Alexander Vogt

Mein zweiter erster Schultag

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Ich hatte mein Leben in den Griff bekommen. Ich hatte endlich das, woraufhin ich die letzten Jahre intensivst hingearbeitet hatte: Ich hatte meine Stelle sicher, eine eigene Wohnung, ein eigenes Auto und was ganz besonders wichtig war: Ich fühlte mich großartig!
Mein Studentenleben zwischen Uni und Freundeskreis war eine feine Zeit gewesen und auch die übrigen Schauplätze, die ich in meinem bewegten kurzen Leben gesehen hatte, waren bisweilen anheimelnd gewesen.
Es war schön auf seine Vergangenheit zurückblicken zu können und sich dabei eingestehen zu dürfen, dass man sie kaum besser hätte bestreiten wollen.
Was wie ein Ende einer alten Zeitspanne anmutete, war in Wirklichkeit die Geburt einer neuen, nur ohne Geburtswehen.
Ich zupfte mir überflüssigerweise mein dunkles Sakko zurecht und verließ den Parkplatz. Bereits auf dem Pausenhof herrschte reges Treiben. Gerade die Kleinen schienen nach den langen Sommerferien überglücklich zu sein, endlich wieder mit ihren Schulfreunden vereint zu sein. Die Oberstufenschüler gingen zwar auch fröhlich, aber mit einem wissenden Ausdruck im Gesicht, wieder ans Werk, dass die Schule weder so schön werden würde, wie man es wünschen könnte, noch so schlimm, dass man sich davor fürchten müsste.
Mein Herz klopfte freudig erregt und ein wenig unsicher, als ich mit meiner Notebook Tasche unter dem Arm den kleineren Eingang zu dem Gebäude nahm.
Mein erster Tag! Ich glaube, neben den winzigen Fünftklässlern, die vielleicht zum ersten Mal dieses Gebäude betraten, war ich mit am aufgeregtesten.
Ich betete still ein: `Gott, ich bin bereit! Kommst du mit?´ schluckte einmal und betrat das Lehrerzimmer.
Plaudernde Lehrer und fröhliche Mienen bestimmten den Raum. Auf den langen Tischen standen Kaffee und Kuchen um den Start ins neue Schuljahr gleich mit einem angenehmen Stimulus zu koppeln und so diesen Neubeginn selbst als angenehm erscheinen zu lassen.
Ich strahlte über beide Ohren und legte meine Tasche auf einen noch freien Platz.
Ein Becher Kaffee und zwei Stück Marmorkuchen und ich setzte mich zu ein paar anderen jüngeren Kollegen.
„Morgen, Herr Sommer, schon aufgeregt?“ Der gesunde Mitvierziger mit leicht schütterem Haar blickte mich gutgelaunt an und nippte an seinem Kaffee.
Ich nickte lächelnd: „Mehr neugierig, als aufgeregt. Ich habe gleich jetzt meine erste Stunde bei einem meiner Leistungskurse.“
„So, so,“ meinte er kauend „dann viel Freude. Es ist gerade für den Einstieg schöner mit der Oberstufe anzufangen, die sind nicht so wibbelig.“
Ich nickte und widmete mich auch wieder meinem Kuchen. Das Lehrerkollegium umfasste fast hundert Lehrer, der Altersdurchschnitt dürfte etwa bei Mitte vierzig liegen, ein verhältnismäßig guter Schnitt. Graue Strähnchen waren allerdings schwer zu übersehen, auch bei den jüngeren Kollegen. Die Kolleginnen schienen den Stress besser zu verkraften und sahen fast alle vitaler aus als wir Männer. Dabei war dies schon ein unschuldiges Gymnasium in einer Kleinstadt mit nur vierzigtausend Einwohnern. Ja, ich hatte wirklich Glück gehabt!
Ich sah heute zum ersten Mal alle Lehrer des Silberstein Gymnasiums in einem Raum und mit einem selbstironisch-amüsiertem Lächeln quittierte ich, dass ich nicht nur zu den jüngsten Kollegen gehörte, sondern anscheinend auch noch der attraktivste war.
Nicht nur, das Singles generell mehr auf ihr Äußeres achten, aber in aller Bescheidenheit: Ich sah gut aus! Ich schmunzelte über diesen narzisstischen Gedanken und erinnerte mich an ein, zwei Erlebnisse in meiner Referendariatszeit, die meine Theorie bestätigt hatten:
Ich beschloss das Comeback dieser Erlebnisse zu verhindern durch einen einführenden Satz in einer jeden neuen Oberstufenklasse...
Einige der jüngeren Kolleginnen konnten sich auch durchaus sehen lassen. Es war angenehm, nicht wie der Grünling unter lauter alten Hasen dazustehen.
Ganz wie es mein Stil war, nahm ich nicht groß Kontakt zu meinen Kollegen oder Kolleginnen auf, sondern blieb eher für mich. Kontakt würde sich früh genug ergeben und so schüttelte ich nur dem Direktor kurz die Hand und ließ mir viel Freude und neue Erfahrungen in meiner neuen Position wünschen, dann setzte ich mich wieder an meinen Platz und ging noch mal im Geiste den heutigen Unterrichtsstoff durch.
Noch wenige Minuten bis zum Gong. Meine Finger waren ein wenig fettig vom Kuchen, so ging ich rasch noch auf die Toilette, um sie mir zu waschen.
Im Spiegel fiel mir auf, das ich vielleicht ein wenig overdressed war, aber nun ja...ich wollte meinen Dienst eben nicht mit Häkelpulli und Birkenstock antreten!
Der Gong erklang. Ich eilte in den kleinen Flur zwischen Pausenhalle und Lehrerzimmer.

Eine junge kleine Kollegin, die sich beim Laufen wohl gerne über die Schulter mit anderen unterhielt, lief fast in mich hinein.
Ich konnte noch ausweichen, aber mit ihrer spitzen, knochigen Schulter erwischte sie noch übel einen Punkt unmittelbar unter meinem Solar Plexus. Ich musste kurz nach Luft schnappen.
„Oh, Verzeihung,“ meinte die Person spöttisch lächelnd. Aus ihrem Mund gesagt klang es eher wie ein: „Es war zwar ein Versehen, aber ich hätte es absichtlich kaum besser machen können!“
Sie hatte blaugraue Augen mit niedlichen Lachfältchen darunter, hatte schöne brünette schulterlange Haare und war ganz und gar lästig. Das erste, was sie nach ihrem gemeinen Bodycheck tat, war meinen blauen Schlips zurecht zu ziehen, mir einen freundschaftlichen Klaps auf die Wange zu geben und kritisch meine Aufmachung zu prüfen: „So, sitzt wieder alles, wie es sich gehört. Schickes Jäckchen, aber ein Rolli von der Farbe würde Ihnen besser stehen! Viel Spass heute und keine Ursache für die Typ-Beratung.“
Sie verschwand in der Pausenhalle. Eigenartigerweise steckte ich diese flapsige Behandlung nicht ohne weiteres weg, sondern blickte der Kleinen finster nach. Immer diese Hühner!
Mir fiel jedoch rechtzeitig wieder ein, das ich ja gut gelaunt war. Ich nahm nur schnell die Notebook Tasche an mich und machte mich auf zu meiner ersten Stunde als ordinierter Lehrer. Meine spöttische Selbstverliebtheit trat wieder mit aller Fröhlichkeit hervor als ich mit dem Notebook unterm Arm den Gang zu Raum 403 hinunter ging. Ich war Lehrer!
Endlich, nach all den wilden Jugendträumen hatte ich es doch noch geschafft, den richtigen Beruf zu ergreifen und auszuüben. Ich war zwar schon neunundzwanzig und ein alter Sack, aber dank meines glücklichen Singlelebens sah ich noch viel jünger aus...
Die einzigen Sorgen, die mir bisher zugesetzt hatten, waren die um meine eigene Person. Was für ein Glück, dass ich mich selbst nicht für besonders wichtig hielt, so hatte ich mich erfolgreich vor den wirklich ernsthaften Sorgen drücken können.
Seit ich zu der Einsicht gekommen war, dass nur das Singledasein das Wahre ist, wozu ich jeden Morgen komme, war überdies dies melancholische Lächeln aus meinem Gesicht nicht mehr wegzudenken. Es war eigentlich ein echtes Lächeln, melancholisch wurde es nur, wenn mir aufging, warum ich eigentlich lächelte...
Da war sie nun, die Tür des Raumes 403. Ich holte noch einmal tief Luft und ging hinein.

Die Gespräche wurden sofort merklich leiser oder verstummten augenblicklich. Einunddreißig Paar Augen blickten mich neugierig an und aus Sprechen wurde Flüstern.
Als ich hinter dem Pult stand war schließlich absolute Ruhe. Der neue Lehrer war da. Mein Lächeln wurde noch ein wenig herzlicher. Über das Geschick dieses Leistungskurses, dieser Schüler hatte ich die nächsten zwei Jahre bis zu ihrem Abi zu wachen.
Was würde der Neue wohl für ein Mensch sein? Ist es ein strenger Lehrer, bei dem man für 9 Punkte schon mit harten Bandagen kämpfen muss, ist er ein Labersack, der trotzdem harte Klausuren schreibt? Oder ein Weichei, bei dem man mit ein bisschen Schleimen und regelmäßigen Hausaufgaben schon wie ein Stern am Himmel steht?
Abschätzend blickten mich die Oberstufenschüler an. Die meisten waren fast achtzehn und wenn eins für dieses Alter charakteristisch ist, dann dass man glaubt, total erwachsen zu sein und fast alles zu wissen!
   Ich war eher der Lehrertyp, der seinen Schülern nur das vorgegebene Wissen vermitteln will und die Bequemlichkeit der Schüler von seiner eigenen Person her kennt und so durch regelmäßige kleine Leistungsnachweise ihre Denkmaschine in Gang hält. Ich würde sie zum Lernen zwingen, aber durch so viele Argumente, eine so ehrliche Freundlichkeit und eigenes Engagement, dass sie diese Aufgaben fast schon allein aus Schuldigkeit sich selbst und mir gegenüber erfüllen würden. Diese nette kleine Utopie eines Systems nahm ich mir als Richtlinie und doch schien sie von mancher Stunde zur nächsten immer wieder Wirklichkeit werden zu können...
„Einen wunderschönen guten Morgen.“ Ich sah fröhlich in die jungen Gesichter.
„Morgen,“ erklang es ein wenig verwundert.
„Wie sie alle bereits wissen werden ist mein Name Sommer, ihre Namen sind mir leider noch nicht geläufig, daher bitte ich sie, mir gleich einen Sitzplan anzufertigen. Wären sie so freundlich das für mich zu erledigen? Sie haben ja einen guten Überblick über die Klasse.“
Ich blickte ein wohl sehr schüchternes Mädchen mit Brille in der letzten Reihe an, das sogleich ein Blatt herausholte und kaum nickte.
„Da wir einige Stunden an diesen schönen Vormittagen Ausflüge in die letzten Jahrhunderte und die Neuzeit zusammen unternehmen werden, würde ich meine Mitreisenden doch gerne besser kennenlernen. Erlauben sie mir mich zuerst vorzustellen: Ich bin also Herr Sommer und sie sind mein erster Leistungskurs für Geschichte. Als zweites Fach unterrichte ich Deutsch.
Nun denke ich, dass sich ihr Kurs aus zwei Teilen zusammen setzt: aus den einen, die sich für Geschichte wirklich interessieren, und den anderen, deren Herz ich für dieses Fach gerne erwärmen möchte. Wie der große dicke Außenminister Churchill schon sagte: `Wer die Geschichte nicht kennt, der muß sie wiederholen´. Das möchte ich ihnen in beiden denkbaren Bedeutungen ersparen.“  Die Klasse schmunzelte, ich auch.
„Ach...und noch eine nicht ganz ernst zu nehmende Bemerkung am Rande. Ich habe in meiner Referendariatszeit gelernt, dass es sich vielleicht als ganz dienlich erweisen könnte, sie darauf hinzuweisen, dass ich bereits in festen Händen bin: Ich bin mit der Muse verheiratet.“
Getuschel und amüsiertes Grinsen gerade in den hinteren Reihen.
„So, kommen wir zu ihnen. Ich werde Sie, wenn Sie nichts dagegen haben, weiterhin siezen aber beim Vornamen ansprechen. Mich interessiert vor allem Ihr anderer Leistungskurs und welcher Beruf für Sie möglicherweise in Frage kommt. Fangen wir gleich hier vorne an!“
Ich nickte dem Jungen in der ersten Reihe ganz rechts zu.
„Mein Name ist Florian Sehlbach, ich habe noch Mathe Leistung und möchte Maschinenbauingenieur werden.“
„Christina Otter, ich habe Bio Leistung und weiß noch keinen passenden Beruf.“
„Silke Neumann, ich habe auch Bio Leistung und will Tierärztin werden.“
„Tom Zellweger, Deutsch Leistung, Historiker.“
Die Klasse schien mir vielversprechend, aber das ist wohl jede Klasse. Mir wurde schließlich die Klassenliste gereicht und ich schaffte es sogar noch mit ihnen eine umfassende Einführung in die Verhältnisse in Europa vor Napoleons Zeiten zu machen und die ersten winzigen Hausaufgaben aufzugeben.
Als ich später sehr selbstkritisch im Lehrerzimmer über die erste Doppelstunde nachdachte, fiel mir so manches ein, was ich hätte besser machen können und vieles, dass ich vielleicht zu ernst behandelt hatte.
Eigentlich war es ganz gut gelaufen, schließlich war ich nicht zum persönlichen Amüsement der Schüler da, sondern für die Bildung ihrer Köpfe und ihrer Chancen im Beruf.

Ich konnte zufrieden sein und verwarf die Selbstzweifel recht bald wieder. Ich lächelte und gerade jetzt kam auch die kleine brünette Kollegin wieder herein gefegt. Sie lächelte auch über beide Ohren, warf ihre Jacke an den Kleiderständer, lief zum Kaffeeautomaten, setzte sich,
legte die Beine übereinander und schnappte sich eine herumliegende Zeitung...
Ich ging zu ihr hinüber und nahm direkt neben ihr Platz. Ich wollte ihr an Frechheit um nichts nachstehen und drückte ihre Zeitung herab um ihr in die Augen blicken zu können.
„Hi.“
Sie blickte nur eine Sekunde irritiert, fand dann aber ihren Schneid wieder.
„Hi.“
„Wir hatten bereits das Vergnügen, auch wenn man das nicht so bezeichnen muss.“
„Und um das zu sagen sind Sie extra zu mir gekommen?“
„Eigentlich wollte ich mich Ihnen vorstellen. Sommer.“
„Kein Vorname?“
„Für Sie bin ich Herr Sommer.“
„Na hören Sie mal Linus, Sie sind auch nicht viel älter als ich.“ 
Ich muss gestehen, dass ich ein wenig überrascht war, daß sie meinen Namen wusste! Ich hob eine Braue.
„Na, da staunen Sie. Ich heiße übrigens Liebig.“
„Lassen sie mich raten! Olga.“
„Pfui, nein! Sie halten mich doch für keine Olga?!“
„Na, eine Heidi sind sie nicht gerade.“
„Na, vielen Dank! Wenn ich es nicht wüsste, hätte ich Sie auch für einen Horst gehalten.“
„Das war aber jetzt unter der Gürtellinie. Ich sage, dass Sie keine Heidi sind und Sie beschimpfen mich gleich. Wie heißen sie denn nun? Oder soll ich sie einfach Schönchen nennen.“
„Aha!“ Sie zog, Empörung mimend die Luft ein: „Sie glauben also, das ich mich für schön halte und so eine kleine Zicke bin!“
„Das mit der Zicke haben Sie gesagt, aber klein sind Sie wirklich, Sie Schönchen.“
   Sie knuffte mich fest mit der Faust in den Bauch, blickte sich dann gleich, sehr überrascht von ihrer eigenen Reaktion, im Lehrerzimmer um, ob ihr jemand zugesehen hatte. Sie hatte Glück.
Sie wurde leicht rot, was ganz niedlich an ihr aussah.
„Verzeihung.“
„Wenn es ihnen soviel Spass gemacht hat wie mir, boxen Sie mich doch bei Gelegenheit wieder, man sieht sich!“ Ich lächelte ihr herzlich zu und erhob mich.
Die folgenden zwei Stunden hatte ich eine fünfte Klasse ebenfalls in Geschichte. Die Kleinen waren noch so brav, was ich nur darauf zurückführen konnte, dass das ihr erster Schultag am Gymnasium war. Später würden sie von Lämmern zu tollwütigen Hunden und Hühnern werden.
Fröhlich fuhr ich heim. Noch eben die Vorbereitungen für morgen und ich hatte frei.
Ein paar Konferenzen und Klausuren noch zu dem normalen Stundenpensum und das war’s.
So konnte das Leben weitergehen. Ich machte eine Flasche Weißwein auf, legte die Füße hoch und schob Good Charlotte in den CD Player. Punk ist Stimmung und ich war irgendwie glücklich!

