Die geflügelte Grotte
Kapitel I - Die geheimnisvolle Insel
Hier an diesem Ort soll ich nun wirklich aus dieser Welt scheiden? Auf einer Insel umgeben von diesen kleinen geflügelten Monstern? Mit nicht bewaffnet außer mit fünf Spraydosen Backofenreiniger, und einer Baby Born Puppe. Skurril war diese Situation, skurril und nicht wirklich echt wirkten die Momente. Maidira rekapitulierte noch einmal die letzten drei Tage. Drei Tage die die Welt veränderten und niemals so zurückgeben würde wie sie einmal war. Vor genau drei Tagen war Maidira von einem kleinen Kutter auf die von Südamerika vorgelagerte Insel gebracht worden. Er war mit der Aufgabe betraut worden nach seinem verschwundenen Vorgänger zu suchen, und dann die Bestandsaufnahme eines Schwarms von Fledermäusen, genauer gesagt von einer Gruppe Desmodus rotundus (auch bekannt als Gemeiner Vampir) die in einer Grotte auf der Insel lebten abzuschließen. Maidira seines Zeichens Engländer mit Spanischen Wurzeln, war sich völlig sicher dass niemand je von dieser abgelegenen, im Durchmesser gerade mal zehn Kilometer großen Insel Notiz genommen hätte, wäre da nicht die Sache mit dem genau vor dieser Insel verschwundenem Meteoriten gewesen. Jonathan Maidira hatte sich höflich von dem älteren Mann der wohl der Besitzer des kleinen recht zerfallend wirkenden Kutters war, verabschiedet und sich mit seinen drei Seesäcken die sein Hab und Gut für die nächsten Wochen beherbergten, auf den Weg zur Grotte gemacht. Vor der Grotte die vom Strand zirka dreißig Minuten entfernt lag, fand Maidira ein kleines gerade mal für zwei Personen ausgelegtes, doch menschenleeres Zelt, in der wohl sein Vorgänger gehaust hatte. Er betrat es und besichtigte die Sachen die noch im Zelt vorhanden waren. Dann packte er aus, ging hinaus und begutachtete das Zelt auf seinen genauen Zustand. Er nahm sich Klebeband und ein paar Stricke und reparierte mit ein paar herumliegenden Stofffetzen die zerrissenen Stellen. Danach machte er sich mit Helm, Taschenlampe und einem kleinen Aufnahmegerät zur Grotte auf. Immer wieder rief er in die Grotte hinein bevor er sie betrat, doch nichts rührte sich. Niemand antwortete. Jetzt schaltete er die Stabtaschenlampe ein und begutachte erst mal grob die Umrisse und Ausmaße der Höhle. Sie war nicht besonders groß, etwa zwanzig Meter im Quadrat, doch dafür sehr hoch. Wieder rief er in Höhe und ein vielfaches Echo hallte wieder. Maidira erklomm jetzt die kleinen schroffen Felsen die zu einem kleinen Felsvorsprung führten, wo er eine Bambusmatte, einen Campingstuhl, ein schwarzes Buch und die Reste eines Lagerfeuers vor fand. Er ließ seinen Blick streifen und entdeckte über seinem Kopf in zwei Meter Höhe eine ungewöhnliche Ausbuchtung in der Felswand. Jetzt nahm er die Taschenlampe und beleuchtete die Aussparung näher. Es waren die Umrisse eines menschlichen Körpers. Ungewöhnlich groß, doch klar zu erkennen. Um diesen menschlichen Abdruck war eine Art Wulst gezogen, die aussah wie geschmolzenes Metall. Maidira griff sich in seine Hosentasche, zog sein Handy heraus und fotografierte dieses merkwürdige Bildnis das über seinem Kopf in die Wand eingelassen war. Es war wirklich erstaunlich. Was konnte das nur sein? Nun trat er zurück, setzte sich auf die Matte und begann in dem schwarzen Notizbuch zu blättern, welches sich zu seinen Füßen befand Er las sich alles sorgfältig durch und erfuhr das Fuchs, ein deutscher Anthropologe , hier vor vier Monaten auf der Insel angekommen war. Er beschrieb auch das er mit seinem Enkelkind, einem sieben jährigen Mädchen Namens Lissy auf die seid nun mehr als vierzig Jahre unter Naturschutz stehende kleine, keine hundert Kilometer westlich von Uruguay liegende Insel gekommen sei. Die Aufzeichnungen der folgenden Seiten enthielt spezifische Angaben über die Fledermäuse der Gattung Desmodus, die sich hier angesiedelt hatten. Etwaige Größe des Schwarms, körperliche Besonderheiten; unter denen sich zum Beispiel Deformierungen des Körpers, oder sogar fehlende Körperteile befanden. Ein paar Angaben zum Paarungsverhalten, Auswirkungen auf Lichtverhältnisse, Reaktionen unter Stress, sowie ein paar Angaben zur Nahrungsaufnahme komplettierten die Aufzeichnungen von Fuchs. Maidira blätterte ein paar Seiten und las die flammend rot geschriebenen Worte. - Gefahr -! Darunter standen die letzten Stunden aufgezeichnet die Fuchs in der Höhle verbrachte. Er schilderte wie er Feuer machte und sich im lodernden Schein des Feuers die silbern glänzenden Wände der Grotte betrachtete. Dann so berichtete Fuchs seien seltsame metallische Geräusche zu vernehmen gewesen, und es seien undefinierbare Tropfen von den Wänden geronnen. Erst dann habe Fuchs bemerkt wie sich ein Teil der Wand aufzulösen begann und die Silhouette eines Menschlichen Körpers herauskristallisierte. Fuchs, so war in dem Bericht weiter zu lesen, sei völlig gebannt gewesen und stand wie starr vor diesem Schauspiel. Dann nach einer Ewigkeit erklang ein fürchterlicher Schrei, und hallte tausendfach wieder. Laut Fuchs sei es aber kein menschlicher Schrei gewesen. Nein er klang wie der eines Vogels, oder auch einer gequälten Ratte. Er habe sich die Ohren zugehalten stand weiter in dem Bericht, und als er wieder zur Wand hinauf gesehen habe, so wäre Etwas aus der Wand gefallen, hätte sich aber direkt aufgerappelt und wäre mit wahnsinniger Geschwindigkeit über sein Haupt davon geflogen. Das einzige was Fuchs noch im Augenwinkel hätte erkennen können, seien leuchtende grüne Augen gewesen. Dann konnte Fuchs das Winseln seiner kleinen Enkelin hören was ihm das Blut in den Adern gefrieren ließ und kurz darauf wäre es in der ganzen Umgebung Totenstill gewesen .
Immer wieder hatte er den Namen seiner kleinen doch so unschuldigen Lissy gerufen, doch es kam kein Rufen, kein Wimmern und noch nicht mal ein leisen Weinen zurück!
