Rüdiger Nazar

Frankreich sollte ein neuer Anfang sein...Teil .1.

Ich saß am Küchentisch und machte mir einige Skizzen.
So sollten die Ställe für daß Geflügel aussehen...Enten...Hühner und Gänse.
Ich kam gerade von meinem Nachtdienst nach Hause...einige Jahre im militärischen Sicherheitsdienst...Hochsicherheitstrakt. Mein Gehalt war super...cirka...4500 DM.
Zwischendurch Personenschutz und Detektei...das war schon eine Welt für sich.
Aber es war einfach zu gefährlich...und für die paar lumpigen Kröten (Geld) wollte ich meinen Arsch nicht mehr hinhalten.
Ich war 38 Jahre alt...und mein Traum war immer ein Bauernhof...mit Tiere...Schweinchen...Geflügel...Obst und Gemüse...aber nur für den Eigenbedarf...vielleicht aber auch nur eine bescheidene Waldhütte.
Jedenfalls kam meine Tante zu Besuch aus Frankreich. Sie wohnte in Metz in einem Vorort der sich Valliere nannte.
Sie sagte mir daß ihr Schwiegersohn eine faule Sau sei und dem Rotwein verfallen. Dabei habe er so viel Land und würde es nicht bearbeiten. Bei mir klingelten die Glocken.
Das war die Gelegenheit für mich. Was hälst du davon wenn ich das Land bestelle...umzäune und Ställe für Geflügel errichte ? Sie sah mich mit großen Augen an. Ja sagte ich...eine richtige große Geflügelzucht. Wir redeten lange darüber und der Gedanke gefiel ihr immer mehr. Dann würde mein Schwiegersohn vielleicht eine sinnvolle Beschäftigung haben und mit dem Saufen aufhören....sagte sie begeistert.
Zu der Zeit hatte ich eine  einundzwanzigjährige Freundin mit Namen Gerda.
Gesagt getan...ich kündigte mein Arbeitsverhältnis mit einer guten Abfindung und packte meine sieben Sachen.
Ich würde vorfahren...und alles in die Wege leiten...Gerda sollte nachkommen. Ihr Schwager sollte für einen LKW sorgen und damit die Möbel nach Frankreich transportieren.
Der Abschied war mit gemischten Gefühlen...Gerda und meine Tochter standen da und hatten Tränen in den Augen. Ich fuhr los...mit einem mulmigen Gefühl im Magen.
Der Wagen war hinten so schwer beladen...daß man das Lenkrad mit einem Finger bewegen konnte.
Die Fahrt ging über Aachen nach Belgien...Luxembourg...und dann nach Frankreich...ich brauchte...trotz nur Autobahn...sieben Stunden.
Der Ort wo ich hinmußte hieß Mazieres le Vic. Von Metz aus ungefähr eine Stunde Fahrt...über Berg und Tal...Wälder und Felder. Ja...das war meine Gegend...hier wollte ich alt werden. Das Haus wo ich wohnen sollte...gehörte dem Mann meiner Cousine Isabelle.
Er versprach mir ein freies wohnen für einen Zeitraum von drei Monaten...vorausgesetzt ich würde die Wohnung renovieren.              Ich sagte zu.
Arbeiten um Geld zu verdienen für meinen Plan...sollte ich bei ihm. Er hatte ein Sägewerk  und Ländereien...etliche Wälder. Hier sollte dann Holz geschlagen werden das er dann zu Heizzwecken an die Dorfbewohner verkaufen wollte.
Es war bereits September und nicht mehr so schön draußen.
Ich packte den Wagen leer...Rotband zum Verputzen der Wände...und mein ganzes Werkzeug.
Das Haus war von 1888...und so sah es auch aus. Eine schiefe Eingangstüre die beim öffnen quitschte...dann links das erste Zimmer...der Wohnraum...verhältnismäßig groß. Dahinter dann die Küche mit einem Kohleofen wie man ihn aus Uromas Zeiten kennt.
Treppauf ging es dann in`s Schlafzimmer...dahinter war noch ein kleiner Raum...davor die Toilette mit Dusche. Die Holztreppe war so schräg und die Stufen so klein...das man sehr sehr vorsichtig gehen mußte.
Nach meinem Magendurchbruch zuhause...den man nur überlappt und genäht hatte ohne das Magengeschwür zu entfernen...mußte ich jeden Tag mehrmals Erbrechen...und das tat vielleicht weh.
Meine Cousine stellte mir ein Klappbett zur Verfügung...! Ich stellte es mitten im Wohnzimmer auf...es war schon dunkel und ich legte mich hin. Eine neue Welt...ein
neuer Anfang...aber Wehmut und ich dachte an zuhause.
Rasch schlief ich ein.
