Richard von Lenzano

Fahrschulprüfung

 

Fahrschulprüfung

 
 
 
 
Ich muss mich beeilen. Der Weg von meiner Unterkunft in die Stadt sind 2 Kilometer und dort habe ich einen wichtigen Termin.
In der Fahrschule sollen meine theoretischen Kenntnisse für den Führerschein der Klasse 3 überprüft werden, indem ich eine schriftliche Prüfung ablegen muss.  Also, meine Schritte werden länger und der Druck im Magen wächst entsprechend.
 
Kurz vor Erreichung der Fahrschule rauche ich nervös und hastig noch eine Zigarette, um meine  Nerven zu beruhigen.  Vor der Eingangstür treffe ich mich mit weiteren Kandidaten,
welche  angespannt,  aufgeregt und leicht euphorisch sind.
 
Noch ein Blick auf die Uhr, dann geht es hinein. Jeder bekommt seinen eigenen Tisch auf dem Bleistift und Kugelschreiber liegen.
Bevor der Fahrschullehrer nun die Prüfungsbögen austeilt kommt seine klare Aussage:
„Wer abschreibt fliegt raus und fällt durch“!
Danach verteilt er die Bögen - wir haben 90 Minuten Zeit, alle Fragen in den Bögen zu beantworten. Nach Möglichkeit alle Fragen richtig, denn, viele Fehler kann sich keiner erlauben.
 
Ich nehme die Uhr vom Handgelenk und lege sie vor mich auf den Tisch, immer gegenwärtig, wie schnell ich denken, überlegen und ankreuzen muss. Es gibt hier bereits das „Multiple Choice-Verfahren“ das besagt, das für Fragen auch mehrere Antworten richtig sein können
(unter Umständen sogar alle oder keine).
Also, man muss die Fragen mehrfach lesen um dann zu einem Entschluss zu kommen, der richtig sein sollte, danach richtet sich dann ob ein, mehrerer oder kein Kreuz.
 
 
Mir geht die Arbeit recht zügig von der Hand, nach einer Stunde bin ich fertig, lese alle Fragen und Antworten noch einmal durch und korrigiere einige kleine Fehler. Mein Vorteil ist, dass ich zurzeit auf der Polizeischule bin und Verkehrsrecht ein wichtiges Unterrichtshauptfach ist.  Ich unterschreibe meinen Fragenkatalog und kann dann nach draußen gehen, habe zwei Stunden Zeit, um dann wieder hier zu erscheinen. Die Auswertung der Fragebögen geht unheimlich schnell vor sich, da der Fahrlehrer eine Schablone auf die jeweilige Seite legt und sofort erkennen kann, was richtig oder falsch ist.
 
Nach einem Bummel durch die Stadt treffen wir alle wieder zusammen, bekommen unsere Ergebnisse mitgeteilt, die nicht alle positiv sind. Ich habe mir trotzdem einen Flüchtigkeitsfehler eingefangen, aber trotzdem bestanden.  Vom Fahrlehrer gab es einen warmen Handschlag und jeder bekommt seinen Termin für die praktische Prüfung.
Mir wird Franzsika Fischer zugeteilt, wir beide sollen zusammen am nächsten Donnerstag die Fahrprüfung machen.
 
In der Zwischenzeit übe ich ein wenig „schwarz“,  allerdings auf einem privaten Platz. Es war ein Grandplatz, auf dem zwei Fußballtore sind. Zwischen denen übe ich „rückwärts einparken“, vor dem ich ein wenig Angst hatte.
Nun war er da, der Tag der Fahrprüfung,  und - ich hatte einen leichten Druck im Magen, obwohl ich mich ordentlich und gewissenhaft vorbereitet habe.
Von der Unterkunft gehe ich rechtzeitig los und treffe vor der Fahrschule auf Franzi, welche aufgeregt und flatterig ist.  Kleine Schweißperlen zieren ihre Stirn, ihr Gesicht ist vor Aufregung leicht gerötet.
„Du Ric, kannst Du mir nicht noch den einen oder anderen Tipp geben“?fragt sie mich dann.
Was soll ich ihr sagen oder raten?  Ich warnte dann: „Denke daran, die Stadt ist hügelig, Auto nicht zurückrollen lassen, nach dem halten“.  Verstehend nickt sie mit dem Kopf, als auch schon der Fahrschulwagen vorgefahren kommt.
 
Der Fahrlehrer, der sich jetzt wie üblich auf dem Beifahrersitz setzt, kurbelt die Scheibe herunter und sagt:„Lenzano, sie zuerst“.
 
Hinten rechts im Fond des Fahrzeuges sitzt der Prüfer, mit seiner wichtigen Unterlagenmappe auf dem Schoß. Franzi setzt sich neben ihn, während ich vorn einsteige und mich anschnalle.
 
Zum ersten Mal höre ich nun die markante aber leise Stimme des Prüfers: „Was machen Sie zuerst“?  Meine Antwort: „Starten“!   Er: „Und dann“?  Ich:„In den Rückspiegel innen und außen sehen, Kupplung treten, Gang einlegen, Handbremse lösen, blinken und losfahren.“
Lapidar kommt von ihm:„Dann mal los“…
 
Er dirigiert mich dann durch Stadt, bergauf und bergab, zu Kreuzungen und Einmündungen mit und ohne Ampeln.
Plötzlich kommt ein Kommentar von hinten: „Sie dürfen ruhig 50 fahren, wenn die Situation es erlaubt, und im Moment erlaubt sie das…“  Also gebe ich etwas Gas und lasse die Tachonadel bei 55 km/h einpendeln… Ich lauere ja, dass er es monierte, aber – es war alles wohl in seinem Sinne.
 