So wie Fuchs weiter beschrieb habe er sich mit einer Fackel bewaffnet und die ganze Grotte abgesucht, doch von seiner Enkelin fehlte jede Spur. Es blieb ihm nicht weiter übrig als in der Grotte auszuharren, bis er sich sicher war die sie ohne Gefahr verlassen zu können. Weder am Zelt, noch in der näheren Umgebung war eine Spur von Lissy zu entdecken. Die Ruhe die jetzt herrschte brachte ihn schier zur Verzweiflung, denn nicht einmal das Zwitschern eines Vogels war zu hören. In Todesangst hatte er alles schnellstmöglich zusammen gepackt, und wäre ohne einen Laut von sich zu geben aufgebrochen um seine kleine Lissy zu suchen und um einen anderen sicheren Weg von der Insel zu finden. Für den Fall dass er nicht zurückkehren würde hätte er diese Aufzeichnungen hinterlassen. Für den Fall dass jemand zur Insel aufbrechen sollte um ihn zu suchen, so bat er darum das derjenige weiter nach seiner Enkelin suchen solle falls es ihm nicht mehr möglich sei oder ihm etwas zustoßen würde. Als Abschlusssatz fügte er hinzu: Dieses Ding ist nicht von dieser Welt! Maidira legte das Buch zur Seite und schaute sich nach allen Seiten um. Die Grotte war dunkel, muffig und es war immer noch kein Zeichen von Leben vorhanden. Nichts rührte sich, und von den Fledermäusen gab es keine Spur. Die letzte Notiz von Fuchs war vor genau zwei Wochen verfasst worden, und Maidira sah keinerlei Möglichkeit dass Fuchs noch lebte. Er hätte sich dann doch schon längst gemeldet und über die seltsamen Ereignisse berichtet. Jonathan überlegte krampfhaft was dieses Ding wohl sein konnte und ob es durch die Hitze des Feuers heraus geschmolzen wurde. Nichts ergab einen Sinn und das Boot würde nicht vor zwei Wochen wiederkommen um Proviant zu bringen. Maidira verließ die Grotte und versuchte mit seinem Handy einen Anruf zu tätigen. Nichts, kein Signal; und das obwohl der Akku noch voll war und auch eine Displayanzeige aufleuchtete. Er versuchte es wieder und wieder, doch nichts geschah.
Die geflügelte Grotte
Kapitel II- Der geheimnisvolle Fremde
Jonathan kniete im Dickicht des Waldes, der sich in der Mitte der Insel schier ins Unendliche erstreckte. Seid dem Tag seiner Ankunft war viel Zeit vergangen, doch wie viel Zeit genau das vermochte er nicht mehr einzuschätzen. Zu viele Stunden war er herum geirrt, immer wieder an der Grotte ausgekommen um wieder aufs neue den Weg in die Freiheit zu erreichen. Voller Verzweiflung hockte er hinter Felsen, versteckte sich hinter Sträuchern und Bäumen um ja keinen laut von sich zu geben. Diese Insel war der reinste Irrgarten und Jonathan befürchtete seinen Verstand zu verlieren. Während der ganzen Zeit in der er herum irrte, fühlte er sich verfolgt und traute sich nur selten sich um zudrehen. Er hörte ein Hecheln, ein Schmatzen oder Schlürfen, ständig spürte er den Atem eines vermeintlichen Verfolgers im Rücken. Er rannte, sprang, stürzte, rappelte sich wieder auf, rannte wieder und das bis zur Dunkelheit. In die Grotte traute er sich nicht zurück, und so beschloss er im Freien zu bleiben. Im Schutz des Waldes, wenn es diesen überhaupt gab. So im Dickicht hockend zog sein ganzes bisheriges Leben an ihm vorüber. Seine Kindheit die an und für sich recht angenehm verlaufen war, der Abschluss an der Uni, seine erste Ehe mit Syndia , ihr Sohn, der erste Rausschmiss in der Firma. Er erinnerte sich wieder an seinen Eintritt bei der WWF (World Wide Fund For Nature), an seinen ersten Aufenthalt in der Südafrikanischen Sektion die schon seid 1961 bestand. Es war sein erster Auftrag den er damals erhielt und er erinnerte sich mit wie viel Engagement, mit wie viel Inbrunst er sich sich schon damals für Tiere und Natur einsetzte. Mit einer Gruppe anderer Freiwilliger hatte er sich in diesen schwierigen Tagen gegen Wilderer zur Wehr gesetzt und ihnen die Stirn geboten. Elfenbeinjäger, Jäger die wahrlos seltene Schlangen töteten um ihr wertvolles Gift zu rauben und es in Europa für Unsummen an Universitäten und reiche Privatleute zu verschachern, die damit ihrer Perversität frönten.
Jetzt hier auf dieser Insel, die Knie wund gescheuert, blutend und hungrig erinnerte er sich an die Worte seines Vaters. „Es bringt rein gar nichts den Samariter zu spielen“; so waren seine Worte damals. Das alles war so abstrus, das Jonathan laut lachen musste. Ein Lachen welches aus Tränen des Schmerzes entstand. Doch dann hielt er gestockt den Atem an, denn da war es wieder; dieses undefinierbare Geräusch, welches ihn zusammen zucken ließ und das Blut in seinen Adern gefror. Dieses schrille Kreischen, dieses gequälte unterdrückte Quieken das an sein Ohr drang. Noch tiefer kauerte er sich ins Geäst und bewegte sich nicht. Er dachte wieder an den Tag seiner Ankunft. Das verlassene Zelt, diese merkwürdige Grotte die so unheimlich wirkte, den geschmolzenen Umriss den es in der Wand gab, und er dachte an Fuchs und seine Enkelin Lissy. Ob sie wohl noch am Leben waren? Was war das wohl für ein Ding was aus der Wand fiel und über Fuchs Kopf hinweg geflogen war, und wo waren die Fledermäuse? Überhaupt hatte Jonathan hier wenig Tiere auf der Insel ausgemacht. Die Vorräte würden noch eine Weile reichen, doch was dann? Was wäre wenn er nicht rechtzeitig da war wenn das kleine Fischerboot anlegte. Wie sollte er wissen welcher Tag war, welche Uhrzeit? Wenn es hier etwas böses gab, und er war sich sicher das es hier etwas sehr böses gab, dann wäre die Anlegebucht ein schlechtes Ziel. Es war ausschließlich offenes Gelände und er wäre ein leichtes Ziel. In seinem Kopf drehte sich alles und er hätte große Lust gehabt zu schreien, nur dass es endlich aufhörte, vorbei wäre. In Gedanken versunken bemerkte er die groben Umrisse gar nicht die sich direkt vor seinen Füßen aufbauten . Diese schummrige Gestalt die ihn am Hals packte, in die Luft hob und ihm einen herben Schlag versetzte. Fast mit einem dankbaren Lächeln sackte er zusammen und übergab sich der Dunkelheit. Als Jonathan wieder zu sich kam, erblickte er zunächst verschwommen, dann klarer wo er sich befand. Es war eine mittelgroße kugelförmige Hütte, eher eine Art Iglu; welches aus Sträuchern und Ästen errichtet schien. Es stank furchtbar nach Urin und Resten von vergammeltem Fleisch. Er richtete sich auf und blickte sich um. Im hinteren Teil des Kugelförmigen Baus erkannte er eine Gestalt die am Boden kauerte, und seltsam hin und her wippte. Diese Gestalt wirkte wie ein Grashalm der sich im Winde wog. Er versuchte diese Gestalt anzusprechen, auch wenn er sie immer noch nicht vollständig erkennen konnte. „Sind sie Fuchs“, fragte er immer wieder. Doch die völlig verstört wirkende Gestalt zischte nur ein Pssssst und winkte mit den Händen ab. „Bloß nicht reden, sie können uns hören.“ dann legte diese Person die Jonathan jetzt erkennen konnte die Finger an die Lippen. „Sie sind doch Fuchs oder? Was ist mit ihrer Enkelin und wer kann uns hören? Nun sagen sie schon, geht’s ihr gut?“ Doch der Mann der wohl wirklich Fuchs zu sein schien, brach in schreckliches Winseln aus, und krümmte sich wie ein Tier. Doch schon war von draußen ein fürchterlicher markerschütternder Schrei zu hören, und eine Sekunde darauf wurde eine ganze Hälfte des Unterschlupfs heraus gefetzt und ein Wesen halb Mensch, halb Fledermaus flog direkt auf Fuchs zu, schnappte ihn mit seinen Krallen wie ein totes Stück Fleisch, um mit seiner Beute zur zweiten Hälfte des Schutzbaus heraus zu brechen um in der Nacht zu verschwinden. Jonathan war völlig zu Stein erstarrt und unfähig sich zu bewegen. Das einzige was er mitbekam, waren die schrillen Todesschreie des zum Untergang geweihten Opfers welches in der Ferne entschwand.
