Klaus-Peter Behrens

Der Wanderer, Teil 5

Hallo liebe Leser,

sorry, dass die Fortsetzung so lange auf sich warten ließ, aber irgendwie ist diese Story bei mir völlig untergegangen. Ich gelobe Besserung und zeitnahere Fortsetzungen.

Euer

Klaus-Peter Behrens



„Wir haben nicht erwartet, Euch jemals wiederzusehen“, eröffnete Torks Vater das Gespräch. Gemeinsam saßen sie um den hölzernen Esstisch vor dem steineren Kamin, der im Winter so behagliche Wärme spendete. Diesmal schien jedoch ein eisiger Hauch durch die Wohnstube zu ziehen, was gut zu dem kühlen Blick aus den eisblauen Augen Flyoris paßte, mit dem dieser Torks Vater betrachtete.
„Sagt lieber, ihr habt es nicht gehofft“, erwiderte er bedächtig, wobei sein Blick zu Tork hinüber wanderte. Zu Torks Verwunderung wurde der stahlharte Blick des graubärtigen Wanderers weicher, und er konnte für einen Moment einen Hauch der mentalen Aura des Fremden spüren, als hätte sich die Tür zu seinem Inneren einen winzigen Spalt geöffnet, bevor sie wieder donnernd ins Schloß fiel. Und was er dabei empfangen hatte, verwirrte ihn.
Dieser Fremde verspürte tiefe Zuneigung für ihn.
Aber einen Augenblick war da noch etwas anderes gewesen, das Tork nicht verwirrte, sondern ihn ängstigte. Ein starkes Gefühl der Furcht war für einen Lidschlag über ihn hinweg gebrandet wie eine Flutwelle. Furcht vor einem unbeschreiblichen Grauen, und dieses Grauen schien im direkten Zusammenhang mit ihm selbst zu stehen.
„Ihr habt es ihm nicht gesagt.“
Es war keine Frage sondern eine Feststellung. Torks Mutter fing bei diesen Worten des Wanderers leise zu schluchzen an, während sein Vater stumm den Kopf schüttelte, die Lippen zu einem Strich zusammen gepreßt.
„Was habt ihr mir nicht gesagt? Was ist hier eigentlich los? Anscheinend bin ich der einzige an diesem Tisch, der nicht Bescheid weiß. Mein Vater hat mir gesagt, Ihr würdet mir selbst erklären, was ihr hier wollt und warum ihr nach mir gesucht habt. Also, laßt Eure Geschichte hören.“
Mit verschränkten Armen lehnte sich Tork derart stark gegen die hölzerne Lehne seines Stuhls, daß er die Unebenheiten im Holz in seinem Rücken spüren konnte. Sein Blick bohrte sich in den des Fremden, doch anders als zuvor, konnte er diesmal keine Aura empfangen. Der Fremde hätte genauso gut tot sein können. Die eisblauen Augen musterten ihn noch einen Augenblick, während seine rechte Hand durch den leicht zotteligen Bart strich. Schließlich nickte er bedächtig, als sei er innerlich zu einer Entscheidung gelangt und begann zu erzählen.
„Es war zur Zeit des Endes des Großen Kriegs. Der Düstere war geschlagen, seine Kreaturen in alle Winde verstreut, und die Allianz der Verbündeten begann zum ersten Mal, das ganze Ausmaß dieser dunklen Zeit zu erfassen.
Und was sie feststellten, war bitter.
Die Zahl der Gefallenen war unvorstellbar hoch. Zwerge, Elfen, Menschen waren in hoher Zahl gefallen. Aber auch Magier waren dem Krieg zum Opfer gefallen. Nur einige wenige hatten den Kampf gegen die Magie der Finsternis überlebt. Einer von ihnen war ich. Zu jener Zeit..“
„Was hat das alles mit mir zu tun?“, unterbrach Tork ihn ungehalten.
„Geduld, mein Freund, ist eine Tugend, die mit der Jugend leider nicht konform geht.“ Der milde Tadel in der Stimme des Fremden ärgerte Tork, doch er beschloß, es dabei bewenden zu lassen.
„Entschuldigt die Unterbrechung“, brummte Tork. „Erzählt bitte weiter.“
„Nun, zu jener Zeit dachte ich zunächst, daß ich der letzte meiner Zunft war. Sämtliche Magier, mit denen ich Seite an Seite so manch düstere Stunde durchlebt hatte im Kampf gegen das Böse, waren im Laufe des Krieges gefallen. Um so erfreuter war ich, als ich durch Zufall erfuhr, daß neben einigen, hoch betagten Magiern im Land auch Torkun, der heranwachsene Sohn meines alten Magierfreundes Sadurs von Sehlheim, bekannt unter dem Namen Der Flüsterer,  überlebt hatte. Ich suchte ihn auf und für eine Weile reisten wir gemeinsam durch das Land. Ich lernte ihn die Geheimnisse der Magie und verdrängte so nach und nach die Erinnerung an die Schrecken, die mich einst Nacht für Nacht heimgesucht hatten. Aber die Schrecken sollten mich schon bald einholen, doch dazu später.