                        2
Am nächsten Morgen stand ich vor meinem Wandschrank, um mein Sakko zu holen, da fiel mein Blick auf meinen Stapel mit dunklen Rollis. Was hatte die Kleine noch über Rollis gesagt?  Wie war überhaupt gleich ihr Name?
Ich war schon in der Versuchung einen anzuziehen, aber ich wurde dann doch nicht schwach.
Diesmal spielten die Ampeln nicht mit, so kam ich gerade noch pünktlich zur ersten Stunde in eine sechste Klasse. Die kleinen Stinker hier waren voll in der Vorpubertät und machten Krach wie die Broker, wenn ein Kurs völlig einbricht.
„Herr Lehrer, der Karsten hat der Anina ihr Mäppchen geklaut und irgendwo versteckt.“
Das kleine Kind zog mich wichtig am Ärmel und schien ziemlich aufgebracht. Ich war noch nicht einmal in der Klasse drin, da lief ein kleiner Junge aus dem Raum und stolperte mir fast über die Füße.
Ich schnappte den Bengel gerade noch am Kragen und drehte ihn zu mir hin. Mein Kommen war nicht unbemerkt geblieben:
„Der Lehrer ist da,“ ging es lautstark für drei Sekunden um, und ein wildes Getrampel ging los bis alle Mucksmäuschen still in ihren Bänken saßen.
„Na, wie heißt du?“ fragte ich den Bengel, bevor ich ihn wieder freigab.
„Thorben,“ meinte der Kleine frech.
Das würde eine spannende Stunde werden, das stand fest. Ich machte es also von Anfang an klar, wer der Boß war! Das der Boß auch kleine Kinder frißt, vermittelte ich ihnen eher subtil.
Als fünfundvierzig Minuten später der Gong ertönte, war es immer noch angenehm leise im Raum. Jetzt noch eine zehnte Klasse und dann war Pause.

Die große Pause im Lehrerzimmer war sehr geruhsam. Ich hielt nach der Kleinen Ausschau und war seltsamerweise ein wenig enttäuscht, sie dort nicht zu sehen. So trank ich nur einen Kaffee und überflog kurz meine nächste Stunde am Notebook.
Dieser Kurs war ein Deutsch Leistungskurs der Stufe zwölf. Der Lehrer, der ihn bisher hatte, war chronisch erkrankt und so schickte man aus Lehrermangel mich.
Mit diesem Kurs würde ich auch in der kommenden Woche auf ihre Abschlussfahrt gehen!
Da ich nicht das Klischee ausfüllen wollte, ich würde mich dank absoluter Phantasielosigkeit jedem Kurs auf die gleiche Weise vorstellen, führte ich mich anders ein.
Diese Klasse war so sehr erwachsen und mit sich selbst beschäftigt, dass ich erst die Aufmerksamkeit auf mich zog, in dem ich die Klassentüre schloss. Es war schnell ruhig und als nicht unangenehm empfand ich nun die besondere Aufmerksamkeit, die mir vor allem die weiblichen Kursteilnehmer spendeten.
Ich musste mich zusammenreißen, um nicht durch irgendeine Geste zu zeigen, dass mir das aufgefallen war, das hätte mich reichlich albern erscheinen lassen.
Dennoch fand ich später den Gedanken so amüsant, dass einige der Mädchen doch ein bisschen zu neugierig guckten, dass ich ihm nachgab: Ich stellte ihnen nach einer etwas umfangreicheren Vorstellungsrunde kurz die Möglichkeit frei, noch weitere Fragen zu meiner Person und meinem Programm für ihr letztes Schuljahr zu stellen.
Ich gab das Wort immer von Schüler zu Schüler. Die anscheinend sehr wichtige Frage wurde auch bald von einer Abiturientin gestellt: „Wie alt sind Sie?“
Belustigte Blicke unter einigen der Abiturienten.
„Wie alt schätzen Sie mich?“
„Das ist gemein.“
„Dreihundertneunundvierzig Monate, um genau zu sein. Da ich hier vor einem Deutsch Leistungskurs stehe, rechne ich nicht damit, dass das vor morgen jemand ausgerechnet hat.“
Belustigung.
„Haben Sie Kinder?“
„Ich habe doch Sie.“ Theatralische Empörung. Die Klasse mochte mich.
„Keine Fragen mehr? Sehr gut. Laut Lehrplan sind sie mitten in der Lyrik hängengeblieben, das ermöglicht einen sehr schönen Einstieg in das letzte Schuljahr. Machen wir also ein paar Fingerübungen und schreiben Haikus.“

In der zweiten großen Pause las ich noch einmal schmunzelnd, was meine Schüler in den ersten zehn Minuten so verbrochen hatten:
`Sonnenblume groß
wächst farbenfroh `gen Himmel
spendet mir Schatten.´
Das war noch eines der besten. Auch nicht übel aber nicht das übliche Naturmotiv im Mittelpunkt war:
`Es ist schwer zu sehn
des glücklichen Lächelns Grund
wenn das Herz blind ist.´
Ich hatte wohl einige lyrisch angehauchte Schüler. Sehr erheiternde Haikus gab es auch:
`Der Pillendreher
spielt mit Mist und formt den Dung
Jedem das Seine.´
„Na, Herr Kollege, was lesen sie denn da lustiges?“
Die niedliche kleine Kollegin vom Vortag setzte sich zu mir. Ich spürte, wie sich meine Mundwinkel unwillkürlich den Ohren näherten, was ich als ein gutes Zeichen deutete.
„Ach, die Kollegin Liebig, ich hoffe doch, Sie sind heute ein bisschen zärtlicher zu mir als gestern.“
Sie schmunzelte und durch ihre süßen Lachfältchen unter den Augen schien es immer so, als sähe sie einen von unten her verschwörerisch an. Vielleicht lag es auch daran, dass sie einen fast immer von unten her ansah, weil sie selbst im Sitzen noch klein war.
„Das Recht Sie zu schlagen möchte ich mir gerne vorbehalten. Sie lesen die Haikus ihrer Schüler nehme ich an? Haben Sie nicht die Stufe 12? Ist eine nette Stufe. Sie unterrichten doch Deutsch und Geschichte?“
„Ich glaube kaum, dass das eine Frage war! Wahrscheinlich wissen Sie auch noch welche Schuhgröße ich habe und wie ich meinen Kaffee mag.“
„Sie überschätzen sich. Aber ihren Kaffee mögen sie schwarz mit viel Zucker.“
„Aha!“
„Dafür wette ich, wissen Sie immer noch nicht, wie ich überhaupt heiße!“
„Nun...“ Ich war ein wenig verlegen, denn ich hätte beinah sogar ihren Nachnamen wieder vergessen. Ich musste mich gestern bei mir daheim erst wieder an ihn erinnern.
Das lag wohl daran, dass sie viel zu gut aussah, als dass ich in unserem kurzen Gespräch am Vortag auf solche Nebensächlichkeiten wie ihren Namen hätte achten können, wo sie mir doch leibhaftig gegenüber gesessen hatte!
„Dürfte ich denn Ihren Namen erfahren?“
Sie räusperte sich: „Susanne.“
Es war irgendwie komisch, dass sie sich erst räusperte und so ernsthaft ihren Namen nannte: als wenn sie dadurch ihrem Namen besondere Bedeutung für mich beimessen wollte! Ich verzog die Mundwinkel. Wie bei einem unterdrückten Lachen.
„Was?“ fragte sie im forschem Ton.
„Ich finde Sie komisch.“
„Wissen Sie, genau das hätte ich jetzt nicht von Ihnen hören wollen.“
„Was hätte ich denn sonst sagen sollen? Ja, ich will?“
Sie verpasste mir wieder einen Hieb in den Magen. Diesmal blickte sie sich aber nicht um, sondern lachte mit mir.
„Meine liebe Susanne Liebig, wie sie ja bereits wissen ist mein werter Name Linus, und da wir uns ja sowieso nicht altersgemäß benehmen, würde ich vorschlagen, wir duzen uns.“
„Ich habe nichts dagegen und was heißt hier nicht altersgemäß? Wie alt sind Sie?“
„Wie alt sind SIE?“
„Pah!“ Sie blickte kurz bei Seite, ihr Gesichtsausdruck wurde dann jedoch spöttisch amüsiert und sie ließ sich auf das Spielchen ein.
„Na gut, raten sie.“
„Fünfundzwanzig.“
„Du willst mich testen, stimmt’s? Wenn ich jetzt geschmeichelt den Kopf abgewendet hätte, hättest du wieder gelacht.“
„Nein, tatsächlich nicht! Ich dachte, ich könnte gut schätzen.“
„Ach du...“ sie blickte geschmeichelt zur Seite. Aus mir platzte ein kurzes lachendes Grunzen heraus, es war verflixt schwer gewesen, solange ernst zu bleiben. Susanne sah mir geschlagen lächelnd in die Augen.
Ich lachte zunächst fröhlich weiter, wurde aber schnell wieder ernst, als ich in ihren schönen blauen Augen sehen konnte, worüber sie gerade nachdachte!
Ich schluckte, als mein Herz einen kurzen Satz tat, das ging mir alles ein bisschen schnell!
Ich stand auf, was sie anscheinend kaum verwunderte. Ich musste wohl ziemlich aus dem Konzept gebracht wirken.
„Verzeihung, ich wollte dich...Sie nicht veralbern. Sie sehen wirklich sehr jung aus.“
Jetzt hatte ich mich auch noch selbst verraten. Es war höchste Zeit hier wegzukommen.
„Ich muss noch eben zum Wagen Unterrichtsmaterial holen, bevor die nächste Stunde beginnt.“
Der Gong war mein Verbündeter, er läutete. Doch ihr Blick in diesem Moment würde mich noch lange verfolgen, er sagte: „Lauf du nur, vor mir verstecken kannst du dich nicht.“

Ich hatte mich schnell wieder im Griff und die kommende und letzte Stunde hatte ich die Stufe zwölf vom Vortag. Französische Revolution. Man muss als Lehrer sein Fach schon lieben, um den immer und immer und immer wieder gleichen Brei nicht nur selbst zu löffeln, sondern ihn auch noch seinen Schülern schmackhaft zu machen. Noch ein paar Stunden und mein persönlicher Liebling Robespierre, der jeden Filmschauspielerbösewicht in den Schatten stellt, würde wieder durch die Köpfe meiner Schüler spuken.
Auf dem Lehrerparkplatz war ich wieder die Souveränität in Person. Ich stieg beruhigt in meinen alten Passat, kuppelte und fuhr los. Wieder Chef.
Diese kleine Brünette hatte mir tatsächlich ein wenig den Kopf verdreht! Ich dürfte sie jetzt nicht zu nah an mich herankommen lassen, denn dann würde ich als bald wieder als Narr dastehen.
Sie sollte mich lieber die Rolle ihres netten Kollegen, die Rolle eines sympathischen gewitzten jungen Mannes beibehalten lassen, als diese prächtige Schale zu knacken.
Vor allem musste ich darauf achten, dass sie dazu überhaupt keinen Ansatzpunkt bekam. Die Aktion heute war schon dumm genug gewesen.
Ich war ein happy single und warum ich das bleiben wollte, ging keinen etwas an.
„Gott, hilf mir dabei, dass ich jetzt nicht das versuche, was ich all die Jahre zuvor erfolgreich in den Sand gesetzt habe.“

                        3
Auf den kommenden Donnerstag freute ich mich schon besonders, denn meine besten Freunde und ich machten eine große Party im benachbarten Freiburg, um den Masterabschluss meines Freundes Tom und meine Stelle als Lehrer zu feiern.
Gestärkt mit diesem Gedanken und meiner wiedergewonnenen Selbstsicherheit setzte ich mich gleich in der ersten Pause ins Lehrerzimmer und trank gemütlich einen Kaffee. Mit viel Zucker versteht sich.
„Na, Herr Kollege, haben Sie sich schon eingelebt in den ersten zwei Tagen? Meine Schüler sind mit ihnen recht zufrieden.“
Ich blickte den großen Mann neben mir an. Anfang fünfzig, Typ: Mathelehrer. Gesalzene und gepfefferte Haare und ein angenehm hartes, aber freundliches Gesicht. Irgendwie kam er mir bekannt vor.
„Sie sammeln Informationen über mich durch Ihre Schüler?“ fragte ich.
   Er lächelte: „Die Kleinen maulten gestern, ihr neuer Geschichtslehrer wäre genauso wie ich.“
Ich lächelte zurück. Wie mein Spiegelbild sah er nicht gerade aus, aber etwas mathelehrerhaftes konnte ich meiner Art den Unterricht der Unterstufe zu gestalten nicht absprechen. Es gibt nur zwei Arten, die Unterstufe zu unterrichten: die chlechte und die didaktische. Wie sollte man den antiautoritär geprägten Gnomen sonst erklären, warum die ganze Welt später von ihnen etwas verlangen würde, wo sie im elterlichen Haushalt doch immer der Mittelpunkt waren?!
Ich lächelte zurück „Sie unterrichten Mathematik, nehme ich an.“
„Ganz recht. Mathe und Biologie. Meine Tochter findet Sie, glaube ich, auch ganz sympathisch.“
„Oh,“ ich versuchte gerade mir das Bild der sechsten Klasse vom Vortag wieder präsent werden zu lassen. „Ich habe Ihre Tochter in meiner Klasse?“
Er lachte auf: „Nein, Gott bewahre, Susanne ist siebenundzwanzig.“
Erschreckt setzte ich mich etwas aufrechter hin! Die Kleine unterrichtete mit ihrem Vater an der gleichen Schule? Ich kam mir vor, wie ein Schauspieler in einem Theaterstück, zu dem ich das Skript noch nicht gelesen hatte.
„Sie sind dann folglich Herr Liebig?“
„Sie sollten Mathe unterrichten, so scharf können Sie kombinieren.“
Es war ihr Vater. Womit hatte ich das verdient?
„So, und Ihre Tochter erzählt auch schon Sachen über mich?“ meinte ich leicht angefressen.
Der Mann blickte sich im Lehrerzimmer um, ob sie zugegen war und ich hielt kurz stöhnend die Hand vor die Augen, weil seine Tochter sich genauso umschaute!
Als er sie nicht erblickte, kam er mit dem Kopf ein Stück näher und sprach mit gedämpfter Stimme vertraulich zu mir: „Susanne hat nicht viel erzählt, aber ich glaube, sie hat etwas für Sie übrig!“
Jetzt spätestens begann die Sache peinlich zu werden! Mich tröstete nur, das ich jetzt eine Waffe in der Hand hatte, mit der ich die verzückende kleine Susanne zum straucheln bringen konnte, sollte sie mir noch einmal auf die Pelle rücken.
„Wenn Sie es sagen,“ meinte ich grimmig lächelnd über den letzten Gedanken.
„Also, hat mich gefreut! Ich muß los, ich habe keine Lust, dass die Kleinen wieder herum turnen, wenn ich den Gang betrete. Ich komme immer pünktlich mit dem Gong, so erspart man sich einiges an Nerven. Darüber sollten sie auch einmal nachdenken, Herr Kollege. Der Rolli steht Ihnen übrigens gut.“
Er wandte mir den Rücken zu und ging. Ich hätte jetzt am liebsten in die Tischplatte gebissen.