Die geflügelte Grotte - Kapitel III
Unverhoffte Hoffnung
Wie viele Stunden mochten wohl vergangen sein seit Fuchs verschwunden war. Noch immer drehte sich bei Jonathan alles, immer wieder kreisten seine Gedanken um dieses Wesen welchen wie aus einer anderen Epoche zu kommen schien. Er versuchte das Bild in seinem Kopf zu rekonstruieren, doch es war völlig verschwommen. Ein merkwürdiges angst einflößendes Monstrum mit riesigen Schwingen. Nach endlosen Stunden hatte sich sein Herzschlag normalisiert und Jonathan Maidira begann die Behausung die wohl von Fuchs errichtet wurde mit seinen Händen abzusuchen. Er traute sich nicht sein Feuerzeug zu benutzen da er fürchtete er könnte eventuell das Wesen zurück locken, damit es auch ihn hole. Er tastete und tastete, und ertastete einen Gegenstand den er sogar ohne Licht als eine Art Notizbuch oder ähnliches wahrnahm. Ganz langsam kroch Jonathan zum Eingang und spähte in die Nacht. Alles war gespenstisch ruhig und ringsum war keinerlei Leben zu erahnen. Er verharrte noch eine Weile bis er sich sicher war, dass ihm keine Gefahr drohte. Dann schlängelte er sich Bodennah zurück in das Iglu aus Ästen und Gestrüpp, holte sein Feuerzeug welches silbern funkelte heraus, und entzündete es. Wieder hielt er den Atem an und lauschte . Totenstille!
Er nahm sich das in schwarzem Leder gefasste Buch zur Hand, zog seine Beine fest an den Körper heran und begann zu lesen.
Es war genau so ein Exemplar wie er es schon in der Grotte gefunden hatte, und auch die Handschrift war die selbe; auch wenn Jonathan sofort bemerkte das die Federführung schneller vollzogen wurde, was wohl ein Indiz dafür war, das er in großer Eile gehandelt hatte. Bei machen Wörtern fehlten sogar einige Buchstaben, doch Jonathan erahnte schon was Fuchs gemeint hatte.
Die ersten paar Seiten waren eher von unbedeutenden Dingen geprägt, es war eine Art Auflistung der Gegenstände die er dabei hatte. So erfuhr Maidira auch endlich wofür die fünf Spraydosen Backofenreiniger gedacht waren die er vorsorglich eingepackt hatte. Fuchs erklärte, dass man mit Hilfe des Backofenreinigers seltene Gesteinsvorkommen lokalisieren könne. Bei Gesteinsproben mit einem sehr hohen oder außergewöhnlichem Metallgehalt würde durch das Aufsprühen des Reinigers eine chemische Reaktion erfolgen. Weiterhin erklärte Fuchs dass dieses aber eher eine sekundäre Aufgabe gewesen sei, und nur als eine Art Freizeitbeschäftigung gedient hatte. Er war vor Jahren eher durch einen Zufall auf diese Art der Schatzsuche gestoßen. Außerdem hatte Fuchs wie er weiter erklärte einen Faible für seltenes Gestein und nutze seine Arbeit um diesem Hobby zu frönen. Die folgenden zwei Seiten waren genutzt worden um weitere Utensilien aufzulisten die Fuchs während seiner Arbeit benötigte. Eine Stabtaschenlampe, eine Campingaxt, Reagenzgläser, ein Aufnahmegerät (welches so Fuchs zerstört wurde), Streichhölzer, ein Campingkocher und jede Menge anderer Dinge die nicht von größerer Bedeutung für Jonathan waren. Bevor er weiter las stoppte er seine Atmung um erneut zu lauschen, doch wiederum war alles in eine schon fast berauschende Stille getaucht. Auf der nächsten Seite erklärte Fuchs, wo er die Dinge vergraben hatte und dass er die Stelle mit seiner Armbanduhr gekennzeichnet habe, die er im Geäst eines kleinen Baumes zu Füßen jener Stelle im Geäst verflochten habe. Jonathan war sich sofort bewusst, das er um hier draußen zu überleben, die Axt und die Streichhölzer und die Taschenlampe unbedingt an sich bringen musste. Das nun folgende Geschmiere war schwer zu entziffern, doch es war zu erkennen, dass seine Enkeltochter noch am Leben war, und voller Angst in den Wald geflohen sei. Jonathan pustete erst mal durch, denn es erleichterte ihn sehr dass das kleine Mädchen noch am Leben war. Dann entzifferte er noch wie Fuchs das Wesen beschrieb welches ihn geholt hatte. Seiner Meinung nach sei es prähistorischen Ursprungs und abgrundtief böse. Ein Wesen welches nicht in der Lage war, zwischen gut und böse zu unterscheiden und welches ausschließlich von seiner Fressgier getrieben wurde. Das erklärte auch warum Jonathan kein einziges Exemplar der Desmodus rotundus in der Grotte vorgefunden hatte. Wahrscheinlich seien sie aus Furcht geflohen, was für diese Rasse des gemeinen Vampirs eher als untypisch galt. Fuchs beschrieb in seinen Worten, dass er davon ausging die Meteoriteneinschläge könnten für das heraus schmelzen und erwachen der uralten Kreatur verantwortlich sein. So zumindest seine Theorie!
