Peter Kusche

92 Tage Langzeiturlaub in Thailand

Es geht los, ich habe 3 Monate Urlaub angespart und wir wollen sie im Heimatland meiner Frau verbringen.
Wir das sind Pai (44), Nick (5) und ich (52). Unsere beiden großen Söhne Thomas (26) und  Tobias (20) bleiben zunächst in Deutschland weil sie arbeiten müssen, haben aber ihren Jahresurlaub auch in den Winter verschoben und werden uns nacheinander mit ihren Freundinnen besuchen kommen.
 
15.11.2004 Tag 1
Der „Haller Wilhelm" der
Nord-West-Bahn kommt pünktlich und hält die Fahrzeit nach Bielefeld exakt ein. Das war auch schon
der erste (und einzige) planmäßig verlaufende Teil der Bahnreise. Beim Wechsel von Gleis 5
zu Gleis 4 kämpfe ich zum ersten Mal mit den drei großen und drei kleinen Koffern. Aber
wir haben 30 Minuten Zeit, diese Aktion hinter uns zu bringen. Trotz der Außentemperatur von
nur 6 Grad zeigen sich auf meiner Stirn Schweißperlen, denn durch den noch
nicht abgeschlossenen Bahnhofsumbau in Bielefeld muss ich alles per
Hand die Treppen hoch schleppen. Deshalb lese ich mit Interesse im
Serviceheft des ICE von der Möglichkeit, an über 20
Bahnhöfen in Deutschland vom Zugchef einen Gepäckträger-Service vorbestellen zu
lassen. Gesagt, getan, leider hat unser Schaffner von diesem Dienst noch nichts gehört. Er
erkundigt sich, bestätigt dann die grundsätzliche Möglichkeit, nur leider gehört Köln
Hauptbahnhof nicht zu den erwähnten 20 Bahnhöfen. Es wird dann doch leichter als erwartet:
Auf den Bahnsteigen stehen Gepäckkulis die gegen 1 Euro Pfand benutzt werden können. Das
ist eine willkommene Zusatzeinnahme der hoch verschuldeten Deutschen Bahn, sind die
Haltezeiten der Züge doch so kurz bemessen, dass wir mit Mühe soeben unser Gepäck
einladen können, dann aber keine Zeit mehr bleibt, den Kofferkuli zurückzuschieben und die
Pfandmünze zu entnehmen. In Bielefeld hat unser Sohn Tobias, der
sich noch auf dem Bahnsteig von uns verabschiedet hat, die Rückgabe
erledigt. Hier in Köln ist Trick Nr. zwei gefragt. Wenn wir den
Gepäck-Kuli schon mit Pfand zurücklassen müssen, bekommt der enttäuschte Bahnchef von uns wenigsten keinen Euro sondern nur einen Plastikchip!
Die 8 Minuten Verspätung bis Köln
holen wir beim Bahnsteigwechsel leicht auf, denn hier gibt es zu jedem Bahnsteig Aufzüge,
die es uns ermöglichen, mitsamt unserem Gepäckkarren ohne viel Kraftaufwand zu Gleis 8 zu
gelangen. Es bleibt sogar noch genug Zeit, dort noch eine Bratwurst zu kaufen und in Ruhe zu
verzehren.
Mit 10 Minuten Verspätung läuft ICE
Amsterdam-Frankfurt im Kölner Hauptbahnhof ein. Geplante Fahrzeit bis Frankfurt
Flughafen 58 Minuten. Nach 40 Minuten die Durchsage: „Meine Damen und Herren, wegen eines
Computerfehlers zwischen Köln und Frankfurt kann unser Zug heute nicht seine
Höchstgeschwindigkeit von 300 km/h erreichen. Wir fahren statt dessen mit einer Geschwindigkeit von
150 km/h und werden Frankfurt mit einer Verspätung von 35 Minuten erreichen."
Irgendwann hält der Zug dann doch noch am Rhein-Main Flughafen, Meine Frau Pai
ist natürlich gerade dann auf der Zugtoilette und ich habe das Problem, dass ich innerhalb des 2-Minuten-Halts nicht nur unsere 6
Gepäckstücke auf den Bahnsteig bekommen muss, sondern auch noch meine Angetraute durch
heftigstes Klopfen alarmmäßig von der Toilette holen muss.
Dann der geruhsame Teil: Da bis zum Abflug noch 90 Minuten Zeit
bleiben, begeben wir uns gleich zum Schalter, finden dort keine Warteschlange vor und
könnten sofort unsere Tickets vorlegen.
Könnten, denn das linke Schloss meines neuen Alu-Koffers ist trotz korrekter Zahlenkombination nicht zu öffnen. 15 Minuten später bestellt
der Sicherheitsdienst für mich einen kostenpflichtigen Spezialisten, der allerdings noch
beschäftigt ist und kommen will, sobald er kann. Nach weiteren 10 Minuten verliere ich die
Geduld und öffne das störrische Schloss gewaltsam mit einer Zange aus meinem Reisegepäck.
Mittlerweile herrscht Andrang und ich reihe mich mit meinem ge(be)knackten Koffer in die
Reihe der Wartenden ein. Beim Einchecken erfahre ich, dass das
Gepäck nicht zu unserem Zielort nach Phitsanulok durchgeroutet werden kann. Nach umfangreichen
Sicherheitskontrollen sind wir endlich unsere 3 großen Gepäckstücke mit dem Gesamtgewicht
von 82 kg los. Erstmalig erfahre ich hier, dass für uns 2 Fensterplätze reserviert worden sind,
erstaunlicherweise einer in Reihe 43 und einer in Reihe 56.
Mit dem Handgepäck weiter, vorbei an einer mit zwei Beamten der
Bundespolizei besetzten Passkontrolle, die ich mit einem lässigen
„Hallo" zu passieren getrachte. „Stopp, die Pässe bitte,
ich sitze hier nicht zum Vergnügen!" beordert mich der grüne
Beamte zurück. Obgleich ich nichts dafür kann, das ihm seine Arbeit
keine Freude bereitet, kehre ich um und entgegne: „Wenn Sie mir
nicht sagen, dass Sie uns kontrollieren
wollen, kann ich das nicht wissen." Er hält dagegen, dass oben an seinem Häuschen schließlich
Passkontrolle geschrieben stehe und jeder dort seine Dokumente unaufgefordert vorzuweisen
habe. Worauf ich mir den Hinweis nicht verkneifen kann, das 30 m weiter über einer Tür
„Toilette" geschrieben steht und dort auch nicht jeder unaufgefordert einkehren müsse. Nach
vielen langen und misstrauischen Blicken in unsere Dokumente entlässt er uns dann doch
noch mit einem gequälten „Gute Reise."