Die fünfte Klasse und darauf noch eine siebte Klasse. Zwei Stunden Deutsch. Die Zeit ging zügig herum, denn man musste die Kleinen bei der Stange halten. Ich gab ganz gerne kurze Aufgaben, in denen ich dann Zeit hatte, die Namen der Namensliste mit den Gesichtern der schreibenden Schüler zu vergleichen. Ich machte mir aber keine falschen Hoffnungen, es würde noch Wochen dauern, bevor ich alle Namen beherrschen würde...
Heldenhaft begab ich mich später zurück ins Lehrerzimmer und fand sie tatsächlich in einem Gespräch mit einer anderen jungen Kollegin vor. Dankbar suchte ich mir einen Einzelplatz und startete gleich das Notebook.
Susanne schien das wenig zu stören, denn kaum hatte sie mich entdeckt, machte sie dem Gespräch ein Ende und ging zielstrebig auf mich zu. Warum hatte ich Trottel mich auch wie immer allein an einen Tisch gesetzt und nicht mitten unter Leute? Das hätte in dieser einen speziellen Situation ein Vorteil sein können!
Ich schluckte, als ich sie aus dem Augenwinkel nahen und den Stuhl zu meiner linken anpeilen sah. Ich schwor mir, meinen kleinen Trumpf bis zum Ende zu bewahren und nur zu benutzen, wenn es für mich kritisch werden würde.
Sie lächelte glücklich, rückte kess den Stuhl in meine Richtung, zog sich ruckartig ihr Top zurecht und ließ sich gewinnend langsam nieder.
„Ihr Vater sagt, Sie hätten was für mich übrig.“
Mein feiges Plappermaul, ich war verraten worden! Sie bekam große Augen und öffnete den Mund, der stumm ein Wie zu formen begann. Dann blickte sie reflexartig zu ihrem Vater, der mit einem Brötchen beschäftigt war. Sie bekam rosige Wangen, kaschierte ihre verlegenen Augen aber mit einem noch süßeren Lächeln, als ich es an ihr bisher je bewundern durfte.
Wie machen Frauen das? Man denkt, man hat sie gerade beeindruckt und stellt verwundert fest, das man selber von ihrer Reaktion noch viel beeindruckter ist.
„Mein Vater....so so! Was hat er Ihnen...dir denn noch so erzählt?“
Sie hatte es geschafft, selbst diese Distanz noch zu überwinden. Ich fühlte mich an die Wand gedrängt.
„Du meinst, nachdem er erzählt hat, dass du ganz abgelenkt auf ihn gewirkt hast?“
„Das hat er erzählt?“ Sie zog tief die Luft ein.
„Danach nichts mehr!“
„Nichts mehr?“ Sie riss sich zusammen: „Glaub ihm kein Wort, mein Vater ist ein Schwätzer!“
„Oho! Und warum hast du dann gerade nach Luft geschnappt?“
„Weil...ich so empört war.“
„Ach, pah.“ Winkte ich übertrieben ab. „Ich glaube ihrem Vater.“
„Na und wenn? Wer von uns beiden hat sich denn gestern aus dem Staub gemacht.“
„Ach das,“ mir schlug das Herz bis zum Hals. Da kam mir ein Geistesblitz. Es war gemein, aber ich fand keinen anderen Ausweg mehr:
„Da fiel mir gerade ein, was meine Freundin wohl dazu gesagt hätte, wenn sie dabei gewesen wäre.“
„Oh!“ Ihr heiteres Lächeln verlor sich wie ein Schatten im Licht. Ich schluckte noch einmal und sah sie ernst an. Sie schien zu überlegen, zwei, drei Sekunden lang.
Sie sah mir direkt in die Augen: „Ich glaube dir nicht!“
„Warum nicht?“
Jetzt war es aus! Sie hatte mich wie ein Fisch im Netz, und der Fisch fragte sich gerade, ob das Landleben nicht auch ganz gesund sein sollte. Ich entdeckte erste Anzeichen eines Verliebtseins in mir, ich hatte heiße Ohren und musste mich zusammenreißen, um klar zu sprechen. Triumphierend blickte sie mich an. Ich blickte trotzig zurück.
„Ich habe leider gerade kein Handtuch, das ich werfen könnte. Ist es genehm, wenn ich mich jetzt einfach von dannen trolle?“
„Och, Linus, gerade fange ich an, dich gerne zu haben und du willst dich verdrücken?“
„Wovon reden wir hier überhaupt? Flirten wir gerade, oder wie soll ich das nennen?“
„Ich glaube, wir zwei haben noch nie etwas anderes gemacht.“
Sie legte mir ihre kleine Hand auf den Schenkel direkt über dem Knie. Wenn ich gestanden hätte, wäre ich jetzt womöglich eingeknickt. Sie blickte mich fragend an: „Und?“
Jetzt musste ich mich räuspern, wie sie am Tag zuvor. Die ersten Worte kamen mir trotzdem ein wenig brüchig über die Lippen:
„Susanne, darf ich dich mal auf einen Drink einladen.“
„Es geht doch. Hole mich um halb sieben ab. Meine Adresse steht im Lehrerverzeichnis. Bis dann.“ Sie gab mir einen flüchtigen Kuss auf die Wange und damit den Rest.
Sie stand auf und ging leicht und beflügelt. Es klingelte. Ich musste noch eine Zeit sitzen bleiben, bevor ich es wieder wagen konnte, auf meinen eigenen Beinen zu stehen.

                        4
   Ich konnte die nächste halbe Stunde kaum an etwas anderes denken, fand dann aber meine Selbstbeherrschung wieder. Jahrelange Übung.
Ich lächelte grimmig, als ich meine Oberstufenschüler schreiben sah: Susanne würde ja sehen, dass es nicht viel nutzen würde, sich von mir einladen zu lassen! Ich war mit Abstand sicher der langweiligste, verklemmteste und tölpelhafteste Mann, mit dem sie je ein Date gehabt hatte!
Bisher hatte ich es immer mit Bravour erledigt, die Frauen, für die ich mich interessierte durch übertriebene Reserviertheit oder plumpe Offenheit und Redseligkeit zu vergraulen.
Das es heute Abend genauso laufen würde, war vorprogrammiert. Das war ein guter Grund zu Lächeln.
Schade, dass es soweit kommen musste, ich wäre gern ihr interessanter Kollege geblieben. Jetzt hatte ich die Wahl, ihr als verklemmter Spinner oder als redseliger Trottel zu erscheinen. Mit dem Spinner konnte ich besser leben. Ich würde nie wieder eine Frau so nahe an mich herankommen lassen, dass ich so leiden musste wie ehedem. Ich wurde sehr traurig, denn Susanne schien ein wundervoller Mensch zu sein und ich hatte sie, obwohl wir uns kaum kannten, schon ins Herz geschlossen.
   Ich suchte ihre Nummer aus der Lehreradressenliste, duschte mich, zog mich leger an und bemühte mich, pünktlich zu sein. Ich freute mich auf den Donnerstag Abend mit meinen Freunden, das machte mir Hoffnung, dass mein Leben nicht ganz so schrecklich war, wie jetzt im Augenblick.
„Hi.“
Susanne sah ganz entzückend aus! Sie hatte sich auch nicht besonders fein gemacht, aber man konnte ihr ansehen, dass sie nicht zur Schule ging, sondern für den Abend eingekleidet war. Sie war so herzlich offen, dass sie die von mir gebotene Hand ignorierte und mich gleich zur Begrüßung umarmte. Ich war so steif wie immer in einer Umarmung. Warum, wusste ich selbst nicht zu sagen.
Sie ließ sich ihre Verwunderung nicht anmerken, es schien, als hätte sie so etwas erwartet.
Ich lächelte sie mit traurigen Augen an: „Hi. Schön siehst du aus. Komm, steig` doch ein.“
Ich ging zur Beifahrerseite und hielt ihr die Tür auf. Susanne stieg in den Wagen, wandte dabei aber nicht den Blick von mir. Sie war wunderschön.
Ich setzte mich hinter den Lenker und wir fuhren los.
„Wohin soll die Reise denn gehen? Du kennst dich hier bestimmt noch nicht so gut aus?!“
„Tja ich dachte, du sagst mir, wo man hier nett etwas trinken kann und ich fahre uns hin.“
„Gut. Fahren wir erst einmal ins Zentrum“ Sie sah mich wieder an. „Das mit der Umarmung gerade müssen wir aber gleich noch mal üben!“
Mein Herz tat wieder einen Satz: „Wie meinst du das?“
„Jetzt tue nicht so...ich hatte das Gefühl, ich umarme einen Baumstamm.“
„Bei schönen Frauen werde ich immer zum Baumstamm.“
„Danke für das Kompliment, aber ich mag keine Baumstämme, deshalb werden wir es gleich noch einmal üben!“
„Wie du wünschst.“
Wir fuhren auf einen kleinen Parkplatz ganz in der Nähe zur Fußgängerzone. Hier war es angenehm ruhig, wenige Wagen parkten hier mitten in der Woche und die Nacht war sommerlich warm. Ich wollte ihr die Tür aufmachen, aber Susanne war schon ausgestiegen. Sie legte ihre Handtasche auf den Beifahrersitz und wartete, bis ich den Wagen automatisch verriegelt hatte und bei ihr auf der Seite war.
„So, und jetzt komm!“ Sie bot mir lächelnd eine Umarmung an. Ich ließ meinen Körper ein wenig sacken, damit sie mich besser umarmen konnte.
„Definitiv Baumstamm!“ Sie ließ mich los.
Susanne überlegte einen Augenblick und sah mir dann wieder in die Augen: „Stell dir vor, ich wäre keine kleine zierliche Frau, sondern deine weiche Bettdecke, die du ohne darüber nachzudenken, an dich kuschelst.“
„Gut, lass es mich versuchen!“ Ich versuchte es.
„Keine muffige Bettdecke!“ Sie stupste mich mit ihrem Knie. Es war so ungewohnt sie im Arm zu haben. Sie war schön weich und duftete auch sehr verführerisch. Sie so nah an mir zu spüren und zu berühren war tatsächlich sehr schwierig. Ich stellte mir nun tatsächlich ihre Decke vor, die ich in aller Vertrautheit an mich kuschelte und...es funktionierte.
Meine Muskeln erschlafften und mein steifer Nacken gab nach.
Susanne seufzte wohlig: „So ist es schön.“ Sie drückte mich noch einmal zur Bestätigung und ließ mich dann los.
„Siehst du, es geht doch!“ Sie lachte. Über ihre Freude und meinen nicht zu verachtenden Erfolg lachte ich mit ihr.
„Du hast übrigens einen Oberkörper wie ein Panzerschrank. Machst du viel Sport?“
Sie stellte sich so nah bei mich, dass selbst ein Baumstamm wie ich verstand, das ich ihr den Arm anbieten sollte. Sie wartete die Antwort gar nicht ab, sondern nahm meinen Arm und ging mit mir die Fußgängerzone hinab.
„Wie gefällt dir unser Gymnasium bisher?“
„Ich finde es hier prächtig. Die Schüler sind meist angenehm zu handhaben und die Kollegen sind sehr unaufdringlich, Anwesende und ihre Angehörigen natürlich ausgenommen.“
Sie knuffte mich mit ihrem Ellbogen.
„Überhaupt finde ich die Gegend hier sehr schön. Man munkelt, hier im Kaiserstuhl ist fast immer schönes Wetter.“
„Das ist es tatsächlich.“ Susanne lächelte vergnügt. „Ich glaube, deshalb sind die Leute hier auch so fröhlich, ausgeglichen und offen. So empfand ich es als kleines Mädchen zumindest, als ich als zwölfjährige aus Trier mit meiner Familie hierher zog.“
„Daher dein perfektes Hochdeutsch.“
Sie sah mich an: „Und woher kommst du?“
„Sauerland. Wenn die Sonne bei uns scheint, will Petrus uns nur ärgern und sagt uns `Bätsch, das seltsame gelbe Ding am Himmel bekommt ihr jetzt wieder drei Monate nicht zu sehen.´
Wir spüren jedes Jahr den Sommer kommen, wenn der Regen wärmer wird.“
„Och, du Armer.“ Sie lehnte sich kurz an meine Schulter. „Sieh, dort hinten die beleuchtete Reklame. Da gehen wir hin.“
Sie legte einen Schritt zu und zog mich so mit ihr.
Ich fühlte mich sehr wohl in ihrer Gegenwart und war auch viel lockerer, als ich vor wenigen Minuten noch geglaubt hatte, sein zu können. Als wir vor dem Eingang des schön beleuchteten Fachwerkhauses standen, blieb ich stehen.
„Susanne, darf ich dir ein Kompliment machen?“ Sie lächelte nur ganz süß zu mir hinauf, das ich mich wieder in ihre Lachfältchen verliebte.
„Du bist ein Schatz.“
Sie wandte nur kurz verlegen die Augen ab, zog mich aber dann rasch am Arm in den Windfang und hinein in die Wirtschaft.

Wir plauderten angeregt in der gemütlichen kleinen Wirtschaft und tranken jede Menge Kakao. Die Wahl der Themen war bunt und folgte keinem bestimmten Muster, daran machte ich gleich fest, dass wir beide keine Scheu hatten, über so ziemlich alles zu reden, ohne zu befürchten, das Gegenüber könne dies falsch auffassen.
Es war eine Vertrautheit zwischen uns da, wie ich sie bisher mit noch keiner Frau gespürt hatte. Ich war früher immer sehr darauf erpicht gewesen, ein bestimmtes Bild von mir zu kreieren, was nicht immer unbedingt zutraf. Außerdem wählte ich die Themen sonst immer genau aus, um bei meinem Date kein intellektuelles Unverständnis oder Langeweile hervorzurufen, was meist Hand in Hand ging.
Susanne war vielleicht sogar noch klüger als ich, das war sehr erfrischend.
Als wir uns zwei Stunden gut unterhalten hatten und unsere Gaumen keine große Lust mehr an Kakao zu haben schienen, kamen wir in eine Sprechpause. Wir wollten den Abend nicht mehr lang werden und ihn sich erst mal in Ruhe setzten lassen.
Wir lächelten uns an. „Fahren wir?“
Susanne nickte. Um jetzt nichts falsch zu machen, überwand ich mich und bot ihr draußen den Arm an. Sie hakte dankend ein. Auf dem Weg zum Wagen waren wir beide nachdenklich und ruhig.
Im Auto guckt sie mich wieder an. Sie lächelte, aber es war eine gewisse Ernsthaftigkeit darin, die durch die längere Gesprächspause vorher gestützt, ihre Worte jetzt noch bedeutungsschwerer machte: „Linus, ich mag dich.“
Das ging mir nicht runter wie Öl, denn ich musste schlucken. Ich sah sie an: „Ich mag dich auch.“
Die ernsthafte Note in ihrem Lächeln wurde durch Fröhlichkeit ersetzt. Ich glaube, dass war das Romantischste, was ich bisher in meinem langen Leben erlebt hatte und eben dieser Umstand berührte mich irgendwie traurig und auch peinlich.
Wir fuhren los und ich dachte amüsiert über den letzten Gedanken nach.
„Darf ich dich bald wieder einladen? Auf ein Essen vielleicht?“
Susanne gab mir einen Klaps auf den Schenkel. „Abgemacht.“
„Wie wäre es mit Freitag abend?“
„Freitag klingt gut. Ich wünsche dir auch viel Spass morgen auf der Feier bei deinen Freunden.“
Ich lächelte: „Ich kann dich doch einen Abend allein lassen, du stellst doch nichts an?“
„Ich wollte eigentlich meinem attraktiven Nachbarn zugucken, wie er oben-ohne Rasen mäht und mich vielleicht von ihm zum Grillen einladen lassen.“
„Wenn er zudringlich wird, rufe mich aber an.“
„Wenn du mir deine Nummer gibst.“
„Meine Handy liegt im Handschuhfach.“
Wir tauschten unsere Nummern aus. Ich setzte sie zu Hause ab und ließ es mir selbstverständlich nicht nehmen, sie zur Haustür zu begleiten. Ich hoffte natürlich auf einen Abschiedskuss.
Susanne wusste das und blieb bei sich direkt vor der Haustür stehen. Sie ließ mich noch ein bisschen zappeln und blickte mich albern lächelnd an. Ich konnte dieses verschmitzte Lächeln nur erwidern.
Sie winkte mich hinunter: „Na, komm schon her!“
Sie gab mir einen zarten Kuss auf die Wange. Wir wünschten uns noch eine gute Nacht.
Mit verklärtem Blick und einem eigenartigem Gefühl in der Magengegend fuhr ich heim.
„Gott, spiele keine Spielchen mit mir,“ murmelt ich leise. Ich würde mich unweigerlich in sie verlieben, wenn es so weiter gehen würde. Susanne war phantastisch!

