Günter Weschke

Moskau im Winter

Moskau im Winter

Mein Name ist Philip Benson, Interpol-Agent, z.Zt. mache ich Urlaub in Moskau, auf Einladung eines russischen Freundes.

Es ist jetzt 22.00 Uhr, ich stehe am belebten Lenin-Prospekt, es ist sehr kalt, selbst der Schnee knirscht mit den Zähnen.
Ein im Frost erstarrter kleiner Park lockt mich, dort in Ruhe hindurch zu gehen. Ich bleibe stehen und zünde mir eine Zigarette an, dabei sehe ich eine schwankende Gestalt auf mich zu kommen!  Ich grinse … ja, ja, der Wodka, das heilige Getränk der Russen.
Die Gestalt kommt näher und bleibt vor mir stehen, dann fällt der Körper plötzlich auf die Knie!
“Aber nicht doch, kein Betteln bitte“!
Dann kippt der Mann stöhnend zu Seite und bleibt liegen!
Ich knie mich neben ihn, taste nach seinen Puls, nach seinem Herzen und fühle plötzlich den Griff eines Messers, welches in seiner Brust steckt!
Oh mein Gott! Sein Kopf fällt zur Seite und er bliebt still liegen!
Ich finde einen Brief und ziehe ihm -warum auch immer - einen großen Siegelring vom Finger und nehme ihn an mich!
Schnell verlasse ich diesen Ort.
Ich als Fremder, ein Amerikaner, wäre sehr verdächtigt gewesen und es hätte sehr lange gedauert, bis man mich hätte wieder laufen gelassen.
Aber warum hatte ich seine Sachen mitgenommen?
Ja, bin ich denn total übergeschnappt?
Oder war es die “Macht der Gewohnheit”, Dinge zu sichern, die vielleicht einen Mord aufklären konnten?
Zurück konnte ich nicht mehr, aus der Ferne hörte ich bereits eine Polizeisirene!
Im Hotel angekommen, erblicke ich meinen Freund “Igor Blaschkin”, er schaut mich vorwurfsvoll an: “Wo bleibst Du denn, ich wollte gerade wieder gehen”?
Ich entschuldigte mich, zog ihn von der Bar fort und führte ihn auf mein Zimmer. Hier erzählte ich von meinem Erlebnis und zeigte ihm den Ring und den Brief.
Igor machte große Augen, “oh mein Gott, wo bist Du da hinein geraten? Dieser Ring ist ein Ausstellungsstück aus dem Museum für russische Geschichte, er gehörte dem Zaren Peter und ist unermesslich wertvoll”!
Ich beschloss, ihm weiter nichts zu erzählen.
Ich  holte aus einem Schrank eine Flasche Wodka hervor, goss zwei Gläser voll, nachdem wir getrunken hatten sagte er: ”Komm morgen Vormittag in mein Büro, wir müssen reden“!
Igor war stellvertretender Leiter einer Außenstelle des früheren KGB!
Nach einem sehr guten Frühstück fuhr ich zum Lletkow- Prospekt,
Das Büro meines Freundes war spartanisch eingerichtet.
Ich erzählte ihm noch einmal mein Erlebnis. Er sagte mir, dass man den Toten gestern Abend -nach einem anonymen Anruf- gefunden habe. Er hatte weder Papiere noch Wertsachen bei sich, dabei sah er mich wieder vorwurfsvoll an!
“Halt Dich da raus Phil, Du bist kein Russe, kannst unsere Sprache nicht, hast keine Möglichkeit jemanden zu fragen oder etwas zu erfahren”!
Als ich wieder ging, musste ich ihm innerlich “Recht” geben, ich war ein fremder Amerikaner in einem fremden Land!
Ein Taxi brachte mich wieder zum “Lenin-Prospekt”, ich ging durch den kleinen Park, in dem alle nächtlichen Spuren beseitigt waren.
Ein paar Kinder spielten im Schnee. Ein kleiner Junge kam auf mich zu und gab mir einen kleinen Umschlag. Als ich ihn öffnete, sah ich ein Bild, eine Nachtaufname, es zeigte mich, wie ich mich über einen Körper beuge und meine Hand sich in seiner  Tasche befindet.
Ich blicke mich um! -Nichts-! Die Kinder liefen davon und ich befand mich allein im Park.
Auf dem Rückweg zum Hotel hielt plötzlich ein Auto am Straßenrand, zwei Männer, welche hinter mir gingen, drängten mich in den Wagen der sofort losfuhr.
Niemand sprach ein Wort!
Sicherlich wussten sie, dass ich kein Russe bin.
Der Wagen fuhr in eine Toreinfahrt und hielt auf einen Hinterhof, ein tristes ,graues Gebäude, welches sicherlich auch schon bessere Zeiten gesehen hatte. Die Männer drückten mich aus dem Wagen und schoben mich zur Eingangstür, die öffnete sich und wir gingen in den dunklen Hausflur.
Eine Treppe die nach unten führte war mir nicht geheuer, aber sie stießen mich hinab, folgten nach und machten dann Licht an.
Wir standen uns wortlos im Keller gegenüber, dann öffnete sich die Tür und ein elegant gekleideter Mann, mittleren Alters trat ein. Er reichte mir die Hand und stellte sich -in guter englischer Sprache- vor: “Ich bin Oberst Dimitri Selchow, sagen Sie mir bitte, was hat sich gestern Abend im Park abgespielt”?