Nächste Hürde: Röntgenkontrolle des
Handgepäcks. Unser kleiner Sohn Nick und ich kommen ohne
Beanstandungen durch, aber in Pai's Tasche erregt die von meinem
Bekannten Uwe geliehene Videokamera das Misstrauen der
Security-Leute. Elektronik-Sonderkontrolle, die Tasche wird penibel
untersucht, Videokassetten aus der Hülle genommen, die Kamera mit
einer Art Staubsauger abgesaugt, aber der Auswertungscomputer
findet keine Spuren von Sprengstoff. Also stopfen die Herren alle Utensilien ungeordnet
wieder in die Tasche, die sich jetzt nicht mehr schließen lässt. Das geordnete Einpacken kostet
uns weitere 5 Minuten.
Wir kommen trotzdem rechtzeitig an Gate B 20 an, das Boarding hat noch nicht begonnen und das Gedränge ist entsprechend
groß. Nick sieht unseren Thai-Airways-Jumbo im 15 m Abstand vor dem
Panorama-Fenster geparkt und muss vor Aufregung dringend zur
Toilette. Aus dem Wartebereich kommt man aber nur unter
Zurücklassung der Bordkarten wieder heraus. In Anbetracht der Dringlichkeit des Unternehmens
verzichte ich auf eine Quittung und merke mir statt dessen das Gesicht der Dame, die uns den
versperrten Ausgang öffnet. Wer kann schon ahnen, dass genau diese Dame bei unserer Rückkehr
wenige Minuten später nicht mehr an ihrem Arbeitsplatz sitzt. Ihre Kollegin weiß
nichts von hinterlegten Bordkarten und schickt uns zum Eingangsbereich, an dem immer noch
Passagiere Schlange stehen. Bald bin auch ich an der Reihe, erzähle routiniert die Story
mit den Bordkarten und bekomme tatsächlich zwei gezeigt, eine für Mr. Winter und eine für Mr.
Blackburn. Nein, auf unseren Namen  hat man hier keine Bordkarten, warum ich sie denn
nicht dort abhole, wo ich sie hinterlegt habe. Beunruhigt sehe ich, dass sich der
Wartebereich deutlich geleert hat, die Passagiere gehen bereits an Bord. Meiner Gemütslage
entsprechend habe ich wohl etwas die Stimme gehoben und verlange mit aller Entschiedenheit
die verschwundene Kollegin herbeizuschaffen. Ja, gerne, wie heißt sie denn? Und warum
überhaupt? Ich spule die Geschichte mit den verpfändeten Bordkarten inzwischen
lückenlos mit der Sicherheit eines Marktschreiers herunter (und auch fast in der
Lautstärke eines solchen). Der Erfolg gibt mir recht: Alarmiert durch meine Rede eilt eine Dame aus dem
Hintergrund herbei und überreicht mir die vermissten Bordkarten.
An Bord des Luftfahrzeugs mit dem
amtlichen Kennzeichen HS – TGZ stellt sich der Platz 43K als äußerst attraktives
Tauschobjekt heraus (Fensterplatz direkt am Notausstieg mit unendlicher Beinfreiheit). Die junge
Frau auf 56H ist mit dem angebotenen Platzwechsel gerne einverstanden und wir besetzen
für die nächsten 9800 km die Reihe 56 auf der Steuerbordseite.
Der Flug dauert 9 Stunden 50 Minuten und ist ebenso ruhig wie der Kopfhörer an meinem Platz. Also gibt's für mich weder
Musikuntermalung noch Ton zum Film, dafür aber erholsame vier Stunden Schlaf nach dem
ausgezeichneten Abendessen (Rindergulasch mit Spätzle und Seafood mit grünen
Nudeln, Thai-Style). Während Nick gleich bis zum Frühstück durchschläft, wache ich rechtzeitig
zum Sonnenaufgang auf und lese im aktuellen „Stern" eine Reportage über Urlaub mit
Kleinkindern auf den Philippinen. Die Geschichte hätte ich über Thailand schon mehrfach schreiben
können und wäre immer zu dem gleichen Ergebnis wie der Stern-Autor gekommen:
Uneingeschränkt empfehlenswert! Asien ist im Bezug auf Kinderfreundlichkeit das Gegenteil von
Deutschland, Kinder sind hier überall willkommen.


16.11.2004 Tag 2
Im Landeanflug auf Bangkok umkurven wir
einige sehr imposante Wolkentürme. Ich sehe rechts unter uns eine weitere
Linienmaschine, die offensichtlich das gleiche Ziel hat wie unsere Boeing 747. Sie kurvt auf uns zu und
verschwindet kurz darauf in den Wolken. Unser Kapitän macht das Versteckspiel
mit und steuert die HS –TGZ ebenfalls in die Wolken. Ich wünsche mir in diesem Moment
nichts mehr als sehr, sehr aufmerksame Anflug-Lotsen im Tower des Bangkoker Flughafens Don
Muang. Natürlich geht alles gut, wir tauchen nach wenigen Minuten
Blindflug in Sichtweite des Flughafens aus der Wolkendecke und setzen
kurz darauf sanft auf der Runway 21 L auf.
Pai muss im Vorbeigehen noch eben eine
Stange Marlboro zollfrei erwerben (knapp 10 Euro), aber auch das lockt die Zöllner nicht
aus der Reserve. Ohne Schwierigkeiten passieren wir die Pass- und Zollkontrolle und ich atme
vor dem Flughafen tief die 33 Grad warme (und sehr schadstoffreiche) Luft von Thailands
Metropole ein. Hier im Land geht kaum jemand zu Fuß,
der gut 500 m lange Verbindungsgang zwischen dem internationalen und dem nationalen
Terminal des Flughafens wird allenfalls von Ausländern benutzt. Als solche fühlen
wir uns nicht, folglich nehmen wir den kostenlosen Shuttle-Bus für diese Kurzstrecke. Ich
will mich schnell wieder der großen und schweren Gepäckstücke entledigen und bin froh,
dass wir die Koffer schon jetzt, vier Stunden vor dem Weiterflug nach Phitsanulok, einchecken
können. Schnell noch das Handgepäck in die bewachte Gepäckaufbewahrung, (70 Baht
pro Gepäckstück) kostet ein Schließfach in Deutschland auch so viel? Egal, für 4
EUR schleppe ich doch nicht das Handgepäck mit. Ich schicke mich an, Flugtickets für
den geplanten Flug nach Trat zu kaufen, begehe jedoch den folgenschweren Fehler, Pai zu
erklären, dass Koh Chang nur 20 km vom Flughafen Trat entfernt sei. „Von da aus sind es nur
150 km bis Koh Samet" wäre die bessere Erklärung gewesen. So aber friert ihr
Gesichtsausdruck ein und ich erkenne genau in diesem Moment, das ihre Drohung, niemals wieder nach Koh Chang
zu fahren, durchaus ernst gemeint war. Schadenbegrenzung ist erforderlich,
also nehme ich dem netten Mädchen von Bangkok Airways die Liste mit unseren Namen
wieder weg und hoffe auf eine günstigere Gelegenheit oder darauf, dass wir Pai überreden
können, wenn Thomas uns hier besuchen kommt. Sie wird doch ihrem
erstgeborenen Sohn keinen Wunsch abschlagen, oder etwa doch? Jedenfalls ist sie immer noch
stocksauer und entsprechend schweigsam überqueren wir die am Flughafen vorbeiführende vielspurige
Schnellstrasse und die Eisenbahnlinie auf einer in die Jahre gekommenen Fußgängerbrücke aus
Stahl. Beim Abstieg zum Markt auf der anderen Seite kann ich mir das Lachen nicht
verbeißen: Verunsichert durch leichte Vibrationen der Stahlkonstruktion steigt meine
Angetraute, sich mit beiden Händen am Geländer festklammernd Schritt für Schritt
seitlich die ungewohnt hohen Stufen herab und verursacht so den ersten Fußgängerstau seit
unserer Ankunft.
Auf dem Markt angekommen gönnen wir
uns erst einmal eisgekühlte Getränke und kaufen dann für umgerechnet 60 Cent ein paar
einfache Flip-Flops für Nick, der damit als erster von uns die Möglichkeit hat, die
deutschen Winterschuhe gegen landestypisches Schuhwerk einzutauschen. Meine körpereigene
Wasserkühlung arbeitet auf Hochtouren und auch meine beiden Begleiter schwitzen mächtig. So
beschließen wir einmütig, die letzten 90 Minuten bis zum Abflug nach Phitsanulok im
klimatisierten Terminal zu verbringen.
 
