Anika R.

In der Höhle des Löwen // DER HAUPTTEIL//

 

Laut grollte der Donner und die ersten Regentropfen prasselten auf den aufgeweichten mit Gras und Moos bedeckten Waldboden.
Ein kühler Wind wirbelte Blätter, kleine Äste und die spitzen kleinen Nadeln der Tannen wild durch die Luft.
Lucy, Jade und Eric, hielten sich ihre Hände vors Gesicht, um ihre Augen vor den Tannennadeln, Blättern und Ästen zu schützen.
Dieses fürchterliche Unwetter hatte von einer Minute zur anderen begonnen und die Drei Freunde hatten keine Chance, sich auf diese Schnelle, in dem riesigen Wald ein Unterständchen zu suchen.
Nun wütete ein gewaltiger Sturm und es war nichts mehr zu sehen, außer eine dicke Wand aus Nebel und Dampf des Regens.
"Wisst ihr wo wir sind?", fragte Eric und fuhr sich mit seiner rechten Hand durch seine völlig durchnässen Haare.
"Nein! Keine Ahnung. Ich sehe ja nicht mal meine eigene Hand vor Augen!", gab Lucy zurück.
"Und ich? Sehe ich vielleicht aus wie ein Kompass?", fragte Jade genervt.
"Haha, wie lustig Jade!"
Eric warf ihr einen bösen Blick zu und schaute sich dann suchend um. Jade lachte künstlich und meinte: "Ja, dann frag doch nicht so blöd! Wenn ich wüsste wo wir sind, dann wären wir jetzt schon lange aus diesem Dreckloch draußen."
"He he, bleib mal ruhig! Streit hilft uns jetzt auch nicht weiter! Wir müssen schaun, dass wir jetzt schnellstens wo unterkommen. Ich triefe wie ein unausgedrückter Waschlappen."
Lucy blickte die beiden Streithähne ernst an und deutete mit ausgestreckten Finger nach links.
"Versuchen wir's einfach mit dieser Richtung! Irgendwo in diesem verfluchten Wald wird es doch eine Hütte oder wenigstens eine Scheune geben."
"Na gut! Besser als hier weiter blöd rumzustreiten und auf nichts zu warten", stimmte Eric Lucy zu.
Die Drei rannten einfach drauf los und hofften blad Zuflucht zu finden, denn dunkel wurde es langsam auch.
Aber vergeblich, weit und breit war nichts zu sehen.
Kein Haus, keine Hütte, Scheune, Höhle oder Ähnliches. Zitternd verschränkte Jade die Arme vor ihrer Brust.
"Mir ist so kalt", murmelte sie.
"Mir auch", fügte Lucy hinzu und schüttelte ihre blonden Haare hin und her. Sie waren klitschnass und tropften.
"Mann, so eine beknackte Scheise! Ich hasse es, wenn alles an mir klebt. Einfach ätzend!"
Jade strich sich mit der flachen Hand über ihre Jacke, die eigentlich wasserfest sein sollte.
Von wegen.
Der kalte Regen war bis zu ihrer Haut hin durchgedrungen. Sie drehte einmal kräftig am unteren Jackenzipfel und eine große Menge Wasser floss wie ein kleiner Wasserfall vom Inneren der Jacke auf den Boden.
"Und der soll Wasserfest sein? Tsss, das ich nicht lache. Die Leute im Laden haben mich angelogen! Und für so ein Dreck habe ich 180 Euro bezahlt. Eine Zumutung ist das!", beschwerte sie sich und dann erschrak sie auf einmal fürchterlich, als Eric wie ein Verrückter los brüllte.
"Leute! Seht doch. Da vorne! Ein Gebäude!"
Blitzschnell drehten sich die anderen Beiden um und schauten in die Ferne.
Eric hatte sie gerade mit seinem Gebrüll zu Tode erschrocken.
"Oh... man Eric, musst du so losbrüllen? Ich...."
"Aber Lucy, schau doch! Da hinten steht eine Hütte. Siehst du sie etwa nicht?"
Lucy kniff einmal kurz ihre Augen zusammen, und da!
Nun erkannte auch sie das Haus, dass hinter hohen Sträuchern verborgen lag.
"Tatsächlich! Ja, ein Haus! Wir sind gerettet!", jubelte sie und raste los.
Eric und Jade folgten ihr.
Dass Haus lag keine Fünfzig Meter entfernt.
Lucy hatte so ein Tempo drauf, dass Eric und Jade nicht richtig mithalten konnten.
"Lucy. Nicht so schnell!", kreischte Eric und stolperte über einen entwurzelten Baum, der vor ihm auf dem Boden lag.
Mit einem Schrei knallte er auf den Boden, mitten in eine große, schlammige Wasserlacke.
"Wäh. Mist! Das musste natürlich wieder mir passieren, war ja klar!"
Jade hatte natürlich gesehen wie ihr Freund gestürzt war und stand auch schon neben ihm, um ihn aufzuhelfen. "Ist alles okay?", frage sie ihn besorgt.
Eric nickte und wischte sich mit der anderen Hand den Schlamm aus dem Gesicht.
"Ja. Nichts passiert. Außer dass ich jetzt nicht nur nass, sondern auch noch dreckig bin", schimpfte er wütend. "Und nur weil Lucy wieder mal nicht auf uns warten kann!"
Keine Fünf Minuten später standen sie vor der winzigen Hütte, wo Lucy bereits auf die Beiden wartete.
Durch ein geschlossenes Fester drang ein greller Lichtstrahl und ohne lange zu zögern hämmerte sie gegen die schwere Holztür.
Doch niemand öffnete ihnen.
"Hallo? Ist da jemand? Bitte machen sie doch auf!", johlte Lucy und schließlich hörten sie ein Geräusch aus dem Inneren der Hütte.
Schritte!
Endlich! Sie schienen näher zu kommen und kurz darauf wurde die Tür aufgerissen.
Ein großer Mann mit leichten Stoppelbart und rundem Gesicht breitete sich im Türrahmen aus.
Er schaute erstaunt auf die Drei Hilfesuchenden herab, so als hätte er noch nie Kinder gesehen.
"Oh! Na, was habt ihr drei süßen denn bei so einem Wetter draußen mutterseelenallein zu suchen?", fragte er und kratze sich dabei an seinem Bart.
