Norbert Wittke

Besondere Gourmeterlebnisse



Eine Gastgebermarmelade, die ich geschenkt bekommen habe, erinnerte mich an einige besondere Gourmeterlebnisse, als sie mir stillschweigend vom Brötchen floss. Aufhalten konnte ich sie dabei nicht.

Diese Marmeladen habe ich bei diversen Reisen kennen gelernt. Die Gastgeber, ich kenne kaum einen Vermieter der nicht geizig ist, wollen damit vermeiden, dass der Gast zu viel Marmelade (Konfitüre wäre für diesen Aufstrich nicht zutreffend) auf seinem Brot oder Brötchen behält. So will er den Gast wohl behüten, damit er nicht etwa eine Zuckerschädigung erhält, die seinen Gesundheitszustand in Frage stellten könnte.

Auf einer Busreise nach Kaufbeuren ins Hotel "Hasen", zwischen Weihnachten und bis Neujahr, lernte ich eine besondere Form der Bewirtung kennen. Im Hotelzimmer hatten wir nur einen  schmalen Dielenschrank, der eher wie ein hochkant aufgestellter Sarg aussah. Bei der geringsten Belastung mit Kleidung, hatte er die Angwohnheit, dass er den Gast unbedingt erschlagen wollte. Als ich das bei der Hotelchefin reklamierte, war ihre ehrliche Antwort, dass sie nicht damit rechneten, das Gäste bei ihnen lange bleiben würden. Ich habe ihr das bestätigt, denn hätte ich mein eigenes Auto mit gehabt, wäre ich sofort abgereist. Aber so ging es leider nicht. Die Keidung wurde im ganzen Zimmer, nur nicht im Schrank,  gestreut.

Besonders gut war das Frühstück. Eben diese Gastgebermarmelade, die alles in Fluss hielt. Wurst gab es nur in besonders fetter Ausführung, damit nicht mehr viele Butter nötig war. Auf etwa 50 Reisende kamen 10 Scheiben Leberwurst, in Kaufbeuren wohl eine besondere Delikatesse. Käse gab es überhaupt nicht. Auf den Wunsch meiner Frau nach Käse, ging die Hotelchefin mit einem großen Zermoniell in den Keller und kam mit 2 sehr sehr dünnen Käsescheiben wieder. Alle anderen Gäste blieben außen vor.

So ein Käseerlebnis hatte ich noch mal in einem Hotel in Baden-Baden. Da gab es jeden Morgen zwar eine Scheibe Käse für jeden, aber ich versuchte jeden Morgen dann durch diese Scheibe, die Zeitung zu lesen oder wenigstens das Wasserzeichen in dem Papierkäse zu erkennen. Ich wusste bis dahin nicht, wie man Käse so dünn schneiden kann.

Dafür quietschten und knarrten  in diesem Hotel auch noch die Betten. Auf unsere Reklamation legte man einige alte Zeitung unter. Das Knarren hörrte nicht auf, dafür hatten wir dann einige Artikel  der dortigen Zeitungen unter uns. So schwebten wir denn nachts auf dem Fettgedruckten in seligen Knarrträumen.

Aus den ganzen Reisen könnte ich noch einiges berichten. Aber die Gastgeber wollen ja nur das Beste vom Gast, nämlich das Geld. Nach ihrer Auffassung brauchten sie nicht anzureisen, sondern könnten das Geld einfach überweisen. Deutschland ist und bleibt ein Land, wo der Gast ja nicht König sein kann, da wir ja nur eine schäbige Demokratie haben.

09.06.2011                                  Norbert Wittke

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