Rüdiger Nazar

Hier lebe ich

Ja hier lebe ich und fühle mich wohl...

Schließe meine Wohnung ab...das Schloss knirscht beim umdrehen des Schlüssels...
sollte mal etwas Öl dran.
Gehe die hölzernen Stufen nach unten...zwei Etagen...es geht...
beim Ersteigen...
meine ich jedesmal...man hätte eine Etage dazugebaut.
Die Haustüre knallt und fällt in`s Schloss.
Luft...reine Luft.
Die Sonne lacht mir entgegen...es ist Frühling. Amseln pfeifen...die Elster krächzt...
die Magnolien so schön...lassen schon ihre Blüten fallen...schade.
Ich habe meinen Bag gepackt...etwas zu trinken...einen Apfel...was will ich mehr ?
Ich gehe los...vom Hause entfernt...das mir so vertraut...keine Wehmut...!
Renate steht am Fenster hinterm Vorhang und beobachtet mich...ich spüre es...ich weiß daß sie da ist.
Ich gehe die Blücherstrasse entlang...meine Schritte sind schwer. Wie oft sind wir diesen Weg zusammen gegangen. Ich bekomme einen Stich im Herzen.
Sie tut mir so furchtbar leid...so unendlich leid.
Der Bunte Garten...ein Stadtpark in Mönchengladbach taucht auf...er ist so schön...gut das es ihn gibt.
Viele Pärchen gehen Hand in Hand...und ich bekomme wieder einen Stich im Herzen. Warum ist es mir nicht vergönnt ? Ich möchte auch mit einem Menschen Hand in Hand gehen den ich liebe.
Ich schlendere so dahin...Hände in den Jeans...meine lederne Umhängetasche schwankt hin und her...sie stört beim gehen...aber für mich unentbehrlich.
Was habe ich darin ? Natürlich Tabak und Blättchen...mein Wolfsmesser...eine Plastiktüte...man könnte ja was interessantes finden und mit nach Hause nehmen wollen.
Komme am Vogelhaus an. Lauter gequitscher und gefiepe. Mein Freund der Beo ist auch noch da. Ich rufe ihn...und er kommt an`s Gitter geflogen. Ich streichle seinen Bauch...seine Füße...und er sagt...Hallo Beo...hallo Beo. Ich lache...er ist schon ein komischer Kauz...ein Vogel aus Indonesien der wirklich alles nachplappert.
Ich gebe ihm einen Stück Apfel...er verschlingt es in NU...rülpst und sagt...äh...Entschuldigung habe ich gesagt. Hat ihn wohl jemand gelernt. Ich lache...er ist mir so vertraut. Ich durchstreife den Park...er ist zu Ende...Eingang des Friedhofes.
Eine riesige Baumallee...eine Bank ganz hinten am Ende...hier saß Peter immer so gerne.
Ich setze mich und verweile. Ach Peter du dummes Arschlosch sage ich...mußtest du denn schon gehen ?  Etwas berührt mich an der Schulter. Konnte ich mir nicht aussuchen hauchte es in mein Ohr. Nein ich weiß...dein Herz. Ich spürte eine Wärme die meine Hand ergriff. Danach ging ich an sein Grab...eine kleine Marmorplatte...Einäscherung.
Ein kleines Metallschild künstlerisch gestaltet von ihm selber...Peter Weisskopff...Künstler.
Er liebte Räucherkerzen...ich steckte die mitgebrachten an...zehn Stück an der Anzahl...
der liebliche Duft strömte umher...der leise Rauch kräuselte sich dem Himmel empor.
Bis demnächst Peter sagte ich und machte mich auf den Weg.
Der Friedhof neigte sich seinem Ende zu...der Wald und die Felder begannen sich vor mir aufzutun. Luft...herrliche Luft. Kein Mensch war unterwegs...ich war alleine...Gott sei Dank.
Eichhörnchen liefen über meinen Weg hin und her...pfiep...pfiep...ein Fasan schreckte hoch...ein streunender Hund suchzte das Weite.
Die Sonne brannte...meine Jacke zog ich aus...und setzte mich auf eine hölzerne Bank aus Baumstämmen.
Gierig sog ich die frische Luft ein...ja...hier ist es schön.
Es ist schon ziemlich spät...aber ich will noch nicht nach Hause gehen...es ist einfach zu Phantastisch. Ich gehe weiter...eine große einladende Wiese...ich lasse mich einfach fallen und strecke mich lang aus. Die Sonne scheint in mein Gesicht...so das ich nur blinzeln kann. Ich rieche Gras...Erde...Natur. Ein Käfer läuft über meinen Arm...ich lasse ihn gewähren. Er ist wunderschön.
Nur Natur...Laub..blühende Bäume und Sträucher...die Erde riecht nach Leben...nach unendlichem Leben.
Es dunkelt...aber ich bleibe...es ist noch warm. Etwas weiter ab finde ich wunderschönen Farn...ein kleiner Bach...sehr klein...fließt dadurch. Das Wasser rauscht leise dahin.
Viele kleine Steine im Bach lassen das Wasser einen kleinen Umweg machen...wunderschöne Kringel...einige Quaulquappen schwimmen hin und her.
Ich lege mich unter den Farn...und höre die Elfen reden...die Kobolde die nur Blödsinn im Kopfe haben..und die Feen die ihren Reigen tanzen.
Es ist wunderschön und atemberaubend.
Und dann bin ich weg...schlafe ein.
Mitten in der Nacht werde ich wach.  Es ist stockdunkel. Es fröstelt etwas.
Soll ich nun nach Hause gehen? Nein...ich bleibe.
Vollmond...wunderschön...und gespenstig...das fahle Licht breitet sich über die Landschaft aus.
Unheimlich wirkt der Holunderstrauch im Licht...der Schatten wirft.
Gespenstig wirken die alten Baumstümpfe und die Kopfweiden.
Hier bleibe ich die Nacht...
hole einige Sachen heraus-...
Apfelstücke...eine Geldmünze...und zünde einige Räucherkerzen an...
Behütet mich diese Nacht...ihr Wesen des Waldes...
Ich schlafe gut und tief bis zum frühen Morgengrauen.
Als ich erwache...sind Apfel und Geldstück weg.
Was ich vorfinde ist eine wunderschöne Feder eines Fasanes.
Hier bleibe ich...hier ist meine Heimat...


Rudevicus
10.April 2011
melvin6@gmx.de








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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 11.04.2011. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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