Jade trat einen Schritt vor und antwortete überglücklich: "Gott sei Dank, dass wir sie gefunden haben. Wir waren hier im Wald zelten und dann kam dieser Sturm und wir wollten nach Hause, aber wegen des Nebels und Regens, haben wir uns total verlaufen".
Auf den Gesicht des Mannes legte sich ein seltsames Grinsen und sofort wurde Jade unheimlich.
Dieser Typ war ihr nicht ganz geheuer, aber was sollten sie sonst tun?
Der Mann war die einzige Rettung.
"Ach du meine Güte. Tja, und jetzt wollt ihr sicherlich bei mir unterkommen, bis der Sturm vorbei ist. Stimmt's?"
Jade nickte: "Wir werden ihnen bestimmt keinen Ärger machen und sie auch bezahlen."
Der fremde Mann machte die Tür weit auf und lächelte wieder: "Ach, kein Problem! Das geht schon in Ordnung. Kommt ruhig herein. Ich kann euch doch nicht bei so einem Wetter draußen stehen lassen."
Die Drei lächelten und traten in das kleine Hüttchen wo ihnen die Wärme, des prasselnden Feuers entgegen kam.
"Oh vielen vielen vielen Dank. Das ist so lieb von ihnen", meinte Jade.
"Ist schon gut, wir werden bestimmt jede Menge Spaß zusammen haben!", kicherte der Fremde.
Jade sträubten sich die Nackenhaare.
"Wir werden bestimmt eine Menge Spaß zusammen haben"
Was meinte er damit?
Dieser Mann wurde ihr nach und nach unheimlicher.
"Hoffentlich haben wir das richtige getan", dachte sie während sie mit Lucy und Eric das gemütliche Stübchen betrat.
Der gastfreundliche Mann platzierte sich in einen breiten Ohrensessel und redete auch schon wieder los: "Eure nassen Sachen könnt ihr da an den Harken neben den Kamin hängen und dann könnt ihr es euch gerne vor dem Kaminfeuer gemütlich machen. Ach übrigens, ich bin Jack Jackson. Aber ihr könnt mich auch gerne einfach Jack nennen."
"Oh ich finde das echt zu nett von ihnen. Vielen herzlichen Dank", sagte Lucy und fuhr sich mit ihren Händen durch die Haare, wie mit einem Kamm.
"Ich bräuchte jetzt einen Föhn. Ich mag das gar nicht, wenn meine Haare so nass in meinem Nacken bapen."
Sie zogen ihre nassen Sachen aus und hängten sie zum trocknen vor dem Kamin.
"Dankeschön sehr nett", meinte Eric nochmals und rubbelte sich seine Hände.
"Wartet kurz, ich komme gleich wieder". Jack verschwand in den ersten Stock der winzigen Hütte.
Was hatte er bloß vor?
Jade lehnte sich entspannt zurück und lies ihren Blick durch das Zimmer wandern.
Es war sehr klein hier.
Das Erdgeschoss bestand nur aus einem Raum, wo gerade mal ein Tisch, ein großer Schrank wo wahrscheinlich Jack seine Klamotten aufbewahrte, und eine mittelgroße Kautsch rein passte.
Und da in der hinteren Ecke stand noch ein hohes Schränkchen.
Was da bloß drin war?
Neugierig stand Jade auf und ging zu diesen Schrank, den sie so gleich öffnete.
Plötzlich stockte ihr der Atem.
Was sie da im Schrank sah, lies ihr Herz vor Angst höher schlagen und ihren Körper zittern.
"Hey! Seht euch das mal an!", rief sie leise und Eric sprang sogleich auf.
"Hhm? was ist denn?"
Lucy war bereits bei Jade und erblasste.
"Oh mein Gott! Gewehre! Für was hat der Gewehre?"
Eric huschte schnell zu dein beiden Mädchen und schaute ebenfalls in den Schrank.
"Na und! Vielleicht ist er Jäger. Die haben nun mal Flinten und Waffen."
Jade zitterte und meinte: "Ich habe Angst. Bitte lasst uns von hier verschwinden. Der Typ ist mir unheimlich.
Eric lachte nur dröhnend: "Verschwinden? Tolle Idee! Und wohin, bei diesem Sturm?"
"Er hat Recht. Wir würden wahrscheinlich durch diesen Wald irren und dann noch von einem Ast erschlagen werden", fügte Lucy hinzu.
"Nur weil er Gewehre besitzt, muss er doch lange noch nicht böse sein."
Und plötzlich hörten sie ein knarren, direkt über ihren Köpfen.
"Das sind Schritte, kommt schnell wieder zum Kamin."
Leise wie kleine Mäuschen quetschten sich Eric und Jade durch die schmale Stelle, wo Tisch und Schrank sehr eng zusammengestellt waren.
Lucy saß schon wieder am Feuer und tat so, als würde sie sich die Hände warm rubbeln.
Mit Wolldecken und einem Tablett in den Händen kam Jack zurück.
Mist! Jade war noch immer hinten am Tisch.
Was würde Jack nur denken, wenn fremde Teenies hier in seiner Hütte herumschnüffelten?
Sie mit einem der Gewehre bedrohen?
Oder noch schlimmer!
Sie rausschmeißen? In den Sturm?
Ohne nachzudenken schnappte sich Jade ein Buch, dass unten in einem kleinem Regal stand und stürmte zu den Anderen.
Keine Sekunde zu früh, denn schon stand Jack im Raum.
"Warum schnüffelt ihr in meinem Haus rum?", wollte er wissen und guckte ziemlich böse.
Jade blieb etwas ängstlich stehen und drückte sich mit dem Rücken gegen die Wand.
Doch dann fasste sie doch den Mut zusammen und hob ihre Hand, in der sie das Buch festhielt.
"Ich...ich, ich habe mich nur nach einem interessanten Buch umgesehen.
Ich lese für mein Leben gerne."
'Phuu, da hatte sie aber gerade noch eine gute Ausrede gefunden', dachte Lucy, denn Jack Jackson lächelte und er fragte auch nicht mehr weiter.
"Hier habe ich etwas für euch! Warme Decken und leckeren Kakau. Selbstgemacht müsst ihr wissen. Und dann noch belegte Brötchen. Ihr habt doch bestimmt Hunger, oder?"
"Und wie! Wir sind am verhungern!", scherzte Eric.
Lucy warf ihn einen vorwurfsvollen Blick zu.
"Er kann wirklich froh sein, dass wir überhaupt rein gelassen worden sind. Jack hätte uns auch genauso gut draußen stehen lassen können", dachte sie bitter.