                        5
   „Die Guillotine trug damals übrigens vorübergehend nicht den Namen ihres Erfinders, sondern hieß Luisiette, nach einem Arzt benannt, der diese als humane Hinrichtungsmethode propagierte. Doch das nur am Rande. Welchem Umstand ist es nun zu verdanken, dass das Fallbeil den König doch noch erfaßte? Bitte...!“
Es war heute ein schöner Vormittag. Ich hatte heute nur vier Stunden und nur die Oberstufe.
In der zweiten großen Pause würde ich dennoch das Lehrerzimmer aufsuchen um Susanne ein wenig die Nase lang zu machen.
Sie hatte heute die üblichen sieben Stunden. In der ersten Pause sah ich meine Susanne allerdings nicht, ich hatte die Aufsicht auf dem Pausenhof zu führen.
Ich hielt gemütlich die Kaffeetasse in der rechten und lehnte an einer Betonsäule. Die Kinder und jungen Erwachsenen unterhielten sich mehr oder weniger angeregt, dass ich mich gänzlich überflüssig fühlte. Wenn man Pausenaufsicht hat, ist das ein sehr schönes Gefühl!
   Entspannt stand ich wenig später, gestärkt durch die angenehm ruhige große Pause, hinter dem Pult in meiner Dreizehn.
„Guten Morgen, die Herrschaften.“
„Morgen, Herr Sommer.“
„Ich möchte Sie gleich angenehm überraschen, in dem ich Ihnen ankündige, dass ich Ihre Hausaufgaben für heute alle honorieren werde, in dem ich ihre Hefte heute mitnehme.“
Erschrecktes Gemurmel.
„Ich möchte natürlich kein Unmensch sein und den vergesslichen unter Ihnen in der fünf Minuten Pause genug Zeit dazu geben, Ihre ein bis zwei Gedichte schnell noch ins Heft zu schreiben. Heimlich natürlich, denn ich werde den Raum verlassen. Bedenken Sie außerdem den nicht zu verachtenden Vorteil, dass ich Ihnen heute keine Aufgaben aufgeben kann, weil Sie keine Aufgabenhefte haben werden.“
Die Stimmung hob sich wieder, aber viele meiner Abiturienten schlugen ihre Hefte auf, um vielleicht schnell noch ein Gedicht nachzubessern.
Ich nahm den in der letzten Stunde gewählten Kurssprecher dran:
„Herr Sommer, Sie wissen ja von der Abschlussfahrt nächste Woche. Haben Sie und Frau Liebig sich schon darauf geeinigt, wie es mit dem Alkohol Verbot steht? Letztes Jahr ist ja Alkohol verboten worden, wegen eines peinlichen Vorfalls.“
Ich war überrascht! Nach meinen Informationen fuhr dieser Kurs mit einem Matheleistungskurs zusammen nach Italien, nicht mit dem Bio-LK. Ich machte aus meiner Verblüffung keinen Hehl.
„Wenn Sie so gütig wären und mir zuerst erklären, warum der Mathe-LK jetzt nach Prag und der Bio-LK mit uns nach Italien kommt?“
„Wir haben uns auf der gestrigen Stufenkonferenz darauf geeinigt. Sie wissen ja, was man in Prag am besten machen kann! Aber wir wollen nach diesem glücklichen Tausch auch nicht ganz auf Alkohol verzichten.“
„Ich werde gleich mit Frau Liebig reden, vorher möchte ich nichts dazu sagen. Sie sprechen von einem glücklichen Tausch...ich nehme an, dass das nur auf Gegenseitigkeit beruht und sie den Bio-LK dem Mathe-LK nicht etwa vorziehen, weil dieser fast nur weibliche Teilnehmer hat?“
„Sie nehmen mir die Worte aus dem Mund,“ lächelte der Kurssprecher. Ich lächelte auch, was ihm wohl das Gefühl gab, er könnte ein wenig indiskret werden, weil wir uns so gut verstanden: „Was halten sie eigentlich von Frau Liebig, Sie kennen sich doch bereits?“
Ich lächelte noch etwas breiter und wärmer und sagte nichts als: „Ja, wir kennen uns bereits.“
Ich ließ dem lostuschelnden Kurs keine Zeit zu spekulieren, sondern steig gleich wieder in die Materie ein mit einer Interpretation zu einem Gedicht von Heine.
Die Hefte unter dem Arm betrat ich das Lehrerzimmer. Ich legte sie gleich bei Seite und schaute mich aufgeregt um. Susanne sah mich, bevor ich sie sah. Sie stand auf und kam strahlend auf mich zu. Ich seufzte verklärt.
„Hi, Linus. Hast du es auch schon gehört? Unsere LKs fahren zusammen.“
„Hi, Susanne, das muß ich mir aber noch überlegen, ob ich mit dir nach Italien fahre.“
Sie kniff mich in den Bauch und lachte mich an.
„Ich glaube nicht, dass du da eine andere Wahl hast.“ Sie spendete mir einen vieldeutigen Blick:         „Haben sie dich auch schon gefragt, wie es mit dem Alkohol steht.“
„Wie kommst du denn darauf?“
„Ich finde, wir können es gar nicht verbieten.“
„Ich werde keinen Alkohol brauchen, deine Gegenwart wird mich trunken genug machen.“
Sie lächelte geschmeichelt. Wir strahlten uns nur eine Weile an und wußten nichts Rechtes zu sagen, zumal wir auch noch von unseren Kollegen und Kolleginnen umgeben waren.
Ich fasste mir schnell ein Herz und nahm ihre beiden Hände kurz in meine.
„Ich habe für heute Schluss und fahre gleich nach Freiburg. Wir sehen uns dann morgen. Vergiß mich nicht.“
„Bis morgen...“
Ich schenkte ihr noch einen wehmütigen Blick, dass ich sie heute so stehen lassen musste und drückte ihre Hände.
„Bis morgen.“
Auf dem Heimweg hatte ich überhaupt keine Lust mehr auf die Feier am Abend. Ich hätte am liebsten kehrt gemacht, um den ganzen Nachmittag mit Susanne zu verbringen. Dass das ebenso übereifrig wie nicht gerade klug war, schien mir in diesen Augenblicken der Sehnsucht nicht offenbar genug.
Als es Mittag wurde, hatte ich immer noch keinen rechten Appetit, so musste mein Magen mit zwei Äpfeln und einem Glas Milch über die Runden kommen.

Am frühen Nachmittag fuhr ich nach Freiburg. Tom hatte eine kleine, aber schmucke Eigentumswohnung, deren größten Raum er leer geräumt hatte, um so viele Sitzmöglichkeiten wie möglich darin unterzubringen.
Wir begrüßten uns mit Handschlag und er bot mir einen Sessel an:
„Schön, dass du schon da bist! Darf ich dir ein Bier anbieten?“ Ich nickte.
„Monika kommt auch gleich von der Arbeit. Ihr kennt euch noch nicht, nicht wahr?“
Ich nickte erneut: „Ihr seid jetzt ein halbes Jahr zusammen, richtig?“
Tom kam aus der Küche mit zwei Flaschen und zwei Gläsern. Er stellte sie auf einen kniehohen, runden Holztisch knapp vor meinen Füßen. Mit einem breiten Lächeln und einem  zufriedenen Stöhnen ließ er sich ebenfalls in einen Sessel plumpsen.
„So ist es. Ist `ne klasse Frau. Sie redet zwar ziemlich viel, und wenn sie nicht redet, habe ich ihr trotzdem zuzuhören, aber sonst ist sie ganz prima.“
Ich lächelte zurück.
„Wie sieht es bei dir aus. Immer noch happy Single?“ Ich machte eine unsichere Gebärde, aber Tom sprach gleich weiter. Ich kratze mich am Kinn und versuchte mir vorzustellen, wie er sich mit seiner Freundin unterhielt. Tom war selbst der geborene Alleinunterhalter. Er und Monika redeten wahrscheinlich grundsätzlich gleichzeitig und versuchten sich durch Endlossätze gegenseitig zum Schweigen zu bringen. Ich hörte ihm einfach zu, das sparte Kraft.
„Weißt du, wenn du noch keine hast...heute abend kommen neben Robert, Micha, Dominik und ihren Freundinnen auch noch ein paar andere Bekannte! Da werden schon ein paar dabei sein. Ich denke, du solltest mal ein Auge auf die eine werfen, Janine heißt sie. Die wohnt auch ganz in der Nähe. Da musst du keine halbe Stunde fahren. Ist Floristin und sehr nett, wirklich. Wenn ich nicht Monika hätte, wäre sie bestimmt meine erste Wahl.“
Ich nickte nur.
„Du nickst, aber lass dir das wirklich mal durch den Kopf gehen! Ich meine, wie lange willst du denn noch Single bleiben? Die Frauen werden auch nicht ewig warten. Bald bist du `n alter Kerl und die Frauen sind alle schon längst vergeben. Schau dich mal an: Monika ist schon meine vierte Freundin und du? Du musst zumindest mal anfangen Erfahrungen zu sammeln:
Du weißt ja gar nicht, wie man eine Beziehung führt! Das soll jetzt kein Vorwurf sein oder so, aber du musst nicht immer so wählerisch sein! Probier doch einfach mal was aus!“
Ich reichte Tom sein Glas. Er hatte sich so in sein Gespräch vertieft, dass ich uns eingeschenkt hatte und mit ihm anstoßen wollte.
„Prost.“ Die Gläser stießen klingend zusammen.
„Prost Linus. Diese Janine ist auch achtundzwanzig und ziemlich auf der Suche! Torschlusspanik, du weißt schon. Selbst wenn sie nicht gleich deine große Liebe ist, darauf kannst du auch schlecht hoffen. Ich meine, was heißt das schon? Du musst sie erstmal kennenlernen. Ausprobieren, wie es so läuft. Bei mir hat es ja auch gedauert. Monika ist klasse, aber ich habe auch nicht von Anfang an gewußt, dass es so klappt. Einfach mal gucken wie sie so ist, sonst wird es immer schwieriger und...“
„Wie geht’s jetzt eigentlich bei dir weiter? Du arbeitest doch jetzt bei RWE als Ingenieur?“
Ich hatte ihn nicht wirklich unterbrochen, sondern nur nach einer anderen Zutat in seinem reichhaltigen Eintopf von Themen und Blabla gefragt. Er schwang den Kochlöffel also in eine andere Richtung: „...von der Firma beschäftigt zu werden ist echt kein Kinderspiel, die schicken dich von Hamburg über St.Petersburg nach Peking. Ätzend, besonders für Monika. In zwei Wochen bin ich wieder fast einen Monat weg. Die Arbeit ist zwar anstrengend, aber mir macht sie Freude. Die Maschinen, die die Kommunisten da unten vor unseren Geräten hatten, sage ich dir: Das sind Mühlen! Die sind so alt wie der Kommunismus selbst! Und rostig, sage ich dir! Mannoman. Also, diese Janine habe ich letztes Jahr auf dem Oktoberfest kennengelernt, sie hat als Kellnerin auf den Wiesen gejobbt...“
Resignierend lächelnd trank ich einen Schluck. Zu meinem Glück war Tom noch nicht aufgefallen, dass er mich noch gar nicht gefragt hatte, wie es in meinem neuen Beruf so lief.
So hatte ich vielleicht noch genügend Zeit unserem endlosen Gespräch zu lauschen und gemütlich mein Bier zu trinken, bevor er mich fragte und mir auf jede Information gleich eine Lösung präsentierte. Die meisten Lösungen und Tips von Tom hatten gar keine dazu gehörenden Probleme, trotzdem durfte man nur halb zuhören, sonst würde man sich unweigerlich schrecklich fühlen, weil man ja so viel zu ändern hatte in seinem belasteten Leben...
Nach einer Viertelstunde waren wir wieder das alt eingespielte Team von früher. Er unterhielt uns und ich nickte und lächelte interessiert und gab gelegentlich bestätigende Grunzlaute von mir. Nach einem Tag in der Schule, wo man selbst die unterhaltende Rolle eingenommen hatte, war es mir ganz recht, schweigen zu können. So ging es über eine Stunde.

Schwierig wurde es nur, als Monika kam. Sie und Tom herzten und küssten sich zur Begrüßung, dann musste ich dran glauben: Sie drückte mich kräftig und setzte sich zu uns.
Tom und Monika waren beide nicht ganz schlank, deshalb erinnerte mich die Umarmung mit Monika nicht an meine weiche Bettdecke, als vielmehr an meine weiche Matratze.
Die beiden saßen nun links und rechts von mir und nahmen mich gehörig in die Zange!
Sie war tatsächlich sehr nett, aber genauso, wie Tom sie beschrieben hatte. Sie mangelte mich durch, quetschte mich förmlich aus, wollte alles wissen, gab zum Glück aber keine ständigen Tips.
„Wie sind denn deine Kolleginnen so, sind da auch junge Frauen bei? Sind sie hübsch?“
„Doch.“
„Das habe ich mir gedacht! Du hast doch bestimmt schon ein Auge auf die eine oder andere geworfen. Ich habe gehört in den letzten Jahren sind viele alte Lehrer gegangen und neue eingestellt worden. Das habe ich neulich...“
„Lass ihn doch erstmal antworten, bevor du ihm von Tina erzählst. Er kennt sie außerdem gar nicht. Woher soll er denn...“
„Das hätte ich ihm noch erzählt. Ich denke, das wäre ganz interessant für ihn geworden...“
Jetzt sprach Tom kurz mit mir: „Warum hast du nicht gesagt, das da eine Kollegin ist, die dich interessiert?“
Mein Versuch ein `Ich habe gar nichts gesagt, ich komme ja nicht zu Wort´ loszuwerden, scheiterte kläglich, weil sich Tom gleich wieder zu Monika drehte:
„Überhaupt glaube ich nicht, dass die Geschichte mit Tina für Linus interessant gewesen wäre.“
„Lass ihn doch selbst entscheiden! Also, es war vor einer Woche, glaube ich...nein am Dienstag schon! Also ich traf sie, Tina meine ich, beim Lidl...“
Die Geschichte war wirklich langweilig. Was nicht heißen soll, das irgend etwas davor oder danach interessanter gewesen ist. Ich wartete also fröhlich weiter auf die anderen Gäste, damit ich beim Klingelton schnell wie eine Maus, die abgelenkten Blicke von Katz und Kater nutzend, aufspringen und entfliehen konnte.
Ich war tatsächlich der Erste, der unsere gemeinsamen Freunde dankbar an der Tür begrüßte.
Zum Glück waren nicht alle Gäste Pärchen, sonst hätte ich mich trotz all der Leute in Onkel Toms Hütte einsam gefühlt.
Dominik und seine Freundin Erika hatten sogar schon drei Kinder. Zwillinge und ihren Jüngsten, der noch in der Wiege lag. Sie hatten glücklicherweise einen Babysitter gefunden.
Als sie von den Kleinen erzählten dachte ich auch wehmütig darüber nach, wie es wohl wäre schon eine richtige Familie zu haben... Ich blickte verträumt zu Decke.
Meine Frau mit unserem Säugling in den Armen, das wäre ein Anblick! Als die junge Frau vor meinem geistigen Auge die Züge von Susanne anzunehmen begann, schlug ich schnell wieder die Augen nieder. Es war schade, dass sie nicht hier war, aber ich wollte mir noch keine großen Hoffnungen machen, auch nicht, wenn sie vielleicht durchaus angebracht waren.
Die Stunden der Party vergingen wie im Flug, denn wir hatten uns viel zu erzählen, schmiedeten lockere Pläne für zukünftige Unternehmungen und plauderten über dies und das.
Es wurde spät und als ich nachts zufrieden heim fuhr, freute ich mich besonders auf das Essen mit Susanne am nächsten Abend.

                        6
„Guten Morgen, Susanne, schön dich zu sehen.“
„Morgen, Linus.“ Wir standen im winzigen Flur zum Lehrerzimmer fast vor allen Blicken gefeit.
Sie stellte sich ganz dicht vor mich und strahlte mich an. Sie duftete nach Blumen, was mich für den Abend gleich auf eine Idee brachte. Ihre Augen funkelten beglückt und sie zwickte mich kurz durch den Rolli.
„Hi, unsere Verabredung heute abend steht doch noch, hoffe ich?“
„Klar, ich muß dich einfach zum Essen einladen, neben dir lächelt mich niemand so süß an.“
Sie lächelte glücklich und die Luft schien zu knistern, als wir uns so eng gegenüberstanden.
Eine Art Zauber hatte uns im Bann: Wir blickten uns nur an, ohne ein Wort zu sagen und doch kommunizierten wir schneller als je zuvor.
Ich konnte zwar nicht alles lesen, was ihre Augen, ihre Nase und ihre Lippen mir so eifrig erklärten, aber mein Magen schien es zu begreifen.
Ich brauchte auch nichts zu sagen, meine Augen sprachen Bände. Wir hatten uns zwar einen Tag nicht gesehen, aber unsere Gefühle füreinander hatten anscheinend diese Pause genutzt um sich zu sammeln und zu wachsen.
Ich weiß nicht, wie lange wir uns gegenüber standen, es hätten Sekunden, aber auch Minuten sein können, es war ein zeitloses Kribbeln im Bauch.
Vorübereilende Kollegen störten unseren stummen Flirt, dass wir uns noch einen sehnsüchtigen Blick zuwarfen und dann wieder ins Schulgebäude traten, den Gong mussten wir überhört haben.

