Günter Weschke

Mord in seinem Revier

Mord in seinem Revier

Wachtmeister “Pedersen” ist mit Leib und Seele Polizist.
Seit mehr als zehn Jahren geht er in Hamburg auf Streife.
Seinen “Kiez” kennt er wie seine Westentasche und er ist überall beliebt, na ja, nicht überall!
Die Ganoven mögen ihn nicht so sehr, weil er stets seine Nase in Dinge steckt, die ihn eigentlich “gar nichts ” angehen ,…meinen sie!
Seine Frau, er nennt sie liebevoll “Hummel”, weil sie stets vor sich hin summt, hat schon öfter mal Angst um ihren “Wachtmeister” und immer Nachts, wenn er auf Streife ist, macht sie sich stets große Sorgen!
Pedersen ist gern nachts auf Streife, dann sind die Geräusche der Großstadt gedämpft, nachts hört sich Hamburg ganz anders an.
Er lenkt seine Schritte zu den alten Speichern, jetzt sehen sie aus wie große, schwarze Ungetüme. Sie liegen am alten Fleet, einem Kanal und das Glucksen des Wassers, ist das einzige Geräusch was zu hören ist.
Von einer kleinen Brücke schaut Pedersen ins Wasser, nachtschwarze, kleine Wellen, machen sich -ohne Eile- auf den Weg zur nahen Elbe.
Ab und zu hört man das Tuckern von Bootsmotoren, dann ertönt das dumpfe Horn eines größeren Schiffes.
Pedersen spuckt ins Wasser, aber als er sich abwenden will, sieht er einen dunklen Gegenstand im Wasser treiben. Er leuchtet mit seiner kleinen Lampe und erschrickt, da unten treibt ein menschlicher Körper und der sieht nicht gerade “lebendig” aus!
Er verständigt sofort seine Zentrale, die alles Weitere veranlasst.
Pedersen bleibt noch auf der Brücke um seinen Kollegen Bericht zu erstatten.
Es war eine junge Frauenleiche die man dann aus dem Wasser zog, ein junges Ding, zu jung zum Sterben!
Die Beamten stellten fest, dass sie erwürgt worden war!
Pedersen blickte über das dunkle Wasser …was bedeutet anderen schon ein Menschenleben?
Der ermittelnde Kommissar bat ihn zu der Adresse zu gehen, die man bei der Leiche gefunden hat.
Es war nicht sehr weit dorthin, ein großes, dunkles Mietshaus, keine erleuchteten Fenster. Mit seiner Lampe leuchtete es das Klingeltableau ab, er fand den Namen “Jennings”, den Name der Toten. Pedersen fühlte sich jetzt nicht sehr wohl, er musste den Eltern des Mädchens eine schlimme Nachricht überbringen!
Er riss sich zusammen und läutete.
Es dauerte eine ganze Weile, bis die Sprechanlage ertönte : “Was soll der Scherz mitten in der Nacht”?
Pedersen räusperte sich: “Entschuldigen sie bitte, ich bin von der Polizei und muss sie dringend sprechen”! Ein Summen ertönte und die Tür öffnete sich, er ging hinein, eine Glühbirne erleuchtete den schmalen Hausflur.  Von Oben erklang eine Stimme: “ Hier, im zweiten Stock”!
Oben angekommen, stand eine ältere kleine Frau im Morgenmantel vor ihrer Wohnungstür. Sie sah ihn erwartungsvoll an. ”Ja bitte”? Pedersen stellte sich vor, “darf ich bitte herein kommen“?
Die Frau war blass geworden, mit unsicheren Schritten ging sie voran. In der Wohnung setzten sie sich und Pedersen versuchte, mit schonungsvollen Worten, sie vom Tod ihrer Tochter zu informieren.
Die Frau begann hemmungslos zu weinen.
Nach einer geraumen Weile fragte er: ”Wissen Sie, wo sich Ihre Tochter heute aufgehalten hat”? Die Frau wischte sich die Tränen fort und sagte  “Julia hatte heute Abend die “Table -Tisch-Tanz-Bar-” -Feuchte Lagune- aufgesucht, dort tanzt sie jeden Abend vor den Gästen, sie tat das, um sie -also die Mutter- zu unterstützen …und jetzt, was soll jetzt werden”?
Pedersen versuchte, so weit es ging, die alte Frau zu beruhigen und versprach, am anderen Tag wieder zu kommen!
Das Schicksal dieses Mädchens hatte ihn doch sehr mitgenommen!