"Hhmm, lecker vielen Dank, das ist wirklich zu gütig uns zu versorgen", meinte sie und versuchte dabei Erics Unhöflichkeit wieder gut zu machen.
Mr. Jackson lachte: "Na, dann lasst es euch mal schmecken und danach zeige ich euch wo ihr schlafen könnt."
"Danke!", antwortete Jade mit vollem Mund.
Gierig verschlangen die drei Freunde Schinken, Käse und Salamibrötchen und tranken den ganzen Liter heißen Kakao. Es schmeckte wirklich großartig.
Nach dem Essen plumpsten sie alle auf die Couch und rieben sich die Bäuche.
"So das war jetzt genau das, was ich gebraucht habe", meinte Eric und stieß die Luft aus.
"Hmhm! Ich auch. Dieser Jack ist echt nett! Und...."
"Nah ihr Süßen. Was höre ich da über mich? Ihr findet mich nett? Na dass freut mich aber."
Er lächelte geheimnisvoll: "Na dann kommt mal mit nach oben, ich zeig euch euer Zimmer."
"Darf ich dieses Buch mitnehmen?"
Jade nahm das Buch untern Arm und war schon bereit nach oben zu gehen.
"Na klar meine kleine Leseratte", kicherte er.
MEINE KLEINE LESERATTE?
Jade war dieser Satz irgendwie unangenehm.
Nachdenklich folgte sie Jack Jackson nach oben.
Er stieg die alten Holztreppen hinauf, in den ersten Stock. Bei jedem Schritt knacksten die Stufen.
Mr. Jackson öffnete eine Tür die genau der Treppe gegenüber lag.
Das dahinterliegende Zimmer war alles andere als gemütlich. Es war klein, hatte ein winziges Fenster, darunter eine Heizung und auf dem Boden waren lauter weiche Decken ausgebreitet mit drei Kissen darauf.
An den Wänden waren lange dünne Risse zu erkennen und an allen Vier Ecken, des quadratischen Zimmers, rieselte der Putz von der Decke.
Ziemlich ungemütlich. Aber besser als draußen im Strum.
"So! Hier könnt ihr schlafen. Ist zwar kein Vier- Sterne- Hotelzimmer, aber...."
"Nein, nein, das passt schon. Das ist super gemütlich", log Jade um endlich ihre Ruhe von diesen unangenehmen Mann zu haben.
"Na dann schlaft schön."
Er stieg die Treppe hinunter und ließ die Kids allein.
"Endlich ist der weg. Ich weiß nicht wieso, aber mit diesen Typ stimmt was nicht. Ich hab immer ein ganz komisches Gefühl, wenn ich an den denke", flüstere Jade.
Eric nahm seinen Rucksack und holte seine Uhr raus.
"Man schon Zehn nach Elf. Wir sollten langsam schlafen", schlug er vor, lies sich in die Decken fallen und kuschelte sich in sein Kissen.
"Jade. Ich finde ihn auch ziemlich merkwürdig, aber wir können nirgends hin, solange das Wetter so ist", nuschelte Lucy und machte es sich gemütlich.
"Komm schon, morgen ist der Sturm vorbei, und wir können von hier verschwinden."
Jade nickte zitternd und legte sich auch hin. Aber sie konnte einfach nicht einschlafen. Diese Hütte, mitten im dunklen Wald und dieser Jack machten ihr Angst.
Ehrlich gesagt bekam sie totale Panik. Aber dann fiel sie doch immer wieder in einen kurzen unruhigen Schlaf.
Nach einigen Stunden erwachte sie aus einem fürchterlichen Albtraum. Auf ihrer Stirn saß der kalte Angstschweiß und ihre Kehle war wie ausgedorrt.
Sie setzte sich auf und blickte zum Fenster. Der Sturm wütete noch immer.
Schließlich stand sie auf und ging zur Tür. "Ich brauche jetzt unbedingt ein Glas Wasser".
Leise öffnete Jade die Türe und schlich auf Zehnspitzen die knarrenden Stufen nach unten.
Jack war auch schon zu Bett gegangen.
Ein Glück. Sie wollte sich nicht vorstellen, wie es sein würde mit dieser fremden Person alleine zu sein, während die Anderen oben tief und fest schlummerten.
In der Hütte war es so still, dass man denken könnte, es würde hier kein Leben existieren.
Es war nur das Pfeifen des Windes zu hören, der durch die Ritzen der undichten Wände der Holzhütte sauste.
Sie schaltete das Licht an und begann in den ganzen Schränken zu wühlen.
Wo hatte dieser Mann bloß seine Gläser verstaut?
Sie suchte und suchte und so langsam kam ihre Angst wieder zurück.
'Was wenn er jetzt kommt, und mich dabei erwischt, wie ich in seinen Schränken herumkrame?'
Und ihre Angst bestätigte sich auch, als sie etwas ganz unten in einer Schublade fand. Es war ein Zeitungsartikel.
Jade glaubte ihren Augen kaum. Das was sie gerade las, war einfach nicht zu fassen.
ACHTUNG!
Gesucht wird der Schwerverbrecher Jack Jackson.
Er ist 1,90 Meter groß und hat dunkelblonde kurze Haare, einen leichten Stoppelbart und hat eine schlanke Figur.
ACHTUNG! Dieser Mann gilt als äußerst gefährlich.
Er hat Zwanzig Kinder entführt!
Was mit ihnen geschah ist bis heute ein Rätsel. Man hat sie nie wieder gefunden.
Wenn sie diesen Mann sehen, rufen sie sofort die Polizei!
Versuchen sie nicht ihn selber zu fassen!
Es könnte LEBENSGEFÄHRLICH werden!
Jade war völlig außer sich vor Angst. Mit klopfenden Herzen und weichen Knien torkelte sie mit dem Zeitungsbericht in ihr Zimmer, wo ihre beiden Freunde schon lange vor sich hin schnarchten.
Tausend Gedanken schossen ihr im Kopf herum.
Sie waren mit einem Entführer unter einem Dach.
Eingeschlossen!
Und es gab kein Entkommen!
Sofort weckte sie Eric und Lucy, die erst schimpfen und fluchten, weil sie einfach aus dem Schlaf gerissen wurden, aber dann doch voller Aufregung den Artikel lasen.
Lucy bekam Tränen in den Augen und begann zu zittern.
Eric starrte nur fassungslos in die Röhre.
