unter dem Mikroskop zu untersuchen . In einem Tropfen Wasser hatten wir unseren Privatzoo mit Pantoffeltierchen und Rädertierchen.
 
Mein Papa spielte keine Brettspiele mit mir, aber er erfand Geschichten von der Panzerknackerbande – mit Fortsetzung – er entwickelte mit mir Fotos in seiner Dunkelkammer und ging mit mir in das beste Restaurant der Welt : den Erfrischungsraum von Karstadt in Essen, wo es Ragout Fin mit extra Zitronenscheibe in einem silbernen Dingelchen zum Auspressen gab und Worcestershiresauce.
 
Also  schlenderten wir so vor uns hin und Papa erzählte mir, wie sehr er sich für mich freut, dass ich heute so einen guten Mann heirate – und behauptete, ihm würden dauaernd Pollen in die Augen fliegen.
 
Dann fragte er : Sag mal, habt ihr eigentlich schon alles für eure Wohnung zusammen? Das ist doch sicher sehr teuer.
 
Ich meinte , ja, da müssen wir noch kräftig für manches Möbelstück sparen.
 
Daraufhin fummelte er in seiner Anzugtasche und holte einen Scheck heraus.
Er hatte 4 Jahre lang jede Mark, die ich meinen Eltern von meinem Gehalt als Kostgeld gegeben hatte, für mich gespart – und da war es mit meiner Fassung vorbei.
 
Wir gingen dann schweigend zum Bäcker, der meinte : Ach, schon so gerührt ? Heute ist ja der große Tag ! Alles Gute.
Das ist jetzt 40 Jahre her – gerade habe ich mit meinem lieben Mann Hochzeitstag gefeiert – die Rubinhochzeit – und bin heute 10 Jahre älter, als es damals mein Papa war , der vor zwei Jahren verstorben ist.
Gut, dass ich 10-Finger-blind tippen kann , denn sehen tue ich gerade nicht viel !

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