Rüdiger Nazar

Frankreich sollte ein neuer Anfang sein...5...

Wir saßen so blöde in der Küche herum.
Pierro unterhielt sich angeregt mit seiner neuen Flamme. Die andere sprach kein Wort. Was will die denn hier fragte mich Gerda.
Ich log nicht... als ich sagte...weiß ich doch nicht.
War wohl ein nettes Mädchen...gebe ich ehrlich zu...aber ich war ja vergeben.
Die Stunden vergingen. Pierro verzog sich mit seiner neuen Liebe irgendwo im Haus.
Wir drei saßen da...keiner sprach ein Wort. Ich bin müde...sagte Gerda...ich gehe schlafen.
Nun saß ich da...mit dieser Schönheit die kein einziges Wort Deutsch sprach.
Der Fernseher lief ...und wir starten beide darauf wie hynotisiert.
Wäre ich jetzt alleine...solo...oh Mann !
Nach einiger Zeit kam Pierro wieder in die Küche...voller Lippenstift am Hemd und am Hals. Ich lachte...war`s  gut ? Er grinste breit über das ganze Gesicht.
Ich fragte ihn wer die andere wohl sei und warum sie hier war . Er lachte. Sie dachte du bist noch zu haben. Arschloch....sagte ich....hättest du ihr auch in Metz sagen können das ich vergeben bin. Er grinste blöde wie ein Honigkuchenpferd.
Die drei hatten einen kurzen Wortwechsel...dann sagte Pierro...sie will wieder  in`s Frauenhaus zurück.  Ok...sagte ich...morgen früh sofort. Nein sagte er...heute noch.
Das glaubte ich jetzt wohl nicht...heute noch ?  Ja...heute !
Wollte schnell noch Gerda bescheid sagen...aber sie schlief so fest...das ich sie einfach weiter schlafen ließ. Ich sah auf meine Tanknadel. Tja...das wird wohl knapp...sehr knapp. Ab Morgen wird an ein Autofahren wohl nicht mehr zu denken sein. Es war jetzt 23 Uhr.
Also stiegen wir ein und fuhren wieder los in Richtung Metz. Die Fahrt war so eine halbe Stunde durch Felder und Wälder...unzählige kleine Dörfer...die absolut im Dunkeln lagen.
Dort angekommen stiegen die zwei Mädchen aus und verabschiedeten sich. Ich wollte gerade wieder losfahren...als Pierro stop sagte...Moment...meine kommt wieder mit.
Ich verstand garnichts mehr...aber was blieb mir anderes übrig.
Es war mittlerweile 24.30 Uhr...der Wind pfiff scharf...und ein sehr kalter Schneeregen prasselte herunter. Dann kam sie wieder heraus...und wir fuhren wieder Richtung Heimat.
Der Schneeregen kam von vorne und eine weite Sicht war nicht möglich...also fuhr ich langsam und vorsichtig...schon alleine weil die" Dame" schwanger war.
 Beide saßen auf dem Rücksitz und hielten sich umklammert. Die Heizung lief auf Hochtouren. Eine halbe Strecke hatten wir schon hinter uns gelegt. So...noch mal so viel...und ich konnte endlich in`s Bett...ich war Hundemüde und geschafft.
Im Rückspiegel sah ich die beiden Knutschen.
Dann ein Ruck...noch einer...der Wagen stockte...fuhr wie auf "Kängeruhbezin"...dann wurde er langsamer immer langsamer...und stand. Kein Benzin mehr...und ich hatte noch 30 Franc in der Tasche...also 10 DM. Das fehlte mir noch gerade. Pierro und ich schoben den Wagen an den rechten Strassenrand...der Schneeregen war so kräftig...das wir in Null Komma nichts durchnäßt waren. Der Wind war kräftig und scharf wie Rasierklingen...es tat
höllisch weh.
Autostop sagte Pierro...den Wagen können wir morgen holen. Oh nein sagte ich...den lasse ich hier nicht stehen. Also stellte ich mich am Strassenrand und hoffte das irgendwann einmal ein Auto vorbeikommen würde. Die Aussicht  fiel nicht gerade rosig aus...aber es war ein versuch wert. Pierro kuschelte sich währenddessen mit seiner Freundin auf dem Rücksitz.  Natürlich war die Heizung jetzt auch aus...und der Innenraum kühlte sehr schnell ab. Einige Auto fuhren achtlos an mir vorbei...ich konnte vor Kälte kaum noch meinen Arm hochhalten. Dann kam ein LKW...und er hielt. Pierro erklärte ihm die Situation.
Ok...er wollte mich bis zur nächsten Tankstelle mitnehmen...und er würde in einer Stunde wieder Retour fahren...ich solle dann an der Tankstelle auf ihn warten.
An der Tankstelle...hallo...haben sie vielleicht einen Benzinkanister für mich ? Ja klar hatten sie einen...Kostenpunkt...10 Franc...das war mir zu viel. Ich einigte mich mit  dem Tankwart in sofern...das ich gleich wenn ich hier vorbei kommen würde...den Kanister wieder abgeben würde. Er sah mich mißtrauisch an. Ja ja...ich komme schon wieder hier vorbei. Ich bekam ihn und tankte voll.
War jetzt zwar nicht viel...aber bis nach hause würde es schon reichen.
Ich hielt mich im warmen auf und führte ein Gespräch mit dem netten Tankwart...der Albert hieß. Nach einiger Zeit...es kam mir wie eine Ewigkeit vor...kam der LKW und hielt am rechten Strassenrand. Danke sagte ich...bis gleich...und verließ die wohlige Wärme. Draußen topte das Wetter wie in der Taiga. Alles klar fragte der LKW Fahrer. Ich zeigte ihm den Kanister...bon !
An meinem Wagen angekommen...sah man ihn kaum. Der Schnee hatte ihn bedeckt...so daß er sich der weißen Landschaft anpasste...er sah aus wie ein Schneehügel. Oh Gott dachte ich...die armen im  Auto. Ich bedankte mich beim Fahrer... der sofort wieder abfuhr.
Ich klopfte an den Scheiben...nichts rührte sich. Ich zog die Türe auf...und da saßen die zwei...vor Kälte  bibbernd...eng umschlungen.
Mon Dieux...sagte Pierro...kalt. Der Tankdeckel ließ sich kaum öffnen...und Pierro sagte scherzhaft...so denke ich...halt doch mal dein Feuerzeug dran. Ich grinste schief...ja  aber nur wenn du dann im Auto bleibst.
Die Fahrt ging weiter. Man konnte nur sehr sehr langsam fahren...es war spiegelglatt.
Wären die Strassenpöller nicht am Rand gewesen...hätte man nicht sehen können wo die Strasse überhaupt war....alles war weiß.
Zuhause angekommen war ich mit den Nerven fertig...das große Scheunentor wurde aufgeschoben und ich fuhr hinein.
In der Küche saß Gerda weinend. Wo wart ihr denn ? Wo ist die andere ? Hat es wenigstens Spaß gemacht ?
Sie überschlug sich mit ihren Sätzen. Ich erklärte ihr das kurz...das was vorgefallen war...aber ich denke...sie glaubte es mir nicht.
Im Bett sagte sie dann...sie war richtig hübsch...nicht wahr ?
Ja...das war sie...sagte ich und drehte mich um....gute Nacht !

Natürlich...ich vergaß...ich gab den Kanister wieder an der Tankstelle ab...und bedanke mich .

                                                                                                    Rüdiger Nazar
                                                                                                    16.April 2011
                                                                                                 melvin6@gmx.de








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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 16.04.2011. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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