Nachdem wir mit der Boeing 737-400 die
Reiseflughöhe erreicht haben holen mich meine Internet(un)taten aus Deutschland ein:
Als erstes werden die Passagiere Mr. Nick und Peter in Reihe 35 gefragt, ob sie bei
der Internet-Buchung ein Kinder und ein Erwachsenen-Menü vorbestellt hätten. Schlagartig kehrt meine Erinnerung
zurück und ich bringe nur ein „yes, yes" heraus. Wir beide erhalten unsere steril verpackten
Mahlzeiten und beginnen sofort mit dem Verzehr, denn von den vierzig Minuten
Gesamtflugzeit sind schon zehn vergangen. Das Kindermenü enthält außer Wasser und Orangensaft
noch mehrere verschieden belegte Sandwichstreifen und ein Stück Kuchen und wird von Nick
komplett in der zur Verfügung stehenden Zeit verputzt. Auch ich werde mit dem kalten
Hühnchen, dem Salat und dem Kuchen schnell fertig und erlebe verwundert mit, dass auch
alle übrigen Passagiere, die keine Mahlzeit vorbestellt haben, inzwischen Pappschachteln mit
kalten Hühnchen, Salat und Kuchen bekommen. Die Crew verteilt noch schnell
Plastiktragetaschen damit die Genießer (oder Langsam-Esser) die Reste ihres Bord-Buffets mit nach
Hause nehmen können. Und schon landet der Pilot unseren Jet auf dem Regional-Flughafen
Phitsanulok. Hier wird nicht von der Piste abgerollt sondern „Backtrack" nach einer
Umkehrkurve von 180 Grad auf der Landebahn zurückgerollt. Die Ausgabe unserer
Koffer geht schnell und wir schieben unseren vollgepackten Kofferkuli zu Ausgang, in
Richtung unseres Empfangskommitees. Pai ist sehr gespannt, wie viele ihrer Geschwister
und Verwandten uns wohl abholen werden. Das Ergebnis übertrifft alle Erwartungen:
Null! Weder in der  Ankunftshalle noch auf dem Vorplatz ist auch nur ein bekanntes
Gesicht zu sehen. Gut, dass wir bei dem vorgebuchten Hotel ebenfalls einen Abhol-Service
bestellt haben. Als kleinen Wermutstropfen empfinde ich es allerdings, dass auch dieser nicht
erschienen ist. Programmgemäß muss Nick in kritischen Lagen erst einmal auf die Toilette.
Nach unserer Rückkehr ist Pai verschwunden, besser gesagt nicht mehr sichtbar, umringt von
den 15 Verwandten, die soeben mit einem (!) geliehenen Pickup eingetroffen sind.
Der Fahrer hat zwar nach etwas Suchen den Flughafen gefunden, weiß aber nicht, wo das von
uns gebuchte Rajapruk Hotel liegt. Da trifft es sich gut, dass in diesem Moment ein Minibus
mit der Aufschrift „Rajapruk Hotel" vorfährt. Es ist der Abhol-Service. Zwar nicht für uns,
dafür will er aber sieben andere Passagiere auftragsgemäß abholen. Immerhin kennt
der Fahrer einen Kollegen, den er telefonisch beauftragt. Mit kurzem Blick auf
unseren Gepäckberg und mein durchgeschwitztes T-Shirt erkennt er die Lage. Nach 10 oder 15
Minuten nimmt uns eine weitere Rajapruk-Minibus-Besatzung von zwei jungen Männern alle
weitere Arbeit ab. Die schweren Koffer, das Handgepäck und unser Sohn werden im
Auto untergebracht und die Fahrt geht los. Vermutlich haben sich die Jungs mit dem
Verladen der Koffer ein wenig übernommen und nicht mehr genug Kraft gehabt, die
Schiebetür des betagten Van fest zu schließen. Jedenfalls gleitet diese Tür in der
Beschleunigungsphase nach der ersten scharfen Rechtskurve bei Tempo 60 geräuschvoll zurück und der
Fahrtwind trägt die Brummfrequenzen des defekten Auspuffs ungedämpft in unsere Reihen.
Nicht sonderlich irritiert langt der Beifahrer kurz nach hinten und zieht mit langem Arm
die Schiebetür zu sich heran, schafft es sogar, die erste Verriegelung zu erreichen. Der
verbleibende Spalt ist jedenfalls kein Grund, die Fahrt zu unterbrechen und tatsächlich bleibt
die Tür in ihrer Position bis wir vor dem Hotel ausrollen.
Nach kurzer Besichtigung entschließen
wir uns zu einem Upgrade. Wir nehmen nicht das bestellte Zimmer für 360 Baht (6,90
EUR) im Guesthouse sondern ein wesentlich besser eingerichtetes Zimmer im Hotel für 600
Baht (11,50 EUR). Im Hinblick auf die Größe des Zimmers und weil der angeheuerte Fahrer
des Pickup nach Hause will, entschließt sich ein Teil der Verwandten, uns schon nach
einer Stunde zu verlassen. Immerhin bleiben noch sieben übrig, die dafür sorgen, dass
es eine richtige Wiedersehensfeier gibt, darunter auch zwei Kleinkinder. Nüng, die Tochter
von Pai's Schwester Lek ist 10 Monate, Jo , derSohn der jüngeren
Schwägerin Namyen ist gerade einmal 6 Wochen alt. Um meinen mitgebrachten Whisky kümmern
sich allerdings nur die Schwäger Shin und Somboon, die mit mir
zusammen erst einmal die nötigen Zutaten wie Eis, Sodawasser und
Cola einkaufen.
Aus der Erfahrung vorhergehender
Thailandbesuche kaufe ich zur Sicherheit noch eine weitere Flasche
geistigen Getränkes: Säng Som, den Thai-Whisky, der eigentlich eher
ein Rum ist. Zurück im Hotelzimmer haben die Frauen
einen Querschnitt durch die Produkte der nächstliegenden Garküchen auf dem
Fußboden ausgebreitet. Lang vermisste Köstlichkeiten
verzehren wir gemeinsam und die Vielfalt und Qualität des Essens steht im umgekehrten Verhältnis
zum Einkaufspreis von etwa drei Euro. Zwar sind Gläser, Löffel und
Schüsseln nicht in ausreichender Anzahl in unserem Zimmer vorrätig, aber mit etwas Geduld und
viel Improvisionstalent bekommen alle ausreichend zu essen und wir drei Männer auch genug
Schnaps zu trinken.
Stunden später sinken wir dann in
einen tiefen Schlaf, nicht ohne uns vorher mehrfach zu versichern, dass wir eigentlich Brüder
sind, zumindest aber die allerbesten Freunde. Die Frauen haben sich noch viel zu
erzählen, aber als ich morgens aufwache, finde ich auch sie schlafend vor. Ich prüfe die
Vollzähligkeit und stelle fest, unser Neffe Burt fehlt. Der ist schon früh um sieben zur Schule
gefahren. Gemessen an der Anzahl der Gäste im Zimmer 209 ist eine Übernachtung hier nicht
teuer, ich errechne einen Preis von 1,15 EUR pro Nacht und Nase. Zwar stehen nur zwei Betten zur
Verfügung, die von uns drei Deutschen ganz im Stil unserer Vorfahren aus der Kolonialzeit wie
selbstverständlich beansprucht werden. Weil ich die Mentalität der Thais kenne, habe ich
auch keine Gewissensbisse. Meine lieben Verwandten schlafen mit einer Decke auf dem
Teppichboden rings um unsere Betten genauso gut wie zu Hause.
 
17.11.04 Tag 3
Rund um das Hotel, wo am Abend zuvor
noch Dutzende von Händlern und Köchen ihre Stände aufgebaut hatten, herrscht
gähnende Leere. Zwei ausgezehrte Fahrrad-Rikscha-Fahrer wittern ein
Geschäft und klären uns auf: Zu essen gibt es in dieser Gegend nur
am Abend, jetzt muss man in die Innenstadt, sie würden uns gerne
fahren. Offenbar scheuen sie sich nicht, auch übergewichtige Europäer an Bord zu
nehmen und wenn der Drahtesel erst einmal in Fahrt ist, rollt er auf ebenem Terrain mit
vertretbarem Kraftaufwand. Wenn nur die Verkehrsampeln nicht wären. Nach einer Rotphase
müssen die klapperdürren aber zähen Chauffeure jedes Mal an ihre körperlichen Grenzen gehen um
uns wieder zu beschleunigen. An der leichten Steigung des Bahnübergangs reduziert
sich unsere Geschwindigkeit von Km/h auf cm/Min. Ich möchte am liebsten aussteigen und
schieben, das aber lässt der Ehrgeiz der Pedalritter nicht zu. Am Ziel der  Zwei-Kilometer-Fahrt siegt
das Gute in mir. Schwer beeindruckt von der sportlichen Leistung der beiden,
verzichte ich auf das übliche Handeln und zahle den verlangten Fahrpreis von 40 Baht (80
Cent) ohne zu murren.
Im Anschluss an das Mittagessen kaufen
wir für unsere Handy's thailändische Pre-paid-Karten, damit wir für alle Verwandten
hier im Land kostengünstig erreichbar sind. Dann geht's zum Markt. In zwei riesigen
Hallen wird alles angeboten, was der Kunde wünscht. Pai und ich wandeln ab hier auch auf
landestypischen Gummisandalen. Für mich ist die auffälligste Veränderung die im
Vergleich zu früheren Besuchen sehr gestiegene Sauberkeit und Hygiene. Selbst an Ständen, an
denen Fleisch offen und ungekühlt angeboten wird, sind kaum Fliegen zu sehen. Den Fleischer
erkennt man übrigens schnell an den dekorativen Schweineköpfen auf dem Tresen. Gleich nebenan hindert ein Netz etwa 50
dunkelgrüne, faustgroße Frösche daran, ihrem Schicksal zu entgehen. Aha, deshalb
keine Fliegen? 50 Frösche schaffen schon was weg. Aber eigentlich gehen die ja auch nicht
als Fliegenfänger sondern als Froschschenkel-Lieferanten über den Ladentisch.
Nach dem Marktbummel finden Nick und
ich willkommene Erfrischung im hoteleigenen Pool.
 