Am nächsten Tag ging er wieder zu der alten Frau, sie war etwas ruhiger und konnte ihm erzählen, dass ihre Tochter davon gesprochen habe, der “Rote Paul” sei hinter ihr her, er will dass sie “Anschaffen” geht, er habe ihr sogar gedroht, ihr könnte ja mal was passieren, wenn sie sich weiterhin weigert”!
Am gleichen Abend betritt Pedersen -in Zivil - die “Feuchte Lagune”, die Bar ist gut besucht, überall sitzen Männer, Dockarbeiter, Hafenarbeiter und Neugierige, die sich die Darbietungen anschauen. Das geht nicht ohne Gegröle und zotigen Bemerkungen ab. Auf drei großen Tischen verrenken sich halbnackt Mädchenkörper. Blaue Rauchschwaden hängen unter der Decke. Pedersen findet einen Platz und bestellt sich “ein Gedeck”, also Pils und Korn!
Das Gejohle der Gäste widert ihn an.
Ein grober Kerl mit roten Haaren weckt sein Interesse …der “Rote Paul”! Immer wieder spricht er zu den Tänzerinnen und immer wieder geht eine von ihnen zur Treppe, im hinteren Teil der Bar, um “nach Oben” zu verschwinden! Dann folgt meist einer der Kerle, nachdem er dem “Roten” einen Geldschein in die Hand gedrückt hat!
Nach einer Stunde steht der “Rote” plötzlich vor Pedersen. “Na Kumpel, bist zu ersten Mal hier”? “Ja, wollte mich hier etwas umsehen, nach Frischfleisch”!
Der “Rote” lacht, stößt ihm in die Rippen und sagt. ”Da bist du hier richtig, was soll’s denn sein blond oder schwarz”?
Pedersen grinst …is mir egal!
Der “Rote” sagt : “Komm mit”! Er geht bis zur Treppe, zeigt nach Oben und sagt ,”Für Hundert, die zweite Tür”!
Dabei hält er seine Hand auf und macht mit den Fingern die Bewegung des Geldzählens.
Pedersen greift in die Tasche, holt einen Geldschein hervor und reicht ihn dem “Roten”! Der grinst und wünscht -viel Spaß-!
Pedersen steigt nach Oben und öffnet die zweite Tür, ein fast dunkler Raum, spartanisch eingerichtet, Breites Bett, zwei kleine Sessel, davor ein runder Tisch, daneben ein kleiner Schrank.
Das Bett ist ganz in rot, aber alles ist sehr sauber.
Die Tür öffnet sich plötzlich und ein fast nacktes Mädchen kommt ins Zimmer, sie lächelt ihn etwas scheu an und fragt, ”Möchtest Du ein Glas Sekt trinken”!
Pedersen nickt, - “o.K., das lockert etwas die Stimmung“!
Aus dem Schränkchen holt sie eine Flasche Sekt und zwei Gläser, gießt ein und prostet ihm zu. … ich bin Janine sagt sie, mit einem leichten Beben in ihrer Stimme.
Sie legt sich aufs Bett und schaut ihn erwartungsvoll an!
Pedersen setzt sich in einen der Sessel, er sagt: ”Eigentlich wollte ich zu Susi, wo ist sie denn”?
Janine sagt, ”das wissen wir auch nicht, sie ist seit gestern verschwunden, sie hatte wieder einmal Ärger mit Paul, seit dem ist sie weg”! Pedersen bezahte den Sekt und lies eine etwas verwirrte Janine zurück:
Als Paul sah, dass Pedersen schon wieder herunter kam, fragte er ,”Was ist passiert, hat sie gezickt”?
Pedersen sagte -“nein-, aber ich muss mit Dir ungestört reden, geht das“?
Paul öffnete einer der Türen, knipste das Licht an und erhielt plötzlich einen wuchtigen Faustschlag unter das Kinn!°
Benommen stürze er zu Boden, Pedersen war schon über ihn, legte Handschellen an und verpasste ihm einen Knebel, er öffnete das Fenster und wuchtete Paul durch dieses auf den Hinterhof. Als Paul wieder zu sich kam, kniete Pedersen auf ihn und hielt ihm ein Messer an die Kehle. “Wo ist Susi”?
Paul sah ihn entsetzt an… sie ist…tot! Den Einstich des Messers spürte er noch! Als man ihn fand -ohne Knebel und ohne Handschellen- war er tot!
Am anderen Tag ging Pedersen wieder auf Streife, sah im dunkeln die Lichter seines geliebten Hamburgs und war rundherum zufrieden.
Von einer kleinen Brücke, spuckte er in das dunkle Wasser eines schmalen Kanals!



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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 02.06.2011. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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