Pierre Heinen

Die Puppenvitrine

Sie streichelt das Schaufenster. Fährt mit ihren Fingern über das schmutzige Glas und
starrt auf die Puppen in der Vitrine. Sie trägt ein gelbes Sommerkleid und filigrane Blumen zieren den Saum.

Sie weiß nicht was mit ihrem Körper geschehen ist oder was sie getan hat.
Sie ist zu einem grotesken Spielzeug geworden.

Ich kenne ihren Namen, sie den meinen nicht. Sie soll ihn nie erfahren. Soll mich in keinem Traum
aufsuchen können. Soll mir nie Bilder ihrer Opfer zeigen. Soll einfach sterben ...

Die dünnen Linien des Fadenkreuzes habe ich auf den Hinterkopf des Mädchens gerichtet.
Es ist heiß. Der Finger am Abzug rutscht.

Sie stemmt sich mit blutbeschmierten Händen gegen das Schaufenster. Rhythmisch drückt sie und
bringt das Glas in Bewegung. Sie will die Puppen und versucht krampfhaft zu ihnen zu gelangen.
Sie scheint zu weinen.

Ich drücke ab. Ein Knall. Glas zerbricht. Ich sehe Blutspritzer durchs Objektiv und lege instinktiv
die Waffe nieder. Das Mädchen liegt auf dem Bürgersteig zwischen Glasscherben. Eine Puppe ist
aus der Vitrine gekullert und liegt zu ihren Füßen.

Ich atme auf. Per Funk meldet sich mein Befehlshaber. Er will Gewissheit und ich soll zu ihr hinunter.
In dem Augenblick steht das Mädchen auf, nimmt die Puppe in den Arm und schaut mich an.
Trotz ihres entstellten Gesichts glaube ich ein hämisches Grinsen zu erkennen. Blut tropft auf die Pflastersteine.

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 31.05.2011. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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