18.11.04 Tag 4
Heute nehme ich im Hotel Frühstück
mit Toast, Marmelade und Tee, Nick bevorzugt im Thai-Stil zu frühstücken: Er bestellt
Reis mit Eiern und Fischsoße. Vor dem Hotel wartet schon der
klimatisierte 12-Sitzer Minibus. Er ist für landesweite Fernfahrten eingerichtet und bietet auf
Wunsch Video-Unterhaltung und Bordbar mit gekühlten Getränken. Für unsere
Fahrt zum 40 km entfernten Nong Tom verlangt er 1200 Baht (23 EUR). Für nur wenig mehr
bekomme ich hier bei Budget einen fünfsitzigen Mietwagen für 24 Stunden, alle
Kilometer und Vollkaskoversicherung inklusive. Wir einigen uns auf 700 Baht (16 EUR)
und werden am Ziel von allen daheim gebliebenen Verwandten herzlich begrüßt. Hier, in
einem Weiler namens Tambol Matong wurde Pai einst geboren. Heute noch stehen hier vier
Häuser (Hütten) mit einfacher aber zweckmäßiger Ausstattung, in denen Pai's Brüder und
Schwestern mit ihren Familien leben. Wir werden sogleich auf die im Schatten eines
Gebäudes ausgebreiteten Matten genötigt und mit gekühlten Getränken versorgt. Den
Tagesvorrat an Eiswürfeln kauft jede Familie im Supermarkt und bewahrt ihn in
isolierten 10-Liter-Eiseimern auf. Dass diese Behälter auch kulturelle Funktionen übernehmen,
werde ich im Verlauf des Tages noch feststellen. Jeder, der hier wohnt, ist quasi
selbstständig, d. h. muss die Familie durch Reis- und Gemüseanbau auf den umliegenden
Feldern ernähren. Aber heute ist statt Arbeit „Sanuk", Spaß angesagt. In großer Runde wird
gelacht und palavert, gegessen, gefragt und erklärt. Schnell kreist auch eine Flasche mit
klarem Reisschnaps, der mich im Geschmack an Raki erinnert. Zwischendurch legt sich der
eine oder andere auf ein Kissen und schläft ein Stündchen, ohne die Runde zu
verlassen. Ich mache mit Nick die erste Erkundungsfahrt auf der 110er Suzuki meines Schwagers Morn.
Im 6 km entfernten Nong Tom hat sich nicht viel verändert. Eine neue, saubere
Markthalle ist entstanden, gleich daneben werde ich von alten Bekannten wie ein heimgekehrter Sohn
begrüßt. Da diese Familie kein Englisch spricht, gestaltet sich die Unterhaltung etwas
schwierig. Nach kurzer Zeit ist der Punkt gekommen, an dem meine wenigen Brocken Thai
verbraucht sind. Jetzt muss Pai als Dolmetscher über Handy helfen. Zurück in der fröhlichen
Runde wartet auf Nick eine Überraschung: Ein richtiges Mini-Motorrad mit
Elektroantrieb. Morn hat es mitsamt der dazu gehörenden Schutzausrüstung (Helm, Knie- und
Ellenbogenschoner) ausgeliehen. Die Größe passt und nach den ersten wackeligen
Einführungsrunden ist Nick mit dem Gefährt so hurtig unterwegs, dass ich im Laufschritt nicht mehr
mithalten kann. Ich fahre also als Safety-Service auf der Suzuki hinterher. Plötzlich  erscheint
etwa gleichaltriger Konkurrent auf einem zweiten Pocket-Bike. Es ist
der Sohn des Verleihers, der natürlich über erheblich mehr
Fahrpraxis verfügt. Der Kleine schießt mit der
Maschine in der Haltung eines Motor GP-Fahrers mit geschätzten 30 km/h über die
imaginäre Ziellinie auf der befestigten (öffentlichen) Straße. Im direkten Vergleich auf einem
Sand-Rundkurs kann Nick von dem ersten Sturz seines Gegners profitieren und kurz die Führung
übernehmen. Lautstark von der großen Zuschauerrunde angefeuert erreicht aber auch er die
physikalischen Grenzen und landet abseits der staubigen Piste. Am Ende belegt er einen
hervorragenden zweiten Platz, sein Gegner wurde nur vorletzter.
Am Nachmittag, als die Sonne nicht mehr
so hoch am Himmel steht, bilden die Jugendlichen und Erwachsenen Männer zwei
Mannschaften und spielen Ta Kor, ein asiatisches Ballspiel, bei dem ein Rattan-Ball mit Kopf, Knien
und Füßen über ein Netz befördert werden muss, ohne dass er den Boden berühren darf.
Anschließend wird auf dem Sandplatz noch bis zum Einbruch der Dunkelheit Fußball
gespielt. Somboon zählt mir mit schwerer Zunge die Bundesligamannschaften auf, allen voran
seine Lieblingsmannschaft Stuttgart. Bei Einbruch der Dunkelheit erscheinen
kleine aber lästige Stechmücken, die Versammlung wechselt in die nächste Hütte über,
wo in ausgelassener Stimmung weiter gefeiert wird. Zum Gesang der Männer wird mit Löffeln
und Gabeln auf Gläsern und Tellern der Rhythmus geschlagen. Unüberhörbar setzt Morn
mit großem Geschick die beiden Eiseimer als Trommeln ein. Getanzt wird übrigens
nicht, weil Dutzende von Schüsseln und Tellern mit Speisen und Snacks die gesamte freie
Bodenfläche bedecken. Gegen 22.30 Ortszeit erscheint dann ein offener Pickup, in dessen
Führerhaus Nick aber partout nicht einsteigen will. Er besteht darauf, mit mir, Burt, und zwei
seiner Tanten auf der offenen Ladefläche zu fahren. In dieser Form kosten 40 km zurück zum
Hotel 500 Baht (knapp 10 EUR). Kurz nach Mitternacht beschließen Pai und ihre
beiden Schwestern, noch etwas essen zu gehen. Irgendwann nach 2 Uhr höre ich sie gut
gelaunt zurück kommen.


