Ladre Rasa

Der zweite Streik im Himmel




Der Tod ist ein ganz schön schräger Typ, uralt und sicherlich nicht sehr beliebt. Hat’nen miesen Job, aber irgendeiner muss ihn ja machen. In Zeiten des Krieges und der Epidemien sahnt er bestimmt ganz gut ab, aber ob ihm nach Abzug der Steuern noch was übrig bleibt, kann ich nicht sagen, aber es reicht sicherlich die Toten bei Laune zu halten.
Man sagt, er issen Kumpel vom Teufel, ja, der Teufel, der feuerrote Verrückte mit den Hörnern und dem lustigen Schwanz. Die beiden ziehen also so mir nichts dir nichts durch die Gassen und trinken sich schwer einen an. Und der listige Teufel, dieser sack, soll den Tod besoffen machen, um ihm dann Seelen abzujagen. Aber das ist nur ein Gerücht und hat mit unserer Geschichte nichts zu tun. Jedenfalls, die beiden sitzen also irgendwann mal in so einer miesen Bar und der Teufel grapscht den Kellnerinnen ständig an die dicken Ärsche, da sagt der Tod, sturzbesoffen von all den Margeritas, : „Du, Satan, lass uns doch einfach mal streiken!“
Der geile Bock von Satan ist daraufhin ganz verdutzt und fragt: „Was? Streiken? Wir?“
Der Tod, jetzt Feuer und Flamme für seine fixe Idee: „Na hör mal! Du und ich, wir sind doch die ärmsten Schweine im All! Keiner mag uns und dabei tun wir nur unseren Job. Ich kassier die Jungs ein und du verheizt die bösen Buben in deinem Kamin. Und der da oben – „ ,er wies mit seinem Finger an die Decke, - „sackt die ganzen Lorbeeren ein! Das ist doch nicht fair!“
Der Teufel grübelte nach und legte sein rotes Gesicht in Falten. Rauchwolken kamen aus seinen Mr. Spock-Ohren und sein Schwanz zuckte hin und her.
„Aber was bringt uns das, außer Ärger mit dem Boss natürlich?“ soll er dann gefragt haben.
Daraufhin der Tod, kurz vorm Alc-Koma, doch erstaunlich con brio bei diesem Thema: „Wenn wir streiken, dann quillt die Erde über mit Menschen, kein Sack stirbt mehr und all die armen Seelen, die eigentlich in deine Abteilung kommen sollten, wuseln im Paradies rum oder werden vielleicht sogar wieder zurück auf die Erde geschickt. Das wäre dann Chaos!
He, Alter! Sind wir denn keine Anarchisten!? Verdammt, wir beide sind die ältesten Revoluzzer, die es überhaupt gibt!“
Das gefiel dem Teufel und er grinste teuflisch, wie nur er das kann. Das gefiel ihm so gut, das der geizige Satansbraten doch tatsächlich eine Runde geschmissen haben soll.
Die beiden waren sich also einig und schüttelten sich die Hände, der Tod ging danach früher als sonst nach hause und kotzte seiner Alten die Bude voll, der Teufel feierte aber noch bis spät in die Nacht hinein.


Am nächsten Tag wurde der Plan in die Tat umgesetzt. Der Tod blieb mit einem furchtbaren Kater einfach zuhause und einige Tausend Todgeweihte blieben einfach am Leben. Die peilten gar nicht, das sie länger leben durften als eigentlich geplant und Mr. Schicksal kraulte furzend seinen weißen langen Bart und feuerte seine Sekretärin, doch es half nichts, kein Mensch starb mehr.
Der Teufel, schon immer ein Showtalent, triebs noch wilder. Am Anfang ließ er all die Seelen der Mörder, Diebe, Betrüger, Vergewaltiger und Mathematiklehrer einfach vor der Tür stehen, schließlich warf er alle Seelen raus aus der Hölle und leerte diese bis auf die letzte Seele. Daraufhin waren all die kleinen Teufelchen arbeitslos und saßen frustriert und impotent zu hause rum und meckerten über das Essen und das schlechte Fernsehprogramm.
Nach einiger Zeit wuchs die Erdbevölkerung auf das Doppelte und die Leute stapelten sich förmlich aufeinander. Die bösen Seelen irrten blind im Fegefeuer umher und wollten wegen schlechten Wetters sogar ins Paradies eingelassen werden.
Aber die Engel blieben stur und nur die armen Inder wurden eingelassen, weil die ja so gut mit den Eden-PCs umgehen konnten.
Der Tod und der Teufel jedoch amüsierten sich in der Zeit prächtig, sie saßen immer in der gleichen Bar und besoffen sich bis zum Abwinken, der Tod grölte unanständig und der Teufel fummelte mit seinem roten Schwanz an jeder Kellnerin rum.
Als schließlich auf der Erde einige Inseln wegen Übergewicht sanken, konnte sich der liebe Gott nicht mehr beherrschen und schickte seine Geheimwaffe, seinen hellsten und mächtigsten Engel.
Als der Anwalt kam, um die beiden Saufkumpanen und Möchtegern-Revoluzzer zurechtzustutzen, saßen die beiden mal wieder grölend und saufend in der Bar herum.
Der Teufel, der Klugscheisser, erkannte ihn sofort und merkte, das sie wohl doch ein bisschen übertrieben hatten.
Der Tod aber, der Möchtegern-Anarchist, doch eigentlich überzeugter Demokrat, faselte was von Streikrecht und Paragraphen, doch das scherte Gottes Anwalt herzlich wenig.
Er bestand auf die Wiederaufnahme der Geschäfte der beiden und verwies auf seinen Auftraggeber und dabei wies er mit dem Finger an die Decke und drohte mit Konsequenzen, wie etwa Verweigerung der Rente und ähnlich grausamen.
Der Teufel, der alte Hosenscheißer, resignierte sofort und versprach, gleich am nächsten Tag alle bösen Seelen wieder einzusammeln, auch die, die inzwischen im Bundestag saßen und das Land regierten.
Der Tod weigerte sich noch lallend, doch als ein Blitz ganz in der Nähe einschlug, begleitet von Trompeten-Fanfaren, änderte er plötzlich seine Meinung und versprach, alle Todgeweihten einzusacken und an die zuständigen Behörden, sprich Himmel und Hölle, weiterzuleiten.

