Montag, 17.10.2011
Heute sogar kleine Schlagzeile auf der Titelseite, gleichberechtigt
neben Wulff in Afghanistan und Europameister Timo Boll.
-Meike tot! Sexualmord?-
Von wegen. Was bilden sich die Schreiberlinge ein. Zum Einen: wen
interessiert das? Sicher gibt es Voyeure genug, die den Mord genau
erklärt haben möchten und besonders den Sexteil dabei in möglichst
genauen Details.
Zum Anderen: wen geht das etwas an? Die Eltern, die Freunde, klar.
Der Täter, der weiß alles am besten. Und sonst, absolut niemanden.
Aber klar, wenn auf der ersten Seite schon das Wort Sex auftauchen
kann, kaufen natürlich gleich mehr Leute die Zeitung, selbst wenn es
nur als Silbe in Sexualmord auftaucht.
Und was bilden sich die Wichser überhaupt ein? Sexualmord.
Dabeigewesen? Es ist nichts passiert, absolut gar nichts.
Was bildet ihr euch ein, ihr Wichser.
Du hattest vielleicht den Ansatz einer Erektion, als sie mit
heruntergelassenen Hosen hinter der Parkbank hockte. Ist das Sex?
Ist das Sex!
Es ist nichts passiert.
Nichts ist passiert!
Ich fühle mich beschissen. Aber vielleicht ist es wichtig, dass du dich
überwindest. Die Arbeit ruft. Weiteres Fehlen verlangt einen Arztbesuch.
Und was sollte ich einem Arzt erklären? Der Artikel in der Zeitung macht
mich so fertig; ich war noch nie so nah dran an einer solchen Tat?
Ich kenne das Mädchen im Grunde nicht einmal. Auf der Fete meiner
Schwester habe ich sie auch nicht gesehen. Vielleicht, weil ich beim
Küssen dauernd die Augen schließe. Hättest du Meike einfach nur
zärtlich in die Arme genommen, Trost gespendet. Sie hätte mich dafür
geliebt, ich würde sie heute noch in den Arm nehmen. Wir wären ein Paar.
Sie war schon klasse. Die Chance ist vertan. Du hast sie mit verbockt.
Du hast Meike allein gelassen. Hättest du sie mitgenommen, wäre sie
jetzt hier, stünde nicht in der Zeitung.
Bringe ich das alles richtig auf die Reihe? Es ist nichts passiert. Du bist
trotzdem schuldig.
Was soll jetzt aus dir werden?
Darf ich dich noch weiterleben lassen?
Lohnt es sich überhaupt noch, weiter zu leben?
Du trauerst einer verlorenen Liebe nach, die dir nie gehört hat. Komm
auf den Teppich, geh zur Arbeit. Da bist du ein wenig außerhalb, es wird
nicht das beherrschende Thema sein.
-Wie geht’s Dir?-
-Oh, wieder fit-
-Was man so in der Zeitung liest, Mord bei Euch, kanntest Du die?-
-Wir sind doch kein Nest;
ist mir sicher schon über den Weg gelaufen;
einen zusammen getrunken;
klar, auf der Kirmes auch-
Jetzt ist Schluss, ich will nichts mehr hören. Aber den Gang zur Toilette
verkneif ich mir auch, freue mich auf den Feierabend. Das Telefon klingelt.
Irgendwann gehst du doch ran.
–He, deine Schnalle ist tot-
-Ej Alter, wir haben ein paar Bier miteinander getrunken, kurz vorm
Koma bin ich nach Hause gegangen-
Ich zieh den Telefonstecker ab.
©Ewald Frankenberg
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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 17.10.2011.
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