19.11.04 Tag 5
Heute gönnen wir uns von 14 bis 17 Uhr
ein Hotelmenü am Swimmingpool. Für vier Erwachsene und Nick beläuft sich die
Rechnung auf 710 Baht (knapp 14 EUR). Thomas und Nicole rufen an und berichten uns, dass
es in Ostwestfalen schneit. Es kommt kein Heimweh auf, während wir bei 32 Grad von einer
Liege am Pool telefonieren. Hier wird heute eine Hochzeitsfeier vorbereitet. In den
beiden Schwimmbecken werden imposante Springbrunnen mit Unterwasserbeleuchtung versenkt und
zum Probelauf an zwei leistungsstarke E-Pumpen angeschlossen. Nach unbestätigten
Aussagen soll die Feier morgen, am Samstag von 8 Uhr morgens bis in den Nachmittag gehen.
Schwager Somboon ist schon heute morgen
nach Bangkok zurück gefahren, die Nachtschicht bei Toshiba erwartet ihn bereits. Pais
Schwestern Lek und Chit fahren heute abend mit dem Rapid-Train nach Bangkok zurück. Lek
muss ab morgen wieder arbeiten, die 3 Tage Urlaub, die sie wegen unserer Ankunft genommen
hat, sind vorüber. Wir wollen sie zum Bahnhof begleiten, vor dem Hotel gibt es weder
ein Taxi, noch ist ein Tuk-Tuk in Sicht. Also wird kurzerhand der Inhaber der
nächstgelegenen Garküche am Straßenrand angesprochen. Er fährt uns zum Tuk-Tuk Tarif (50 Baht)
mit seinem neuwertigen Toyota Pickup. Um 22.15 Uhr besteigen Chit und Lek den Schnellzug.
Die Fahrt in der 3. Klasse kostet 125 Baht (2,40 EUR) und wird um 5.30 am Samstag morgen
in Bangkok enden. Schneller und nur wenig teurer wäre die Fahrt im
klimatisierten Nachtbus. Allerdings ist dort das Unfallrisiko um ein Vielfaches höher und schlafen kann man
auch nicht so gut, weil die Busfahrer ihre Forderung nach freier Fahrt immer wieder durch
Betätigung der Hupe unterstreichen. Die Lautstärke dieser Hupen ist in Europa allenfalls
der von Nebelhörnern der Seeschifffahrt vergleichbar.
Unser Abendessen findet an den
Klapptischen einer kleinen Suppenküche in Sichtweite unseres Hotels statt. Für 70 Baht
(1,35 EUR) werden wir alle satt. Als Übernachtungsgast bleibt uns heute nur Neffe Burt, zum
ersten Mal seit unserer Ankunft wird der Fußboden unseres Zimmers fast unbelegt sein.
Nick ist ein wenig traurig, ihm fehlt die Unterhaltung. Zum Trost gibt's für ihn einen Harry
Potter Film auf deutsch (auf einer von zu Hause mitgebrachten DVD).
 
20.11.2004 Tag 6
Bis zum späten Nachmittag relaxen wir
(Nick und ich) am Pool, Pai hat inzwischen wieder Besuch aus Nong Tom bekommen. Shin,
Sue, Eau, und Baby Nüng sorgen dafür, dass es nicht langweilig wird. Am  Swimmingpool
wird übrigens deutsch gesprochen, die beiden einzigen anderen Gäste sind ein
Österreicher und ein sehr gut deutsch sprechender Däne. Gegen 19 Uhr fahren wir in die City zum
Topland Kaufhaus. Bis auf das vermisste Ladegerät für Nick's Gameboy bekommen wir dort
alles. Nick bekommt ebenfalls fast alles, nur das kleine Elektromotorrad (das Modell auf
dem er doch schon so erfolgreich war!) für 13900 Baht (267 EUR) muss er sich erst einmal
aus dem Kopf schlagen. Ich setze im Internet-Cafe im 5. Stock die erste E-mail in die
Heimat ab. Allerdings sind die Tastaturen gewöhnungsbedürftig, einige
Buchstaben wie Z und Y und fast alle Sonderzeichen befinden sich an anderer Stelle. Umlaute gibt es
keine. Nach dem Shopping folgt eine
Rikschafahrt zum Nachtmarkt. Dort am Fluss Nan wird uns im Restaurant zum fliegenden Gemüse eine
besondere Schau geboten: Der Koch am feuerspeienden Herd schleudert das
Gemüse aus der Pfanne über eine Distanz von etwa 10 Metern durch die Luft, bevor es vom
Kellner mit einem Teller  aufgefangen und zu den Gästen am Tisch getragen wird. Voraussetzung
für diesen Show-Act ist lediglich die Bestellung dieses Pfannengemüses.
 
21.11.04 Tag 7
Weil heute Sonntag ist, bekommen wir
für den Nachmittag noch etwas mehr Besuch, allerdings fahren alle (wirklich alle!)
mit dem Bus um 17.45 Uhr nach Nong Tom zurück. Wir bringen sie noch bis zum Bus und
bummeln danach etwas über eine Art Spezialmarkt für Süßigkeiten. Auf den Rückweg
entdecke ich unweit von unserem Hotel eine Straßenküche die verschiedene Fische und Meerestiere im
Angebot hat. Am Stand davor habe ich geröstete Heuschrecken, Seidenraupen und
Käferlarven noch verschmäht, hier aber kann ich nicht widerstehen und kaufe mir zum Abendbrot
ein Schälchen mit gegrillten Gambas (6 Stück für 70 Baht, 1,35 EUR). Nach dem Essen sehe
ich mich noch einmal misstrauisch um, aber es bleibt dabei: Wir werden heute zum
ersten Mal allein in unserem Zimmer übernachten!


22.11.04 Tag 8
Heissa, ab heute bin ich mobil! Für
150 Baht (rd. 3 EUR) pro Tag habe ich mir eine 110er Honda mit 4-Gang Schaltung
(Halbautomatik ohne Kupplung) ausgeliehen. Bei dem Preis habe ich den Mietzeitraum gleich bis
Sonntag ausgedehnt. Im Tank war leider nur 1 Liter Benzin. Also fahre ich mit Sozius Nick
auf dem Weg zu unserem 1. Ziel, dem Flughafen erst einmal an eine Tankstelle und lasse
großzügig voll tanken. Der Tankwart zeigt mir auf der Zapfsäule den Preis: 55 Baht (1 EUR).
Als ich in meinem Portomonnaie nur noch 40 Baht vorfinde, fällt mir siedendheiß
wieder ein, dass ich dem Moped-Verleiher meinen letzten großen Geldschein ausgehändigt habe.
Also mache ich dem Tankwart erst einmal eine Anzahlung von 40 Baht und ihm dann
klar, dass ich erst zur Bank fahren will. Er lässt mich mit einem freundlichen „Mai pen arai"
(macht nichts) ziehen. 10 Minuten später hat er das restliche Geld und wir fahren zum
Flughafen um dort den Mietwagen für den Tag der Ankunft von Thomas und Nicole zu
buchen. Es wird ein kleiner Toyota Vios (natürlich mit Klimaanlage) sein, für den ich inkl.
Vollkasko und aller km 1500 Baht (knapp 30 EUR) pro Tag berappen muss. Auf dem Rückweg in die City passieren
wir eine Unfallstelle mit einem ziemlich demolierten Moped und ich nehme mir vor, noch
umsichtiger und defensiver zu fahren als bisher.
Passend zum Thema habe ich mich mit Pai
in einem Krankenhaus verabredet, zu dem sie ihre Jugendfreundin Iu und deren Mutter
begleitet hat. Die Mutter hat dort einen Arzttermin und die beiden Freundinnen nutzen die
Wartezeit um alte Erinnerungen aufzufrischen. Zur Orientierung steht Nick und mir nur
eine DIN A 4 Seite mit einem grob skizzierten Übersichtsstadtplan zur Verfügung.
Trotzdem finden wir zu dem vereinbarten Treffpunkt. Schon das dritte von uns angefahrene
Hospital ist das richtige. In der Krankenhauskantine gibt es Mittagessen zu Preisen wie in
den Garküchen am Straßenrand. Nach der Mahlzeit machen Nick und ich uns schnell wieder
aus dem Staub, der Hotel-Pool lockt. Nachmittags werden uns die 3 Frauen
nebst Minh, der 18-jährigen Tochter von Iu noch im Hotel besuchen. Danach gibt's für uns noch ein
Abendessen der besonderen Art. In einer runden Öffnung im Tisch des Restaurants wird ein
Schamotteeimer mit brennender Holzkohle versenkt, darum ein Metallring gelegt um die Wärme
nach oben abzuleiten und dann ein kuppelförmiger durchlöcherter Aufsatz darüber
gestülpt, der im unteren Bereich über eine Art Auffangrinne verfügt. Oben auf der Kuppel thront
ein streichholzschachtelgroßes Stück Schweinespeck und schmilzt in der Hitze des Kohlenfeuers
langsam dahin. Die Rinne wird mit Wasser gefüllt, welches auch schnell zu kochen beginnt.
Jetzt sind wir an der Reihe: Ähnlich wie bei einer Mischung aus Feuertopf und Essen vom
heißen Stein holen wir uns von der großen Auswahl an rohen Zutaten Spezialitäten, jeder
nach seinem Geschmack. Während Pai Gemüse, Fisch und Fischbällchen in der Rinne zu
einer delikaten Suppe köcheln lässt, lege ich mir verschiedene Fleischsorten auf den
durch den zerlassenen Speck gefetteten Kegel und grille diese mit viel Knoblauch gewürzten
Häppchen. Schon nach wenigen Minuten und einmal wenden sind sie bereit, um in die
verschiedenen Saucen getaucht und sofort verzehrt zu werden. Noch bevor wir alle satt sind,
schläft Nick im Sitzen am Tisch ein. Wir brutzeln weiter, so viel wir vertragen können,
um den Pauschalpreis von 79 Baht pro Person (1,50 EUR) auch richtig auszunutzen.
Übrigens, was macht ein Thai, wenn
gerade mal nicht isst? Er denkt daran, was er als nächstes essen wird! Jetzt, nach nur acht Tagen
ertappe ich mich dabei, wie ich auch mich diese Mentalität schon voll erfasst hat!
 