Das nächste, was mich an diesem Morgen erfreute, war meine sechste Klasse, die ich diesmal nicht tobend auf dem Flur überraschte, die sondern brav in der Klasse wartete und schnell auf ihren Plätzen saß, als ich den Raum betrat.
Ich machte mir aber nichts vor, dass sie das mir zuliebe taten, es war vielmehr die Furcht vor den extra Hausaufgaben, die sie drückte. Ich mochte Kinder, sie waren so herrlich berechenbar, was man von Pubertierenden nicht immer sagen konnte.
In der ersten großen Pause überlegte ich, das Lehrerzimmer zu meiden, weil unser Treffen eben doch so wundervoll verlaufen war und ich diesen Vormittag am liebsten so makellos im Gedächtnis behalten hätte, unabhängig davon, ob es später mit uns beiden funktionieren würde oder nicht. Das diese Überlegung ziemlich dumm und feige war, blieb dem rationalen Teil in mir natürlich nicht verborgen: So kämpfte ich kurz mit mir, bis die Vernunft obsiegte und ich freudig das Lehrerzimmer betrat. Ich setzte mich zu Susanne und hatte uns zwei Kaffee mitgebracht. Das war gar nicht so schwer gewesen.
„Wie waren deine ersten beiden Stunden?“
„Interessiert dich das wirklich?“ Ich sah sie fragend an. Susanne schüttelte nur lächelnd den Kopf: „Du hast recht, das war eine Floskel! Wie fühlst du dich, hätte die Frage lauten müssen?“
„Dann nehme ich doch lieber die erste Frage!“
Sie lachte. „Holst du mich heute wieder ab, ein Stündchen früher vielleicht?“
„Natürlich.“
Wir sahen uns wieder nur an. Der Kaffee war noch fast voll und über irgend etwas mussten wir doch reden, zumal ich es nicht schaffte sie einfach nur anzusehen. Das erforderte ebensoviel Konzentration wie mein zweites Staatsexamen mir abverlangt hatte. Sie war wirklich schön anzuschauen. In diesem Moment wünschte ich mir fast, sie würde durch mich durch auf irgend jemanden hinter mir blicken, dann könnte ich sie einfach so bewundern, mich aus jeder Verantwortung stehlen. Sie blickte mir aber in die Augen und es war meinem Herz ganz klar, das sie mich und nur mich ansah!
Ich hätte ihr jetzt am liebsten gesagt, sie solle mich nicht so ansehen, als mir einfiel, was mein guter Freund Robert einst zu mir gesagt hat. Man soll den Frauen ruhig das ins Gesicht sagen, was man denkt, sie glauben es meist sowieso nicht.
„Schau mich nicht so an, du machst mich ganz schwach und hilflos.“
„So? Und wie ist es jetzt?“ Sie nahm eine Hand von mir, legte sie sich auf den Schenkel und bedeckte sie mit ihrer Hand. Danke, Robert.
„Du bist gemein, weißt du das?“
„Nur zu dir.“
„Es würde mir jetzt übrigens gar nichts ausmachen, wenn die Kollegen gucken würden.“
„Ich weiß.“
Ich wollte ihr am liebsten jetzt sagen, das ich mich total in sie verliebt hatte, aber das hätte sie mir unbesehen geglaubt. Überhaupt hätte sie mir in diesem Augenblick alles geglaubt, weil ich in meiner Position einfach nicht in der Lage war zu schwindeln.
Ich wählte eine unverfänglichere Variante, von dem was ich eigentlich sagen wollte und nützte sie auch gleich, um mich zu verabschieden. So war der Morgen nicht nur makellos, sondern vollkommen.
„Du bist wunderschön, weißt du das?“
Sie blieb stumm, aber ich sah fast, wie ihr Herz unter ihrer Bluse einen Satz machte.
Ich fasste ihre Hand, die meine auf ihrem Schenkel gefangenhielt und drehte sie mir für einen Handkuß zurecht. Sie hatte kleine, geschmeidig zarte Hände. In der selben Bewegung stand ich auf.
„Bis heute abend. Ich werde pünktlich sein.“
Sie nickte nur. Sie war auch verliebt.

Noch eine Stunde, die letzte in dieser Woche mit meinem Deutsch Leistungskurs. Verträumt wollte ich die Klasse betreten, als mir einfiel, daß ich die Hausaufgaben Hefte noch alle im Wagen liegen gelassen hatte. Ich eilte zum Parkplatz.

„Morgen.“ Ich ging rasch hinter das Pult.
„Morgen,“ tönte es zurück.
Der Kurssprecher, Markus hieß er, war nicht willkürlich zum Kurssprecher gewählt worden, es war anscheinend der gesprächsfreudigste und direkteste: „Sie kommen zu spät, Herr Sommer? Ist etwas vorgefallen?“
„Ich musste ein paar Reporter abwimmeln, sie kennen das ja den Stress mit diesen schrecklichen Paparazzi. Außerdem hatte ich Ihre Hausaufgabenhefte im Auto liegen gelassen.“
„Die hätten Sie ruhig vergessen können! Wir können ja alle noch einmal die Augen schließen und so tun, als wären Sie nicht gekommen und Sie bringen schnell die Hefte wieder zurück.“
„Ich sehe schon, das Ihnen sehr daran gelegen ist, persönlich Ihr Sonett vor der ganzen Klasse vortragen zu dürfen.“
„So war das jetzt aber nicht gemeint!“
„Warum so bescheiden, ihre Alexandriner sind ihnen ausnahmslos geglückt, auch wenn Sie bei den beiden Terzetten die französische Reimfolge, statt der italienischen, benutzt haben. Es ist übrigens keine Kleinigkeit, ein Sonett zu schreiben, gute Arbeit!“
Wie die Aufgabenstellung war, so waren auch die Gedichte: vielfältig und bunt.

Lustig prasseln im Kamin die Scheite in der Feuersglut
Funken stieben hell dahin, fröhlich und voll Übermut
Hüpfend, springend, lodernd, tanzend fliegen sie zum Sternenzelt
Mit tausenden Geschwisterchen ihr heller Schein die Nacht erhellt
In klarer Mondnacht auf der Wiese, der Feuersplatz tut`s ihnen gleich
Wirft unermüdlich süße Flämmchen hoch hinaus ins Himmelreich
Prasselnd, knackend, züngelnd wild, verspielt steigend am Holz empor
So zehrst auch du an mir mein Herz, seit ich mein Herz an dich verlor
„Das haben sie ganz wunderbar geschrieben, Julika. Ein wirklich rundes Gedicht, auch wenn der Schluss eigenartig anmutet.“
Ich reichte der Abiturientin ihr Heft wieder, nachdem ich es vorgetragen hatte.
„Was hat sie dazu bewogen, das Ende so zu gestalten, dass das ganze Gedicht eine andere Bedeutung bekommt?“
„Es war keine Überlegung, nur Eingebung.“
„So? Schön. Sie scheinen sehr poetisch veranlagt zu sein.“ Sie lächelte mich ein bisschen zu dankbar an.
„Herr Sommer?“ Ich drehte mich zu dem Kurssprecher um und hob eine Braue.
„Sie haben uns immer noch nicht gesagt, wie Sie und Frau Liebig über das Alkoholverbot entschieden haben?“
Ich marschierte hinter mein Pult und kratze mir nachdenklich die Stirn.
„Welches Alkoholverbot?“
Ein Mädchen in der ersten Reihe riß den Mund auf, aber ihre Nachbarin legte ihr beschwichtigend ihre Hand auf die Schulter, bis sie auch begriff. Die Klasse murmelte fast euphorisch.
„An den Exkursionen während der Freizeit ist allerdings teilzunehmen. Sollte an irgend einem Morgen irgend jemand einen Totalausfall haben, werde ich mich sicher wieder gut erinnern können. Mit welcher Verfassung Sie an den Bildungsausflügen teilhaben, ist mir relativ gleichgültig. Ziehen Sie - wenn nötig - ihre Sonnenbrillen auf und machen keine schnellen Bewegungen. Solange Sie körperlich zugegen sind, werden Frau Liebig und ich ein oder zwei Augen zudrücken können.“
„Sie verstehen sich anscheinend ganz gut mit Frau Liebig?“ Markus grinste fröhlich.
„Wie man sich eben unter Kollegen so versteht,“ meinte ich nicht ganz ernsthaft zurück und irgendwie schmeichelte es mir, das in diesem Kurs neben dem Kurssprecher anscheinend noch einige andere daran interessiert waren, meine Antwort zu hören.
Um das Getuschel wieder zu unterbinden fuhr ich fort:  „Kommen wir zum Endecassilano und den Unterschieden zum Alexandriner. Welches Versmaß glauben Sie, ist einfacher zu konstruieren?“

                        7
Als der Abend hereinbrach, die Sonne stand an diesem schönen Augusttag noch wohlwollend hoch am Himmel und tünchte den westlichen Horizont in ein verträumtes orange-gelb, ging ich aufgeregt den langen Holzbalkon meiner Pension auf und ab.
Ich konnte Grillen aus dem hohen Gras unter mir zirpen hören, daß war mir so neu wie angenehm. Bei mir daheim hatte es so etwas nie gegeben und der Gesang der kleinen Grillen verklärte mein Gesicht noch mehr, als die ungewohnten Emotionen an diesem Abend es ohnehin schon fertig brachten.
Um zwanzig vor sieben stieg ich in den Wagen. Ich hatte am Nachmittag einen kleinen Strauß weißer Rosen erworben. Einer schönen Frau schenkt man schöne Blumen.
Susanne stand schon vor der Tür, als ich bei ihr vorfuhr. Sie war allerdings so pfiffig, dass sie den kleinen Blumenstrauß schon durch die Windschutzscheibe entdeckt hatte und mir den Spass, ihn ihr zu überreichen nicht verderben wollte. Sie blieb vor der Türe stehen und wartete. Sie hatte ein helles Sommerkleid an und sah so bezaubernd aus, wie eine kleine Elfe.
„Guten Abend, die Dame.“ Ich reichte ihr den Blumenstrauß. Sie strahlte mich an.
„Hi, Linus, danke für die Blumen.“ Sie kam mir näher und ich neigte meinen Kopf ein Stück, um mir mein Dankeschön Küsschen auf die Wange hauchen zu lassen.
Sie schnupperte einmal kurz an den Rosen.
„Komm doch kurz herein, dann stelle ich die Blumen eben ins Wasser.“ Sie öffnete ihre Wohnungstür. Ich trat nur vorsichtig in den Flur.
Es war ein sehr schmuckes Haus, ein Neubau, aber im Stil eines Fachwerkhauses gestaltet. Susanne streifte sich die hochhackigen Schuhe ab und lief barfuß in das Wohnzimmer.
Es dauerte keine Minute, da kam sie schon wieder mit einer gläsernen Vase und dem Blumenstrauß darin.
„Sie sind sehr schön, danke.“ Sie brachte sie wieder in das Wohnzimmer und kam dann zurück. Ich schaute auf ihre nackten Füße. Wenn man selbst so Quadratlatschen hatte wie ich, konnte man die Faszination, die von Susannes zierlichen Füßen ausgingen, vielleicht verstehen. Ich glaubte nun zu wissen, dass alles an ihr schön sein musste. Über diesen Eindruck musste ich mich zusammenreißen, um mit meinen Augen nicht ihren ganzen Körper abzutasten, den man leicht durch ihr figurbetonendes Kleid bewundern konnte.
Das spätestens hätte ihr auffallen müssen, wobei ich mich ernsthaft fragte, ob es ihr unangenehm gewesen wäre.
„Kommst du?“ Sie lachte mich an und schubste die Eingangstür wieder auf. Ich hielt ihr nicht ganz ohne Schmunzeln die Beifahrertüre auf.
Als ich einstieg, trommelte Susanne mit ihren Fingern auf ihren Schenkeln herum und blickte mich fragend an: „Wohin soll es denn heute abend gehen?“
„Na, für eine Pommesbude bist du zu fein angezogen, jetzt stehe ich wieder dumm da.“
Sie gab mir einen Klaps auf den Schenkel.
„Die Ratsherrenstube soll ein feines Lokal sein, habe ich mir sagen lassen.“
„Oh, super. Komm, lass uns fahren.“

Wir hatten einen wundervollen Abend. Ich freute mich wieder feststellen zu dürfen, dass Susanne tatsächlich so ehrlich, offen und humorvoll und unkompliziert war, wie mein erster Eindruck es mir bereits verraten hatte.
Bei unserem Gespräch fiel mir diesmal auf, dass wir zwar persönlich wurden, aber nicht über uns sprachen! Es war nicht leicht, dieses Thema noch nicht einmal zu tangieren, wo doch das ganze Gespräch unter diesem Stern stand. Wir plauderten jedoch so angeregt und es war so schön ihr fröhliches Mienenspiel zu sehen und ihr zuzuhören, dass ich nicht weiter über die Intention, die sie offensichtlich dabei verfolgte, nachdachte.
Erst gegen zehn fuhr ich Susanne heim. Als sie zu Hause angekommen aus dem Wagen hüpfte und ganz spontan fragte, ob ich nicht noch auf ein Glas Wein bleiben wollte, hätte ich ihr das beinahe sogar abgenommen.
Natürlich sagte ich ja.
„Komm doch ins Wohnzimmer und setz dich! Hier, gleich auf dem Sessel.“  Sie schob mich mit den Fingerspitzen durch die Tür und drückte mich sanft in das weiche Polstermöbel.
„Ich hole den Wein und die Gläser.“
Sie tanzte die schmale Treppe hinab in den unteren Flur. In meinem Magen kribbelte es plötzlich wieder. Ich saß hier wie bei einer guten Freundin, die mich auf ein Glas Wein eingeladen hatte. Das Bemerkenswerte daran war, dass ich es tatsächlich tat! Susanne war tatsächlich meine gute Freundin, wenn nicht schon mehr.
Sie war länger weg und ich sah mich interessiert im Zimmer um. Es war ihr Haus, ihre Wohnung und die sagte viel über ihre Bewohnerin aus. Es war sehr schmuck eingerichtet, die Tapete in warmem, gelbem Farbton, neue Möbel, viele Topfpflanzen, ein Aquarium, helle Gardinen, zwei Bilder und das gerahmte Photo einer Schneelandschaft. Alles war blitzblank sauber und die Bücher im Regal standen so, als hatte man sie mit dem Lineal ausgerichtet.
Das war eine Wohnung, mit der man Eindruck machen konnte! Ich fühlte mich wie zu Hause.
Susanne war schon einige Minuten weg, so dass ich, um meiner wieder aufkeimenden Anspannung Herr zu werden, aufstand und zum Aquarium hinüber ging.
Ich legte den Kopf schief und blickte verzückt zu dem süssen Wasserschildkrötenbaby, was sich mit drei Artgenossen unter Wasser tummelte. Es sah mich direkt an und paddelte niedlich mit seinen vier Flossen. Die drei anderen umkreisten einen Naturstein, der mit Flechten und Gräsern bewachsen war. Bunte Pflanzen wiegten sich in der leichten Wasserbewegung, den die vielen Regenbogen-bunten Fische erzeugten. Die Babywasserschildkröte stand immer noch fast unbewegt im Wasser und blickte mich an. Sie war nicht größer als eine Handfläche.
Mir fiel wieder ein, dass Susanne Biologielehrerin war.
„Hast du mein Aquarium entdeckt?“ Susanne stellte die Weißweinflasche auf den Holztisch im Zentrum der drei Sessel.
„Die Babyschildkröten sind sehr niedlich. Ihre Gesichter sind einfach putzig!“
„Das sind keine Babys, die wachsen nicht mehr.“ Sie trat neben mich.
„Haben deine Schildkröten auch Namen? Wie heißt diese da, die mich anguckt?“
„Sie sieht dich nicht an. Sie heißt Linus.“ Ich warf ihr einen albernen Seitenblick zu, aber Susanne lächelte nur weiter und verzog sonst keine Miene.
„Und die Kleine da, mit der grünen Glatze, die sich vordrängelt vor den anderen zweien, heißt Susanne, stimmt’s? Und manchmal setzt du Linus und Susanne in ihr Playmobilhaus und lässt sie Tee trinken.“
Sie zwickte mich. „Es gibt keine Susanne, ich habe diese nur Linus genannt, weil sie dir so ähnlich sieht.“
Ich beugte meinen Rücken, um die Schildkröte zu betrachten: „Stimmt, wir haben die gleichen Augen. Aber in der Anatomie ist was verkehrt geraten, den Schwanz habe ich vorne.“
„Aber die Größe ist dieselbe.“
„Eins zu Null für dich.“
Susanne tauchte vorsichtig ihre schlanke Hand in das Aquarium und fischte Linus raus. Er zappelte kaum, er war das wohl gewohnt. Sie hielt die kleine Schildkröte vorsichtig in der Hand und stupste mit ihrer Nase die der Schildkröte. Dann gab sie ihr noch einen Kuss und ließ sie wieder ins Wasser gleiten.
„Da wünscht man sich doch gleich eine Schildkröte zu sein,“ sagte mein Mund. Dafür durfte er kurz von Susannes Lippen träumen, als sie sich auf die Zehenspitzen stellte und mir einen winzigen Kuss gab.
Susanne hatte mich geküßt. Mir schwindelte. Es war so schnell gegangen, dass ich mich gar nicht mental darauf vorbereiten hatte können, um mir im Augenblick des Kusses ihrer Lippen gewahr zu werden. So steh` ich hier, ich armer Tor und bin so arm, als je zuvor. Ich wollte mehr, mein Herz und meine Seele dürsten nach mehr, meine Brust und mein völlig verwirrter Magen riefen mich an und verlangten nach mehr... Nach mehr von dieser köstlichsten Speise, die sie jemals gekostet hatten.
Susanne ließ mich stehen und ging zu der Sitzgruppe. „Kommst du, ich nehme nur noch rasch Gläser aus dem Schrank.“
Ich war verdutzt und meine Ohren und Wangen strahlten eine Wärme aus, daß sie in einem abgedunkelten Raum wohl leicht geleuchtet hätten.
Susanne war eiskalt, sie ließ sich nichts anmerken und schmunzelte nur.
„Machst du die Flasche auf?“
Ich schluckte hart und setzte mich dann aber schnell in Bewegung, hinaus aus der kalten Starre ihres Kusses.

