Fährt man heute auf der Bundesstraße 50 von Bitburg nach Vianden in Luxemburg, so durchquert man auf halber Strecke die Ortschaft Sinspelt. Kurz hinter den letzten Häusern sieht man einen kleinen Hügel, bewachsen mit Streuobst, der ein schauriges Geheimnis birgt.
Dies ist seine Geschichte: Man schrieb das Jahr 1586 nach Christus. Längst hatte der schreckliche Wahn des Aberglaubens der Hexenverfolgung auch die Eifel erreicht und wüteten die Brände allerortens. Der Trierer Weihbischof "Peter Binsfeld" (1544-1598) war der berüchtigte >Hexenfinder< im Großraum Trier. Weit über 300 Frauen hatte dieses Scheusal schon foltern und verbrennen lassen und nun trieb ihn die Gier nach Grausamkeit in den kleinen Weiler Sinspelt. Einige der dortigen Bauern hatten über einen Mönch des nahegelegenen Klosters Himmerod um Hilfe gebeten, da sich angeblich eine Hexe im Dorf befände, welche die Ernte und die Früchte verderbe und den Männern den Samen trockne. Ihr Name war Johanna Steinfeld. Sie war die Witwe des dortigen Weiden- und Korbflechters Januarius Steinfeld. Sie lebte kinderlos alleine in der kleinen Hütte am Bache und war zu jedermann freundlich und hilfsbereit. Nun hatte sie schon das hohe Alter von 71 Jahren erreicht, als zwei Bauern bemerkten, daß sie des öfteren den nahgelegen Wald aufsuchte um dort Pilze, Beersn und Heilkräuter zu sammeln. Dies reichte aus, um sie als Hexe verdächtigen zu können. Die beiden Bauern gedachten, daß, wenn sie hingerichtet sei, das kleine Anwesen ihnen zugesprochen würde, da ja sie es waren, die die Johanna denunzierten und angezeigt hatten.
Binsfeld reagierte gewohnt rasch und grausam. Man brachte die alte Frau in eine Kate, wo man sie streng verhörte. Johanna gestand nichts. Darauf griff man zur Folter und nachdem man sie mehr als 5 Stunden auf das grausamste torturen ließ, gestand sie alles, was der Bischof hören wollte.
Schnell wurde das Urteil über sie gefällt und schon drei Tage später band man sie an den Brandpfahl auf dem Scheiterhaufen. Ihr Tod war furchtbar.
Da Johanna trotz fürchterlichen Qualen keine Mittäterinnen nannte, verließ Binsfeld den kleinen Ort, nicht ohne sich zuvor von den Bauern einige Gulden einzukassieren.
Acht Tage waren seitdem vergangen und man hatte die Asche der Witwe und die Reste des Brandschutts in den nahen Bach geworfen, als der Schäfer Josef Pauli mit seiner Herde Schweine den Ort des Grauens passierte. Dort stand noch der verkohlte Brandpfahl, doch was war das? Aus dem Stamm wuchsen grüne Triebe und rund um ihn herum blühte Vergißmeinnicht. Schnell machte die Neuigkeit die Runde und es sprach sich wie ein Sturmwind in der ganzen Eifel herum:"Johanna Steinfeld" war unschuldig! Binsfeld hatte ausgespielt, man verjagte ihn von so manchen Weilern. Von überall kamen die Leute um den Baum zu sehen, der schnell und prachtvoll gedeihte.
Bis zum Sommer 1852 stand die "Hexenbuche" am Ortsrand von Sinspelt. Mancher Wandersbursche ruhte in seinem Schatten und wenn der Wind manchesmal den Wipfel durchfuhr, meinte man das Klagen einer Frau zu vernehmen, bis der Blitz den Baum spaltete und er verbrannte, diesmal entgültig.
Heute kennen kaum noch Leute der dortigen Landschaft die Geschichte jenes Hügels. Mir erzählte 1955 ein alter Bauer diese Sage, er hatte sie von seinem Großvater.
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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 13.08.2011.
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