Heinrich Soucha
Die Ratingagenturen u. ihre Phylogenese zu den Schwanzlurchen
Stellen sie sich vor, es gäbe drei wichtige Ratingagenturen.
Oder vielleicht besser, stellen sie sich vor, es gäbe drei verschiedene Gattungen von Schwanzlurchen, die die Macht hätten, die Liquidität von Firmengeflechten, multinationalen Konzernen, sowie auch, die Bonität von Staaten festzustellen und verbindlich zu kommentieren.
Die Agenten dieser Schwanzlurch Agenturen sind klug.
Sie wissen beispielsweise genau, wie groß ihr Oberkörper im Verhältnis zu ihrem Schwanz ist.
Ja ich weiß, unlängst ist etwas schiefgegangen, da ist den Schwanzlurchen was passiert.
Die Weltwirtschaftskrise ist dazwischen gekommen und das alles nur, weil die Proportionen eines Lurchschwanzes mit dessen Oberkörper nicht wirklich harmonierten.
Klar, dass da die Katastrophe nicht mehr zu verhindern war.
Dennoch, die Anhänger und Befürworter der Schwanzlurche, die sogenannten Gläubigen, Analysten, Anleger und Spekulanten sind dankbar, wie man in den zahllosen Danksagungen von Börsenberichten und namhaften Wirtschaftsblättern nachlesen kann.
Jedenfalls gesellen sich zu den bereits erwähnten logischen Fähigkeiten der Schwanzlurch Agenturen, nennen wir sie objektive Eigenschaften, noch ein klein wenig, die Subjektiven.
Diese subjektiven(keine Erkenntnisse!) wunderbare Fähigkeiten, einer Vorahnung von einer Wertentwicklung, gewinnen sie durch "Lurch Spiele."
Da fassen sie sich beispielsweise am Schwanz, drehen sich im Kreis, murmeln Beschwörungsformeln und singen "Lurchlieder!"
Ja, so lustig haben dies! Und das im Büro so zwischendurch!
Was wäre wenn?
Also zum besseren Verständnis:
Es muss nicht immer im Büro sein. Wenn ein Schmetterling beispielsweise auf der griechischen Insel Samos furzt, bekommen die Trauben einen etwas höheren Reifegrad. Logisch, war mir sofort klar.
Soetwas zu erahnen, das hat schon was. Ja, und die Analysten, was übrigens keine Krankheit bezeichnet, sind dankbar.
Ja wirklich! Da ändert sich was, ein Trend entsteht, eine positive Strömung, was den Dax, Nikkei, Dow Jones, garantiert nach oben steigen lässt. Ein „warmer“ Börsenwind sozusagen! Was wiederum eine wunderbare Interaktion zwischen eifrig regen Schwanzlurchen, Analysten, Börsengurus, Anlegern, Spekulanten in Bewegung setzt.
Na wohin sollten die denn ihr vieles, ehrlich erarbeitetes Gespartes investieren,
wenn nicht in den Glauben, an die Vorhersagen der Schwanzlurche?
Dieser Glaube ist hart erarbeitet und durch unglaubliche Gier einzementiert!
Nicht umsonst sagt ein bekanntes chinesisches Sprichwort,
„Ungläubiger, glaub an nichts, aber glaub an die Prophezeiungen der Schwanzlurche!“
So steht` s nun mal geschrieben, glaub ich zumindest!
Nun lasst uns in medias res gehen: Wegen des etwas wärmeren Windes, würden die Trauben hervorragend schmecken,
…was mich für die Anleger wirklich und ehrlich freut.
Nun, warum ich mich des Themas überhaupt angenommen habe.
Einer dieser Schwanzlurche, dessen Firma wiederum Mehrheitseigentümer einer anderen sehr mächtigen und sehr geheimen amerikanischen Firma ist, man weiß nicht genau wo er sein Larvenstadium verbracht hat -war unlängst in der Nachrichtensendung des ORF eingeladen, wo er den Zusehern in narzisstischer Selbstgefälligkeit darlegte, dass es im Prinzip vollkommen wurscht wäre, ob die europäische Union Griechenland eine Finanzhilfe gewährt oder nicht, dass wenn er – also nennen wir ihn der Einfachheit halber den „großen Schwanzlurch“ - mit wohlgeprüften und von seinen sehr geheimen Eigentümern festgelegten, abgesegneten Indizes und daraus schlussfolgernd, festgestellten Note „CCC“ , bedeutet in der Schule so viel wie drei „Nichtgenügend“ - dem Staat Griechenland, die verhängnisvolle Note zu teil werden ließ, der Staat Griechenland dennoch ( trotz Finanzhilfe und Bürgschaft Europas und seiner national Staaten!) Bankrott gehen würde.