In den nächsten Tagen hatten unsere beiden Anarchos die ganzen Hände voll zu tun, um die aufgestauten Arbeiten zu erledigen. Die Menschen auf der Erde starben wie die Fliegen und die bösen, sündigen Seelen mussten umziehen in die feucht-warme Hölle.
Es gab nur bei den Ausweisungen der Inder Probleme, wegen Asylrecht und so, doch geschenkt.
So lief also wieder alles ganz nach Plan und unsere beiden Helden bekamen Hausverbot in ihrer Bar, weil ihre Schecks nicht gedeckt waren.
Ja, so war die Geschichte, die Geschichte des zweiten Streiks im Himmel; wer sie mir erzählt hat?
Scheiss drauf, glaub’s mir einfach...











































































Vorheriger TitelNächster Titel
 

Die Rechte und die Verantwortlichkeit für diesen Beitrag liegen beim Autor (Ladre Rasa).
Der Beitrag wurde von Ladre Rasa auf e-Stories.de eingesendet.
Die Betreiber von e-Stories.de übernehmen keine Haftung für den Beitrag oder vom Autoren verlinkte Inhalte.
Veröffentlicht auf e-Stories.de am 27.02.2003. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

Der Autor:

  Ladre Rasa als Lieblingsautor markieren

Bücher unserer Autoren:

cover

Mein Europa - Quo vadis?: Eine vertrackte Beziehung - on again, off again von Heinz Werner



Europa braucht mehr Stabilität und nicht mehr Schulden „Mein Europa - Quo vadis?“ zeichnet den Weg Europas, besser der Europäischen Union (EU), von der Gründung der Montanunion 1950 bis heute nach. Pro und Contras, Errungenschaften und Vorteile, Defizite und Gefahren dieser Union werden aus Sicht eines engagierten und leidenschaftlichen Europäers geschildert. Verständlich und sachkundig werden künftige Herausforderungen und bestehende Chancen, eingebettet in und vorgegeben von politischen und wirtschaftlichen Zwängen und Gegebenheiten, beschrieben.

Möchtest Du Dein eigenes Buch hier vorstellen?
Weitere Infos!

Leserkommentare (2)

Alle Kommentare anzeigen

Deine Meinung:

Deine Meinung ist uns und den Autoren wichtig!
Diese sollte jedoch sachlich sein und nicht die Autoren persönlich beleidigen. Wir behalten uns das Recht vor diese Einträge zu löschen!

Dein Kommentar erscheint öffentlich auf der Homepage - Für private Kommentare sende eine Mail an den Autoren!

Navigation

Vorheriger Titel Nächster Titel

Beschwerde an die Redaktion

Autor: Änderungen kannst Du im Mitgliedsbereich vornehmen!

Mehr aus der Kategorie "Humor" (Kurzgeschichten)

Weitere Beiträge von Ladre Rasa

Hat Dir dieser Beitrag gefallen?
Dann schau Dir doch mal diese Vorschläge an:

Der lachende Purpur von Ladre Rasa (Horror)
PIZZA-Studie - wissenschaftliche Mouse-Arbeit von Siegfried Fischer (Humor)
Meine Bergmannsjahre (zwölfter Teil) von Karl-Heinz Fricke (Autobiografisches)

Diesen Beitrag empfehlen:

Mit eigenem Mail-Programm empfehlen