Norbert Wittke

Bei der Post geht´s nicht so schnell



Ein besonderes Erlebnis bei meinem Aufenthalt in der Algarve Portugals war der Besuch der Post in Portimao. Ich hatte 4 Wahlbriefe zu versenden für die Wahlen am 27. März 2011 des Landtages in Rheinland-Pfalz und des Landrates im Rhein-Lahn-Kreis. Ich hatte keine Briefwaage zur Hand und wusste nicht, ob die Briefe schwerer als 20 g waren. Über 20 g wäre ein höheres Porto angefallen.So nahm ich den Kampf auf, um die benötigten Briefmarken zu erlösen.

Brav zog ich am Eingang meine Nummer. Drei Kategorien standen zur Auswahl: 1. Allgemeine Postgeschäfte, 2. Telefonate, 3. Geldgeschäfte. Ich wählte richtig und zog die Nummer 313. Die Tafeln zeigten mir an, dass gerade die Nummer 283 aufgerufen wurde. Von 7 Schaltern waren die Schalter 4 und 6 geöffnet. Es war gegen 14.30 Uhr. Eine Frau und ein Mann versuchten den Kampf zur Bewältigung des Kundenstroms. Ein Teil der Wartenden saß auf dem Fußboden, andere standen angelehnt an den Wänden, weitere Kunden hatten es sich draußen vor dem Eingang auf der Treppe bequem gemacht. Bänke oder Stühle gibt es nicht für die Wartenden. Alle Blicke weilten auf den Anzeigetafeln.

Es ging kaum voran, weil die beiden Kundenabfertiger sich sehr viel Zeit ließen und sogar mit Bekannten noch ein Schwätzchen hielten. Mit einem jungen Portugiesen kam ich ins Gespräch, um die Wartezeit zu verkürzen. Weil es kaum weiter ging fragte ich ihn, ob die gezogenen Nummern auch auf die Erben übertragbar seien. Er musste lächeln, sagte aber, dass es hier bei der Post so üblich sei. 

Wie in unseren Postämtern erstreckt sich der Verkauf von nicht üblichen Postartikeln auch auf DVD´s, CD´s, Bücher, Spiele, Handys, Filme und viele andere Dinge. Sie waren ausgestellt in Regalen und Glasvitrinen im Raume.

Wäre ich der Sprache der Portugiesen mächtig gewesen, hätte ich in der Wartezeit gut eines der Bücher lesen können. Ich fragte meinen jungen Freund weiter, ob es nicht üblich sei, dass während der Wartezeit Getränke und Speisen angeboten würden. Hier war es wirklich eine Marktlücke für den Betreiber eines Imbissstandes oder etwas ähnlichem.

Nicht heraus gefunden habe ich, ob die Post hier auch die Leistungen von Beerdigungsunternehmen anbietet, falls einem Kunden der Schlag trifft während der Wartezeit.
In Deutschland nehme ich an, ist das wohl längst der Fall. Wenn ich hier in ein Postamt trete, werde ich gefragt, ob ich Lotto spielen möchte, oder eine Versicherung abschließen will. Jedes Mal sind die Angestellten dann ganz enttäuscht, wenn ich nur Briefmarken kaufen möchte oder einen Einschreibebrief aufgeben will.

Nun, im Postamt ging es dann in Zeitlupe weiter. Irgendwann wurde sogar ein dritter Schalter  geöffnet. Nach 40 Minuten wurde dann sogar meine Nummer aufgerufen. Ich stürmte nach vorne an diesen Schalter, der mir genannt wurde. Da stand aber noch ein Paar, dass wohl Geld abheben wollte und den gleichen Schalter zugeteilt bekam. Sie starrten mich entrüstet an, da ich die Diskretionslinie überschritten hatte. Aber mir war das egal, ich wollte nicht riskieren, dass meine Nummer einfach weg gedrückt wurde und alles wieder von vorne anfing. Dann kam ich noch an die Reihe. die Briefe wogen 17 g, also normale Briefmarken für Europa. Die Dame klebte die Marken freundlicherweise auf die Brief und stempelte sie gleich ab. Ich hatte es geschafft und atmete tief durch. Ich merkte der Unterschied zwischen Pest und Post ist nur ein O.

05.04.2011                 Norbert Wittke

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