Rüdiger Nazar

Frankreich sollte ein neuer Anfang sein...Teil.3.

So  verging dann...Tag um Tag.
Harte Arbeit im Wald...und jede Menge Arbeit im Haus.
Mein körperlicher Zustand verschlechtete sich zusehens. Hatte ich noch vor Monaten 72 Kilo gewogen...war ich jetzt durch das dauernde Erbrechen...auf 53 Kilo gekommen...was sich auch  dadurch bemerkbar machte...daß ich nicht mehr körperlich so wie sonst arbeiten konnte. Das Schleppen der Baumstämme bereitete mir große Mühe.
Alles was ich aß...kam wieder heraus. Durch den dauernden Reflux der Magensäure brannte mein Hals wie verrückt...die Magensäure griff meinen Zahnschmelz an...ich verlor Zahn um Zahn. Sie wurden locker und schmerzten...ich zog sie einfach selber heraus...hatte ja kein Geld für den Zahnarzt und war auch nicht krankenversichert....wovon auch ?
Die zwei Wochen waren um...die ich sehnsüchtig erwartet hatte. Gerda würde jetzt mit ihrem Schwager  mit den Möbeln kommen. Und sie kamen...mitten in der Nacht.
Es mag so kurz nach 24.Uhr gewsen sein als es an der Haustüre läutete. Die Freude war groß.
Der Schwager hatte sich einen LKW von einem Kollegen in Deutschland gemietet...alles aufgeladen...und auf nach Frankreich. Normalerweise muß eine Bestandsliste der geladenen Ware des LKW`s  aufgelistet werden...für die Grenze...den Zoll.
Er tat es nicht...sondern umfuhr den Zoll...indem er rechts an der Grenze auf den Parkplatz fuhr...kurz anhielt und dann Gas gab. Er kam ungehindert durch...Gott sei Dank.
Nun waren sie da...und ich konnte mitten in der Nacht noch den Wagen abladen.
Er kam mit seiner Frau und Kind.
In der gleichen Nacht...so um drei Uhr Morgens fuhren sie wieder los...heimwärts nach Deutschland. Das kleine Mädchen sollte bei uns in Urlaub bleiben...für so drei bis vier Wochen. Also was blieb mir anderes übrig...als mitten in der Nacht noch das große Doppelbett aufzubauen. Ich war geschafft...und Gerda meckerte herum...wie sieht es denn hier aus ? Oh mein Gott...hätte sie die Wohnung mal vor zwei Wochen gesehen...sie wäre sicherlich rückwärts wieder heraus gegangen.
An ein zu Bett gehen war für mich nicht mehr zu denken...ich mußte bald wieder raus zur Arbeit. Der Morgen graute...ich zog mich an und ging.
Heute ging es nicht in den Wald. Jille hatte einen Auftrag bekommen. Er sollte für einen Dachstuhl ...Balken und Bretter sägen. Also gingen wir in sein Sägewerk und suchten die dafür   besten Baumstämme aus.
Das Sägewerk war echt Museumsreif. Ein riesiges Sägeblatt...so ungefähr zwei Meter lang...bewegte sich durch einen  Dieselmotor hoch und runter...wie zu großmutters Zeiten.
Der Stamm wurde auf einen Eisenschlitten von Hand vorwärts geschoben...während ich auf der anderen Seite zog. Was eine Plagerei.
Die ganze Prozedur dauerte voll einen Tag...ohne Pause.
He...sagte ich zu Jille...heute nix Pause. Er sah mich sauer an. Nein...Eilauftrag.
Und schon war die erste Unstimmigkeit da. Wir sprachen kein Wort miteinander...bis zum Feierabend. Ich verabschiedete mich auch nicht als ich nach Hause ging...so ein Spinner dachte ich. Die anderen zwei....Pierro und Andre nannte Jille Patron...was wohl den Chef herauskehrte...ich sagte einfach Jille...er war ja schließlich Familie.
Hinterher erfuhr ich...das er sich bei meiner Tante beschwerte...daß ich ihn nicht Chef nannte. Und schon war die zweite Unstimmigkeit da.
Der dritte Palaver entstand dadurch...als er uns einen Kaffee  im Haus anbot...ging ich an den Kühlschrank und holte mir Milch heraus. Er explodierte...was mir wohl einfallen würde so einfach an den Kühlschrank zu gehen.
War ich nun Familie...Cousin oder nicht.  Das Verhältnis zu ihm wurde immer schlechter...
erst dann richtig...als ich ihm auf Arbeitsfehler aufmerksam machte...und wie es einfacher und  rationeller ging...das war zu viel für ihn.
Ach ja...Gerda brachte noch unsere zwei Hunde mit...Lady und Widu...zwei kleine Mischlinge...liebe Tiere. Meinen Hund Rocky hatte ich da noch nicht.
So vergingen die Monate. Abends gingen wir mit den Hunden spazieren...eine Traumhaft schöne Gegend. Überall Felder und Wälder...absolute Ruhe und Frieden.
An den Feldwegen standen Obstbäume...Äpfel...Birnen...Mirabellen...Streuobst...einfach wild...für jedermann  zum ernten.
Das Haus hatte auch einen Speicher...wo ich Äpfel für den Winter lagerte.
Mittlerweile hatte ich auch einen Wasserfilter zwischengeschaltet...der das Salz filterte...nun war es trinkbar.  Das Haus war jetzt voll möbeliert...und es war gemütlich.
Eines Tages  bereitete ich indischen Curry mit  Dillreis zu...und lud die ganze Bagage ein...
Jille mit Isabelle...Pierro...Andre mit Frau...Pierre und seine Frau .
Sie bewunderten die fertige Wohnung und waren von der Einrichtung begeistert. Nur bei Isabelle und Jille sah ich so etwas wie Neid und Mißmut in den Augen. Es war ein schöner Abend.  Bier und Rotwein floss in rauhen Mengen...nur Pierro und sein Vater sagten...daß sie kein Alkohol trinken würden. Viel später wurde ich eines besseren belehrt...das sie gelogen hatten