"Was sollen wir denn jetzt nur machen?", fragte Lucy.
"Na was wohl? Wir müssen fliehen", gab Jade zurück.
Eric nickte und sah zum Fenster: "Ja, du hast Recht. Lieber draußen in einem Sturm, als hier drin mit einem Kriminellen.
"Genau der Meinung bin ich auch. Kommt schon, packt euer Zeug zusammen und dann nix wie weg!"
Jade suchte in Sekundenschnelle ihre ganzen Sachen zusammen, stopfte sie irgendwie in ihren Rucksack und lies sich einmal kurz in die weichen Decken fallen.
"Seid ihr fertig?", fragte sie ihre beiden Freunde.
"Ja. Es kann los gehen."
Vorsichtig öffnete Lucy die Türe des Zimmers und spähte hinaus.
Der Flur war stockdunkel.
Mr. Jackson schien tief und fest zu schlafen.
"Die Luft ist rein. Kommt! Seid bloß leise. Nicht dass er aufwacht."
Lucy verließ als Erste das Zimmer und trat in den dunklen Flur. Dicht hinter ihr waren Jade und Eric.
Es war so still, dass die Kinder ihr eigenes Herz pochen hörten und das schnelle aufgeregte Atmen des Anderen.
Wie ein Tiger auf der Jagd, schauten sie um sich und gingen leise Schritt für Schritt weiter, in Richtung Treppe.
RUMS!
Aua! Verdammt. Mein armer Fuß!", schrie Jade etwas zu laut.
"Pssst! Mann Jade geht's vielleicht noch ein bisschen lauter? Du weckst noch diesen Jackheini. Und dann ist alles aus!", schimpfte Eric sie leise.
Jade bückte sich und rieb ihren Fuß, den sie gerade ziemlich heftig an der kleinen Kommode angestoßen hatte, die direkt neben der Zimmertüre, der Kids aufgestellt war.
"Tut mir leid, aber ich glaube mein Fußnagel....!
Er...., er fühlt sich so komisch an."
"Zeig doch mal." Lucy kramte aus ihren Rucksack eine winzige Taschenlampe hervor, drückte auf den Knopf und leuchtete auf den Boden.
Jade hatte inzwischen schon ihren Schuh und ihre Socke ausgezogen und starrte auch ihren großen Zeh. Sie verzog ihr Gesicht und streckte die Zunge weit heraus.
"Igitt! Das ist ja widerlich. Bäh, ich kann da nicht hinsehen, sonst tuts noch mehr weh und mir wird schlecht".
Auch Erics Miene verzog sich bei dem Anblick des Zehs. Er sah aus als hatte er in eine Zitrone gebissen.
"Boha, ekelhaft! Aber warte kurz, ich habe doch immer alles dabei."
Eric wühlte in seinem Rucksack und holte ein kleines Pflaster heraus.
"Hier, der Arzt ist schon zur Stelle", scherzte er und klebte es um den verletzten Zeh.
Der Zehnagel war zur Hälfte abgebrochen und bog sich leicht nach oben.
Unter dem Nagel kam ein bisschen Blut. Jade presste sich die flache Hand auf dem Mund, um einen Brechreiz zu unterdrücken .
Nicht einmal Zwanzig Sekunden später war Jade verarztet und zog sich schnell wieder ihren Schuh an.
An ihrem Blick war immer noch der Schmerz und Ekel abzulesen, aber sie hatten keine Zeit mehr.
"Kann jetzt wenigstens einer von euch seine Taschenlampe benutzen? Oder wollt ihr, dass ich mir noch ein Bein oder einen Arm breche?", fauchte sie.
"Ja warte! Ich hab eine etwas hellere, gleich in der Vordertasche."
Lucy zog so leise es ging den Reißverschluss ihres großen vollgestopften Wanderrucksackes auf und holte eine kleine Taschenlampe heraus.
"Da haste Eine! Meckerliese."
"Nenn mich nicht Meckerliese , du Vogelscheuche!", warf Jade zurück.
Eric hüpfte zwischen die Beiden und legte einen Finger auf die Lippen, zu einem Pssst-Zeichen.
"Aufhören! Habt ihr vergessen wo wir uns hier befinden? In der Höhle des Löwen! Also seid jetzt still und macht, dass ihr nach unten kommt."
Jade warf ihrer besten Freundin noch einmal einen giftigen Blick zu und setzte sich dann wieder in Bewegung.
Die Stufen knarrten laut unter ihren Füßen, und sie befürchteten bei jedem Schritt Jack aufzuwecken.
Aber dann war es endlich geschafft und sie stürmten wie Gewinner auf die Eingangstüre zu.
Aber was war das?
Die Türe ließ sich nicht öffnen!
"Verflickst und zu genäht! Das darf doch jetzt nicht wahr sein", fluchte Eric.
"Wahrscheinlich sperrt er über Nacht immer die Türe ab", vermutete Lucy. "Das machen meine Eltern auch."
Eric verdrehte die Augen: "Na toll! Und was nützt uns das jetzt? Wir hocken in der Falle. In einem fremden Haus, wo ein Wahnsinniger wohnt!"
Er rüttelte noch einmal kräftig an der Türe, aber sie öffnete sich immer noch nicht.
"Man, hör auf! Du wirst die Türe nicht aufkriegen. Siehst du das Vorhängeschloss da? Wir bräuchten dafür einen Schlüssel!
Vielleicht können wir durch ein Fenster raus klettern", schlug Lucy vor und lies ihren Blick durch den schwach erleuchteten Raum wandern.
"Da! Kommt!", rief sie leise.
Sie rannte nach hinten zu dem kleinem Fenster.
"Helft mir doch!", maule sie und die anderen Beiden hasteten schnell zu ihr.
Zu Dritt versuchten sie nun das Fenster zu öffnen.
Es war ziemlich fest am Fensterrahmen angebracht, aber mit vereinten Kräften gelang es ihnen dann doch.
Das Fenster flog auf und Lucy stieg aufs Fensterbrett.
"Und jetzt schnell weg, und dann ab zur Polizei", sagte sie.
"An eurer Stelle würde ich das nicht tun, wenn euch euer Leben noch was wert ist!"
Wie vom Blitz getroffen blieben die drei Ausreißer stehen und kuckten hinter sich.
An dem Eingang wo der untere und obere Wohnbereich mit der Treppe abgetrennt ist, stand Jack Jackson mit einer langen Flinte in der Hand und zielte auf die Kinder.
