Brigitta Firmenich

Mallorca einmal anders

Im September 2009 hatte es auf Mallorca beinahe drei Wochen Dauerregen gegeben. Und die Temperaturen waren wohl auch unter dem üblichen Niveau geblieben. Als wir in der Zeit vom 06. - 13. Oktober 2009 die Insel besuchten, trauten wir unseren Augen kaum. Wenn die Landschaft normalerweise Anfang Oktober ziemlich braun aussieht, die Bachläufe und kleinen Kanäle ausgetrocknet da liegen, erlebten wir eine Insel im saftigsten Grün. Und Temperaturen, die wir bei uns in Deutschland im Hochsommer erleben, nämlich 28°C und 31°C.
Wir waren für acht Tage nach Mallorca auf einer Kulturreise. Wollten eigentlich nicht unbedingt einen Badeurlaub daraus machen. Aber die herrlichen Sonnentage und das noch warme Meer lockten dann doch.
Wir hatten das Glück, dass man uns einen großen Teil der Insel zeigte.
Unser Hotel war im Südwesten der Insel in Santa Ponca. Von dort ging es dann mit einem komfortablen Reisebus und sehr guter Reiseführung in den Westen und ins Gebirge nach Valdemossa. Dort sahen wir uns um, wo George Sand und Frederic Chopin einen ziemlich kaltfeuchten Winter verlebt hatten, genossen das Klavierspiel eines Pianisten, der uns ein Chopinstück vorstellte. Und dann fuhren wir nach Soller. Eine wunderschöne Meeresbucht, umgeben von malerischen Bergen, ein schöner Ort mit vielen Restaurants. Ein kleines Restaurant an einem kleinen, steil hinauf führenden Sträßchen hatte uns gelockt. Dort lernten wir u.a. marinierte Sardinen mit Knobi und Zwiebeln in Öl mit einem äußerst leckeren Weißbrot kennen. Dazu tranken wir einen guten Rotwein. In Soller gibt es auch eine Straßenbahn. Als wir uns erkundigten, wieso eigentlich, erzählte man uns eine lustige Geschichte:
Irgendwann einmal wollte man eine Verbindung haben zwischen Palma und Soller an der Westküste. Und die Menschen in Soller, die einen ziemlich langen und umständlichen Weg über die Gebirgskette hatten, um in ihre Hauptstadt zu gelangen, freuten sich sehr über das Ansinnen. Nach einigem Hin und Her genehmigte man den Bau unter dem Vorbehalt, dass die Bahnstrecke eine bestimmte Länge haben müsse. Wahrscheinlich dachten sie, dass es dann nicht klappen würde. Und tatsächlich waren ein paar 100 Meter zu wenig. Aber schlau, wie die Menschen in Soller waren, bauten sie einfach für den fehlenden Streckenrest eine Straßenbahn.
Als Schmankerl durften wir ein Stück mit dem Zug in Richtung Palma mitfahren. Doch vor diesem Vergnügen hatten wir noch etwas Zeit und sahen uns auf dem Bahnhof um. Und da entdeckten wir etwas ganz Erstaunliches: eine frei zugängliche Ausstellung, in der Originalbilder von Miro zu bewundern sind. Das war eine schöne Überraschung für uns. Anschließend konnten wir die Zugfahrt in dem „alten“ Holzwagen durch das Gebirge erleben. Eine interessante und schöne Erfahrung.
An einem der Tage voller Fülle haben wir die Halbinsel Formentor im Norden kennen gelernt und auf einem Felsen in 250 m Höhe über dem wilden Meer gestanden mit wunderschöner Aussicht. Danach lernten wir die Stadt Pollenca kennen.
Bei einer Fahrt, die den Titel hatte „Fahrt durch das urtypische Mallorca“ tranken wir zum original mallorquinischen Essen pa amb oli den besten Landwein, den wir je getrunken hatten. Es war einfach nur superlecker.
Wir konnten eine Traumvilla aus dem vorletzten Jahrhundert mit einem gleichermaßen fantastischen Traumgarten bewundern.
Man zeigte uns Mandelbäume, an denen noch die Mandeln hingen. Es würde sich nicht mehr lohnen, sie zu ernten, erzählte man uns. Die Preise aus anderen Ländern wären nicht zu unterbieten. Das fanden wir sehr traurig. Aber da waren auch Orangenhaine, Zitronenhaine, Passionsblumen auf Abgrenzungsmauern. Es sah alles wunderschön aus.
Auf der Fahrt zum Kloster San Salvador ging es eine steile Straße in engen und engsten Kurven hoch und runter. Und der Bus hatte in manchen Kurven Probleme, so weit auszuholen, dass er auf Anhieb die Kurve nehmen konnte. Von oben aber hatte man einen weiten Ausblick über das Land und bis zum Meer hin. Es hatte sich gelohnt, dort hinzufahren.
Und dann sind wir noch zu den Tropfsteinhöhlen nach Porto Cristo im Osten der Insel gefahren und haben eine der Höhlen besichtigt. Auch der Ort, der einen wunderschönen Hafen hat, hat uns sehr gefallen. Wir waren 1970 und 1971 mal auf Mallorca und kannten diese Gegend daher noch etwas. Aber wir kannten uns trotzdem nicht mehr aus. Die Gassen von früher sind heute Straßen, und der „Ort“ Campos, in dem es früher weder Kneipe noch Geschäft gab, ist heute eine mittelgroße Stadt. Und auch die Straßen, die von Palma ins Land führen, sind wesentlich breiter geworden. Da hat der Tourismus in den letzten Jahrzehnten einen großen Anteil dran. Denn die Haupteinnahmequelle für die Mallorquiner ist der Tourismus.
Aber das hat auch große Nachteile. Wenn man mit dem Flugzeug über Mallorca einschwebt, sieht man noch immer die Windmühlen, die schon vor Jahrzehnten Erkennungszeichen von Mallorca waren. Damals haben sie noch das Grundwasser hochgepumpt. Da gibt es heute nichts mehr zu pumpen. Der Bedarf an Wasser ist so enorm, dass man in heißen Sommern sogar vom Festland Wasser heranschaffen muss.
Das ist sehr traurig. Einerseits leben die Menschen dort überwiegend vom Tourismus, andererseits machen sie sich ihre schöne Insel kaputt. Vor allem in den im Sommer überlaufenen Ortschaften gibt es große Wasserprobleme.
Alles in allem haben wir diese Reise, auch wenn sie noch so kurz war, sehr genossen, genießen sie noch immer. Und das macht den Wert eines guten Urlaubes aus, oder?

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 12.07.2011. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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