Thea Pijpers

Permanent Residency oder die Einbuergerung

Um auf die Cook Inseln zu reisen ist es man verpflichtet, auch wieder einen Flugschein fuer die Rueckreise, vorzuweisen. Sonst kann man gar nicht einreisen.

Am Anfang meines Aufenthaltes musste ich alle drei Monate ins Bureau der Immigration gehen, eine Gebuehr zahlen und bekam einen entsprechenden Stempel in meinem Pass.
Nach sechs Monaten muss man fuer 24 Stunden die Cook Inseln verlassen, und kann dann wieder neu einreisen. Dazu bieten sich New Zealand und Tahiti an.

Spaeter bekam ich dann die Bewilligung fuer ein Jahr und musste nach Ablauf von diesem, fuer 24 Stunden ausreisen. Also gleiches Prozedere.

Um den entsprechenden Stempel zu bekommen muss man folgendes unternehmen.

Man steigt zuerst drei muehsame Etagen rauf, um in das Emigration Department zu gelangen, welches sich in einem alten, im k=Kolonialstil gebauten Haus, in Avarua, befindet.

Ziemlich ausser Atem kommt man dann da oben an, es ist zwischen 9 und 10 Uhr in der Frueh. Das Ganze darf aber ja nicht an einem Dienstag stattfinden, denn da haben die Angestellten zuerst eine Besprechung mit dem Chef, und die dauert meistens 2 Stunden.

Also angekommen, wagt man vielleicht guten Tag zu wuenschen. Vier Koepfe drehen sich nach dir um, doch keiner spricht ein Wort oder erwidert gar deinen Gruss. Dann endlich erhebt sich eine Angestellte oder Angestellter und schlurft an den Tresen (sprich Schalter).



Ich wundere mich immer wieder, dass es so viele Cook Islander gibt, die Muehe haben, ihre Fuesse etwas anzuheben.
Kein Laecheln erhellt das Gesicht. Sie oder er fraegt, was man will. Man teilt ihm oder ihr das Anliegen mit, wobei von Seiten der Angestellten kein Wort faellt. Man bekommt ein Formular zum ausfuellen, dann wird der zu bezahlende Betrag genannt. Man erschrickt fast, wenn man die Stimme hoert. Man zahlt und wird gebeten, in zwei Tagen anzurufen, um zu erfahren, ob der Stempel nunmehr im Pass angebracht wurde.

Ich habe diese Prozedur viele Male mitgemacht. Habe sogar erreicht, dass ich hin und wieder ein Laecheln sah. Sogar ueber ihre Kinder haben sie mich etwas unterrichtet. Ich wuerde dies einen Sieg nennen.

Ich muss noch beifuegen, dass waehrend meines Aufenthaltes es mir untersagt war, igendwelcher Arbeit nachzugehen. D.h. volontieren durfte ich, jedoch absolute kein Gehalt empfangen.

Es wurde dann etwas leichter. Man hatte mir erlaubt, an Stelle eines Retourtickets einen Pfand in Form von der Hoehe eines Flugscheines in die Schweiz, zu leisten. Dieses Geld wurde zu 3 Prozent verzinst. Das war nun wieder eine Erleichterung.

Jedoch traten nun andere Schwierigkeiten auf:

Es war ueberhaupt nicht leicht, dass mir das Retourticket gutgeschrieben wuerde. Ich ging also zur New Zealand Airline und gab den Flugscheint da ab, jedoch dummerweise ohne eine Kopie davon zu machen. Man versprach mir, dass mein Geld innert 5 Tagen auf meinem Konto sein wuerde. Ich wartete. Nach zwei Wochen ging ich wieder hin, und man klaerte mich auf, dass das Ticket nach England, dem Ausstellungsort, gesandt werden musste, was natuerlich eine Verzoegerung brachte. Habe ich auch noch verstanden. Aber es passierte wieder nichts. Sie hatten mein Ticket verloren. Da ich dieses vier Jahre zuvor bei Kuoni in der Schweiz kaufte und es jaehrlich immer wieder verlaengerte, musste ich nun den Beweis erbringen, dass ich wirklich ein Ticket hatte. Zum Glueck hatte ich alle meine Kreditkarten Auszuege behalten. Dann musste Kuoni eine Kopie meines unterschriebenen Scheines finden. Auch der wurde gefunden und gemacht. Welch gute Arbeit war dies. Ich uebermittelte wieder die ganze Sache Air New Zealand. Aber es passierte nichts. Nein man sagte noch, dass es ja ein kleiner Betrag waere. Dabei ging es um Tausende von Dollars. Ich wurde langsam sauer und schrieb an die oberste Instanz der Air New Zealand in Auckland, mit Namensangabe etc.