23.11. Tag 9
Am Vormittag entdecke ich ein
Internet-Cafe in der Nähe, welches auch noch um 2/3 billiger ist als das vom Topland in der City.
Ich kann also hier am Ort ab jetzt täglich meine E-mails abrufen. Am Nachmittag  überrede ich
Pai zu einer kleinen Ausfahrt mit dem Köderwort „Shopping". Wir landen nach
kurzer Fahrt zu dritt auf der Honda im „BIG C", einer Warenhaus-Filiale von gigantischen
Ausmaßen, geöffnet von 9.00 bis 23.00 Uhr. Vor den Eingang prangt ein riesiger bunt
geschmückter Weihnachtsbaum. Angesichts der hochsommerlichen Temperaturen verweilen
wir dort jedoch nur für einen Schnappschuss mit Uwe's digitaler Kamera. Im
Selbstbedienungsrestaurant wähle ich Muscheln im Eierteig auf frischen Sojasprossen für 30 Baht (ca.
60 Cent) um mich erst einmal in eine positive Grundstimmung für die anstehende
Einkauftour zu versetzen. Ein großes Bier vom Fass, und ich möchte am liebsten sitzen bleiben.
Hier werden schon bei uns noch unbekannte Geschäftsideen erfolgreich umgesetzt,
z. B. ein Suki-Yaki-Restaurant bei dem die Zutaten in einem künstlichen Wasserlauf auf
kleinen Schiffchen von Tisch zu Tisch fahren. Jeder kann sich nach seiner Wahl bedienen und die
ausgewählten Zutaten in dem Suki-Yaki Topf auf seinem Tisch selbst zubereiten. Leere
Schiffchen werden auf ihrem Rundkurs in der Küche wieder frisch beladen.
Interessant auch die fast voll
besetzten Karaoke-Zellen, eine Reihe von Glashäuschen, unseren früheren Telefonzellen nicht
unähnlich, die mit einem Fernseher, DVD Player, zwei Hockern und zwei Mikrofonen
ausgestattet sind. Gegen Münzeinwurf kann hier jeder „Thailand-sucht-den-Super-Star"
Kandidat sein singendes Ebenbild im Fernseher bewundern so lange das Kleingeld und/oder die
Belastbarkeit der Stimmbänder reichen. Der Weg durch die Regalreihen des Supermarktes dauert
wie erwartet mehrere Stunden, das Preisniveau ist für uns noch völlig ungewohnt. Pai
überredet mich zum Kauf einiger Baumwoll T-Shirts, Stückpreis 99 Baht (kapp 2 EUR). Sie
selbst findet nach nur 45 Minuten Anprobe einige nette Sachen aus der Abteilung „Spielwaren
für Herren" und denkt auch an so praktische Dinge wie einen Flaschenöffner. Bei Einbruch der Dunkelheit findet
unsere wie ein ägyptischer Lastesel bepackte Honda den Weg zurück zum Hotel beinahe von
allein.
 
24.11. Tag 10
Totalausfall der online-Verbindungen in
beiden Internet-Cafes in Hotelnähe. Nick und ich bummeln also mit dem Moped kreuz und
quer durch die Stadt, um bessere Ortskenntnis zu erlangen, immer auch mit einem Blick
zum Straßenrand. Bald finden wir in einem anderen Stadtteil auch einen gut besuchten
Laden, wo ein Dutzend Einheimische sich gegen Entgelt mit Ballerspielen am PC vergnügen.
Hier bekomme ich einen funktionierenden Internetzugang. Leider herrscht eine
schaurige Geräuschkulisse und wir wollen möglichst schnell fertig werden. Gerade als ich
E-mail Mahnungen an zwei säumige Zahler meiner letzten ebay Verkäufe in Deutschland
tippe, stört mich ein Krabbeln am rechten Unterschenkel. Beim Blick nach unten
bereue ich, der Landessitte gemäß die Sandalen vor der Tür des Ladens ausgezogen zu
haben: Ein brauner, etwa 4 cm langer Käfer der aus der Sippe der Kakerlaken zu stammen
scheint, ist schon auf halbem Weg zu meinem Knie, als ich ihn abwerfe. Zu seinem Unglück und
unserer Beruhigung landete er hilflos auf dem Rücken und findet auf dem glatten, gefliesten
Boden auch keine Möglichkeit, sich umzudrehen um die Besteigung des Europäers zu
wiederholen. Da der Schuh als finale Lösung
unerreichbar vor der Tür steht, überlassen wir ihn am Ende unserer Mission einem ungewissen
Schicksal. Abends begegnet mir auf der
Hauptverkehrsstraße eine fröhliche Prozession in der Art eines Karnevalszuges. Mit Musik und viel
Tamtam werden blumen- und lichtergeschmückte Kratongs in Form überdimensionaler
Hochzeitstorten schon heute zum Fluss Nan  gebracht.
Morgen, bei der Generalprobe und
Vorfeier zum Loy Kratong Fest werden diese Gebilde schon auf eigens dafür angefertigten
Bambusflößen auf dem Fluss schwimmen. Und übermorgen, am 26.11. erreicht dieses
Fest in Phitsanulok seinen Höhepunkt. Dann werden diese großen Kratongs, zusammen mit
tausenden kleinerer, die mit brennenden Kerzen und Räucherstäbchen versehen sind, auf
das Wasser gesetzt. Dabei empfiehlt es sich, seine noch offenen Wünsche in einer Art stillem
Gebet seinem Kratong mitzugeben. Anschließend braucht man nur noch auf die Erfüllung
zu warten.
 
25.11. Tag 11
Beim Erwachen ist es dunkler als sonst
und ich sehe mit Erstaunen einen vollständig mit Wolken bedeckten Himmel. Das ändert
sich auch im Verlauf des Tages nicht, die Sonne bekommen wir nicht zu sehen.
Glücklicherweise ist es dennoch etwa 25 Grad warm, ich kann also auch mal ohne Hemd am Pool liegen
und brauche keinen Sonnenbrand zu befürchten. Am Abend lockt uns das mit tausenden
von Lichtern geschmückte Flussufer an und wir wollen die letzten Vorbereitungen für
den morgigen Höhepunkt des Loy Kratong Festes aus der Nähe betrachten. Für meinen
Geschmack ist die Veranstaltung optisch ein Genuss, akustisch allerdings eher abschreckend.
Aus überdimensionalen Boxentürmen dröhnt die musikalische Untermalung der Aktionen
auf der im Fluss verankerten Schwimmbühne und macht jede Unterhaltung im Umkreis von
50 Metern unmöglich. Aber die Vokabel „Lärmbelästigung" ist in
Thailand noch nicht erfunden. Immerhin ist das östliche Ufer auf einer Länge von etwa 500 m als
Naturtribüne stufenartig befestigt und wir haben berechtigte Hoffnung, auch morgen hier noch einen
Tribünenplatz zu ergattern, nach meinem Wunsch möglichst weit von den
Lautsprechertürmen entfernt. Mir als Berufsfeuerwehrmann sträuben
sich die Haare, wenn ich hier die offenen Feuer sehe, die mittels kleiner und größerer
Heißluftballone gen Himmel fahren. Die größere Ausgabe misst etwa 1 Meter in der Höhe
bei einem Durchmesser von etwa 50 Zentimetern. Unter der Bodenöffnung wird mit dünnem
Draht ein mit Wachs getränkter Ring aus aufgerollter Wellpappe befestigt.
Dieser wird angezündet, während man die Ballonhülle ausdünnem Papier zu voller Höhe 
auseinander zieht. Nach kurzer Zeit hebt die aufsteigende Warmluft den Ballon vom Boden und das
lodernde Feuer steigt in den Nachthimmel. Wenngleich ein leichter Wind den Ballon
oft im 45 Grad-Winkel schräg über dem Feuer stehen lässt, beobachte ich kein
einziges Mal, dass eine Ballhülle Feuer fängt. Häufig lösen sich allerdings Teile der brennenden
Wachspapierrolle, die augenscheinlich auch noch brennend am Boden ankommen. Da ihm nun
ein Teil seiner Auftriebskraft fehlt, geht auch der Ballon mit dem restlichen Feuer
langsam zu Boden. Ob er wohl bei seiner Landung etwas in Brand setzen wird? Jedenfalls
scheint mir dieses Verfahren für potentielle Brandstifter nicht geeignet, da man den Erfolg oder
Misserfolg über die große Entfernung ja nicht kontrollieren kann.
Ich kaufe zwei große (je 1 EUR) und
zwei kleine dieser Himmelslaternen (je 20 Cent), um mich selbst bei
passender Gelegenheit von der Gefährlichkeit zu überzeugen.
 