„Dein Wein ist wirklich sehr lecker.“
„Ja?“ Susanne saß mir gegenüber in einem Sessel, wir hatten sie so zusammengerückt, so dass nur der niedrige Tisch mit den Gläsern zwischen uns stand. Sie verstand meine Aussage als Aufforderung und schenkte mir wieder voll.
Als Susanne mir das dritte Glas einschenken wollte, hatte ich mehr als irritiert geguckt, aber
die kleine Lady hatte das nicht gestört, sie spielte kühl ihr Spiel weiter. Jetzt, bei dem siebten Glas, wurde es allmählich Zeit, das sie etwas klarstellte. Sie spielte es zu einer banalen Nichtigkeit herab. Nach einem gewichtigen Gespräch über die Bildungspolitik meinte sie in der aufkommenden Gesprächspause: „Nach soviel Wein kann ich dich nicht mehr fahren lassen. Du kannst bei mir schlafen.“
Schweigen. „Einen Schlafsack oder Decken hab` ich nicht, ich kann dir aber meinen übergroßen Jogginganzug leihen.“
Sie versorgte mich zwar immer mit neuen Informationen, aber diese Puzzleteile waren einfach zu wenig, um das Bild zu komplettieren. Ich konnte nicht einmal erkennen, zu was ich die bisherigen Teile zusammengelegt hatte!
Da ihr kniffliges Puzzle aber mit Abstand das spannendste war, an dem ich mich je versucht hatte, und ich es schaffen wollte, um Susanne zu verblüffen und zu gewinnen, packte mich der Ehrgeiz:
Ich war überrascht mich selbstsicher und locker sagen zu hören, dass das schon in Ordnung gehe.

Wir fanden uns in ihrem Schlafzimmer wieder. Sie hatte ein breites Bett, so breit, daß man auch bequem nebeneinander schlafen konnte, wenn man sich ein wenig schmal machte. Allmählich wurden die Umrisse der Lösung in ihrem Spiel erkennbar.
„Ich bin im Bad und mache mich bettfertig, du kannst derweil ja schon einmal den Jogginganzug anprobieren.“
„Okay!“
Mulmig war mir schon zu Mute, als ich in ihrem schrecklichen babyrosa Jogginganzug, der mir natürlich doch zu klein war, auf ihrer Bettkante saß.
Sie betrat das Zimmer und drückte mir eine eingepackte Zahnbürste in die Hand.
„Du siehst ganz süß aus in meinem rosa Anzug. Ihr seid wie füreinander geschaffen. Willst du ihn nicht mal in der Schule anziehen?“
„Ich habe schon mit dem Gedanken gespielt...“ Ich strich mir zärtlich über die rosa Arme.
„Das Badezimmer ist gleich die nächste Tür links.“ Ich nickte.
Als ich wiederkam - als Gentleman hatte ich mir beim Zähneputzen viel Zeit gelassen, um Susanne genug Zeit zu geben - lag sie schon unter der Decke. Die Nachttischleuchte warf das Zimmer in ein romantisches Licht.
„Och, jetzt darf ich dich gar nicht im Schlafanzug bewundern.“
Sie machte mit ihren Händen nur die `Pech gehabt´ Geste. Sie klopfte neben sich auf die freie rechte Seite: „Komm, hier hast du Platz.“
Es war eigenartig unter ihre Bettdecke zu schlüpfen. Ich lächelte ihr genauso keck zurück, wie sie mich anlächelte.
Ich legte mich vorsichtig unter die Decke, die zwar breit war, aber doch zu schmal, um zwischen uns wieder Matrazenkontakt zu haben. Ich lag neben Susanne, der Frau, in die ich mich total verliebt hatte, in ihrem Bett. Gleich musste ich aufwachen.
„Schlaf gut, Linus.“ Sie gab mir einen  Kuss, rollte sich zur Seite und löschte das Licht.
Sie hatte es schon wieder gemacht. Ich blickte an die Decke, die leicht vom Mondlicht, das durch die geschlossenen Gardinen fiel, erhellt wurde. Ich konnte in dem stillen Zimmer fast mein Herz schlagen hören.
Susanne lag neben mir, kuschelte ihren Kopf in unser Kissen und bereitete sich auf den Schlaf vor.
Ich würde ihren Test bestehen, obwohl ich gleich zweifach für ihn ungeeignet war: Erstens wusste ich, dass es ein Test war und zweitens, würde ich immer bestehen...er war somit für mich überflüssig. Aber für Susanne nicht, und auch wenn ich Blut und Wasser neben ihr schwitze, für mich war der Test auch angenehm.
In ihrem kecken Lächeln, bevor sie das Licht gelöscht hatte, meinte ich gesehen zu haben, daß sie wusste, dass ich ihren Test bestehen würde. Ich war glücklich.

Nichts war in dieser Nacht ferner als der Schlaf. Zuerst konzentrierte ich mich darauf, mich nicht zu bewegen, um sie nicht beim Einschlafen zu stören oder ihr die Decke abspenstig zu machen. Die Wärme, die sie ausstrahlte, ließ mich erschauern, und ich wagte kaum zu atmen.
Ich lauschte ihrem Atem, hörte, wie sich ihre Brust hob und senkte. Susanne schlief beinahe lautlos.
Erst als sie eingeschlafen war, wagte ich in eine andere Position zu rutschen. Sie blickte mit ihrem Gesicht in die andere Richtung und lag auf der Seite. So hatte sie sich schon zum Einschlafen hingelegt.
Ich vermutete, daß sie fast auf der Stelle eingeschlafen war, nachdem das Mondlicht die Lampe als Lichtquelle ersetzt hatte. Sie fühlte sich in meiner Gegenwart wohl sehr sicher und geborgen, ganz im Gegensatz zu meinem Gefühl in ihrer Gegenwart...
Jetzt, da sie schlief, wurde auch ich ruhiger und entspannte mich. Ihr Bett war schön weich und roch auch gut. Ich schnupperte an unserem Kopfkissen und bemerkte auch den zarten Duft ihrer Haare.
Ich zuckte zusammen, als sie sich auf den Rücken rollte. Sie lag jetzt direkt neben mir und ihr Kopf neigte sich zu mir herüber. Sie sah ganz friedlich und gelöst aus, wie sie so schlafend da lag. Ich versuchte mir ihr Lächeln wieder auf ihren schönen Zügen vorzustellen! Wo sonst ihre aufgeweckten, fröhlichen blauen Augen mit den süßen Lachfältchen waren, ruhten jetzt ihre dunklen Wimpern und sie schlief so friedlich, wie ein kleines Kind. Ich spürte ihren Atem auf meinem Gesicht, das war sehr schön und sonderbar erotisch.
Ich hätte ihr Stundenlang so zugucken können, ihrem Atem lauschen und ihre Wärme ganz dicht bei mir spüren. Sie war ein Engel.
Ich brauchte meine Hand nur ein paar Zentimeter zu verrücken um ihre Hand zu finden. Sie war ganz kühl und zart. Ich legte meine Hand darüber, um sie warm zu halten. Susanne seufzte in diesem Moment im Schlaf, so dass mein Herz erschreckt pochte.
Dann fiel mir ein, wie albern ich war: Ich hatte mich schließlich nicht in ihr Bett geschlichen und ihre Hand halten durfte ich doch wohl!
Susanne schien das aber zu wenig zu sein: Meine Kleine wälzte sich weiter auf die Seite, nur hatte sie in dieser Nacht nicht die ganze Breite ihres Bettes für sich. Sie lag jetzt halb auf mir drauf.
Ich wagte mich nicht zu rühren. Ihr kleines Gesicht lag direkt an meinem Ohr und ihr linker Arm lag großzügig über meinen Hals, dass ich ihre Schulter direkt vor meiner Nasenspitze hatte.
Ihre kleinen weichen Brüste spürte ich durch mein Oberteil eng an meine Seite gedrückt.
Mein Herz klopfte wieder, als wolle es aus meinem Brustkorb ausbrechen, und ich spürte erst nach Sekunden, dass ich die Luft anhielt.
Wenn ihr warmer Atem mein Ohrläppchen und meinen Hals streifte, bekam ich jedesmal eine Gänsehaut am ganzen Körper. Es war wie ein Traum, aber viel intensiver und aufregender.
Susanne hatte sich an mich gekuschelt wie an ein Schmusetier und meine Angst und Anspannung hatte sich aufgelöst, so vertraut schien sie mir zu sein.
Mein kleiner Engel war so ausdauernd in dieser Lage, dass sie sich gar nicht mehr weg zu rollen wollen schien. Es verging bestimmt über eine Stunde, in der sie so dicht bei mir lag, so dass ich mich sogar traute, sie anzusehen und ihre schöne Stirn mit einem Kuss zu benetzten.
An ihre Lippen reichte ich kaum heran, aber es gelang mir sie zu küssen, so sanft, dass sie lieblich weiterschlief.
Irgendwann muss ich dann eingeschlafen sein. Ich schlief so tief wie schon seit Jahren nicht mehr.
                       
„Guten Morgen, Linus.“ Ich zwinkerte. Helles Sonnenlicht ergoß sich in das Zimmer. Susanne hatte die Vorhänge zurückgezogen und kniete sich jetzt im Schlafanzug auf ihr Bett.
Sie strahlte noch heller als das Sonnenlicht, so fröhlich hatte ich sie noch nie gesehen. Ich hatte bestanden und war sofort hellwach.
„Hast du gut geschlafen?“ Ich rieb mir den Schlaf aus den Augen und richtete mich auf.
„Wunderbar.“
Sie rutschte auf ihren Knien an mich heran und küsste mich herzhaft auf den Mund. So könnte ich öfters geweckt werden.
„Ich liebe dich,“ sagte sie mir ins Gesicht. Diesmal machte ich instinktiv das Richtige, denn ohne, das ich es hätte kontrollieren können berührte ich sie an der Wange, zog ihren Kopf zu mir heran und küsste sie.
Unsere Zungen liebkosten einander, wie zwei Liebende, unsere Lippen fochten wild und konnten das gegnerische Paar doch nie ganz bändigen.
Es war das schönste Gefühl, dass mich jemals in seinem Bann hatte, Susi hielt auch meinen Hals und Nacken fest und küsste mich leidenschaftlich. Mein Geist entschwebte in höhere Gefilde und wir befanden uns in einem Zustand jenseits der Zeit. Alles was noch zählte, alles, was noch existierte war der Kuss.

                        8
Eine Stunde später saßen wir bei ihr am Frühstückstisch. Es gab vier verschiedene Sorten Marmelade, Nutella und Frischkäse zu den ofenfrischen Brötchen.
Wir hatten und sehr lange geküßt und ich schmeckte sie immer noch auf meinen Lippen, dass ich kaum Lust verspürte, ein Brötchen zu nehmen.
Ich war noch niemals so verliebt gewesen, vor allem nie so glücklich. Ich konnte strenggenommen überhaupt nicht daran denken, etwas zu essen, ich hatte gar keinen Appetit.
Meine Susi schmierte gleich zwei Brötchen und reichte mir eines davon hinüber.
Ich nahm das Brötchen an und spielte damit. Sie biss von ihrem ab und kaute. Da ich meinen Blick nicht von ihr wandte, musste sie grinsen und sah weg. Sie schluckte mit sichtlicher Mühe den Bissen hinunter: „Was ist?“ lachte sie mich an. „Ich kann so nicht essen, wenn du mich anguckst.“
„Das wirst du aber müssen, ich kann gar nicht anders!“
„Dann werde ich dir dabei helfen.“ Sie erhob sich, setzte sich bei mir auf den Schoß und bot mir ihre Brötchenhälfte an.
„Mund auf!“
Ich gab ihr einen Kuss und biss von ihrem Brötchen ab. Mein Schatz nahm den nächsten Bissen und lehnte ihren Kopf zärtlich an meinen. Als wir die Brötchenhälfte zusammen geschafft hatten, kuschelte Susi immer noch mit mir.
„Weißt du eigentlich, dass ich dich vom ersten Augenblick an total süß fand?“
Ich stupste sie mit der Nase und antwortete: „So?...weißt du was ich von dir dachte? Ich dachte, was für eine süße kleine Frau mit welch bezauberndem Lächeln und welch niedlichen Lachfältchen. Ich glaube, ich war direkt auf deine natürlich-herzliche Art eifersüchtig, weil ich in deiner Gegenwart nicht so sein konnte.“
Susanne streichelte mein Haar. „Das hat mich besonders an dir gereizt, weißt du? Ich konnte dir gleich ansehen, dass du lieber ganz anders wärst, aber viel zu schüchtern und unsicher in meiner Nähe wurdest, als du erst gespürt hast, dass du mich gern hast.
Ich glaube, ich habe mich in dem Moment ein Bisschen verliebt in dich, als du bei unserem Gespräch im Lehrerzimmer stiften gegangen bist.“
„Ich bin nicht stiften gegangen, das war ein taktischer Rückzug!“
„Ich fand es jedenfalls total süß, als ich merkte, daß du nicht länger in meiner Nähe sein konntest, ohne deine stabile Fassade zu verlieren. Ich musste einfach schauen, was passiert, wenn ich dich in die Enge treibe. Allein schon, weil ich mich zu dem Zeitpunkt schon ein wenig in dich verguckt hatte.“
Ich küsste sie wieder auf ihre samtige Wange, die wie die junge Haut eines Pfirsichs auf meinen Lippen anfühlte und wir kuschelten wieder ein Weilchen.
„Du, heute abend haben meine Eltern alte Freunde da, die in Indochina leben. Ich bin auch eingeladen. Willst du nicht mitkommen?“
„Gern.“ Ich überlegte einen Augenblick. „Ich muß gleich auch noch nach Hause ein paar Dinge erledigen, bin aber bis fünf mit allem fertig.“
„Meine Eltern haben die Gäste für sechs bestellt. Ich könnte dich diesmal abholen.“
Ich seufzte nur. Es war kaum denkbar jetzt wieder aufzustehen, solange meine Susi auf meinem Schoß saß. Sie war so anschmiegsam und warm an diesem kühlen Spätsommer Morgen. Ich hatte eine Freundin und dabei gleich die tollste Freundin der Welt. Ich war kein Single mehr und konnte mein Glück gar nicht fassen, Susi liebte mich!
„Ich muß jetzt aber wirklich los. Ein kleiner Berg Arbeit wartet auf mich, die ganzen Unterlagen zu den Exkursionen in Italien liegen noch unfertig auf meinem Schreibtisch.“
Susi rutschte widerwillig von meinem Schoß hinunter.
„Ja, ich habe auch noch zu tun...ich rufe dich aber heute mittag noch an und jetzt komm her!“
Ich holte mir noch einen dicken Schmatzer auf den Mund ab und wir sahen uns verliebt in die Augen. Ihre hellen Sterne blickten abwechselnd mein linkes und mein rechtes Auge an und fanden nicht zur Ruhe, ihr weißes Lächeln strahlte wieder über ihr ganzes wunderschönes Gesicht.
„Ich bin total in dich verliebt, weißt du das?“ sagte ich und wandte mich dann schnell ab, weil ich mich sonst nicht hätte losreißen können.
Ich ging zur Tür und zog mir die Schuhe an. „Bis heute mittag,“ nickte ich ihr zu und entschwand.