Ich dachte an das Foto und sagte alles was ich sagen konnte, von den an mich genommenen Ring und Brief sagte ich aber nichts.
Er hörte mir zu und fragte dann: “Was haben Sie in den Taschen des Mannes gefunden”?
Ich sagte: “Die Taschen haben mich nicht interessiert, ich habe nach Puls und Herzschlag gefühlt und ihm ein Messer aus der Brust gezogen”!
Er sah mich durchdringend an, wir vermissen seinen Ring, haben Sie ihn eingesteckt?
Ich sah in seine Augen: ”Hören Sie, ich bin kein Leichenfledderer,
ich nehme nichts an mich, was mir nicht gehört”!
Ich fühlte mich bei meiner Aussage nicht sehr wohl!
Von Hinten erhielt ich einen Schlag auf den Kopf, ich stürzte zu Boden und spürte nichts mehr!
Als ich wieder zu mir kam, merkte ich, dass ich auf dem Boden lag, war gefesselt, mein Kopf brummte.
Ich wusste nicht wie spät es war, in was war ich hier hinein geraten?
Als sich die Tür öffnete, sah ich einen der Männer, die mich hierher gebracht hatten, er hielt ein Messer in der Hand, bückte sich über mich und schnitt meine Fessel durch.
Nachdem er mich hinaus geführt hatte, gab er mir einen Zettel, hinter mir schloss sich die Tür.
Ein Taxi brachte mich zurück in mein Hotel.
An der Bar trank ich erst einmal zwei oder drei Wodka, setzte mich an einen kleinen Tisch, zog den Zettel aus der Tasche und begann zu lesen -feines Englisch-!
“Letzte Warnung, morgen Punkt zwölf soll ich im Park sein, alles mit bringen und nichts vergessen! Keine Unterschrift!
Ich fuhr zum Museum für russische Geschichte, es war nicht sehr besucht, so schlich ich mich durch ein paar Gänge, bis ich vor einer Tür stand, ich las das Türschild, einmal russisch, einmal englisch, DIREKTORIUM !
Ich klopfte und ging hinein, eine Dame sah mich groß an, aber ehe ich etwas sagen konnte, öffnete sich eine Tür und ein Herr kam in den Raum, er sah mich an und fragte etwas auf russisch, ich schüttelte den Kopf und sagte auf englisch … “Mein Name ist Philip Benson…!
Er sah mich erstaunt an und sagte auf englisch :Bin sehr erfreut, wie kann ich Ihnen helfen”?
Am Arm zog er mich in sein Büro, sagte etwas zu der Dame und drückte mich in einen Sessel.
Nach wenigen Minuten öffnete sich die Tür und die Dame brachte Kaffee und Gebäck herein.
Nun erzählte ich ihm mein nächtliches Abenteuer im Park, sowie von der Bekanntschaft mit Oberst Dimitri Selchow.
Der Direktor, -sein Name war übrigens Petrof Burbow - war hocherfreut, als ich ihm den wertvollen Ring zurück gab.
Er umarmte mich und nannte mich einen Helden der Geschichte.
Der Brief, den ich ihm auch zeigte -er war in russischer Sprache geschrieben- brachte ihn in helle Aufregung, sofort telefonierte er mit verschiedenen Leuten und bald war sein Büro voller Menschen.
Er erklärte mir, dieser Brief war eine Anleitung zum Einbruch und Diebstahl des wertvollen Rings, es kann nur eine Person dafür in Frage kommen der die großen Sicherheitsvorrichtungen kennt, sein Stellvertreter Nikolai Lewchinski.
Er lies ihn zu sich kommen. Die Tür ging auf und Oberst Dimitri Selchow trat ein. Als er mich sah, wollte er sofort das Büro verlassen, aber Burbow gab ein paar Anweisungen und ein paar der Männer hielten den ”Oberst” fest.
Die herbei gerufene Polizei führte den ”Oberst” ab. Nun wurde auch die Presse informiert und bald wimmelte es von verschiedenen Reportern.
Der Tote war ein gewissen Thore Tomkowitsch, ein bekannter Einbrecher. Er wurde im Park von unbekannten Banditen überfallen und niedergestochen. Durch den Museums Direktor hatte sich das alles aufgeklärt. “Englisch” ist doch eine zu schöne Sprache!
Die Komplizen des “Oberst” wurden verhaftet.
Mein Freund Igor staunte nicht schlecht als er alles erfahren hatte.
“Philip, noch einmal lade ich dich nicht nach Moskau ein, ich habe Todesängste ausgestanden, was hätte nicht noch alles passieren können”?
Wir tranken in seinem Büro noch ein paar Wodka, dann verabschiedete ich mich. Der gefrorene Schnee knirschte immer noch, es war saukalt, ich schlug meinen Mantelkragen hoch und dachte dabei an mein Büro in New York!





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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 09.06.2011. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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