Ewald Frankenberg

Tagebuch (Chapter A)

Sonntag, 09.10.2011

Ein wenig war ich betrunken. Aber das war schon okay soweit. Trug zur
Auflockerung bei. Die Stimmung wurde dadurch einfach besser. Die
Masse der Menschen um mich herum drückt dann nicht so. Ich renne
dann nicht so geduckt durch die Gegend. Ich kann dann mitlachen,
nehme mich nicht so wichtig. Suche dann nicht nach tiefsinnigen
Philosophien, die verbreitet werden müssen. Dann rutscht mir auch
schon mal ein dummer Spruch raus, den ich nicht sagen würde, wenn ich
überlegte. Klar eckt man schon mal an, wenn man vor einer Frau
stehend bei geöffnetem Mund die Zunge schnell zwischen den Lippen
auf und ab bewegt. Aber meine Absichten habe ich wenigstens klar zum
Ausdruck gebracht. Wendet sie sich ab, besteht eben keine
Interessensüberschneidung, war halt nicht die Richtige. Als
Entschädigung für die Abfuhr bleiben mir der Lacherfolg und das
anerkennende Schulterklopfen der Kumpel in meinem Rücken. Und ich
habe keine unnötige Zeit damit vergeudet, herauszufinden, ob sie will
oder nicht.

Und ich wollte einfach nur mal wieder Sex mit einer Frau. Extra
schon drei Tage nicht mehr onaniert, um gerüstet zu sein für eine lange
scharfe Nacht. Und das Volksfest war auch wie geeignet dafür. Viele
Frauen, die auch getrunken hatten, so dass mir alle Chancen gegeben
waren. Und ich wollte wirklich nur ficken, nichts als Sex pur, es sollte
ein Rausch sein, keine Liebe, die eh niemals für immer ist. Was ja nicht
heißen soll, dass, wenn man Spaß miteinander hatte, man sich nicht doch
öfter sieht. Am besten natürlich zum Sex. Das wäre das Einfachste.
Selbst wenn man zehnmal oder hundertmal miteinander bumst, muss
man da ja nicht mehr reindeuten. Klar, kann man natürlich. Sicherlich
gibt es auch so etwas wie Liebe, und wenn sie denn passiert und man
noch dazu gerade solo ist, dann muss man sich ja auch nicht unbedingt
dagegen wehren. Wenn es denn beiderseitig ist. Aber ohne ist ehrlicher.

Jedenfalls, das Mädchen, das da allein am Zaun gelehnt stand und
Dosenbier wegzischte, die mit den langen dunklen Haaren, weiße Hose,
weiße Jacke und Traurigkeit im Blick, sah vielversprechend aus und
zudem noch gut. Meine Erfahrung lehrt mich, sich schon früh auf eine
festzulegen. Wenn man sich zu lange nicht entscheidet, dann sind alle
weg und man liegt wieder wichsend allein im Bett. Und ihre Traurigkeit
bot auch gleich den richtigen Aufhänger. 
     
     -Hallo, alles klar mit Dir?-

Natürlich verlangt die Trösternummer etwas mehr Zurückhaltung,
da kann man nicht so forsch lospreschen, von wegen, deine Muschi hat ne
Verabredung mit meinem Schwanz, du musst sie nur noch hinbringen. Und
sie brauchte wirklich eine Schulter, an der sie sich anlehnen konnte.
Und dann das Übliche: Spaziergang von den Leuten weg, in den Park, Bank,
Herz ausschütten, in den Arm nehmen. Und als sie dann direkt hinter der
Bank die Hosen runter lässt, um sich zum Pinkeln hinzuhocken, wusste ich,
ich brauch nicht mehr wegzuschauen, jetzt gewährt sie mir freie Bahn. Und...,
ach, liebes Tagebuch, was erzähl ich dir bloß alles. Vielleicht bin ich doch ein
bisschen mehr als ein wenig angetrunken.


                                                                                        © Ewald Frankenberg

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