Zunächst entwickelte sich das Leben erfreulich. Torkun verliebte sich in eine Elfin, die er am Hofe des Hochkönigs anläßlich der ersten Jahresfeier zum Kriegsende kennenlernte. Da auch Elfen über gewisse magische Fähigkeiten verfügen, fühlten sich die beiden zueinander hingezogen und wurden ein Paar. Schon ein Jahr später wurde den beiden ein Kind geschenkt, ein Junge. Die junge Familie zog nach Süden und ich machte mich auf den Weg zurück in die Sommerwälder jenseits von Bruchhöhen, meiner Heimat. Friede schien endlich eingekehrt zu sein, und die Schrecken der Vergangenheit verblaßten allmählich.
Aber dann zogen erneut dunkle Wolken am Horizont auf. Unheimliche Dinge passierten im Land, und schließlich erreichte auch mich die Nachricht von unerklärlichen Todesfällen einiger alter Magier, die ich persönlich gekannt hatte. Fast sah es so aus, als würde eine unbekannte Macht den letzten Verbliebenen meiner Zunft nachstellen. Eine kalte Furcht umklammerte mein Herz, als ich an Torkun und seine Familie dachte, die völlig ahnungslos waren, angesichts der Gefahr, die möglicherweise schon an ihre Haustür klopfte. Sofort machte ich mich auf den Weg langen und beschwerlichen Weg zu den Ufern des Silberflusses nahe der Feste Steinbruch, wo sich Torkun mit seiner Familie niedergelassen gelassen hatte. Ich eilte und gönnte mir nur winzige Pausen, und doch kam ich zu spät.
Das Haus lag in Trümmern, Torkun und seine Frau tot in ihrem Blut.
Aber wo war das Kind?
Ich durchsuchte die Trümmer ohne Erfolg. Hatten die unbekannten Angreifer es etwa mitgenommen?
Dann vernahm ich ein leises Weinen aus dem Obstgarten an der Rückseite des Hauses. Dort fand ich das Kind in einem Korb aus Weidenholz im Schatten eines Apfelbaums. Offenbar hatten die Mörder es übersehen, oder sie waren unverhofft bei ihrer grausigen Tat gestört worden. Eines wurde mir sofort bewußt. Sollten sie ihren Irrtum erkennen, würden sie nach ihm suchen.
Was also sollte ich tun?
Ich wußte es nicht. Also begrub ich meine Freunde und reiste auf der Suche nach einer Lösung mit dem Kind durchs Land. Nach Hause wagte ich mich nicht, denn dort würden sie mich finden, und ich verspürte kein Verlangen mehr, erneut zu kämpfen. Ich war alt und müde und des Kämpfens überdrüssig. So kam es, daß mich mein Weg eines Tages in ein Dorf am Rande des Mittelgebirges führte. Das Baby in Begleitung eines alten Wanderes weckte wie üblich das Interesse der gesamten Dorfgemeinschaft, und so erfuhr ich von dem unglücklichen, jungen Paar, das keine Kinder bekommen konnte. Eine Idee begann sich in meinem Kopf zu formen.
Am nächsten Morgen suchte ich das Paar auf und machte ihnen einen Vorschlag, den sie begeistert aufnahmen. Allerdings stellte ich zwei Bedingungen. Die erste lautete, sich so weit weg von diesem Dorf eine neue Existenz aufzubauen, daß niemals jemand etwas von dieser Angelegenheit erfahren konnte, da das Kind anderenfalls in großer Gefahr schweben würde. Ich bereitete sie darauf vor, daß ich möglicherweise eines Tages wiederkommen würde, sollten die Umstände es erfordern, ohne daß ich ihnen näheres über die Art der Umstände mitteilte.
Die zweite Bedingung war sentimental und lautete, daß der Name des Kindes beibehalten werden sollte, denn er sollte an seinen Vater erinnern. Sein Name lautet...“
„Tork“, flüsterte Tork mit aschfahlem Gesicht. „Ich bin der Sohn eines Magiers und einer Elfin! Das erklärt einiges.“
„Wir haben ihm geschworen, es dir nie zu verraten“, beteuerte Torks Vater, der um Jahre gealtert schien. Sein linker Arm lag tröstend um die Schulter von Torks Mutter, die ihn mit tränenverschleierten Augen ansah.
„Es tut uns leid“, flüsterte sie.