Der Rest war völlig zusammen haltloses Gekritzel welches von Jonathan Maidira unmöglich zu entziffern war. Doch jetzt war er sich völlig sicher wie er zu handeln hatte. Wenn er überleben wollte, musste er so schnell wie möglich hier raus. Zu der Stelle an der Fuchs die Sachen vergraben hatte und sobald der Tag anbrechen würde, würde er sich auf die Suche nach der kleinen Lissy begeben. Was für unendliche Qualen und Ängste musste das junge Ding wohl erdulden, während er sich hier verkroch. Jetzt musste er handeln und Jonathan verstaute das Notizbuch welches die Angaben für das Versteck enthielt in seinem Rucksack in dem sich auch schon die Spraydosen und die Baby Born Puppe befanden.
Wie eine Schlange schlängelte sich Jonathan Maidira zum Eingang, lauschte wieder und kroch so leise er konnte ins gegenüberliegende bodennahe Dickicht! Hier würde er bis zu Sonnenaufgang ausharren, denn sicher war sicher und egal was auch immer es für ein Wesen war; seine Überlebenschancen standen sowieso nicht besonders gut, aber bei Nacht wo Fledermäuse jagten standen sie bei Null!
Am nächsten Morgen würde sich entscheiden wer den stärkeren Willen hatte.
Jäger oder Gejagter!
Die geflügelte Grotte – Kapitel IV
Rückkehr zur geheimnisvollen Grotte
Am nächsten Morgen fühlte sich Jonathan Maidira wie gerädert. Er hatte kein Auge zugemacht und ihm taten sämtliche Knochen im Leibe weh. So kaputt und ausgebrannt hatte er sich noch nicht mal gefühlt als er vor drei Jahren von Gegnern der Umweltschutzorganisation für zwei Wochen in einem verlassenen Kellergewölbe als Geisel gefangen gehalten wurde. Schon damals glaubte er dem sicheren Tode geweiht zu sein, doch verglichen mit seiner jetzigen Lage empfand er es als Naherholungscamp. Noch immer hockte er im sichtgeschützten Dickicht des Waldes und sondierte mit müden Augen die Lage. Er trank hastig einen kräftigen Schluck Wasser, aß ein paar übrig gebliebene Brocken des mitgenommenen Dörrfleisches, prägte sich noch kurz die Wegbeschreibung zum Versteck ein welches Fuchs wohl weislich angelegt hatte , und trieb seinen recht lang wirkenden aber völlig geschundenen schlanken Körper in Bodennähe weg vom Iglu das bei Tageslicht betrachtet aussah wie die zerfetzte Donnerkuppel; und der unmittelbaren Gefahr eines völlig unberechenbaren Wesens einer längst vergangen Zeit.
Punkt für Punkt ging Maidira die Anhaltspunkte durch, die Fuchs in seinen Aufzeichnungen hinterlassen hatte und gelangte auch nach nicht enden wollenden Kriechen, sich umschauen, atemlos ausharren, kriechen.... zu dem kleinen Bach klaren Wassers, den Fuchs als Wegweiser zum Versteck beschrieben hatte. Laut der Angaben im Notizbuch endete das Bächlein in einer Art Teich am Fuße eines steil aufragenden Findlings der wohl schon aus der Eiszeit stammen dürfte.
Jonathan schnaufte erleichtert durch, als er den Teich der eher einer zu groß geratenen Pfütze ähnelte erreichte. Nach mehrmaligen erneutem Umsehen und lauschen, benetzte er sich zur Erfrischung das Gesicht, wobei ihm auffiel; dass sein eh schon fahl wirkendes Gesicht noch blasser schien als je zuvor. Das Spiegelbild zeigte müde, unterlaufene Augen die aus geröteten Höhlen hervor stachen. Das Gesicht selber erinnerte an eine Kreidetafel, der Mund war trocken, die Lippen teilweise aufgeplatzt. Doch all dies erschrak ihn nicht halb so sehr, wie das Gesicht welches nun unmittelbar neben seinem eigenen im Teich erschien. Tiefblaue, blitzende Augen schauten in sein Spiegelbild! Maidira erschrak sich so sehr dass er zurück wich und mit dem Kopf gegen den Findling knallte.
Nach kurzer Ohnmacht erwachte Jonathan, den Rücken an den Stein gelehnt, das Notizbuch fein säuberlich auf den Rucksack gelegt, und vor ihm erblickten seine noch verschwommen wirkenden Augen dieses Kind. Das Mädchen mit diesen unfassbar blauen Augen und dieser Güte die sie ausstrahlte dass man meinen könne sie sei direkt dem Himmel entfahren; wirkte sichtlich gefasst und machte in keinster Weise einen schockierten oder nervösen Eindruck. Ganz im Gegenteil.
Ihre schon fast störrische Ruhe machten Jonathan Sorgen, doch das kleine Mädchen mit diesem rosaroten, gerühschtem Kleid welches in der Sonne glänzte, zwinkerte ihm zu und zeigte mit ihren kleinen Fingern auf die Verletzungen die Jonathan davongetragen hatte. Seine Wunden waren versorgt worden und die aufgeschrabbten, eingerissenen Hautpartien waren mit einem grünen Kraut abgedeckt. Er fragte sich ob die Kleine dafür verantwortlich war, doch die Linderung ließ ihn aufatmen und die Gedanken wiederfinden. Sogleich fragte er die Kleine ob sie wisse wo ihr Großvater die Sachen vergraben hatte. Die Kleine nickte, streckte ihm ihre kindliche Hand entgegen und führte Jonathan nach kurzen unbeschwerlichen Metern zu einem kleinen Bäumchen, in dessen Geäst Maidira die eingeflochtene Uhr entdeckte. In unerwarteter Freunde grub sich Jonathan durch die Erde und entdeckte nach kurzem Graben die Stabtaschenlampe, die Streichhölzer und...., wo war die Campingaxt? Sie war nicht da. Merkwürdig. Fuchs hatte doch präzise erklärt das auch die Axt sich bei den anderen Dingen befinden solle. Er besah sich Lissy, doch die stand nur wie angewurzelt da und bewegte sich keinen Millimeter. Ganz entgegen seiner Erwartung schritt Lissy jetzt auf ihn zu, richtete ihren Arm erhoben nach Süden und zeigte auf dieses in die Höhe ragende Steinmassiv. Aber genau da lag die Grotte die er so fürchtete. Dort war die Höhle des Löwen. Doch die kleine Lissy zeigte weiterhin unbeeindruckt auf die Stelle wo Jonathan Maidira nie wieder hin wollte. Zurück zur geflügelten Grotte!