Dann muss ich rechts abbiegen, die Straße geht bergauf und - mein Prüfer sucht für mich eine Parklücke aus.  „Parken sie rechts ein“, war die Aufforderung mich in eine kleine Parklücke hineinzumanövrieren. „Da komme ich nicht rein“, war mein Kommentar, worauf er meint, ich sei doch kein Panzer – der Platz reicht aus.
Da er es so will, halte ich an, setze zurück und versuche in die Lücke zu gelangen. Nach dem dritten Anlauf sage ich: „Klappt nicht, da komme ich nicht rein“.
 
„Das werden wir aber mal testen, ihr Fahrlehrer zeigt Ihnen, wie man so was macht“.
 
Ich darf aussteigen und der Fahrlehrer kann es mir nun zeigen. Was er mir zeigt, war mir klar, denn, auch er kommt nicht in die Lücke rein und schüttelt nur den Kopf.
Er steigt aus, ich wieder ein und er nimmt seinen Beifahrerplatz wieder ein. Gespannt was nun noch kommen wird, fahre ich wieder an und von hinten kam: Fahren Sie zur Fahrschule“.
 
Jetzt habe  ich begriffen, dass ich entweder gewonnen oder verloren habe. An der Fahrschule halte ich an und - wir machen eine kurze Pause. Wir rauchen eine Zigarette und reden über dies und das, als der Prüfer auf mich zukommt, mich an die Seite nimmt, und mir sagt ich sei ein cooler Typ, da ich gleich gesagt habe, was nicht geht. Allerdings sei er der Meinung gewesen, dass der Fahrlehrer es hätte schaffen können.
 
 
 
Die Pause ist beendet und nun ist Franzi an der Reihe. Die Prozedur genau wie bei mir, dann erst mal rein in den fließenden Verkehr. Sofort fällt auf, dass Franzi viel Gas beim Anfahren und Fahren benötigt.  Der Fahrlehrer zuckt schon mit dem Kopf und will auf den Fehler hinweisen als der Prüfer sagt: „Ich möchte vorn keine Hilfen und keinen Kommentar haben“!
 
Es fällt mir schwer, den Mund zu halten, um Franzi einen Hinweis zu geben. Jetzt kommt der erste Kommentar des Prüfers:
 „Warum bremsen Sie den laufend“?
Franzi: Ich bremse doch nicht, geht doch nicht, bremsen und gleichzeitig Gas geben“.
Prüfer: Und was ist mit der Handbremse?
Franzi: Ach Gott, die hab ich vergessen..
 
Franzi hat begriffen und die Handbremse nun gelöst.  Dann wird sie auch, wie ich, an Kreuzungen und Einbahnstraßen gelotst und dort getestet. Zum Schluss kommt sie auch an die Stelle, wo ich einparken sollte, und es nicht klappte.
Inzwischen war dort ein Fahrzeug weggefahren worden und es ist genügend Platz um vorwärts einzuparken.
Das macht Franzi wunderbar und elegant parkt sie ein. Dann muss sie den Motor ausschalten und das Fahrzeug sichern, da es eine steile Fahrbahn war.
 
Dann wieder Rückspiegel, blinken, kuppeln, Gang einlegen, Gas geben und losfahren. Alles klappt wunderbar. Nur – der Prüfer hat wieder einen Kommentar:
„Das Auto hört sich an wie ein Schiff..
Franzi:„Wieso wie ein Schiff“…
Prüfer:  „Wie ein Schiff vor Anker“ …
Franzi:  „Meinen Sie dass nun echt oder was“?
Prüfer:  „Sehr echt – Kann ein Schiff an einer Ankerkette fahren“?
Franzi : „Normalerweise nicht…aber wir haben doch keine Ankerkette…..“
Prüfer:  „Aber eine Handbremse“……..
Franzi:  „Oh mein Gott……..“
 
Sie löst die Handbremse und darf zur Fahrschule zurückfahren. Dort große Erleichterung für alle, kein Angstschweiß mehr – es ist alles überstanden.
Ich bekomme meinen Führerschein vom Prüfer an Ort und Stelle unterschrieben, ausgehändigt…
 
Franzi sieht den Prüfer mit großen uns entsetzten Augen an: „Leider, leider, hat es bei Ihnen heute nicht geklappt. Beim ersten Mal „Handbremse“ hätte ich es noch übersehen können, aber – beim zweiten Mal – und das nach so massiver Hilfe – kann ich es leider nicht mehr – sie haben aber die Chance beim nächsten Mal …..
 
Ich habe später erfahren, dass Franzi die Fahrprüfung 14 Tage mit Glanz und Gloria bestanden hat.
 
Übrigens- meinen Führerschein habe ich seitdem niemals aus der Hand gegeben, es ist immer noch das Original…
 
 
 
 
 
 
 
Richard von Lenzano
© 11-2011

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 01.11.2011. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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