Rüdiger Nazar

Frankreich sollte ein neuer Anfang sein...12...

Was blieb uns anderes übrig...es waren immerhin für zwei Mann...200 Franc am Tag...wir brauchten nicht mehr zu Hungern.
Die Arbeit war sehr sehr schwer...die dauernde Schlepperei des Holzes.
Tag um Tag verging. Zuhause wollten wir etwas Ordnung schaffen...Pierro war eine faule Sau...
ich mußte ihn für jeden Handschlag überreden und nahezu zwingen. Komm`sagte ich...wir räumen auf...wir bauen etwas um. Einen großen Raum könnten wir als  gemütlichen Wohnraum einrichten. In dem Schuppen lagen noch einige Säcke Zement...die zwar schon durch die Luftfeuchtigkeit etwas hart waren...aber wir würden das schon hinkriegen.
Wir fegten den Raum sauber...Schutt wurde in den großen Garten geschleppt und in einer Ecke deponiert. Dort lagen alte rote hartgebrannte Backsteine. Ja toll sagte ich...davon bauen wir in dem Raum erst mal einen offenen Kamin.
Alle Ziegel wurden mühsam in den Raum getragen. Ich begann das Fundament für den Kamin zu mauern...sah recht gut aus. Direkt hinter der Wand...wo der Kamin hin sollte...war der riesige Hauptkamin. Hier wollte ich dann den Abzug hinleiten...kein Problem.
Dann begann ich rechts und links die Wände des Kamin`s hochzuziehen. Pierro hatte keine Lust mehr...bin kaputt...sagte er..und ging in die Küche...wo die Frauen saßen und den Fernseher eingeschaltet hatten.
Bei dieser Arbeitsmoral würden wir täglich nicht viel schaffen...dachte ich.
Habt ihr irgendwo ein paar Balken und Bretter herumliegen...fragte ich ihn.
Ja...ganz hinten im Garten...kam die Antwort...komm`mit.
Sie hatten einen riesengroßen Garten...der natürlich total verwildert war.
Da ...zeigte Pierro auf einen Haufen. Ich sah nur Gras und Moos. Darunter mußte wohl Holz liegen. Und so war es auch...aber das Holz war unbrauchbar...total verrottet und von Pilz durchsetzt. Na toll...sagte ich...super schönes Holz. Pierro setzte wieder sein breites Grinsen auf...das ich so haßte.
Dann sah ich da zwei aufgestellte Holzkreuze. Was ist denn das ? Ziegen...Ziegen liegen da...sagte er...sind gestorben...vor einigen Monaten.
Wie Ziegen ? Ja...wir hatten zwei Stück...schöne Tiere...waren aber krank.
Und sagte ich...gibt es bei euch keinen Tierarzt ? Aber mir war schon klar woran es wohl gelegen haben mochte...kein Geld für einen Tierarzt.
Was haben sie denn gefressen fragte ich ? Pierro sah verlegen weg...und ich bekam einen Schauer der über meinen Rücken lief.
Sie waren nicht krank...sie hatten sie nicht gefüttert...nicht füttern können...wovon auch...sie waren verhungert.
Pierro sah mich etwas verlegen an und stotterte. Papa ist ein Schwein...ich hasse ihn...und seine Freundin auch. ...Ich nickte...
Eines Tages steht da noch ein Kreuz daneben...direkt neben den Ziegen...ich begrabe den Alten dort.
Oh...sagte ich...das dauert wohl noch etwas...er ist noch rüstig und vital.
Pierro sah mich an...hilfst du mir ? Wobei  ? fragte ich.
Papa...stotterte er...und zog seine Handkante an seiner  Kehle vorbei.
Ich war total geschockt.  Bist du denn von allen guten Geistern verlassen... niemals... niemals. Um was bat er mich da eigentlich ? Ich sollte ihm helfen...seinen Vater umzubringen...um die Ecke zu bringen.
Unglaublich schoss es durch meinen Kopf....und ich wußte...daß er es verdammt ernst meinte.
Du brauchst ihn nur abzulenken...ich komme dann von hinten...und schneide ihm die Kehle durch. Ich glaubte das gehörte nicht...nein ich glaubte es wirklich nicht. Wie sehr mußte er seinen Vater hassen? Wie sehr mußte er seinen Vater fürchten ? Und eigentlich hatte er recht...und allen Grund...aber umbringen ?
Dann mache ich es alleine sagte er...helfe mir nur das Loch zu graben und dann wieder zu füllen...wenn er darin liegt.
Nein sagte ich...und ließ ihn einfach im Garten stehen...und ging in`s Haus zurück. Ich sprach mit keinem Menschen darüber....auch mit Gerda nicht.
Die Nacht träumte ich davon und wachte schweißgebadet...schreiend auf.
Was ist los ?  fragte Gerda. Nichts...sagte ich...nur ein blöder Alptraum...schlaf weiter.
Ich wünschte mir daß der alte...der Pierre... niemals zurück kommen würde...aber er würde früher oder später wohl kommen.   Was würde Pierro machen ? Würde er durchdrehen ?
Die nächsten Tage waren wieder hart im Walde...obwohl das Wetter jahresbedingt schon viel schöner war. Die Vögel sangen...der Wind war mild...die Sonne lachte ab und zu verschämt aus den Wolken....und neues Leben kehrte in mir ein.
Hatte mich schon durch die spärlichen Lebensmittel etwas gestärkt...aber das Erbrechen blieb...so nahm mein Körper immer mehr ab. Aber ich war nicht mehr so schwach...obwohl ich optisch....einem Häftling aus dem KZ glich....dumme Vergleich...aber viel fehlte  wirklich nicht mehr. Wenn ich heute noch Fotos aus dieser Zeit sehe...könnte ich losheulen...und frage mich...wie ich dieses alles dennoch geschafft habe ?
Dann kam der Tag...Pierre mit Freundin trudelten wieder ein...braun gebrannt und wohl genährt. Er machte dicke Welle und lachte über unser Aussehen....wie wir wohnten...und kommandierte Pierro wieder herum...wie einen kleinen Zinnsoldaten.


                                                                                                   Rüdiger Nazar
                                                                                               melvin6@gmx.de
                                                                                                    29.April 2011





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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 29.04.2011. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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