Die geflügelte Grotte - Kapitel V
Unheilvolle Finsternis
Die kleine Lissy hatte sich nun hinter den Findling gesetzt, immer wieder nach ihrem Großvater gerufen und schrecklich geweint! Jonathan der noch leicht verwirrt wirkte, rieb sich gründlich die Augen. Hatte er Halluzinationen ? Jetzt sah er Lissy so wie sie wirklich war und er erkannte dass er einem Trugbild erlegen war. Die kleine war völlig verdreckt, die langen Haare total verfilzt und ihr ehemals schönes rosa Kleid war schon grau und völlig zerrissen. Lissy hatte eine blutende Wunde am rechten Arm, die sie mit der linken Hand verdeckte.
Maidira beschloss Lissy im Schutze des Findling zu lassen, um sie keinem unverhofften Angriff der Kreatur auszusetzen. Zu groß war seine Sorge dass der Kleinen was zustoßen könnte. Außerdem hatte er ihrem Großvater versprochen sich um sein Enkelkind zu kümmern, und diese Aufgabe würde er erfüllen. Koste es was es wolle! In aller Hast sammelte er Äste und Gestrüpp zusammen, wies Lissy an sich damit zu bedecken, packte rasch alles nötige zusammen und stellte Lissy den Rest Wasser und ein paar aufgeweichte Vollkornplätzchen als Verpflegung hin. Danach griff er sich in die Tasche und holte ein Kariertes Taschentuch hervor, welches er Lissy auf die Wunde legte. Vorahnend blickte Jonathan zum Himmel, welcher sich obwohl es gerade Morgen war, unheilvoll verdunkelte. Ringsum knarrten Bäume und Äste brachen. Genauso als würde sich ein starkes Gewitter über ihren Köpfen zusammen brauen. In Eile bedeckte er die Kleine Lissy mit den gesammelten Buschwerk welches er zuvor gesammelt hatte. In einem furchteregenden Glanz erstrahlte die Grotte in der Ferne und ein bleierner Schleier legte sich wie ein Amboss auf sein Gemüt. Innerlich wurde er plötzlich von einer unendlichen Traurigkeit ergriffen. Für eine große Verabschiedung war keine Zeit, denn es war Eile geboten. Unverzüglich machte er sich auf den Weg und schaute nicht einmal zurück, so dass er auch Lissys Gesicht nicht sah, welches sich in eine fies grinsende Fratze verwandelt hatte. Die Zeit der Wanderung schien endlos, die Beschwerlichkeit nahm ständig zu und die Zweifel befielen seinen ganzen Körper so dass Jonathan Maidira sich immer wieder zu Boden warf, einige Minuten verharrte, um dann mit zittrigen Knien weiter zu robben; der Unausweichlichkeit seines Vorhabens gewiss! Er gestand sich ein, dass die Angst ihm vor kam als würde eine kräftige Hand eine um seinen Hals gelegte Schlinge immer fester und fester zusammenziehen. Vom Gefühl der Beklemmung getrieben, führte ihn sein Weg zurück. Wie Monate erschien ihm jeder Augenblick und bei jedem Meter den er zurücklegte, kam es ihm vor als würde sich sein angestrebtes Ziel von ihm entfernen. Hunderte Meter hinter ihm hatte sich ein kleines Mädchen von Ästen, Blättern und Gestrüpp befreit, das Taschentuch zu Boden geworfen und thronte in Frosch ähnlicher Haltung wie ein Späher auf einem uralten Zeugen der Eiszeit!
Von alledem bekam der Mann nichts mit, der sich wie Wiesel durch das Unterholz kämpfte.
Es hatte angefangen zu regnen als Jonathan Maidira den Eingang zur Grotte erreichte. Er hielt die Luft an und legte sein Ohr an das feuchte Gestein, doch von drinnen war keinerlei Geräusch zu vernehmen. Vorsichtig griff er in den Rucksack, entnahm ihm die Taschenlampe und eine Dose des Backofenreinigers und tastete sich langsam voran. Der Eingangsbereich den er nun das erste mal genauer erkennen konnte war von Menschenhand nach bearbeitet worden, soviel war sicher. Bevor Maidira auf die Insel übersetzte hatte er sich noch kurz über diese Grotte informiert, die ehemals nur eine natürliche nicht von Größe geprägte Höhle gewesen war. Sie wurde in den fünfzigern von Bergleuten und Höhlenforschern ausgebaut bis man heraus fand das sie als Brutstätte für seltene Fledermausarten diente. Und seit dieser Zeit steht sie unter Naturschutz und ist Besuchern und Touristen nicht zugänglich.
Jonathan arbeitete sich weiter und weiter ins innere der Grotte vor, bis er an dieser Stelle kam wo sich der Vorsprung befand und Fuchs seine Aufzeichnungen hinterlassen hatte. Vorsichtig leuchtete er den Boden, später die Wände ab und da...... Da war etwas in der Wand, doch was. Maidira leuchtete genau drauf und entdeckte einen menschlichen Körper der genau in die Stelle einfasst worden war, wo er vor Tagen das Loch gesehen hatte. Fuchs! Doch er bewegte sich nicht mal, nein er hatte etwas von einer Wachsfigur die man so drapiert hatte um ihn zur Schau zu stellen. Jonathan leuchtete den Rest der Höhlendecke ab, doch schon stürzte etwas mit ungeheurer Geschwindigkeit zu ihm herab und ergriff ihn in Sekundenschnelle. Jonathan hatte noch nicht mal die Möglichkeit zu reagieren. Die Krallen des Wesens hatten sich in sein Fleisch gebohrt und es brannte wie Feuer. Geistesgegenwärtig sprühte er dem Ungetüm das Backofenspray entgegen, und es ließ von ihm ab, so das Jonathan wie ein Stein zu Boden krachte. Das geflügelte Ungeheuer zog weiter schrill kreischend seine Kreise. Erst jetzt sah Maidira wie riesig dieses Ding war und dass es eine gewaltige Flügelspannweite hatte. Das mussten mal locker zwei bis drei Meter sein.
Es hatte blutrote Augen, einen nach vorn zulaufenden spitzen Kopf und ein ein Maul aus dem an beiden Seiten zwei überdimensionale Zähne herausragten. Wer hatte so etwas grauenvolles nur erschaffen?
Die geflügelte Grotte - Kapitel VI
Kampf ums Überleben
Wieder und wieder flog das Ungetüm an Jonathan vorüber und ließ seine scharfen Krallen über den Höhlenboden schleifen, was sich um ein vielfaches schlimmer anhörte als wenn jemand mit Fingernägeln über eine Schultafel kratzen würde. Maidiras Ohren schmerzten und er war ob des widerlichen Geräusches der Ohnmacht nahe. Doch jetzt sah er auch dass sich in der Wand etwas bewegte. Er konnte es nicht genau erkennen, doch er war sich sicher dass es Fuchs war, der sich bewegte. Der Überzug der aussah wie eine Glasierung schien aus dehnbaren Material zu sein.