"Na los? Weg da vom Fenster!", schrie er sie an.
Mit erhobenen Armen gingen Eric, Lucy und Jade vom Fenster weg und zitterten voller Angst.
"So ist's brav!", meinte er dann mit einem ruhigen zufriedenen Ton.
"Und jetzt vorwärts! Die Treppe da runter! Und passt gefälligst auf wo ihr hintretet. Es soll ja keiner die Treppen runterfallen!"
Er lachte laut und grässlich.
Es hörte sich an wie ein schwerer Raucher der lachte. Rau und unangenehm.
Ängstlich und mit pochendem Herzen trotteten sie nach unten.
"Hopp! Ein bisschen schneller. Wir wollen ja heute noch unten ankommen!", krächzte er und lachte dabei wieder lauthals.
Unten im Keller war es zappenduster. Es roch ziemlich muffig und überall stand allerlei Krimskrams rum.
Kartons über Kartons, die an der Wand aufgestapelt waren. Tausende von leergetrunkenen Bier, Wein und Schnapsflaschen, Stofffetzen die mal ein Vorhang gewesen sein musste, und noch vieles mehr lag überall verstreut herum.
Der Keller glich einer Müllheilde. Und der Geruch der hier unten in der Luft lag, entpuppte sich eher zu einem Gemisch von Alkohol, verbranntem Papier und vergammelten Essen.
Mr. Jackson schubste die Drei unsanft in den Raum und drückte sie auf dem Boden gegen die Wand. Dann hob er das Gewähr und zielte zu Erst auf Jade, dann auf Eric, und von Eric auf Lucy.
"Es tut mir wirklich leid ihr Süßen, aber ich kann euch nicht mehr gehen lassen."
"A...a...aber warum? Wir versprechen , wir werden niemanden etwas erzählen", stotterte Jade.
"Und das soll ich euch glauben! Das klang vorhin aber ganz anders", sagte er und runzelte die Stirn.
Eric hob feierlich die Hand zum Schwur:"Ich schwöre ihnen, wenn sie uns gehen lassen, dann werden wir keiner Menschenseele was davon erzählen! Versprochen."
Jack zielte mit dem Revolver auf Eric: "Das Risiko ist mir viel zu hoch mein Junge!"
Dann zielte er auf Jade.
"Du!", schrie er und Jade erschrack so sehr, das ihr Körper leicht bebte.
"Geh zu dem Tisch da hinten. Darunter lieben Seile. Hol sie her!", forderte er.
"Aber.... aber ich will nicht das...!"
"Los jetzt!", brüllte er mit hoher Stimme und hob das Gewehr nach oben und tat so, als wollte er sie damit schlagen.
Ohne ein weiteres Wort stolperte Jade zum Tisch und kroch darunter, um die Seile aufzuheben.
Vor Angst getrieben ging sie zu Mr. Jackson und reichte ihm die Seile. Er lächelte zufrieden.
"Sehr schön gemacht. Und jetzt setz dich zu den Anderen."
"Aber bitte, tun sie...."
"Kein aber! Ich habe gerade etwas gesagt. Ich hasse Widersprüche und jetzt mach das du deinen Arsch zu deinen kleinen Freunden zurückbewegst, du Lusche!", wütete er sauer, holte mit seiner anderen Hand aus und schlug ihr eiskalt ins Gesicht.
Jade schrie laut auf und hielt sich mit einer Hand die brennende Wange.
Dicke Tränen kullerten ihr über die Backen und ein großer Klos bildete sich in ihrem Hals.
Warum tat er das?
Wie konnte man nur so gemein und grausam sein?
Jack schubste Jade auf den Boden und sie knallte mit dem Hinterkopf an die harte kalte Mauer.
Sie spürte den blutigen Geschmack in ihrem Mund. Sie musste sich bei dem Schlag auf die Zunge gebissen haben.
"Was haben sie mit uns vor?", fragte Lucy mit kläglicher angsterfüllter Stimme.
Sie atmete schnell und ungleichmäßig.
"Das wirst du gleich sehen! Na los, Hände auf den Rücken und umdrehen."
In Lucy Augen sammelten sich kleine Tränen.
Sie drehte sich gehorsam um: "Aber ich will nicht dass..."
"Sei nicht so ein Baby, meine Kleine!", zischte Jackson. Er bückte sich zu ihr auf den Boden und schlang die Seile um ihre Handgelenke und zog sie fest.
Die Seile fraßen sich schmerzhaft in ihre Haut. Sie konnte gerade noch so die Tränen zurückhalten. Dann fesselte er sie noch an den Füßen und wandte sich nun an Eric und Jade.
Jades Schmerzensschrei war Beweis dafür, dass er viel zu brutal mit ihr umging.
Danach richtete er wieder die Pistole auf die Kinder: "Das müsst ihr doch verstehen! Wenn ich euch gehen lasse, dann steht nach spätestens einen Tag die Polizei vor meiner Tür und dass wollen wir doch nicht!"
Jade schluckte kräftig. In ihrem Magen krampfte sich alles zusammen. "Aber wenn sie uns nicht frei lassen, dann werden uns unsere Eltern als vermisst melden, und zur Polizei gehen. Die werden dann den ganzen Wald absuchen und uns finden, und sie werden verhaftet."
Der grauenhafte Typ stieß kräftig die Luft aus und lachte anschließend wie eine Hyäne.
"Ach, mach dir darüber mal keine Sorgen kleine!
Hältst du mich wirklich für so blöd? Bis die hier sind, bin ich mit euch schon längst über alle Berge!"
Auf einmal fühlte sie sich seltsam flattrig.
Was hatte das zu bedeuten?
Wollte er sich etwa mit ihnen aus dem Staub machen?
Und wo wollte er mit ihnen hin?
Was hatte er dann wohl vor?
Bei diesen Gedanken brach sie in Schweiß und Zitteranfälle aus.
"Bitte, bitte lassen sie uns gehen", jammerte Eric wie ein kleines Mädchen.
"Na, na, na! Du wirst dich doch nicht zu einem Waschlappen wie deine Freundin entwickeln?", erwiderte er. "Und jetzt zum letzten Mal! Hört mit diesem Gejammer auf, sonst muss ich wohl zu anderen Mitteln greifen. Und ich kann euch gleich sagen, dass wird nicht angenehm werden! Also haltet jetzt eure Klappen und gute Nacht!"
Ohne eine Antwort ab zu warten suchte er sich einen Weg zur Tür und schloss sie von außen ab.