26.11.2005 Tag 12
Schon wieder bedeckter Himmel, nur 25
Grad und sogar ein wenig Regen in den frühen Morgenstunden.  Wann ist diese
Schlechtwetterperiode endlich zu Ende? Überall in der Stadt sind außergewöhnliche Aktivitäten im
Gange. Alles rüstet sich für das heutige Loy Kratong Fest. Hinter dem Hotel stehen seit
heute Mittag einige Armeebusse und -lastwagen. Etwas später tönt die lautstarke Musik
eines Spielmannszuges bis in unser Zimmer. Unten auf der Straße versammeln sich einige hundert
Schüler und Schülerinnen in ihren Schuluniformen, schön nach Klassen und Schulen
geordnet. Sie werden mit den Militärfahrzeugen in Richtung des Flusses abtransportiert. Dazwischen
immer wieder auch die schon erwähnten Kratongs in einer Größe, dass ein ganzer Pickup
darunter verschwindet. Nick ruft begeistert: „Papa guck mal, eine riesige  Geburtstagstorte!"
Ich versuche, das fröhliche Treiben mit Uwe's Videokamera festzuhalten, aber das
blöde Ding macht nur unscharfe Bilder wie schon beim Probelauf zu Hause. Was Uwe dort noch
irgendwie berichtigen konnte, gelingt mir hier nicht. Die automatische Schärfenregelung
lässt sich nicht aktivieren, in welcher Einstellung ich es auch versuche. Blöde Digitaltechnik.
Tobias wird uns meine alte analoge  Filmkamera mitbringen müssen, wenn ich
verwertbare Filme machen will. Abends dann der Höhepunkt des Loy
Kratong: Zehntausende sind auf den Beinen, die Uferpromenade ist im Bereich des großen
Tempels komplett für Autos gesperrt. Auf der Schwimmbühne wechseln Musikgruppen mit
Live-Interviews und selbst die Mönche im Wat Yai übertragen den monotonen
Sprechgesang ihrer Gebete über große  Lautsprecheranlagen bis auf die Straße. Hier mischen sich
alle akustischen Darbietungen mit dem ohnehin nicht geringen normalen Lärmpegel zu einer
Geräuschkulisse, die einen startenden Jumbo-Jet spielend übertönen würde. Das
Gedränge am Flussufer ist riesig, weil praktisch jeder seinen Kratong zusammen mit seinen heimlichen
Wünschen den sanft plätschernden Fluten des Nan River anvertrauen will. Der Fluss ist
mittlerweile gut mit kerzenbestückten Kratongs besetzt. Die am gegenüberliegenden Ufer zahlreich 
aufgestellten Fackeln verstärken den optischen Eindruck noch. Den eigenen Kratong
behält man in der Dunkelheit jedoch nur so lange im Blickfeld, bis er in der Menge der
anderen nur ein Lichtpunkt unter vielen geworden ist.
Die gestern schon von mir argwöhnisch
beobachteten Himmelslaternen steigen heute zu Hunderten auf. Es scheinen
Kratongs für Piloten und Luftfahrt-Interessierte zu sein, denen man seine Wünsche
ebenfalls anvertrauen kann. Aber genau wie einige Kratongs auf dem Wasser bereits nach kurzer
Fahrt umkippen oder die Kerzen vom Wind ausgeblasen werden, landen einige der Ballons
bereits kurz nach dem Start in den Bäumen der Uferpromenade, die kleineren aus dünner
Kunststofffolie sind dafür anfälliger als die größeren Papier-Montgolfieren.
Strandet so eine Plastikhülle gleich in den unteren Ästen dann kommt es vor, dass ein Teil der
Kunststoffhülle tropfend abbrennt und Eingeweihte den Bereich darunter meiden, sofern sie
nicht zufällig einen Feuerwehrhelm mit Nackenleder dabei haben. Getränke- und Imbissstände,
Losverkäufer und Andenkenhändler, Kinderkarussell und Hüpfburg (ca. 50 Kinder a 20 Baht,
alle 5 Minuten ist neuer Einlass), insgesamt ist das Rahmenprogramm der Veranstaltung einem
deutschen Jahrmarkt sehr ähnlich. Den Einnahmerekord des Jahres verbucht
wahrscheinlich auch ein einbeiniger Bettler, der seinen verkrüppelten Körper mühsam mit den
Händen durch die Menschenmenge zieht. Als wir gegen 22 Uhr nach einer 
Transportmöglichkeit suchen, müssen wir erst 500 Meter zu Fuß zurücklegen, bis wir auf zwei 
Fahrradrikschas treffen, die uns zum Hotel fahren.
 
27.11.2005 Tag 13
Nach abwechslungsreichem Frühstück
mit Kochschinken, Streichkäse und Baguette (aus demSupermarkt) fahre ich mit Burt und Nick
zum Airport. Dort teilt mir ein freundlicher Mitarbeiter der Thai Airways mit, die
von uns eingeplante Maschine für den Rückflug nach Bangkok am 1. Dezember sei leider
ausgebucht. Ich reserviere also 5 Plätze für den 2.12.. Über die neue Situation informiere ich
Nicole und Thomas per SMS, die sind zur Zeit auf dem Weg von Doha nach Bangkok und
werden planmäßig heute abend gegen 20 Uhr in Bangkok landen. Erfolglos verläuft
mein Versuch, dem Tower des Flughafens einen Besuch abzustatten. Er  liegt etwa 1 km
nordöstlich des Terminals und ist nur über das Flughafengelände zu erreichen. Selbst
auf kollegialer Ebene („ich bin ein Pilot aus Deutschland und würde mich gerne nach
den Möglichkeiten der allgemeinen Luftfahrt erkundigen") ist auf englisch
keine ausreichende Verständigung möglich. Der  Geldautomat zeigt sich bei Pai's
Kontokarte des hiesigen Kontos eigensinnig und will nur 200 Baht Bargeld auszahlen. Problemlos
kann ich dagegen an demselben Automaten mit meiner EC-Karte 10 000 Baht  abheben.
Im Hotel sind die Pools inzwischen
wieder mit den dekorativen Springbrunnen ausgestattet worden. Ein 60. Geburtstag soll dort
heute mit Live-Musik gefeiert werden. Vielleicht kann ich die beleuchteten Fontänen heute
einmal im Dunklen fotografieren.