So eine Art durchsichtiger Kautschuk. Wenn also Fuchs noch lebte und er eine Möglichkeit fand, das Monstrum zu besiegen; dann könnte noch gut werden. Nur wie sollte er das Vieh besiegen. Da fiel es ihm wie Schuppen von den Augen. Als das Ungeheuer das letzte mal so nah an ihm vorbei flog, bemerkte er das an der Stelle wo er es mit dem Spray getroffen hatte Auflösungserscheinungen auftraten und ein teil der ledernen Haut begann zu schäumen. Jonathan erinnerte sich was Fuchs in seinem Notizbuch darüber geschrieben hatte. Der Backofenreiniger enthält eine chemische Substanz die es einem ermöglicht seltene Gesteinsarten zu lokalisieren weil durch das Aufsprühen eine schaumbildende Reaktion erfolgt. Das wars! Wenn also dieses Wesen auf dieses Spray reagierte und dadurch verletzbar würde, dann könnte er es besiegen. Ihm war ebenfalls aufgefallen, dass dieses verdammte Flugmonster immer dieselben Kreise flog. Maidira robbte sich ein wenig zurück um an seinen Rucksack zu kommen. Er nahm sich zwei Dosen des Reinigers, eine rechts, eine links und kroch auf dem Rücken liegen zu der Stelle an der das Uhrvieh über den Boden kratzte. Er hatte nur einen Versuch und der musste sitzen! Also versuchte er sich so hinzu legen dass er zwischen den Krallen liegen würde wenn das Ding wieder zu Boden stürzte.
Lange musste Jonathan Maidira nicht warten und das schrille Kreischen verriet ihm, dass es kam.
Er betete dass es klappen würde und im nächsten Augenblick schwebte der dunkle Schatten nur Zentimeter über ihn hinweg. Er schloss die Augen und sprühte wie ein Irrer auf die Unterseiten der mächtigen Flügel. Noch viel wilder kreischend erhob sich das Monstrum in die Luft und stieß unaufhörlich Schmerzensschreie aus. Jonathan erhob sich und brachte sich hinter einem Stein in Sicherheit, abwartend ob ihm sein Vorhaben geglückt sei. Das Wesen drehte schon wieder seine Runde, flog knapp über den Boden der Grotte hinweg und jetzt sah Maidira dass riesigen schwarzen Flügel zu schäumen begannen. Hoch oben ereilte es sein Schicksal und die Schwingen des Wesens verwandelten sich in in die Struktur eines porösen Schwammes. Völlig unkontrolliert krachte das Monstrum von der Höhlendecke zu Boden und spießte sich auf einem Kerzenstalagmiten auf der in unmittelbarer Nähe von Jonathan in die Höhe ragte. Der Rumpf des Wesens zuckte noch ein paar mal leicht, und eine durchsichtige schlabbrige Flüssigkeit entrann dem Untier welches seinen letzten Röchler tat. Jonathan sah dem Grauen noch ein letztes mal in die feuerroten Augen welchen das Glühen entrann und jetzt wie zwei matte schwarze Steine wirkten.
Er hatte es tatsächlich geschafft und begann vor Erleichterung Tränen zu vergießen. Wie ein Kind weinte er und dankte Gott immer wieder für die Erlösung des Bösen.
Die geflügelte Grotte – Kapitel VII
Letzte Rettung
Wer hätte gedacht dass ihm Backofenreiniger mal das Leben retten würde. Langsam erhob sich Jonathan Maidira, bedächtig stritt er an dem nun leblosen Körper des Untieres vorüber; hin zu der gegenüberliegenden Wand in der ein Körper eingeschlossen war. Wie zuvor vermutet bewegte sich im inneren des Überzuges etwas. Ein menschlicher Körper. Es war Fuchs, soviel konnte er erkennen. Jonathan versuchte die Versiegelung mit den Händen zu öffnen, doch es gelang ihm nicht. Der Überzug war eine Art Gummischicht die mit bloßen Händen nicht zu bezwingen war.
Er versuchte es mit dem winzigen Schweizer Taschenmesser welches er immer bei sich trug, doch auch damit schien es nicht zu klappen. Jeder der kleinen Schnittstellen die er mit dem Messer verursachte, begann sich sofort wieder zu schließen. Was war das nur für ein merkwürdiges Material. Er ging zu dem toten Urzeitriesen zurück, kniete sich vor ihm auf den Boden und betrachtete die Flüssigkeit die ihm entrann. Es schien die selbe zu sein die auch den Körper von Fuchs umschloss. Anfassen wollte er sie lieber nicht solange er nicht wusste um was es sich genau handelte. Dann kam ihm eine Idee und er holte die Streichhölzer heraus die er zuvor gefunden hatte. Er entzündete es und hielt die Flamme an eine kleine Lache der Flüssigkeit die sich vor ihm gebildet hatte. Sofort entzündete sie sich und schmolz wie Wachs dahin. So würde es also gehen, dachte sich Maidira und kletterte auf den Vorsprung zurück der ihn nur Zentimeter von Fuchs trennte. Vorsichtig schmolz er den Umriss auf wobei er sehr darauf achtete Fuchs nicht zu verbrennen. Nach wenigen Minuten war Fuchs befreit und fiel wie ein Stein in Jonathans Arme.
Der legte ihn ganz vorsichtig zu Boden, ging zurück und kam mit dem Rest an Wasser zurück um es Fuchs ganz langsam ein zu flößen. Der erwachte langsam aus seiner Ohnmacht und blickte Maidira ganz verwundert an. Jonathan beruhigte ihn erst mal und versicherte Fuchs dass es seiner Enkelin gut ging und sie in Sicherheit war. Doch Fuchs sprach andauernd davon dass sie gefährlich sei und sich verändert habe. Er beschwor Jonathan Maidira nicht zurück zu kehren, sondern sofort einen Weg zu suchen um von dieser Insel zu verschwinden. Doch Jonathan glaubte ihm kein Wort und meinte nur Fuchs sei verwirrt und würde phantasieren. Er zeigte ihm das Riesenvieh welches ein paar Meter unter ihnen bewegungslos da lag und nicht mehr lebte. Immer wieder versicherte er Fuchs dass nun alles vorbei sei und er sich nicht mehr fürchten müsse. Er würde zurückgehen und mit Lissy wiederkommen. Doch Fuchs begann wieder wie ein Irrer mit den Armen zu fuchteln, versuchte immer und immer wieder sich aufzurichten, was ihm aber nicht gelang da die Wunden die ihm das Untier in die Seite geschlagen hatte, zu sehr schmerzten. Es sank zurück zu Boden und verfiel erneut in Ohnmacht.