Die Nacht war so verdammt schnell vorbei...mein erster Arbeitstag im Wald.
Ich überquerte die Strasse die durch das Dorf lief  und schlenderte zwischen den uralten Häusern entlang in Richtung des Hauses meiner Cousine.
Hier standen schon zwei Mann vor der Türe....Arbeiter vermutete ich richtig. Einer hieß Pierro...der andere...Andre ! Bonjour. Ein Geplapper und Gefasel...keiner verstand den anderen und wir lachten laut los. Dann erschien der Mann meiner Cousine...Jille...ein recht unsypathischer Patron. Wir betraten die Küche und uns wurde Kaffee eingeschänkt...schwarz wie die Nacht. Ich würgte ihn hinunter...widerlich !
Danach beluden wir den Anhänger eines Traktoren mit Kettensägen und Brechstangen.
Es war so bitter kalt...und ich ahnte  böses. Andre fuhr den Traktor...und wir armen Schweine mußten hinten auf dem Anhänger sitzen. Der Wind pfiff uns durch die Bekleidung. Ich hatte eine dicke Armeejacke mit...die die Kälte etwas abhielt. Die Fahrt dauerte zwanzig Minuten bis wir im Wald ankamen.
Es war noch etwas dunkel...und die Feuchtigkeit des Waldes schlug uns unbarmherzig entgegen. Hinein in den Wald...die Wege waren nass und glitschig...der Traktor rutschte hin und her. Als ich von  Anhänger sprang...erbrach ich...und es war nicht wenig. Meine neuen Arbeitskollegen sahen mich erstaunt an.
Ich machte ihnen mit Händen und Füßen klar...das ich ein Magengeschwür hatte.
Dann ging es los. Überall lagen umgestürzte Bäume...die zersägt werden mußten...in ein Meter Stücke. Die Kettensägen wurden angeschmissen und das Schnarren der Motoren hallte durch den friedlich ruhigen Wald.
Es war eine verdammt harte Arbeit. Stück für Stück dieser Meterware mußte nun bis auf den Weg getragen werden...und das über Stock und Stein...nicht selten rutschte ich aus und lag flach im Morast...zum Gelächter der anderen. Ich lachte mit...obwohl mir speiübel war und ich starke Magenschmerzen hatte. Ich erbrach wieder.
Teilweise war der Waldboden schon gefroren und knochenhart. Um neun war dann Kaffeepause. Es wurde ein kleines Feuer aus Ästen gemacht...das schön wärmte.
Brote und Kaffe wurden ausgepackt und erst mal ausgiebig gefrühstückt.
Wir saßen in der Hocke wie alte Indianer.
Nach einer halben Stunden ging die  Plage wieder los...sägen und schleppen.
Um kurz  nach sechzehn Uhr war Feierabend...im Wald...ich war froh und erleichtert. Aber nein...Irrtum...nun mußten die Stücke auf dem Wege auf den Anhänger geladen werden.
Ich brach bald zusammen. Als wir danach aus dem Walde fuhren...glaubte ich an garnichts mehr. Nun mußten die Stücke wieder abgeladen werden und auf dem Hauptwege geschichtet werden. Und mein Gott...ich hatte so Schmerzen.
Als ich dann zuhause ankam...duschte ich erst mal heiß.
Aber ich wollte noch nicht schlafen gehen. Das Werkzeug hatte ich im Keller gelagert...ein Keller wie aus der alten Römerzeit...Katakomben. Ich befestigte Bretter an den Wänden und begann das Werkzeug fein säuberlich mit Nägel an diesen zu befestigen....!
Morgen müßte ich erst mal Nahrungsmittel einkaufen...ich hatte nichts im Haus. Direkt neben meiner Wohnung war ein kleiner Lebensmittelladen...auf der anderen Seite vom Haus eine  Kneipe wo man auch Zigaretten kaufen konnte. Auf der anderen Strassenseite war schräg links die Post.
Morgen wollte ich nach der Arbeit mit dem Renovieren beginnen.
Gute Nacht.

                                                                             12.April 2011
                                                                             Rüdiger Nazar
                                                                          melvin6@gmx.de







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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 12.04.2011. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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