Fuenf Tage darauf hatte ich mein Geld und der Direktor der hiesigen Airline in Rarotonga kam mit einem Entschuldigungschreiben zu mir nach Hause.


Nach fuenf Jahren haben Auslaender das Recht, sich um die Permanent Residenz zu bewerben (Einbuergerung). Man bekommt allerhand Statuten und Vorschriften zu lesen und muss einige Papiere aus dem Land aus dem man kommt, anfordern. Wie z.B. Geburtsurkunde, Leumundszeugnis, ein Extrakt aus dem Strafregister etc.

Da aber in meinem Falle waehrend den darauf folgenden 5 Jahren keine Permanent Residenz an Auslaender erteilt wurde, musste ich weitere 6 Jahre warten. Dann war es so weit. Ich wurde nominiert und vorgeladen. Mit mir noch zirka 100 Personen, von denen ich fast alle kannte. Die Einbuergerung sollte am 4. April erfolgen, doch vorher sollte das Zeremoniell und Protokoll geprobt werden. Wir kamen also zwei Tage vorher in dem entsprechenden Saal an. Jeder Stuhl hatte eine Nummer und man bekam ein Papier in die Hand gedrueckt mit allen Namen der Rezipienten dieser Ehre, nach Alphabet aufgefuehrt

Doch Oh Schreck, ich war nicht verzeichnet. Mein Herz hat fast ausgesetzt. Zum Glueck war der Sekretaer des Immigration Department da, und der fand mich dann unter dem ledigen Namen meiner Mutter. Er hat dann mit einer Angestellten geredet. Diese Dame sah mich alle sechs Monate und hat trotzdem einen falschen Namen notiert. Nun muss man wissen, dass es nicht so viele Einwanderer auf die Cook Inseln gibt. Ich bat sie dann inbruenstig, bitte, ja nicht am 4. April etwas falsch zu machen. Bedankte mich natuerlich ueberschwenglich

Uns wurde nahegelegt, die Nationalhymne, die uebrigens ganz wunderschoen klingt, auswendig zu lernen. Es wurde uns auch nahe gelegt, mit dem Kopf zu nicken und leicht zu knixen, wenn wir den Vertreter der Koenigin passieren, sowie auch beim Ministerpraesidenten

Der grosse Tag kam. Wir hatten alle neue Kleider an und die Damen natuerlich alle mit Hut. Wir waren ein ganz elegantes Grueppchen. Auf em Podium war der Ministerpraesident, der Minister fuer Immigration, seine Exzellenz der Vetreter der Krone mit Gattin.

Wir passierten, gruessten, nickten und waren stolz. Dann kamen ein paar Reden; die verschiedenen Pfaerrer gaben den Segen. Es wurde gebetet und die Nationalhymne wurde aus vollem Halse mitgesungen. Uebrigens haben sie den Text ueber eine Filmproduktion eingeblendet, damit kein Fehler gemacht wuerde.

Es war ein ganz spezieller. schoener Tag, und ich bin sehr stolz darauf, dass ich nun Buerger der Cook Inseln wurde. Und ich haette gerne die Hymne den ganzen Tag gesungen.

Natuerlich ist mein Leben in burokratischer Hinsicht viel, viel leichter geworden. Auch behandeln mich nun die Leute nicht mehr nur als hier lebende Touristin.

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 04.11.2011. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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