Jonathan riss sich den rechten Ärmel seines Hemds ab, tränkte ihn mit Wasser, trank selbst noch einen Schluck und legte Fuchs den Lappen zur Kühlung auf die Stirn. Er überprüfte noch kurz den Pulsschlag, stieg dann hinab und packte alles zusammen was er für seinen Rückweg benötigte. Er warf noch einen kurzen Blick auf Fuchs, dann auf seine erlegte Beute und verschwand in Richtung Wald. Wie er jetzt bemerkte hatte sich das Wetter beruhigt und der Sturm sich gelegt. Die dunklen Wolken hatten sich verzogen und auch das knarren und knacken der Bäume hatte aufgehört. Hoffnungsvoll blickte Maidira zum Himmel an dem die Sonne ihr glänzendes Antlitz preis gab und ihn wärmte. Fuchs war sicher im Delirium dass er solch einen Unsinn erzählte. Seine kleine Enkelin ein Monster. Gefährlich und Grausam. Er musste über diesen Gedanken schmunzeln und lenkte schnelle Schritte zurück in Richtung des Findlings an dem Lissy bestimmt schon voller Ungeduld auf ihn wartete. Seine schmerzenden, geschundenen Knochen bemerkte er gar nicht und kämpfte sich noch schneller Meter für Meter durch Blätter und Geäst.
Alles würde gut werden und Großvater und Enkelin wären wieder vereint. Auch würden sie alle drei überleben und diese grauenvolle Insel für immer verlassen.
Der Alptraum war endgültig vorbei.....
Die geflügelte Grotte – Kapitel VIII
Der Biss der Schlange
Jonathan Maidira war so in Gedanken versunken, das er die verästelte Baumwurzel nicht bemerkte in der sein Fuß sich verfangen hatte und von einem ohrenbetäubenden Schrei begleitet brach.
Er stürzte zu Boden und wand sich vor Schmerzen. Er brüllte aus vollen Leibeskräften und krümmte sich wie ein verendendes Tier zusammen. Er atmete röchelnd und der Schmerz schien ständig zu zu nehmen. Tränen liefen ihm in den weit geöffneten Mund und er schmeckte das Salz.
Jonathan besah sich seinen rechten Fuß, der um 45 Grad verdreht war und hämmernd pochte.
Er begann wie wild zu fluchen, beschimpfte Gott und die Welt, wimmerte Minutenlang wie ein Kind, fluchte wieder und begriff nach einer Ewigkeit dass er völlig hilflos war. Er musste irgendwie zurück zu Lissy und mit ihrer Hilfe zur Grotte zurück. Das war die einzige Möglichkeit um das Martyrium zu überstehen. Zu überleben! Maidira griff sich einen kleinen Ast der neben ihm lag, klemmte diesen zwischen seine Zähne, biss fest zu und begann sich kriechend weiter zu schleppen.
Immer wieder musste Jonathan innehalten wenn der Schmerz zu stark wurde und er der Ohnmacht nahe war. Es kam ihm vor als würde er nur Millimeterweise vorwärts kommen und immer wieder blinzelte er hoffend in die Richtung in der aufragende Findling auftauchen müsste.
Nach einer gefühlten Ewigkeit und endlosen Unterbrechungen hatte Jonathan Maidira der Findling in der Ferne ausgemacht und hatte das erste mal wieder so etwas wie Hoffnung verspürt. Unaufhörlich sprach er sich Mut zu indem er sich sagte dass er es fast geschafft hatte. Er begann die Kleine zu rufen als er nur noch ein paar hundert Meter vom rettenden Ziel entfernt war.
Ohne Unterlass rief er ihren Namen, doch die kleine Lissy schien ihn nicht zu hören. Im nächsten Moment übermannten ihn die Schmerzen und ihm wurde schwarz vor Augen. Maidira blieb völlig entkräftet, doch mit ausgestrecktem Arm auf dem bemoosten Waldboden liegen.
Das erste was er sah als er aus seiner Ohnmacht erwachte, war die zur Hälfte aufgerissene Seite des Astiglus, welches von Fuchs errichtet worden war. Irgendwie musste es der Enkelin von Fuchs gelungen sein, in bis hier her zu schleifen. Jonathan begann sich mit schmerzverzerrten Augen um zu blicken und entdeckte Lissy am Eingang hockend. Sie hatte etwas in den kleinen Händen, an dem sie unaufhörlich herum nagte und Maidira versuchte zu erkennen um was es sich handelte. Mit seinem noch immer verschleierten Blick machte er eine Art Rehkeule aus, doch das war völlig unmöglich da es hier kein einziges Tier zu geben schien. Sein Blick wurde schärfer und Jonathan bemerkte nun auch die Campingaxt die neben der Kleinen lag. Er besah sich Lissy aufs neue die ohne Regung schmatzend am Eingang der Überlebenskugel saß und ihn gar nicht zu bemerken schien. Jonathan Maidira erkannte was die Kleine deren Gesicht völlig verzerrt und entstellt wirkte zwischen ihren kindlichen Fingern hielt und schaute zur Bestätigung an seinem Körper herunter, an dem er zwei blutende zuckende Stumpen ausmachte. Dann flog ihm eines seiner Beine auf den Schoß und er erkannte seinen Schuh. Das Bein war restlos abgenagt und nur der Knochen steckte noch in seinem Rieker Schuh der Größe 43. Den Schrei den Jonathan Maidira ausstieß hätte man bis zum Festland hören müssen. Zwei rabenschwarze Augen blickten ihn stechend an, und Speichel tropfte auf die weiter ausblutenden Stumpen. Es war die Ausgeburt der Hölle die ihm ins Gesicht blickte und die Fratze die das zweite Bein zwischen den Zähnen hielt wie ein Hund den Knochen funkelte ihn röchelnd an. In diesem Moment wusste Maidira dass es zu Ende war und er den Kampf verloren hatte! Wie ein Werbebanner lief die Warnung die Fuchs ihm zum Schluss gegeben hatte vor seinem geistigen Auge ab und Jonathan wurde unweigerlich an das kriechende Geschöpf der Schöpfungsgeschichte erinnert!
Die geflügelte Grotte – Kapitel IX
Traumlichter
Jonathan Maidira fühlte wie das Leben aus seinem Körper wich. Er war nicht wach aber er war auch noch nicht in die nächste Ebene aufgestiegen. Er erinnerte sich wie er als Jugendlicher einen Bericht über Agonie ( den Todeskampf ) gelesen hatte und so musste es sich wohl an fühlen wenn man gegen den Tod und drohende Dämonen kämpfte bevor alles zu Ende war. Von der kleinen Lissy und seinen Schmerzen bekam er nichts mehr mit und nur gelegentlich öffneten sich seine müden Augen zu winzigen Schlitzen. Es war unglaublich was aus dem süßen Mädchen von einst geworden war und die ganze Geschichte klang wie aus einem Fantasy Roman. Jetzt an diesem furchtbaren Ort ohne Hoffnung erinnerte sich Jonathan der früheren Tage an denen er immer von genau so einer Insel träumte. Wie sehr er sich gewünscht hatte an so einem Ort der friedlichen Ruhe seiner Arbeit nachzugehen und Abends entspannt an einem Lagerfeuer seinen längst geplanten Roman zu beginnen. Wie wundervoll erschienen ihm seine Träume nun. Jetzt wo er keine Möglichkeit mehr hatte einzugreifen und nur das Schicksal entschied!