„Das erklärt aber noch nicht, warum Ihr hier seid. Ihr erwähntet Umstände, die eintreten könnten. Sind diese Umstände nun eingetreten, und was bedeutet das für mich?“
„Du mußt fort von hier!“
„Fort?“
Tork sah Flyoris entgeistert an. Sein Blick wanderte Hilfe suchend seinem Vater zu.
„Das kommt überhaupt nicht in Frage!“
Mit einem dumpfen Dröhnen traf die geballte Faust von Torks Vater auf die unschuldige Tischplatte. „Wir lassen uns unseren Sohn nicht einfach wegnehmen.“
„Aber dann bringt ihr ihn in große Gefahr. Er könnte getötet werden. Kreaturen, wie sie finsterer nicht sein könnten, sind überall im Land gesehen worden. Sie sind auf der Suche nach jemanden, und ich bin sicher, daß es Tork ist, den sie aufspüren wollen, und früher oder später werden sie ihn finden. “
„Das ist doch alles Humbug!“, ereiferte sich Torks Vater. „Bloße Erfindungen eines alten Narren.“
„Ich wünschte, es wäre so, aber es ist leider bittere Realität. Das Böse ist erneut erwacht und auf der Suche“, hielt Flyoris dagegen, aber Torks Vater ließ sich davon nicht beeindrucken und wetterte weiter:
„Realität. Das Böse. Pah, bloße Fieberphantasien, die kein Kind ernst nehmen kann. Das könnt Ihr..“
„Ich glaube, sie haben mich bereits gefunden“, unterbrach Tork seinen Vater mit tonloser Stimme. Schnell wie eine Sandviper fuhr Flyoris Kopf herum. Sein Blick heftete sich auf Tork, wie der Blick des Bergwolfs kurz vor dem Angriff, während zugleich eine Empfindung über Tork hinweg spülte, als würde er von oben bis unten abgetastet werden. Tork schüttelte das unangenehme Gefühl ab und berichtete, was ihm im Wald wiederfahren war.
„Aber gesehen hast du es nicht“, hielt Torks Vater fest, der einfach nicht aufgeben wollte.
„Dann wäre er vermutlich nicht mehr am Leben. Ich selbst bin nur mit Mühe und Not einem Rudel Valogs entkommen. Noch hält der Tylas Gran sie zurück, andere hingegen schreckt er nicht ab. Sie werden über kurz oder lang hier aufkreuzen. Der Düstere hat sie ausgesandt. Hoch im Norden in den Gestaden des ewigen Eises, in den verlassenen Ruinen der Nordlandfeste hat er die letzten Jahrzehnte versteckt überlebt und an seiner Rache gearbeitet. Er ist stärker als je zuvor, und er hat das Tor zur Finsternis geöffnet. Schon bald wird der Düstere als Anführerer einer ganzen Heerschar von Dämonen gen Süden ziehen, um den Menschen das Fürchten zu lehren. Und niemand kann ihn aufhalten, es sei denn, ein ebenbürtiger Magier wagt es, sich ihm entgegenzustellen. Jemand, der Eigenschaften besitzt, wie du!“
„Das ist doch lächerlich! Ich mag ja ein paar Eigenschaften besitzen, die andere nicht haben, aber das qualifiziert mich wohl kaum zum Retter der Welt.“
Flyoris neigte zustimmend sein Haupt.
„Wohl gesprochen. Selbstüberschätzung ist der Anfang vom Untergang. Auf der anderen Seite kannst Du aber nicht wissen, wieso diese Fähigkeiten so wichtig sind. Um den Düsteren die Stirn zu bieten, wirst Du zuvor einen Ort aufsuchen müssen, den nur jemand mit deinen Fähigkeiten aufsuchen kann. Einen weit entfernten Ort....“
„Wo er unter Eurer Führung das Leben verlieren wird.“ Torks Vater schüttelte entschieden den Kopf. „Wer garantiert mir denn, daß Eure Schauermär nicht die Ausgeburt Eurer Fieberfantasien sind, wer..“
Das harte Geräusch eines galoppierenden Pferdes, ließ ihn innehalten. „... bei Adon hat es denn da so eilig?“, wandte er sich ungehalten an Tork.
„Begas“, antwortete Tork automatisch, der die Aura des Freundes wie ein Leuchtfeuer wahrnahm. Doch noch etwas schwappte über Tork hinweg wie eine haushohe Welle.
Furcht und Schrecken.
Irgendetwas schien dem stämmigen Schmied eine Heidenangst eingejagt zu haben. Flink wie ein Wiesel sprang Tork auf und stürzte aus der Tür, während sein Freund bereits auf den Hof preschte, das Pferd derart scharf anhielt, daß es kurz auf die Hinterhand ging und seinen Reiten beinahe abgeworfen hätte.
„Mogrus“, stieß er mit bebender Stimme hervor, während er hastig abstieg. „Ihm ist etwas Furchtbares passiert. Du mußt mitkommen.“