Die Zeit bis zum Abend war zäh wie Gummi, ich konnte mich nicht konzentrieren, denn die Schmetterlinge in meinem Bauch schienen einen Tanzball ausgerichtet zu haben. Die Worte auf den Blättern vor mir verschwammen immer wieder vor meinen Augen, die fast sowieso nur aus dem Fenster gucken wollten. Ich hätte selbst bei einem Test zum kleinen Einmaleins schlecht abgeschnitten, so verträumt war ich.
Als Susi mich mittags endlich anrief, telefonierten wir über eine Stunde. Ich weiß nicht mehr, was es alles zu besprechen gab, aber die Zeit war wieder viel zu knapp. Ich wusste jetzt schon, dass die kommende Nacht sehr kurz werden würde, wenn ich nicht gerade wieder bei ihr schlief. Ich würde kein Auge zu bekommen!
Um mir die Zeit zu vertreiben  - und da ich ohnehin an nichts anderes als an die Liebe denken konnte - las ich mir alte Gedichte aus meiner einsamen Singlezeit durch:
Liebe fand ich selten, doch
es hielt ein Schleier mich im Bann.
so kommt die Liebe selten, noch
als freies Denken hier alsdann
zu führen meines Schmerzes Schweif,
ungewährt und bitter bunt:
die Liebe sehnt, die Zeit ist reif
zu finden dies verliebte Rund.

Ich nahm einen Kugelschreiber zur Hand und fügte ein neues Gedicht in einen kleinen Zwischenraum in dem gebundenen Büchlein hinzu:
Liebe, Herz, versuch mich nicht,
ich bin doch nur ein armer Mann.
Kann nicht tragen, Liebe dich.
Und bind` mich doch in deinen Bann!

Mir fiel ein, dass ich zwischen Venedig und San Marino hängengeblieben war, und noch jede Menge Informationsmaterial zusammenstellen musste. Was noch viel wichtiger war, ich hatte noch gar kein Geschenkchen für die Einladung, die Susi ausgesprochen hatte. Ich musste ihren Eltern doch etwas mitbringen und meiner Susi natürlich auch.
Für die Eltern eine Bonboniere und für sie Rosen, aber diesmal rote!

Der Samstagabend kam und ich hatte mich schick gemacht für die Einladung bei ihren Eltern. Sie würden sich sehr freuen, dass ich mitkäme, hatte sie mir am Telefon berichtet. Das Leben war auf einmal so einfach und schön, so unbeschwert und hell. Ich war so glücklich, wie nie in meinem Leben zuvor. „Herr, danke, daß ich Susi gefunden habe, besser noch, daß sie mich, daß wir uns gefunden haben. Danke. Sei auch heute abend bei uns und segne uns.“
Ich musste nicht lang warten, Susi kam keine drei Minuten zu spät. Ihr kleiner Ford parkte am Wegesrand zu meiner Pension.
Als ich ihr den Strauß roter Rosen reichte, war sie ganz gerührt. Sie nahm ihn entgegen, als sei er ein zerbrechlicher Gegenstand und kostete eine Nase Rosenduft. Sie sah mich verliebt an und ich durfte mir ein Küsschen zur Belohnung schenken lassen. Wir setzten uns in den Wagen und fuhren los.
„Du wirst dich mit meinen Eltern bestimmt gut verstehen, unsere Gäste sind auch echt nett.“
„Deinen Vater kenne ich ja schon...ist deine Mutter auch so?“
„So was? Direkt?“ Susi lachte „Nein, wirklich nicht, sie ist sehr still und spricht auch sehr leise. Von meiner Mutter habe ich nur das gute Aussehen.“
„Das war ja fast eine Selbstkritik!“
„Findest du mich zu aufmüpfig?“ Sie lächelte mich an.
„Wenn ich die falsche Antwort gebe, muß ich dann aussteigen?“
„Das werde entscheiden, wenn ich die Antwort kenne.“
„Ich finde dich phantastisch!“
„Okay, das reicht! Raus!“
Ich küsste sie, dass sie kurz vor Ablenkung nicht ganz auf der Spur fuhr.
„Ich mache dich doch nicht nervös?“ fragte ich amüsiert.
„Doch, das war überraschend für mich. So draufgängerisch kenne ich dich ja gar nicht,“ lachte sie nicht ganz frei von Ironie.
„Ich bin ein Tiger!“
„Eher ein verschmuster Kater.“ Wie recht sie hatte. Bei ihrem Elternhaus angekommen, hielt mich Susi noch kurz an, um meine Garderobe zu prüfen.
„Du siehst klasse aus,“ lächelte sie mich an.
„Das Kompliment darf ich zurückgeben.“
„Du meinst erwidern!“
„Ich mag dich trotzdem!“ Susi zwickte mich und klingelte. Wenige Sekunden später wurde uns auch schön geöffnet. Es war ihre Mutter, die Ähnlichkeit zu Susanne war nicht zu übersehen.
„Oh, hallo, tretet ein, Ewald wartet schon im Wohnzimmer. Unsere anderen Gäste sind auch schon eingetroffen.“
„Hallo, Mama, das ist Linus.“ Ich neigte den Kopf grüßend. Ihre Mutter schien mich auch gleich sympathisch zu finden, sie lächelte mich an und erwiderte: „Angenehm.“
„Ganz meinerseits, das hier ist für sie, als Dankeschön für die Einladung.“ Ich überreichte die Pralinenpackung. Ein paar Höflichkeitsfloskeln später saßen wir in einem gemütlichen Kaminzimmer auf Polstermöbeln und auf Stühlen. Das ältere Ehepaar aus Indochina plauderte aus dem Nähkästchen und über die politischen Verhältnisse bei ihnen daheim, aber wirklich folgen tat ihnen nur Susis Mutter Katrina. Ihr Vater stand immer wieder auf, um seinen Gästen ein Bier, ein Glas Wein oder diverse alkoholische Getränke aus seinem reichhaltigen Bestand aufzudrängen. Susi flüsterte mir albern ins Ohr, ich solle ihrem Vater doch den Gefallen tun, und ein dankbarer Abnehmer sein!
Ihr Vater war genauso durchschaubar, wie seine süße kleine Tochter: es wurde mir recht schnell klar, dass er viel mehr daran interessiert war, wen seine Tochter da angeschleppt hatte, als über den fernen Osten zu hören! Dankbar schaute ich zu ihrer Mutter hinüber, die sich still mit mir zufrieden gab und größeres Vertrauen in die Wahl ihrer Tochter hatte, als ihr Mann Ewald! Dieser hatte sich tatsächlich zu mir gesetzt und fing an mich auszuhorchen. Ganz unter Männern, versteht sich.
Es war die typische Eifersucht eines Vaters auf den Freund seiner einzigen Tochter: Wenn ihm schon jemand seine Kleine abspenstig machte, dann wollte er wenigstens mit ihm zufrieden sein! Eltern waren schon ein lustiges Völkchen.
„Welche Hobbys haben Sie?“
„Ich lese viel - meist historische Romane - und ich laufe gern.“
Ewald nickte zufrieden. Er schien überhaupt immer zufriedener zu werden, je mehr ich erzählte. Ob das an meinen Worten lag oder dem Rotwein, den wir uns gegenseitig hartnäckig nachschenkten, konnte ich nicht beurteilen. Das ging gut über eine Stunde so und außer den spöttisch amüsierten Blicken, die ich von Susi kassierte, erntete ich auch noch das Mitleid der Mutter, die ihrem Mann hin und wieder in ein anderes Gespräch zu involvieren versuchte.
Ich mochte ihre Eltern und als ihr Vater plötzlich von sich anfing zu erzählen, hatte ich auch ihn in der Tasche! Nachdem er von mir überzeugt war, wollte er auch mich überzeugen, was für ein prima Kerl er war.
Susi war der Wandel im Gespräch auch aufgefallen und sie gab mir fröhlich lächelnd einen Kuss auf die Wange und in ihren Augen konnte ich ein „Danke!“ erkennen. Sie ging mit ihrer Mutter und den Gästen ins Esszimmer. Das Abendessen war im Backofen und ihre Mutter war vorher schon ab und zu in die Küche gegangen, um zu schauen, ob die Lasagne schon goldbraun und durch war.
Als wir zwei Männer allein im Kaminzimmer übrig geblieben waren und Ewald mir genug über seine Liebe zum Radsport erzählt hatte, blickte er kurz zum leeren Eingang des Zimmers.
Seine vertrauliche dunkle Stimme wurde leiser, als er noch etwas an mich heran rutschte und mir zuraunte: „Wissen sie, sie sind jetzt Susannes vierter Freund, wenn man die Schulzeit ausklammert. Sie hat hier schon manchen Pfeifenkopf, den sie gerne hatte, angeschleppt, aber so verliebt wie jetzt habe ich sie noch nie gesehen! Ganz nebenbei, Sie gefallen mir von ihren Freunden auch mit Abstand am besten!“
Ich wusste nichts Rechtes zu erwidern, deshalb setzte ich ein kumpelhaftes Lächeln auf und meinte nicht ganz ernst: „Ich werde sie nicht enttäuschen.“

Beim Essen musste ich mich auch ein paar Fragen der Mutter stellen, die übrigens ganz wunderbare Lasagne machen konnte. Sie war sehr nett und man hatte das Gefühl, ihr gar keine falschen Antworten geben zu können, so offenherzig und mütterlich war ihr Lächeln.
Susi reservierte uns nach dem Abendessen gleich die Zweisitzercouch im Kaminzimmer. Sie tuschelte öfter mit mir, während sich die älteren Herrschaften gepflegt unterhielten.
„Und? Wie findest du meine Eltern?“
„Dein Vater ist ein Monster und deine Mutter redet viel zu viel.“
„Ich finde sie auch nett.“
„Stimmt das, was dein Vater mir über deine Grundschulzeit erzählt hat?“
Susi bekam ganz große Augen. „Was genau?“ fragte sie vorsichtig.
„Das du eine richtige Giftspritze warst und immer die kleineren Jungs vertrimmt hast.“
„Ich...“ stammelte sie.
Ich musste lachen: „Ganz ruhig, ich hab’s erfunden. Voll ins Schwarze!“
Sie guckte mich böse an: „Manno!“ Sie kniff mich wieder in den Bauch. Ich lehnte versöhnlich meinen Kopf an ihre Schulter, aber sie stupste mich weg.
„Ich war früher nicht immer zickig!“
„Das glaube ich dir aufs Wort.“ Sie stieß mich mit dem Ellbogen in die Rippen und setzte einen süßen Schmollmund auf.
„Ich kann mir schon vorstellen, was passiert ist, wenn du die Klasse betreten hast. Alle Jungs sind zusammen gezuckt. Und jedesmal, wenn du die Hand zum Melden hoch gerissen hast, hat dein Banknachbar sich panisch mit einem Hechsprung vom Stuhl auf den Boden gerettet.“
Ich lachte: „Bei den Mädchen wurdest du als Todesfee gehandelt, bei den Jungs als Terminator.“
„Mit dir rede ich nicht mehr! Ich kann nur hoffen, dass du als kleiner Junge von den Mädchen in deiner Klasse genug geärgert und getriezt wurdest.“
„Oh ja, deshalb habe ich soviel Nachholbedarf. Sie haben mich immer `Lili´ genannt und mich ständig angestarrt und mich mit Briefen getriezt. Ich habe immer `Nein´ als Antwort angekreuzt und sie haben trotzdem nicht aufgehört.“
Susi lachte wieder: „Das glaubst du doch selber nicht! Ich wette, du warst einer von den ganz stillen Jungs, die kein Mädchen weiter beachtet hat und über die nur gelästert wurde.“
„Besser als der Terminator!“
Sie küsste mich herzhaft: „Du bist ein echter Schatz, weißt du das?“
Das konnte ich so stehen lassen. Ich blickte meiner Susi nur verliebt in die Augen. Ein wirklich schöner Abend!

                        9
Ich hatte im Bus ganz vorn Platz genommen. Es war laut und viel zu stickig in dem fünfzig Sitze zählenden Bus, bei dem auch jeder einzelne Sitz gebraucht werden würde. Er hatte, während er beladen wurde, geraume Zeit auf dem Schulhof in der prallen Nachmittagssonne gestanden und man fühlte sich wie in einem Glutofen.
Der Fahrer warf endlich den Motor an, dass die Klimaanlage die heiße Luft hinaus blies.

