Rosemarie Palm-Krein

Stille Nacht - 3.Haltestelle

 

Hallo liebe Mitreisende,

ich freue mich dass sie weiterhin an unserer Erlebnisreise teilnehmen möchten.
Alle neu hinzu gestiegene Leser/Innen begrüße ich herzlich.
Wir befinden uns auf unserer Zeitreise nun auf dem Weg in die 60iger Jahre des letzten Jahrhunderts.
Falls dieses Jahrzehnt vor Ihrer Zeit liegt oder Sie sich nur noch dunkel erinnern können,
bietet Ihnen diese Haltestelle etwas Zeitcolorit.

Hauptsächlich geht es aber um die Lebensumstände unserer Protagonistin die nun im Kindergarten- bzw. Grundschulalter ist

Wenn Sie den Zug verlassen, wird Ihnen vermutlich als erstes der Grauton der auf allen Gebäuden liegt auffallen.
Die Folgen des Krieges, der noch keine 20 Jahre zurückliegt sind noch überall zu sehen.
Sogar im Stadtzentrum finden sich noch zerbombte Ruinen.

Episode:
Meine Angst vor der Dunkelheit war extrem.
Jedes Mal wenn ich mit meiner Mutter an einer bestimmten Hausruine vorbei ging ergriff mich das nackte Grauen.
Die ausgebrannten Fenster fürchtete ich besonders.
Aus diesen schwarzen Löchern quoll die Dunkelheit regelrecht hervor und ich fürchtete immer von ihr verschluckt zu werden.

"Stell dich nicht so an" sagte meine Mutter genervt, wenn ich mich an ihre Hand klammerte, gleichzeitig aber wie hypnotisiert auf die Ruine starrte,
als könne jederzeit der Teufel selbst dort auftauchen.


Wir waren umgezogen. Auf die andere Straßenseite.
Von einer Mansardenwohnung in die andere. Der Vorteil war aber, dass wir nun das Klo auf
der selben Etage hatten und die Wohnung wirklich eine war.

Das heißt, es gab kein Treppenhaus mehr zwischen den Zimmern und die Wände waren gerade.

Episode:

Ich sehe meine Mutter wie sie über den Küchentisch gelümmelt die Zeitung liest und ich spiele auf dem Boden der nach Bohnerwachs riecht.
Das Treppenhaus hier riecht auch danach und die Stufen sind spiegelblank gebohnert, man muss sehr aufpassen um nicht aus zu rutschen.
Meiner Mutter ist das passiert und deshalb ist mein kleiner Bruder gestorben.
Aber eigentlich war ich das Schuld, weil ich noch nicht laufen konnte und sie mich die Treppe herunter tragen musste.

Deshalb ist sie die Treppe herunter gestürzt und hat das Kind verloren, weil ich noch nicht laufen konnte.
Mit 16 Monaten muss ein Kind schon laufen können.

Auch die Geschichte das sie mich eigentlich nicht haben wollte weil sie ja schon ein Mädchen hat, erzählt sie oft.
Aber ich sei sowieso die ersten Monate bei der Oma geblieben weil meine Schwester Scharlach hatte.
Scharlach muss eine sehr gefährliche Krankheit sein.
 

Mein Vater nutzte im Alltag jede Gelegenheit um seine Töchter nackt zu sehen.
Wir mussten uns im Wohnzimmer zum Schlafen umziehen und zwar komplett.
Da wurde meine Vater zum Spanner der nicht wusste welche Tochter er zuerst begaffen sollte.
Ich begann mich beim Umziehen hinter den Möbeln zu verstecken.
Ohne zu begreifen was an seinen Blicken so unangenehm war, so verletzte und wehrlos machte
versuchte ich ihnen auszuweichen und mich zu schützen.

Meine Mutter tat stets so als sei das normal. Aber auch ihr Blick wurde auch eigenartig wenn er so gierig gaffte.
Manchmal denke ich sie hatte irgendwie ihren Spaß daran, wenn wir – besonders ich – uns wie die Hasen
versuchten hinter den Sesseln zu verstecken. Es war klar das sie alles realisierte.

Diese Blicke beider Eltern brannten sich wie Feuermale in meine Seele.
Die unerklärliche Angst ausgeliefert zu sein, nicht Ich sein zu können sondern Objekt.
All das wurde in die kindliche Seele eingebrannt. Jede Episode ein Brandmal.
Ohne jede Möglichkeit beschreiben zu können was da geschah.

Wie die Versuche meiner Mutter mir einen Zungenkuss zu geben und ich angewidert vor ihr flüchtete .
So etwas darf eine Mutter nicht, das spürte ich und ich spürte auch das eine richtige Mutter nie auf eine solche Idee kommt.

Eine Fünfjährige hat keine Worte für diese Gefühle, die sie ängstigen und gleichzeitig fühlt sie sich schuldig.

Ich wurde ein sehr ängstliches Kind. Angst vor der Dunkelheit, vor dem Allein gelassen werden,
vor Gespenstern, vor großen Höhen, großen Gebäuden vielen Menschen.

Und ich wurde zum großen Ärger meiner Mutter ein begnadeter Bettnässer.
Missbrauch hat viele Gesichter.

Episode

Mehrere Männer stehen um mein Bett herum, einige sitzen auch auf meinem Bett.
Einer davon ist mein Vater. Ich weiß ganz genau dass ich nicht träume.
Sie sehen mich alle so komisch an und lachen verlegen, so als habe man sie bei etwas unrechtem ertappt.

In dem anderen Bett schläft meine Schwester. Von ihr ist nur ein kleiner Hügel zu sehen.
Sie hat sich unter die Bettdecke verkrochen., aber niemand sieht auf sie. Alle starren mich an.

Entsetzt und zu Tode erschrocken ziehe ich ruckartig meine Bettdecke hoch.
Da lacht die ganze Gesellschaft befreit auf, glotzt mich aber weiterhin wie hypnotisiert an.

Hinter den Männern taucht der Kopf meiner Mutter auf.
„So jetzt ist Schluss“ ruft sie fröhlich und zu mir gewandt streng „Schlaf weiter“.

Das Licht geht aus und ich höre wie sich der Schlüssel im Schloss umdreht.
Wir werden immer eingesperrt, damit wir keine Dummheiten in der Wohnung machen können wenn meine Eltern nicht zu Hause sind.
Wahrscheinlich gehen jetzt alle weg. Mit klopfendem Herzen drücke ich meinen Stoffhund an mich.
Ich habe Angst mich zu bewegen, warum weiß ich nicht, vielleicht kann ich mich auch gar nicht bewegen.
„Keine Angst Lumpi“ flüstere ich meinem Stoffkameraden zu, „ich passe auf "dich auf“.

Ostern komme ich in die Schule.
Dann fängt der Ernste des Lebens für mich an.
Sagt mein Vater.

 

Ich bitte die Mitreisenden, die Tippfehler besonders aber die grammatikalischen Fehler zu entschuldigen.
Mit den "das" und "dass" und dem Komma stand ich schon immer auf Kriegsfuss.
Rosemarie Palm-Krein, Anmerkung zur Geschichte

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 10.05.2011. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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