Der Hauch des Bösen hing noch immer in der Luft und überdeckte die Aura der hilflosen Dorfbewohner. Einige spähten mit ängstlichen Mienen umher, während andere einen Körper am Boden mit einem groben Tuch abdeckten. Der Pfad nahe des Dunkelwaldes, der von den Feldern zum Dorf hinunter führte, war zerwühlt, als hätte eine ganze Gruppe von Bauern ihn einmal gründlich umgepflügt.
Und überall war Blut.
Tork hatte das Gefühl, sich gleich übergeben zu müssen. Seine Knie wurden weich und seine Hände zitterten, als sein Blick zu der Gestalt unter dem Tuch wanderte.
Das konnte nicht sein.
Nicht Mogrus, der niemanden jemals ein Haar gekrümmt hatte.
Dankbar registrierte er, daß Florys ihm mitfühlend die Hand auf die Schulter legte. Der Alte hatte es sich nicht nehmen lassen, Tork und Begas zu begleiten. Was er sagte, war jedoch nicht dazu angetan, Trost zu spenden.
„Sie sind bereits hier, und er hatte das Pech, ihnen über den Weg zu laufen. Kannst du ihre Aura spüren?“, fragte er so leise, daß nur Tork die Frage mitbekam. Ein paar Dorfbewohner warfen dem flüsternden Fremden wütende Blicke zu, als wollten sie ihn für die Greultat verantwortlich machen, aber noch verliehen sie ihrem Unmut keine Stimme. Zu tief war der Schock darüber, daß einer der ihren auf grausame Weise ermordet worden war.
Hingerichtet.
Abgeschlachtet.
Tork nickte, während das Entsetzen noch um einige Nuancen stieg. Was auch immer Mogrus zum Verhängnis geworden war, es hatte nach ihm gesucht. Was das bedeutete, ließ ihn frösteln. Entweder würde ihm über kurz oder lang etwas ähnliches zustoßen wie dem armen Mogrus oder er mußte fortgehen.
„Wenn du bleibst, bringst du alle in höchste Gefahr“, flüsterte Florys, während er den wie betäubten Tork vom Ort des Schreckens fortzuziehen versuchte. Er scheiterte jedoch an dem stämmigen Schmied, der sich ihnen mit verschränkten Armen in den Weg stellte.
„Wo willst du hin?“, wandte er sich an Tork und ignorierte geflissentlich den Wanderer. Der stumme Vorwurf in den Augen des Freundes versetzte Tork einen Stich.
„Das ist schwer zu erklären.“
„Bei Egnus Eiern, Mogrus ist tot und du willst dich einfach so mit diesem alten Vagabunden verziehen, oder weißt du mehr als wir?“
Tork schüttelte traurig den Kopf und versuchte an dem Schmied vorbeizugehen. Ohne Erfolg.
„Aber du hast eine Vermutung. Diese Präsenz, von der du auf unserem Jagdausflug erzählt hast. War das hierfür verantwortlich? Sag schon! Du hast doch diese tollen Fähigkeiten. Sag uns, was hier los ist!“ Die Verzweiflung im Gesicht seines Freundes, der nicht fassen konnte, daß ihre Welt auf einen Schlag aus dem Gleichgewicht geraten war, tat Tork fast körperlich weh. Innerlich errichtete er einen Wall gegen die Empfindungen des Freundes, die ihn zu überrollen drohten. Sein eigener Schmerz über den Verlust Mogrus war schon schlimm genug.
„Er kann hier nicht helfen“, schaltete Floyd sich ein, dessen eisblaue Augen wachsam den Rand des Dunkelwaldes musterten, als würde er erwarten, daß das, was Mogrus getötet hatte, noch immer in der Nähe sei. „Aber du kannst ihm helfen. Was euren Freund getötet hat, war vermutlich hinter Tork her. Aus Gründen, die ich Dir nicht erklären kann, ist Tork in diesem Dorf in höchster Gefahr. Er muß fort von hier. Noch heute.“