Das Licht war so dunkel und beleuchtete nur spärlich den Raum.
Nun waren sie allein.
Eingesperrt in diesem Keller.
Keiner wusste wo sie waren, und dann fing Jade fürchterlich an zu weinen.
"Wir werden hier nie wieder raus kommen. Nie wieder unsere Familien sehen und für immer bei diesem widerlich brutalen Kerl bleiben."
Eric sah sie scharf an: "Hör auf sowas zu sagen, okay? Hör bitte auf! Natürlich werden wir hier raus kommen."
"Ach ja? Und wie?", fragte sie ihn.
Er versuchte zu lächeln, was ihm aber etwas misslang.
"Naja, schau dich doch mal um!"
Jade schaute durch den Raum, fand aber keine Antwort auf Erics Satz.
"Hä? Ich verstehe nicht was..."
"Na, eine Schere! Unter diesen Gerümpel wird doch irgend eine Schere zu finden zu sein. Oder irgendwas scharfes, womit wir die Fesseln durchschneiden können", antwortete er.
Lucys Augen leuchteten: "Genau! Kommt suchen wir!", sagte sie, mit wieder ein bisschen mehr Hoffnung in der Stimme. Sie drehte sich auf dem Bauch und fing an sich vorranzurobben.
Über die Kartons und all den Müll. "Was haltet ihr von der Idee mir zu helfen?", keuchte sie schnippisch. Eric warf ihr einen bösen Blick zu. Sah sie denn nicht, dass er ebenfalls auf dem Bauch lag und schon bereit war sich genauso fortzubewegen wie Lucy.
 
"Jaja! Wenn du mal herschauen würdest, dann würdest du sehen, dass ich schon lang auf diesen Drecksboden rumkrieche!"
Jade schaute ihre zwei Freunde ängstlich an.
Ihr fehlte einfach der Mut, um sich zu bewegen.
Sie hatte zu große Angst davor. Was würden sie tun, wenn Jack plötzlich zurückkam? Und sie hier im Keller herumkrochen?
Würde er uns alle Drei Kaoo schlagen?
Diese fürchterlichen Gedanken schwirrten ihr die ganze Zeit durch den Kopf, während Eric und Lucy unter all den Gerümpel nach etwas brauchbaren suchten. Aber dann musste sie sich an ihr Zu Hause denken.
An ihre Familie, an all ihre restlichen Freunde, die sie vermissen würden. Sogar bie ihrer nervigen Schwester Jenny waren ihre Gedanken.
Mit der sie sich tag täglich gestritten hatte.
Aber dann erinnerte sie sich an die wunderschönen Zeiten mit Jenny.
Zum Beispiel voheriges Jahr im Sommer, wo sie Jade geholfen hatte, ihre Eltern dazu zu überreden, für 1 Jahr ein Pony aufzunehmen, weil die Besitzerin beruflich ins Ausland musste.
Oder wie sie immer zusammen etwas unternommen haben, wenn ihre anderen Freunde keine Zeit hatten. Wie sie zusammen im Sommercamp und die Betreuer geärgert hatten. Sie erinnerte sich nur zu gut daran, als sie eines nachts zusammen zum See geschlichen sind und Matsch aus dem Wasserufer herausgefischt haben und dann in die Schampooflasche der Betreuer getan hatten.
Am nächsten Morgen wurden sie durch den lauten Aufschrei von einen der Betreuerinnen geweckt.
Alle Kinder stürmten zu den Waschräumen und sahen Peggy wutentbrannt in einem Badehandtuch eingewicklet, wor den Duschkabinen stehen.
In ihren Haaren schäumte das braungraue Schampoogemisch.
Und natürlich bekamen sie es raus, wer das gemacht hatte.
Wir wurden dann am selben Tag noch nach Hause geschickt. Aber sauer waren wir nicht darüber gewesen. Das war ein supergelungener Streich.
Ein lautes RUMS riss sie aus ihrer Erinnerung und sie befand sich schlagartig wieder in der Realität. Sie legte sich auf den Bauch und kroch vorran.
Es waren ihre schönen Erinnerungen und ihr unglaublich starker Wille, der ihr neue Kraft und Mut verliehen hatte.
Todesmutig fing sie an wie eine Raupe durch den Keller zu rutschen.
Sie wollte hier raus, um jeden Preis.
Sie wollte zurück zu ihrer Familie.
"Hey habt ihr was gefunden?", fragte Lucy. Dicke Schweißperlen standen ihr auf der Stirn. Jade entdeckte kleine blutige Schrammen an Lucys Armen.
Von den ganzen herumgekrieche, über all diese Umzugkartons und Gerümpel, hatte sie sich ein bisschen geschnitten.
"Nein, ich nicht! Verdammt noch mal", schrie Eric voller Wut und Verzweiflung.
"Hier wird doch irgendein kleines Messer oder Ähnliches sein!"
Jade schaute sich suchend um und versuchte mit vereinten Kräften sich zu bewegen. Es war ziemlich mühsam aber sie schaffte es. Und da! Ihre Rettung naht. Etwas silbriges glänzte aus den Berg von Kartons und anderen Müll heraus. Ein Messer? Sie konnte es nicht glauben. Schnell kroch sie zu dem glänzenden Etwas hin und sie hatte Recht. Ein Messer!
"Hey Leute! Hier her. Ich hab was gefunden", schrie sie leise und begeistert.
So leise wie möglich näherten sie Eric und Lucy ihrer Freundin und machten ganz große Augen.
"Wow, super! Du bist klasse! Na los, schnell befrei mich", sagte Eric heißer. Er drehte sich mit dem Rücken zu Jade um und sie versuchte trotz der Fessel die sie noch an Händen und Füßen hatte, Eric zu befrein.
Und es gelang ihr. Es gelang ihr ohne Eric zu verletzen. Glücklich streckte er seine Arme nach oben und befreite dann erst einmal seine Füße. Anschließend drehte er sich zu den beiden Mädchen um und nahm ihnen ebenfalls die Fesseln ab.
Endlich waren sie frei.
"So und jetzt nichts wie weg."
Die Drei Teenager schritten langsam voran, um möglichst geräuschlos nach oben zu gelangen. Aber das schien überhaupt nicht so einfach zu sein, denn bei jedem Schritt traten sie auf einen Karton oder ein zusammengeknülltes Blatt Papier oder anders. Und jedes Mal machte es Geräusche.