So verstrich die Zeit...etliche Wochen...als ich plötzlich Post bekam...von wem ? Ich glaubte es nicht...von Jille...obwohl er nur vier Strassen weiter wohnte.
Ich öffnete den Brief und meine Augen weiteten sich...was stand da ?  Hallo Monsieur
Nazar...warum zahlen sie ihre Miete nicht...sie sind drei Monate im Rückstand.
Ich schluckte...war das wohl ein dummer Scherz ? Er  redete mich mit ...SIE...an
Ich zog mich an und marschierte Richtung Haus von Jille.  Isabelle öffnete...ja bitte.
Ich hätte meiner Cousine so ein paar klatschen können. Ich möchte zu Jille.
Der ist nicht da. Ich schob sie einfach zur Seite...verarschen kann ich mich selber.
Jille saß in der Küche und sah mich an...so als würde er mich nicht kennen.
Was soll das ? fragte ich. Ja die Miete ist drei Monate im Rückstand...willst oder kannst du nicht bezahlen ?
Ich glaube ich habe keine Gesichtsfarbe mehr gehabt...doch vermutlich weiß.
Ich sagte ihm...das er selber gesagt hatte...bei Renovierung der Wohnung hätte ich drei Monate Mietfrei. Er grinste schief...wo steht das...hast du einen Mietvertrag ?
Ich beherrschte mich...sonst wäre ich ihm an die Kehle gegangen.
Für mich war die Vereinbahrung rechtskräftig...war ja Familie...wieso Mietvertrag.
Was sollte die Miete kosten ? 1000 Franc...das waren zu DM Zeiten so 333 DM-
Meine erste Lohntüte...er zahlte bar  aus...betrug...wöchentlich 250 Franc...also 1000 Franc im Monat...genau die Miete. Wovon sollten wir denn  Leben...das hat er gut eingefädelt.
Die Wohnung war top renoviert...mehr wollte er vermutlich nicht erreichen.
Ich knallte die Türe zu und ging. Am nächsten Tag ging ich nicht zur Arbeit...ich sagte ich wäre Krank...was ich ja auch war.
Mittlerweile verkehrten wir auch bei der Familie Blondet...Pierre und Familie die ein Dorf weiter...in Azoudange lebten. Sie hatten einen alten Bauernhof für sage und schreibe 10.000 DM gekauft...aber sie lebten  ganz hinten im Garten in einem Wohnwagen...weil das Geld für die Renovierung fehlte.
Pierre war ein Ex-Fremdenlegionär...und hatte keine Schädeldecke mehr ...sondern eine eingesetzte Silberplatte. Kriegseinsatz in Algerien.
Die Frau von Pierre war sehr nett...aber ich bemerkte...daß sie sehr ruhig und zurückhaltend war. Wenn Pierre etwas haben wollte...pfiff er mit gespitzeten Lippen...und die arme Frau sprang wie ein Sklave...das ging mir total gegen den Strich.
Ihr könnt bei uns wohnen sagte Pierre...wenn Jille sich querr stellt. Ich überlegte sein Angebot und befand es als einzigsten Ausweg aus dieser Situation.
Am nächsten Tag kam ein bekannter von Pierre...Michel...ein sehr netter Mensch mit Anhänger...und wir begannen die Möbel abzubauen. Fuhre für Fuhre wurde nach Azoudange gebracht. Noch zwei  Fahrten und die Wohnung von Jille wäre leer.
Als ich wieder an meiner Wohnung ankam...übrigens  hieß die Strasse Grand Rue...stand ich wie versteinert da.
Es war kein Türschloss mehr vorhanden...und die Eisenladen an den Fenstern waren verriegelt. Das Schwein war in unserer Abwesenheit da gewesen und hatte alles verrammelt.
Irgend jemand hatte wohl unser Tun an Jille weiter gegeben.
Es verblieben in der Wohnung ein groß Teil der Möbel...mein ganzes Werkzeug...und allerlei Kleinkram...wir kamen nicht mehr herein.
An der Strasse standen zwei Polizisten...die ich mittlerweile gut kannte und öfters mit ihnen redete. Ich erklärte die Situation...und ob ich jetzt die Türe  knacken dürfte. Oh...nein um Gottes Willen sagte der eine....das ist strafbar.
Ich müßte vor Gericht und die Angelegenheit klären.
Also fuhren wir wieder nach Azoudange zurück...der Tag war gelaufen...ich platzte vor Wut.
Mittlerweile war auch meine Tante wieder zurück aus Deutschland und zufällig bei Jille und Isabelle zu Besuch. Ich fing sie auf der Strasse ab und erzählte ihr alles.
Sie sagte mir zu....das Jille das mit den drei Monaten Mietfrei gesagt hätte...diese Aussage würde sie vor Gericht machen. Ich war etwas erleichtert.
Die Nacht schliefen wir in dem Bauernhaus bei Blondet`s...mehr Schlecht als Recht auf den Holzfussboden mit zwei dünnen Wolldecken...das sollte wohl eine Nacht geben.

                                                       Tut mir leid...die  Geschichte...das Teil war heute etwas länger                                                                    
                                                                                                  Rüdiger Nazar
                                                                                                   14 April 2011
                                                                                               melvin6@gmx.de












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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 14.04.2011. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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