Ich freute mich sehr auf die Stufenfahrt, jetzt konnte ich wieder mehr Zeit mit Susi verbringen. Am Samstagabend hatte mich Susi nur nach Hause gebracht, weil sie danach die Gäste wieder zum Münchner Flughafen fahren musste. Sie war die halbe Nacht unterwegs gewesen und mein Angebot mitzufahren, hatte sie ausgeschlagen. Ich sollte mich aufs Ohr legen und da duldete sie keine Widerrede. Der heutige Sonntag vormittag war sehr arbeitsam gewesen. Ich musste nicht nur packen, sondern auch noch die letzten Unterlagen zusammenstellen und mich mit dem Busunternehmen kurzschließen. Um fünf wurde der Bus beladen, dass wir pünktlich gegen kurz vor sechs losfahren konnten. Lauter strahlende Gesichter rings umher. T-Shirts und kurze Hosen dominierten bei weitem das Bild, aber Pullover für die Nacht hatten sich viele um die Hüften gebunden.
Susis und meine Abiturientinnen waren ganz heiß auf die spätsommerliche Hitze in Norditalien, konnten es kaum erwarten sich an den Strand zu legen oder echtes italienisches Eis in einer Strandpromenade zu verköstigen, die Herren der Schöpfung waren vor allem natürlich auf kühle Flüssignahrung erpicht, die sie auch schon in Kühltaschen mit in den Bus gebracht hatten. Die freundliche Geste, mir ein eisgekühltes Export anzubieten, nahm ich bei dieser Hitze im Bus gerne an.
Ich kannte inzwischen neben dem Kurssprecher Markus und anderen auffallenden Persönlichkeiten auch den ganzen Leistungskurs beim Namen.
„Wenn Sie später noch ein Bier haben möchten, Sie wissen ja, wo wir sitzen,“ meinte Tolga und prostete mir fröhlich zu.
Markus schloss die Kühlbox: „Mal ganz unter uns, Herr Sommer, läuft da `was zwischen Ihnen und Frau Liebig?“
„Sie meinen mit `unter uns´ sicher Sie beide und die hier anwesenden Leistungskurse?“
„So könnte man sagen.“
„Am besten fragen Sie mal eine der Frauen aus Ihrer Stufe, die sind immer bestens informiert, sagt man. Die haben einen Riecher für so etwas.“
„Warum sitzen Sie dann ganz vorn im Bus und Frau Liebig in der Mitte?“
„Weil es dumm wäre, sich jetzt schon zu outen und ihnen allen so das Gefühl zu geben, diesen Umstand für sich ausnützen zu müssen und sich noch fauler, lauter und unmöglicher aufzuführen, als Sie es ohnehin schon tun werden.“
„Raffiniert!“ Markus grinste.
„Da Sie beiden nun unsere Taktik kennen, werden wir ungebührliches Verhalten der Stufe natürlich auf Sie als Träger dieser Information zurückführen, und es wird sich unbarmherzig in ihren Leistungskursnoten widerspiegeln.“
„Sie sind ein Fuchs, Herr Sommer,“ grinste Tolga.
„Frau Liebigs `Schmusekater´gefiel mir da besser. Und machen Sie jetzt, das Sie fortkommen, sonst verschiebe ich das Frühstück in Chesenatico von neun auf halb acht.“
Die beiden trollten sich breit grinsend. Ich lächelte gut gelaunt und öffnete die kleine Bierflasche an der Armstütze des Sessels. Unauffällig natürlich, obwohl es nicht viel bringen würde, vor diesen beiden Stufen Geheimnisse haben zu wollen. Kein Jahr mehr und sie hätten alle ihr Abi! Es wäre auch nicht möglich gewesen, Susi so anzukucken, als wenn nichts wäre.
Ich litt jetzt schon unter der Einsamkeit hier vorn in der ersten Reihe.
Susanne hatte dem Wunsch ihrer Schülerinnen nachgegeben und sich mitten unter sie gesetzt.
Ich wartete darauf, daß alle Abiturienten endlich saßen und ich mit dem Mikrophon eine Ansage machen konnte.
„Ist neben Ihnen noch frei?“ Julika blickte mich fröhlich und erwartungsvoll an.
„Setzen Sie sich.“
„Danke.“
Ich stand auf und blickte den Bus hinunter. Es waren jetzt tatsächlich fast alle Plätze besetzt.
Ich plauderte kurz mit dem Fahrer und machte dann die Ansage.
„...und zum Schluss natürlich noch die Bitte, dass wenn um eins Nachtruhe ist auch wirklich Ruhe herrscht, daß die, die wollen, auch schlafen können. Morgen gegen acht werden wir in Chesenatico unsere Hotelzimmer beziehen können. Um neun gibt es Frühstück, dann folgen weitere Informationen, den ersten Tag haben Sie aber natürlich frei.“
Verhaltener Jubel: die Abiturenten hätten natürlich lieber jeden Tag frei, aber aus meiner eigenen Schulzeit wusste ich, daß es doch schnell langweilig werden kann, ohne diese obligatorischen Bildungsexkursionen.
Ich drückte dem Busfahrer das Mikro in die Hand und nutzte die Ablenkung, die seine Worte mit sich brachten, um zu Susi hinüber zu spähen. Sie lächelte glücklich und strahlte mich an, dass ich seufzen musste: Wir hatten uns darauf geeinigt, auf der Hinfahrt getrennt zu sitzen, um besser alles im Auge zu behalten, denn jetzt waren noch alle hellwach und aufgebracht. Falls das mit dem Alkohol überhand nehmen würde, würden wir es ganz schnell wieder verbieten!
So hielten sich nur unsere Blicke sehnsüchtig fest und zeigten dem Gegenüber die Stille Freude auf den morgigen Tag, an dem wir ungestört beieinander sein konnten.
Ich setzte mich wieder an den Gang und der Busfahrer ließ den laufenden Motor lauter aufmurren. Wir setzten uns in Bewegung.
„Freuen Sie sich auch schon, Herr Sommer?“ Julika lächelte mich an. Ich vermutete, dass sie nicht ganz glücklich darüber war, dass ich und Susi zusammen waren, aber um das wirklich feststellen zu können, hätte ich eine Frau sein müssen. Julika schien jedenfalls in Flirtlaune zu sein und ich war so gut gelaunt, daß ich einstieg, ohne natürlich jemals die Lehrer–Schüler Distanz in Gefahr zu bringen.
Es verkürzte die Zeit bis zum Einbruch der Nacht enorm, sie war eine nette, witzige Person.
Nachts schlief ich tatsächlich für eine Stunde ein: Es war zwischen vier und fünf so ruhig im Bus, und das leise Atmen von Julika, die gegen ein Kissen gelehnt am Fenster schlief, ließen auch meine Augen zufallen.

                        10
Strahlender Sonnenschein und ein bescheidenes Frühstück erwarteten uns in Chesenatico.
Die Stadt war ein einziges Touristenzentrum und Hotel klebte an Hotel, aber allein die Sonne und die Palmen am Straßenrand beschworen ein heiteres Bild hinauf. Hier war der Sommer noch nicht so abgekühlt, wie bei uns daheim.
Beim Frühstück saß ich Susi gegenüber, die kurze Nacht stand uns beiden ins Gesicht geschrieben: Sie hatte ganz kleine Augen und ihr verschlafenes Lächeln sah so süß aus, dass ich mich zusammenreißen musste, um meinen Schatz nicht vor den Augen unserer Schüler einen Guten-Morgen Kuss zu geben.
Wir saßen zumindest außer Hörweite, weil es laut und munter unter den Abiturienten zuging, und sie auch sehr mit sich selbst beschäftigt waren.
„Und was wollen wir gleich machen? Uns den Strand ansehen?“
Ich nickte: „Vielleicht finden wir auch ein nettes Strandcafe.“
Wir schauten uns wieder nur an und es gab Augenblicke, da hatte ich das Gefühl, wir wären ganz allein in diesem Hotel. Die Stimmen um mich herum verstummten, und es gab nur noch Susi und mich. Es war, als wäre diese unsere erste gemeinsame Reise zu zweit. Ihr verliebtes Lächeln, ließ mich alles andere vergessen.

Wir machten nach dem Frühstück noch unsere Abkündigungen für den heutigen Tag, klärten sie über die Verhaltensregeln im Hotel auf, verteilten die Zimmerschlüssel und machten schon ein bisschen Stimmung für den morgigen Tagesausflug nach Venedig.
Gemeinsam bummelten wir die lange Strandallee entlang, bis wir sicher sein konnten, außer Reichweite unsere Schüler zu sein, die sicher den kürzesten Weg ins kühle Nass wählen würden.
Susi ergriff plötzlich meine Hand und wir gingen händchenhaltend weiter. Ich glaube, so stolz bin ich noch nie eine Straße hinunter gegangen, nicht in edelsten neuen Klamotten, nicht nach bestandenem Abi oder bestandenen Examina! Ich drückte ihre kleine Hand.
Wir gingen zum Strand. Unter anderen Umständen hätte ich mich herzhaft über diesen Strand moquiren können, aber am heutigen Tag empfand ich selbst das rostbraune Wasser als klar.
Runde Tische unter Palmen in einem schicken Strandcafe diente uns als Raststätte. Wir bestellten erst einmal zwei Cappuccino, um das schwarze heiße Zeug aus dem Hotel vergessen zu können.
„So stelle ich mir Urlaub vor. Ist es nicht wunderschön hier?“ strahlte Susi und nippte an ihrem Getränk.
„Nicht so schön wie du,“ schmunzelte ich und bekam einen albernen Blick und ein Küsschen für mein flaches Kompliment. Ich habe nur irgendwo einmal gehört, das man einer Frau nicht oft genug sagen kann, wie schön sie ist. Bei Susi fiel das wahrlich nicht schwer.
„Es ist, als bekämen wir noch eine zusätzliche Hochsommerwoche geschenkt. Der Himmel ist blau, das Meer beinahe, die Palmen blühen und ein angenehmer Wind umschmeichelt uns.“
„Das war ja schon fast poetisch, Herr Sommer.“
„Nicht wahr? Das kann ich aber noch besser, warten Sie einen Augenblick.“
Ich überlegte kurz und setzte dann an mit reichlich Pathos in der Stimme:
„Flammend hoch die Sonne steigt in immerwährend süßer Glut.
 Milchig blau der Horizont, heißer Wind geht mild und leicht.
 Äste recken sich empor, grün die Pracht im gleißend Licht
 Freude wächst und Lächeln strahlt verzückt in lieber Sommersflut.“
„Schön. Hast du auch deinen anderen Freundinnen Gedichte vorgetragen?“
„Nein.“
„Wieso nicht? Es wäre bei ihnen bestimmt gut angekommen. Naja, um so besser, sonst wärst du jetzt vielleicht nicht hier.“ Sie hielt meine Hand. „...Aber neugierig bin ich schon! Über meine Beziehungen hat dich bestimmt schon mein unseliger Vater informiert,“ lächelte sie. „Er hat vermutlich auch gesagt, dass ich nicht immer die Auslese gewählt habe.“
„Er hat es etwas pragmatischer formuliert.“
Susanne lachte: „Er hat auch recht! Ich habe mich immer schnell verliebt und im Nachhinein muß ich schmunzeln, wenn ich an den ein oder anderen meiner Freunde zurück denke... Es waren alles ganz prima Typen, keine Frage, aber deshalb hätte ich sie wirklich nicht gleich heiraten wollen:  es ist meist kein ganzes Jahr gut gegangen. Wir waren einfach immer zu verschieden oder aber zu gleich.
Mit Richard, das war mein dritter Freund, habe ich mich fast jeden Tag gestritten, er musste mir aber auch immer Widerworte geben.“
„Und du ihm,“ lächelte ich sie an.
„Eben, das war manchmal ganz nett, aber meistens ging es mir ziemlich auf die Nerven.“
Sie drückte meine Hand fest und sah mir in die Augen: „Du bist mir da lieber! Wenn ich in unseren Gesprächen mal etwas Dummes und wenig Überlegtes gesagt habe, und das passiert bei mir ja öfter,“ sie grinste „dann hast du es einfach übergangen oder überspielt. Das ist mir schon aufgefallen. So hatte ich nie das Gefühl, tatsächlich Unfug geredet zu haben. Außerdem gibst du mir keine Widerworte.“
„Stimmt doch gar nicht.“
„Natürlich stimmt das!“
„Tut es nicht.“
„Doch tut...ach so...gut, du hast gewonnen.“ Wir lächelten uns liebevoll an, aber Susi blieb bei dem leidigen Thema: „So, jetzt mal zu deinem Privatleben. Du weißt viel mehr über mich, als ich über dich! Wie waren denn deine Freundinnen so? Lass mich raten, sie waren alle eher von meinem Temperament.“
Ich schüttelte den Kopf.
„Du hattest schüchterne Freundinnen? Wie habt ihr das denn fertig gebracht? Habt ihr euch solange nicht angeguckt, bis ihr irgendwie zusammen wart?“
Ich lachte: „Nein.“ Jetzt drückte ich ihre Hand und sah ihr in die Augen.
„Susanne, du bist meine erste Freundin.“
Pause. Ich konnte in ihren hellen Augen eine kurze ungläubige Leere ausmachen, dann fand mein Schatz aber ihren Schneid wieder. Sie schien sehr überrascht, verunsichert und erfreut gleichzeitig, als sie meine Aussage verifiziert haben wollte.
„Du willst mir doch nicht weismachen, daß du noch nie eine Freundin hattest.“ Sie kniff die Augen zusammen und suchte in meinem Gesicht nach einer kleinen Schwäche, wie einem Mundwinkelzucken.
„Doch,“ lächelte ich absolut unverfänglich. Ihre Augen suchten weiter und ihr verschmitztes Lächeln wurde immer breiter.
„Oh mein Gott, ich glaube dir!“
„Linus reicht vollkommen.“
Susi zwickte mich wieder. Ich glaube, jetzt wurde ihr auch einiges klar, was ihr vorher an meinem Verhalten aufgefallen war. Es schien ihr sehr viel Vergnügen zu bereiten, all diese Bilder wieder Revue passieren zu lassen. Ihrem Blick entnahm ich, wie albern ihr nun mancher Test erschien, den sie mich durchlaufen lassen hatte. Sie wurde über diese selbstironischen Gedanken immer fröhlicher und blickte mich wieder verschwörerisch über ihre süßen Lachfältchen an: „Ich habe dich ziemlich hart geprüft, nicht wahr?“
„Ich fand dich zwar ziemlich unglaubwürdig als Prüferin, aber Spass hat es mir alle Mal gemacht.“
Susi stand auf, setzte sich rittlings auf meinen Schoß und blickte mich an. Sie küsste mich so herzhaft, als hätte ich ihr gerade einen Antrag gemacht.
Ich legte die Arme um ihre schlanke Taille und zog sie noch ein Stück an mich heran. Der schönste Zungenkuss, den wir je ausgetauscht hatten auch, wenn meine Susi eindeutig die Oberhand gewann. Ich ließ sie gewähren und der Tanzball in meinem Magen startete ein gewaltiges Ensemble der Schmetterlinge.

                    11
Der Markusplatz in Venedig lag im hellen Sonnenlicht und war übersät mit munteren hellgrauen Tauben. Die Eingangsreliefs der Kathedrale thronten hoch über dem gepflasterten Platz, auf dem sich immer mehr unserer Schüler einfanden: Sie kamen in kleinen Gruppen aus dem gewaltigen Gotteshaus und sonnten sich in freudiger Erwartung auf unser Startsignal.
Nach Besichtigung der Seufzerbrücke, der Markuskirche, des Teatro la Fenice, des Dogenpalastes und zahlreichen anderen kulturellen Sehenswürdigkeiten war der Rest des Tages wieder frei. Ich glaubte, daß wusste heute niemand mehr zu schätzen als Susi und ich!
Manche unserer Abiturienten sahen so aus, als würden sie es nicht mehr lange machen: Sie hatten alle dicke Sonnenbrillen auf und wagten sich kaum aus dem Schatten.
Susi trug ein legeres violettes Oberteil und hellblaue kurze Jeans. Sie hätte sich zu ihren Schülerinnen gesellen können, ohne aufzufallen. Als ich an mir herabsah, konnte ich mir diese Qualität auch nicht wirklich absprechen.
„So, jetzt sind wir alle vollzählig.“ Susi wurde lauter „Wir treffen uns um sieben Uhr an der Anlegestelle, wo wir auch gelandet sind. Machen Sie uns keine Schande und benehmen sie sich heute ausnahmsweise mal nicht wie sie selbst.“
„Und was machen Sie?“
„Herr Sommer und ich werden uns auch die Stadt ansehen.“
Die Schülerin lächelte uns vieldeutig an, setzte sich dann aber mit dem Rest der Bagage langsam in Bewegung.
Als auch das letzte Schülergesicht in der langen Straße durch die Kanäle verschwunden war, schlang Susi die Arme um mich und sah mich an.
„Wollen wir uns eine Gondel nehmen?“
Wir küssten uns und nahmen uns wieder an der Hand. In Venedig eine Gondel zu finden, war noch leichter, als in New York ein Taxi zu chartern.
Ich kletterte in das schmale schwarze Boot und reichte meiner Susi die Hand, als sie vorsichtig vom Dock das Wasserfahrzeug bestieg.
Glücklicherweise sprach der Gondolliere Englisch, wenn auch mit starkem Akzent. Wir wünschten uns eine Rundfahrt und nahmen darauf im hinteren Teil der Gondel Platz.
Als das schlanke Boot gemütlich durch die romantischen Wasserstraßen der Stadt glitt, kuschelten wir uns zunehmend aneinander. Der Himmel war wieder azurblau, und es war wunderbar warm.
Wir sahen uns in die Augen und sprachen lange Zeit nicht, bis es wieder aus Susi herausplatzte. Mein Schatz redete doch so gerne und ich hörte ihr gerne zu:
„Ich fühle mich, wie eine herrschaftliche Dame im Achtzehnten Jahrhundert, die mit ihrem Liebsten durch die Kanäle fährt.“
„Die feinen italienischen Damen haben aber keine kurzen Bluejeans getragen.“
„Für einen italienischen Liebhaber musst du aber auch noch schwer üben,“ Susi schmunzelte mich kess an und brachte durch diese Worte, und die damit verbundene Erinnerung, mein Blut wieder in Wallung.
„Von mir aus gerne.“
„Ich denke, ich muss dir noch das ein oder andere bei bringen, Herr Lehrer.“
„In diesem Fall, werde ich dir ein gelehriger Schüler sein.“  Wir strahlten uns an. Unsere Gondel brachte uns durch hohe Häuserschluchten und an erleuchteten, farbenprächtigen Barockfassaden vorbei, zeigte uns die zierlichen kleinen Brücken und die unzähligen kleinen Stände auf den Steinstraßen am Kanalufer.
„Hab ich dir heute schon gesagt, das ich dich liebe?“
„Nein.“ Susi pikte mir ihren Finger in den Bauch.
„Jetzt tue ich es auch nicht mehr, ich werde ja doch immer nur gepiesakt.“
Susi sah mich an und fragte: „Auch nicht für einen Kuss?“ Ihre hellen, blauen Sterne fingen meinen Blick und ihr süßer rosa Mund verhieß mir mehr, als das ich hätte auch nur einen Lidschlag hätte zögern können. Ich sagte die Worte und bekam das zärtliche Geschenk meiner Liebsten. Wir waren glücklich.

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 30.03.2011. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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