„Fort? Noch heute?“, echote Begas verdattert. „Hast du eigentlich auch noch was zu sagen oder bestimmt dieser Fremde hier neuerdings über dich?“, wandte er sich an Tork, der zustimmend nickte.
„Er hat Recht. Ich kann in dieser Situation nicht einfach meine Familie und meine Freunde ihrem Schicksal überlassen. Jemand muß sie warnen und dafür sorgen, daß das Dorf und die Höfe gesichert werden, Gräben müssen ausgehoben werden, Palisaden errichtet ....“
„Das wird ihnen wenig nützen“, unterbrach Flyoris düster Torks Redefluss. „Diese Kreaturen halten keine Holzwälle oder Wassergräben ab. Die einzige Chance für dieses Dorf ist dein sofortiger Aufbruch. Sie werden deiner Spur folgen und das Interesse an diesem Dorf verlieren.“
„Tork soll den Lockvogel spielen?“, entrüstete sich Begas, während Tork resigniert die Schultern hängen ließ.
„Manchmal sind die Dinge nicht das, was sie zu sein scheinen. Dein Freund hat eine Aufgabe, und du tätest gut daran, ihn ziehen zu lassen.“
Begas sah noch immer nicht überzeugt aus. Tork legte ihm beide Hände auf die Schultern und sah ihm tief in die Augen.
„Hör zu, wenn ich bleibe, bringe ich euch in Gefahr. Du hast gesehen, was dem armen Mogrus zugestoßen ist. Ich könnte es nicht ertragen, wenn es weitere Opfer meinetwegen gibt. Ich muß fort. Vertrau mir. Es ist, wie Flyoris es sagt, manchmal sind Dinge nicht das, was sie zu sein scheinen. Das gilt in vielerei Hinsicht für mich.“
Begas nickte widerstrebend. Es gefiel ihm nicht, seinen Freund ziehen zu lassen, aber er sah die Logik seiner Worte ein. Einer mußte bleiben und das Dorf organisieren für den Fall, daß es tatsächlich zu weiteren Übergriffen kommen sollte. Das Dorf würde im Falle eines Angriffs jeden Mann an den Waffen dringend benötigen. Und immerhin zählte er zu den Kräftigsten des Dorfes. 
„Ich werde zusehen, daß wir bewaffnete Patroulien aufstellen und das Dorf befestigen. So etwas darf nicht noch einmal geschehen.“
„Paß auf meine Eltern auf. Die Vorstellung, daß ihnen etwas zustoßen könnte, ist für mich unerträglich.“
„Mach dir keine Sorgen. Ich werde tun, was ich kann.“
„Dann laß uns aufbrechen“, brachte sich Flyoris in Erinnerung. „Je eher wir das Dorf hinter uns lassen, desto sicherer ist dies für deren Bewohner.“
„Wir sehen uns wieder“, verabschiedete sich Tork.
„In besseren Zeiten“, erwiderte Begas. Dann wandte er sich abrupt um und ging mit entschlossenen Schritten davon. Mit einem mulmigen Gefühl im Magen sah Tork dem Freund hinterher. Eine leise Stimme in seinem Inneren sagte ihm, daß er auch diesen Freund vielleicht nie wieder sehen würde.
„Wir müssen los.“
Tork nickte und wischte sich verlegen mit dem rechten Ärmel über die Augen. Dann wandte auch er sich ab und folgte seinem neuen Weggefährten auf dem Weg in eine ungewisse Zukunft.

Wird fortgesetzt........

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 03.04.2011. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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