Die kleinen verengten Sehschlitze richteten sich gen Himmel, hinaus aus dem völlig aufgerissenem Iglu durch welches vor kurzem dieses riesige Monstrum entschwand. Dieses Untier welches er erlegt hatte und doch hatte er verloren. Gegen ein Kind, ein sonst vollkommen harmloses junges Mädchen. Gegen sie war er machtlos gewesen und Maidira überlegte wie wohl Fuchs ergehen würde. Ob wenigstens er dieses Grauen überlegen sollte. Doch diese Hoffnung schwand als er das Fratzenkind wieder schmatzend am Eingang wähnte. Es; dieses Ding, was immer es auch war, würde nicht aufgeben. Er hatte unermesslichen Hass in diesen kohlrabenschwarzen durchdringenden Augen gesehen, als die Kleine die durch irgendetwas zu einem Kind des Grauens mutiert war, ihn kurz zuvor anblickte. Da war nichts menschliches mehr, keine Regung oder ein Anflug von Mitleid oder Gnade. Dieses nun nicht mehr zu definierende etwas würde nicht aufhören bis jeder auf dieser Insel tot war. Da war er sich sicher. Jonathan hoffte dass es nun bald zu Ende ging, denn er konnte den Blutgeruch welcher ihm wieder in die Nase stieg nicht länger ertragen und alles an seinem Körper fühlte sich taub und dennoch überaus lebendig an.
Er spürte zwar keinen Schmerz aber er hatte die Vorstellung am lebendigen Leibe gehäutet zu werden. Das letzte was Jonathan Maidira auf diese Welt mitbekam war ein Geräusch welches ihn an Holz hacken erinnerte. Es war ein Geräusch welches er in seiner Kindheit geliebt hatte, wenn sein Vater bei klirrender Kälte das gefrorene Holz spaltete um sie zu wärmen. Ein letztes mal versuchte er sich aufzurichten um zu sehen woher dieses Geräusch kam, doch glitt er sofort wieder hinab. Er drehte nur den Kopf ein wenig mehr als er es sonst tun würde, aber eine Verrenkung konnte er ob seiner Situation wohl riskieren und lachte sogar innerlich bei diesem Gedanken.
Endlich sah er mit letzter Kraft was dieses Geräusch verursacht hatte und traute seinen Augen nicht. Das was er gerade noch erblicken konnte, hätte er niemals für möglich gehalten. Das konnte nicht sein, doch was er sah war........
Die geflügelte Grotte Kapitel X
Unausweichliche Begegnungen
Das was Jonathan Maidira sah, war das konsequenteste aber auch schrecklichste was er je gesehen hatte. Niemals hätte er gedacht das so etwas furchtbares möglich wäre. Doch was er gesehen hatte war eine schemenhafte Gestalt die plötzlich und völlig unerwartet am Eingang des Iglus aufgetaucht war. Die Person hatte sich blitzschnell gebückt, etwas funkelndes aufgehoben und es mit voller Wucht herunter schnellen lassen. Auch wenn er es nicht recht glauben konnte und er sich überlegte ob es sich um eine Sinnestäuschung gehandelt hatte; musste er sich eingestehen dass es genau so war wie er es befürchtet hatte. Bei der Schemenhaften Gestalt handelte es sich um Fuchs der sich herangeschlichen hatte, sich in Windeseile gebückt hatte, die kleine Campingaxt mit der funkelnden Schneide aufgehoben hatte und sie mit unbändiger Kraft in den Schädel seiner Enkeltochter getrieben hatte. Das splitternde Geräusch welches Maidira vernommen hatte, musste also unweigerlich das zerplatzen des Kopfes der kleinen Lissy gewesen sein. Nur verschleiert hatte er mitbekommen wie sich die Axt wie durch Butter durch den winzigen Kinderkopf bewegte.
Ein bestialischer Gestank machte sich breit und ein fürchterliches Gewimmer erhellte den Raum.
Ein Gewimmer welches nur von Fuchs stammen konnte der soeben seiner eigenen Enkeltochter den Schädel zertrümmer hatte. Was musste in diesem Menschen vorgehen? Wie grausam kann ein Schicksal sein und wie unmenschlich zeigte sich das Leben. Wie ein Kegel fiel der kleine noch immer in der Hocke befindliche Körper der kleinen Lissy die sich in ein Ungetüm verwandelt hatte zu Boden. Fuchs fiel direkt neben dem leblosen kindlichen Körper auf die Knie und drückte die Reste der Enkelin an seine Brust. Er wiegte den zermarterten Körper wie beim Einschlafen hin und her und schluchzte das es einem Angst und Bange wurde. In Lethargie begann Fuchs ein Schlaflied zu singen. Trotz dessen das Maidira am Tor der Hölle stand, empfand er Mitleid und fühlte den Schmerz den diese unrühmliche Tat für Fuchs bedeutete. Niemals hätte er diese Tat ausführen können, dessen war sich Jonathan Maidira bewusst. Dann entschwand er für immer aus dieser grausamen Welt und entfloh den Schmerzen, der Pein und der Scham für alle Ewigkeit.
Fuchs hingegen entnahm dem Rucksack von Jonathan Maidira die letzten Streichhölzer, Jonathan Brieftasche zum Beweis seiner Existenz, warf beide leblosen Körper in die Mitte des Iglus, verabschiedete sich ein letztes mal von seiner kleinen Lissy und nickte dem toten Köper Jonathan zu bevor er mit dem Rest an Streichhölzern das Iglu aus Ästen, Blättern und Gestrüpp entzündete. Den Rest an Backofenreiniger warf Fuchs ins Feuer, welches riesige Stichflammen hervorrief . Auch die Baby Born Puppe die sich noch im Rucksack befand wurde den Flammen übergeben die das einzige beherbergten was Fuchs je geliebt hatte.
Dichter Qualm entstieg einer todbringenden Insel, die ein kleines Mädchen und ein Mann den er nicht kannte nie wieder lebendig verlassen sollten. Selbst wenn man ihn finden sollte und Fuchs diesem Grauen entkam, so stand doch eines fest:
Diese Insel würde er nie wieder aus seinen Träumen verbannen können.
Diese Insel und die geflügelten Grotte!
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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 25.07.2011.
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Leben zwischen zwei Welten
von Helga Eberle
Vom Schwarzwald nach New York
Ein Zeitdokument, Romantik und eine Geschichte starker Frauen.
Das Leben der Schwestern Hanna und Anna
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