Ich weiß, der Satz ist lang und kompliziert, aber es ist das Wesen eines Schwanzlurches, das ich hier redlich versuche, wieder zu geben.
Ist das nicht wunderbar! Eine amerikanische Schwanzlurch Agentur entscheidet über das Schicksaal Griechenlands, warum nicht gleich auch Europas?
Man braucht also als Analyst und Anleger gar nicht mitdenken, da das Denken vollkommen die Schwanzlurche übernommen haben.
Nun irgendwie hinkt mein Vergleich nun doch, weil als Österreicher der ich bin, bleibt man mittlerweile auch mit drei „Nichtgenügend“ heute nicht mehr sitzen.
Oh, ihr allmächtigen Schwanzlurche, dachte ich gleich vorweg, welch prächtig, bunte Macht ihr doch innehabt.
Mit solch mathematischer Präzession, gepachteter Ehrlichkeit, Ethik und hohen Moralanspruch ausgestattet, dass die Götter im Olymp schon zusammenrücken, um ihnen, den Schwanzlurchen, Platz zu machen.
Wie großartig dachte ich, wenn man als privilegierter und mächtiger Schwanzlurch solch wichtige Entscheidungen, die ganze Währungssysteme betreffen, fällen kann. Wie praktisch auch! Mit dem solcherart lukrierten (umgelenkten) Milliarden, können sich die Lurche den Schwanz auf Hochglanz polieren.
Man kann also mit Prognosen Investitionen umlenken. Viel, viel Geld wird plötzlich aus einer Region abgezogen (lange Nase, ätsch!!) und in einer beliebig anderen Region
( brave Regionen, die sich den Mehrheitseigentümern der Schwanzlurch Agenturen gegenüber wohlfeil verhalten) investiert.
Man kann Kriege führen. Sehr beliebt zu unserer Zeit, sind derzeit Privatkriege. Wer ein Söldnerheer bezahlen kann, hat schon seinen eigenen Privatkrieg. Siehe Libyens Gaddafi. Oh, da gibt’s die ganz großen Schwanzlurche, die stehen gleichzeitig auf der Gehaltsliste von Waffenkonzernen. Man kann unliebsam gewordene Regierungen stürzen, Söldnerheere bezahlen und viele traditionell liebgewordene Passionen aufführen.
Bezahlen muss der, mit der Note „CCC“, „Nichtgenügend“, weil dort wo`s notwendig ist, wichtige Investitionen einfach nicht mehr getätigt werden.
Ah ja – und bezahlen müssen selbstverständlich auch die Retter und die Solidargemeinschaft, die von den mächtigen Schwanzlurchen auf diese Art abgezockt wurden. Und alles nur, weil die Analysten – sind keine erkrankten Personen!“ – und gläubigen Geldanleger, den Schwanzlurchen Blind und bedingungslos Glauben schenken.
Dies ist eine surreale Kurzgeschichte.
Sie ist frei erfunden. Sie soll dem interessierten Leser lediglich einen Denkansatz geben, was alles mit Verstand, selbständigen Denken und eigenverantwortlichen Handeln, möglich wäre.
Bringe ich diesen Prozess in Gang, so habe ich viel erreicht.
Es ist schier unglaublich, welche Macht
die Politik, den Ratingagenturen
überlassen hat. Eine Änderung dieser
Strukturverfilzung, wird durch Länder
blockiert, die den Neoliberalismus, mit
seiner Gier und seinen skurrilen Auswüchsen
und Möglichkeiten auf steigende, oder
sinkende Kurse zu wetten, verteidigen.
Wenige, die mit dem notwendigen
Insiderwissen ausgestattet sind, kommen
so zu ihrem unglaublichen Vermögen.
Spekulanten partizipieren von einer
Todesspirale, einer schlechten Benotung,
durch Ratingagenturen. Wer,wie
Griechenland einmal ein "CCC" hat,
bekommt nicht nur keine leistbaren
Kredite mehr ins Land, er hat auch keine
Chance mehr auf Investoren.
Fazit: Armut,Arbeitslosigkeit,
Chancenlosigkeit der Jugend, steigende
Kriminalität und tiefste Depression, die
zwangsläufig zu Bürgerkriegsähnlichen
Zuständen führen wird. Gelingt es der
gemeinsamen europäischen Politik nicht,
sich von der Abhängigkeit, den
Mechanismen, der Ratingagenturen
abzukoppeln, führt uns die
neoliberalistische Gier zwangsweise in
einen europäischen Bürgerkrieg.Heinrich Soucha, Anmerkung zur Geschichte
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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 30.08.2011.
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