"Meint ihr, hier ist irgendwo ein Fenster?", fragte Lucy im Flüsterton. Eric glotze sie schief an:"Meinst du, der wird uns in einem Raum gefangen halten wo ein Fenster ist? Das glaubst du doch wohl selber nicht oder?"
"Wieso nicht? könnte doch sein. Musst du eigentlich immer...."
"Hey! Stopp! Aufhören. Sofort verstanden! Streiten könnt ihr wenn wir hier raus sind. und jetzt psst und kommt mit!", mischte sich Jade ein.
Stumm wie Fische schlichen sie zur Türe und lauschten.
Nichts!
Kein Mucks war zu hören.
Keine Schritte! Keine Stimme! Kein gar nichts!
"Sollen wir wirklich da hochgehen? Ich halte das für keine gute Idee!", stotterte Lucy mit schlapprigen Knien.
"Ja. Wie sollen wir denn sonst hier raus kommen?", fragte Jade.
Eric räusperte sich:"Und was ist wenn Jackson do oben irgendwo ist und uns erwischt? Dann sind wir erledigt!"
Jade seufzte:"Ich weis. Aber das ist unsere einzige Chance. Wir müssen es riskieren".
Sie wollte gerade die Türe öffnen, als Eric ihre Hand zurückzog.
"Was soll das? Spinnst du?"
Mit einem scharfen Blick und einer ernsten Miene guckte sie Eric an, der sich seinen linken Zeigenfinger auf die Lippen hielt.
"Pssst. Warte, ich glaube ich habe was gehört"
Jade merkte wie stocksteif sie gerade dastand. Ihre Angst war wider auf hochturen und sie hörte ihr Herz klopfen. Sie bewegte sich nicht, nur ihre Augen lies sie in und herrollen und da sah sie die blutigen Flecken und Schrammen an den Handgelänken ihres besten Freundes. Seine Fesseln hatten sich ebenfalls tief in die Haut eingeschnitten und blaue Flecken stachen auch heraus.
Lucy drehte sich ein paar mal um ihre eigene Achse und fragte schließlich.
"Was psst? Hast du was gehört? Meinst du er kommt zurück?"
Eric atmete ziemlich laut ein und aus. Das tat er immer wenn er rießengroße Angst hatte. Er lauschte nocheinmal und schüttelte dann den Kopf:"Nein, ich dachte nur Schritte gehört zu haben. Sorry ich wollt euch jetzt nicht erschrecken".
"Du hast uns nicht erschrocken. Und für was entschuldigst du dich jetzt? öffne lieber mal die Tür", schaltete Jade sich ein, als sie wieder aus ihrer Starre herauskgekommen war.
"Aber leise bitte", befahl Lucy aufgewühlt. Ihre Freundin verdreht die Augen. Geht das jetzt schon wieder los. Das sie wieder für total bescheuert gehalten wird. Natürlich würde sie leise sein. Oder dachte Lucy etwa dass sie die Türe aufreißen würde und dann hochtramplen wie eine Horde wilder Elefanten und dann noch so laut wie möglich brüllen >>Hey Jack Jackson! Wir sind frei. Und laufen nach Hause. Auf Wiedersehen, leben Sie wohl<<
Also manchmal konnte ihre beste Freundin wirklich eine Nervensäge sein. Nicht zum ertragen. Jade stöhnte auf:"Ach nee. Ich dachte jetzt dass ich losbrülle wie ein durchgedrehter Affe und lustig davonhoppse! Natürlich bin ich leise!"
Mit zittriger Hand drückte sie die Türklinke lautlos herunter und öffnete die Tür.
Diese quietschte und ging auf. Jade war ganz schwummrig als sie die Stufen in dieser Dunkelheit hinaufstieg.
Hinter ihr folgten Eric und zu letzt Lucy.
KNARR!
Mist! Eine Stufe quietschte und vor lauter Schreck hüpfte Jade gleich zwei weitere Stufen hinauf.
Zum Glück ohne dabei Geräusche von sich zu geben.
Nun wär äußerste Vorsicht geboten. Als alle Drei an der obersten Treppenstufe angekommen waren luckten sie erst einmal ganz vorsichtig um das Eck herum.
"Phuuuu! Ein Glück. Dieser Hirnverbrannte Jack ist nirgends zu sehen", gab Eric erleichtert von sich.
"Und wie sollen wir jetzt rauskommen? Die Tür ist doch zugesperrt", fragte er.
Jade grübelte einen kurzen Augenblick und setzte sich erst einmal zum nachdenken auf die Treppe.
"Ja wir müssen entweder den Schlüssel finden oder zum Fenster rau", tuschelte Lucy.
"Genau. Also versuchen wir es nocheinmal mit dem Fenster?"
"Ich weis nicht, was ist wenn es zieht und ihrgendwo ein anderes Fenster aufgedrückt wird oder eine Türe zuknallt? Dann sind wir warscheinlich tot"sagte Eric. Es hörte sich fast so an als würde er heulen. >>Aber kein Wunder wem von uns dreien ist jetzt nicht zum Heulen zu Mute<<
Dieses Erlebnis hier war einfach ein grauenhafter Albtraum, der kein Ende zu haben schien. Sie setze sich auf und setzte leise einen Fuß vor den Anderen. Sie schlich den kurzen Flur entlang in den Wohnbereich.
Und Jade atmete erleichtert auf. "Phuu. Jack ist nicht hier, kommt schon. Die Luft ist rein." Sie winkte ihnen zu und Eric spurtete los, gefolgt von Lucy, die noch immer am ganzen Körper stark zitterte.
Endlich waren sie im Wohnzimmer und standen erstmal ratlos voreinander.
"Na toll. Und jetzt?", unterbrach Eric das Schweigen.
Beide Mädchen zuckten mit den Schultern. Wei eine Katze auf leisen Pfoten, lief Lucy im Zimmer auf und ab:"Keine Ahnung! Wir müssen hier auf alle Fälle so schnell wie möglich raus."
"Warum stellen wir nicht einfach einen Stuhl vor ein Fenster, machen es auf und springen einfach alle gleichzeitig nach draußen", schlug Jade vor.
Ihre Kehle schnürrte sich wieder erneut zu und ihr Körper brach in einen wiederlichen Angstschweiß aus.
Ihre Freundin verschränkte die Arme vor der Brust und sah Jade ausdruckslos an. "Ja, aber da haben wir dann wieder das selbe Problem wie vorhin".
"Ja, aber das ist die einzige Möglichkeit von hier zu entkommen. Wir müssen es einfach nochmal versuchen, sonst kommen wir hier nie mehr raus", schluchzte Jade und rieb sich dabei eine dicke Träne von der Wange. Ihre Nerven waren völlig blank.
"Jetzt kommt einfach mit zum Fenster. Wir machen es jetzt einfach so wie Jade es gesagt hat! Wir haben sowieso keine andere Möglichkeit!", entschloss Eric sicher und ging zum Tisch, der in der Mitte stand, nahm einen Holzhocker und stellte ihn wieder vor das Fenster. "Kommt schon". Die Mädchen rannten zu Eric, aber DA: Vor lauter Eile übersah Lucy einen weiteren Hocker neben dem Tisch und stolperte drüber.
Sie landete am Boden und der Hocker krachte direkt neben ihr ebenfalls zu Boden.
Ihr stockte der Atem. Auch Eric und Jade wagten es nicht, sich zu bewegen, geschweige denn zu atmen. Hatte Jackson das gehört?
Nein!
Denn es war nichts zu hören und auch nach einer weiteren Minute waren keine Anzichen von Leben wahrzunehmen.
Das war ja Glück im Unglück.
Die Teenys setzten ihre Arbeit fort und kletterten alle drei gleichzeitig auf den wackligen Hocker. Eric war gerade dabei das Fenster auf zu drücken, als es ober ihren Köpfen plötzlich knarrte.
Starr vor Schreck horchten sie und dann vernahmen sie abermalsl Schritte und knarzende Stufen.
Und dann war alles wieder still. Die Kinder liesen die Luft aus und wollten das Fenster öffnen.
"Mannomann. Ich dachte schon unser letztes Stündlein hat geschlagen", flüssterte Lucy zittrig.
"DAS DACHTEST DU NICHT, SONDERN ES IST SCHON SO WEIT. EUER LETZTES STÜNDLEIN SCHLÄGT BEREITS"
Sie sogen geschockt die Luft ein und drehten sich blitzschnell um. Sie wie bei ihrem ersten Fluchtversuch stand Jack Jackson am Eingang des Wohnbereiches und zielte mit der selben Flinte wie vorhin auf sie.
"Ach nö! Nicht schon wieder. Ihr haltet mich aber ganz schön auf Trab", säuselte er und fing dann hälmich an zu lachen.
Wie gelähmt, standen sie da und brachten kein einziges Wort über die Lippen. Die erneute Angst hatte ihnen die Sprache verschlagen.
Das wars dann wohl! Aus der Traum von der Freiheit. Lucy liefen Schweißtropfen der Angst an den Schlefen herunter und Jade guckte starr und mit weit aufgerissenen Augen zu ihren Entführer.
Und Eric flüssterte ziemlich leise und unverständlich irgendetwas vor sich hin.
Betete er etwa noch ein letztes mal, bevor er zugrunde gehen würde?
Nein!
Er sagte etwas anderes, aber das Mädchen war in zu starker Panik um dieses zu verstehen.
"Sei still!", fauchte Jackson ihn mit einem wütetenden Ton an und Eric hielt schlagartig den Mund.
"Also, ihr seit echt ziemlich anstrengend", lachte er und kam näher.
Jetzt war es zu viel. Mutig machte Jade einen Schritt vorwärts und stützte die Hände an ihre Hüfen. "Jetzt reichts mir aber! Lassen sie uns jetzt sofort gehen!"
Jackson kicherte weider laut auf:"Och nein wie süß! Der kleine Schisser wird ja doch noch mutig. Das hätte ich jetzt nicht gedacht!"
"Ich sage es nicht noch einmal. Lassen sie uns gehen sonst ..."
"Sonst was? Sonst kommst du und haust den Onkel Jack eins über die Rübe?, fragte er mit einem unerträglichen fiesen Grinsen.
Und da wurde ihr klar, was er damit meinte.
Sie hatten ja wieder nichts um sich zu verteildigen, außer vielleicht ein paar Gegenstände die hier herumlagen. Wie zum Beispiel einen Kerzenhalter, den Holzhocker, Bücher oder so etwas.
Mit hochgezogenen Mundwinkelen schritt er auf die Kids weiter zu. Doch diese gingen bei jedem Schritt was er näher kam, einen Schritt zurück.
Doch plötzlich stießen die Drei gegen die Wand und pressten sich ganz fest dagegen.
"So, und jetzt?", fragte er prustend und lies das Gewehr noch unten sinken.
Beklommen und nervlich am Ende, wischte Jade sich den Schweiß von der Stirn und beobachtete gebannt jede einzelne Bewegung des bewaffneten Mannes.
Er war jetzt schon so nah, dass sie die Häärchen auf seinen Armen sehen konnte. Und ohne dass sie ausweichen konnte, legte der Mann seine Hand auf ihre Schulter.
Das angstdurchflutete Mädchen schreckte hoch und schrie auf:" Nehmen sie sofort ihre Hand da weg!"
"Na na na. Werd doch nicht glaich unfreundlich. Ich wollte einfach eine Menge Spaß mit euch zusammen haben, aber dass habt ihr mir ja gründlich vermasselt."
Nun verschwand das grässliche lachen von seinem Gesicht. "Aber keine Sorge, den werdet ihr ja gleich haben. In einer Halben Stunde kommt dann die Überraschung und dann erfahrt ihr schon was ich genau mit euch vorhabe! Hahaha!"
>>Was für eine Überraschung? Was hatte er mit uns vor? Was passiert wohl in einer Halben Stunde? <<, fragten sie sich immer wieder.
Und jetzt war es Jade entgültig zu viel. Ihre Geduldsfarden riss nun entgülig.
Dieses wiederliche Gelache von diesem wiederlichen Jack konnte sie keine weitere Sekunde mehr ertragen.
Während dieser immer und immer wieder den Kopf in den Nacken warf und sich halb zu Tode lachte, nutzte Jade ihr vielleicht noch letzte Chance.
Ganz unauffällig griff sie aufs Regal das neben ihr stand, schnappte sich die kleine Stehlampe und nahm es fest in die Hand.
Ohne zu zögern, sammelte sie all ihre Kräfte zusammen und holte aus.
Die Lampe verfehlte aber ihr Ziel und traf den Angreifer nur an der Schulter.
Schreiend und schimpfend ging er zu Boden.

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 18.05.2011. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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