28.11.2005 Tag 14
Heute kommen Nicole und Thomas mit der
Mittagsmaschine aus Bangkok. Pünktlich um 12 Uhr wird unser Mietwagen angeliefert.
Während Pai mit ihrer Freundin Iu und deren Mann unser umfangreiches Gepäck per Pickup
zum nächsten Hotel bringt, fahren Nick und ich mit unserem Toyota zum Flughafen. Wir haben
gerade noch Zeit, etwas zu essen, da strömen schon die Passagiere über das Vorfeld
und wir können unsere beiden in Empfang nehmen. Ich chauffiere den Wagen höchst
selbstsicher durch die Innenstadt von Phitsanulok. Lediglich die ungewohnte Platzierung des
Blinkerhebels an der rechten Seite der Lenksäule führt einige Male dazu, dass ich statt zu blinken
zuerst den Scheibenwischer betätige. Über Prompiram und Nong Tom fahren wir zum Suannam
Resort, einer super gepflegten Hotelanlage auf einer Insel im Fluss, die wir scheinbar für
uns ganz allein haben. Zumindest begegnen uns während unseres Aufenthaltes hier keine anderen
Gäste.
 
29.11.04 Tag 16
Thomas möchte Reiseschecks einlösen,
das gestaltet sich aber in der Kasikornbank in Nong Tom zeitaufwändiger als gedacht. Der
zuständige Mitarbeiter hat darin keinerlei Erfahrung und vergleicht zunächst einmal das
Aussehen der Schecks mit den Abbildungen in einer in englisch gedruckten Vorlage, die mit 
handschriftlichen Randbemerkungen in Thai gespickt ist. Daraufhin werden die Schecks
fotokopiert, die Kopien müssen von Thomas unterschrieben werden. Unsicher wird
ein weiterer Bankmitarbeiter zu Rate gezogen, dieser rät offenbar zu weiteren Fotokopien,
jedenfalls werden auch der Reisepass und zu guter Letzt auch die Kaufbescheinigung der Schecks
kopiert und abgeheftet. Thomas fragt daraufhin, ob er seinen Impfausweis auch vorlegen
soll, die Broschüre gibt aber bei näherem Hinsehen keinen Hinweis darauf.
Sicherheitshalber werden aber alle bisher gemachten Kopien noch einmal verglichen und er muss auf jedes
dieser Blätter noch einmal seine Unterschrift setzen. Dann, nach 75 Minuten hält er endlich
den verlangten Bargeldbetrag in seinen Händen. Für mich bewundernswert ist die Geduld der
übrigen Kunden, für die es zunächst auch nicht weiter geht, bis schließlich nach ca.
30 Minuten ein weiterer Schalter für das  Tagesgeschäft geöffnet wird.
Am Markt in Nong Tom begrüßen wir
kurz die alten Bekannten Tao und Sor, bevor wir zu Pai's Großeltern fahren. Pai kocht mit
Rücksicht auf Nicole Spaghetti Bolognese, das Hackfleisch dafür wird aus dem auf dem
Markt gekauften Schweinefleisch von 2-3 Personen mittels großen Hackmessern auf
Holzbrettern in einer Gemeinschaftsaktion innerhalb von 45 Minuten in Heimarbeit hergestellt. Nach
Einbruch der Dunkelheit plagen uns viele, viele Mücken, die
zielsicher die ungeschützten Hautpartien ansteuern. Nach unserer  Rückkehr auf die
Hotelinsel starten wir einen meiner Heißluftballons, weil er ja mit den Wünschen unserer Großfamilie
beladen wird, nehmen wir einen großen. Wir können die Fahrt am Nachthimmel ungefähr fünf
Minuten lang verfolgen, bis das Feuer erlischt.


30.11.04 Tag 17
Ein entspannter Tag am Pool beginnt mit
der Entdeckung einer etwa 30 cm langen Echse, die aber auf unsere Bekanntschaft keinen
Wert zu legen scheint und sich schleunigst aus dem Staub macht. Thomas zieht sich mit
einer Bierdose auf die Luftmatratze zurück, Nick und ich nutzen ausgiebig die Wasserrutsche
und Nicole begnügt sich mit sonnenbaden. Abends kommen uns die Verwandten im
Hotel besuchen. Essen trinken, Schnaps und Softdrinks werden aufs Zimmer
geliefert, Kosten für 11 Personen 930 Baht (19 EUR).
 
01.12.04 Tag 18
Mit Nicole, Thomas und Nick mache ich
einen Ausflug in die Berge nördlich von Phitsanulok. Dort reihen sich an einem Fluss, dessen Namen ich nicht herausfinden konnte mehrere Wasserfälle aneinander. Leider führt der Fluss jetzt im Dezember genau so wenig
Wasser wie bei meinem letzten Besuch in der Trockenzeit im Februar. Poi und Kaeng
Sopha Wasserfall begnügen sich damit, nur kleinere Rinnsale in die Tiefe fallen zu lassen.
An einem dritter Wasserfall mit schwingender Hängebrücke führt der Fluss oberhalb
der Abrisskante immerhin so viel Wasser, dass wir eine Fahrt in zwei Tretbooten unternehmen
können. Der Tag vergeht wie im Flug und bis wir die 100 km nach Phitsanulok zurückgelegt
haben, ist es schon dunkel geworden. Die Youngsters haben Appetit auf Pizza, also stoppen
wir im Topland bei Pizza Company. 3 Pizzen medium, 8 kleine Hähnchenflügel und vier
O-Saft schlagen dort mit saftigen 920 Baht zu Buche, am Vorabend hatte diese Summe noch für
eine Thai-Food-Tafel für11 Personen gereicht.
Abends besucht uns Schwägerin Pan, die
gestern nicht dabei sein konnte. Schaad und Boss begleiten sie. Gegen 23 Uhr fahren die
drei nach Hause und beim Blick in den Kühlschrank fällt mir auf, dass die im Topland
gekaufte Flasche Mekhong wohl noch im Auto liegen muss. Nicht ganz uneigennützig erklärt sich
Thomas sofort bereit, mit der Fähre kurz rüber zum Parkplatz zu fahren um unseren
Schlummertrunk zu sichern. Frauen und Kinder schlafen inzwischen, so dass wir uns ungestört
um den Inhalt der vergessenen Flasche kümmern können.
 
02.12.2004 Tag 19
Nach dem Erwachen finden wir eine leere
Mekhongflasche vor, obwohl sich keiner von uns erinnern kann, das letzte Glas
getrunken zu haben. Im Gedenken an den vergangenen Abend verzichtet Thomas auf das Frühstück,
beim anschließenden Auschecken macht er aber schon wieder einen ansprechbaren Eindruck. Unser Toyota ist für das gesamte
Gepäck natürlich viel zu klein, also kommt Schwager Schaad mit einem Nachbarn mit Pickup um
uns abzuholen. Nicole und Thomas nutzen die Gelegenheit, um auf der offenen
Ladefläche mit zu fahren, Nicole aus Abenteuerlust, Thomas wohl eher der frischen Luft wegen. Im
Konvoi fahren wir direkt zum Flughafen. Eigentlich wollen wir nur unser
inzwischen auf 115 kg angewachsenes Gepäck loswerden. Einigermaßen verblüfft sind wir über
den Vorschlag der Thai Airways Mitarbeiter, mit dem Auto nach BKK zu fahren, weil die
Maschine schon voll sei. Gut, dass ich persönlich hier am Airport die Plätze reserviert habe.
Der Mitarbeiter erinnert sich, die Reservierung gemacht zu haben, trotzdem tauchen unsere Namen
nicht in der Passagierliste in seinem Computer auf. Mit unserem Fall haben jetzt alle fünf
anwesenden Thai Airways Angestellte gut 20 Minuten zu tun. Pai ergibt sich verzweifelt
ihrem Schicksal, Thomas bekommt einen dicken Hals und will den Chef sprechen. Ich probiere
die freundliche Masche: Lächelnd erkläre ich den Leuten, dass sie einige andere Namen
von der Liste streichen sollen, damit unsere dort wieder Platz haben. Man telefoniert immer noch
mit allen verfügbaren Apparaten. Schließlich liegen unsere Chancen bei 90 %, doch noch
Plätze in der Maschine zu bekommen. Das ist doch schon etwas! Wir schieben unseren
Gepäckberg in Richtung der Sicherheitskontrolle. Dort angekommen werden uns die Plätze
endgültig zugesichert. Erleichtert besteigen wir unseren Mietwagen
und fahren auf Wunsch der Frauen noch  einmal „shoppen" bei Big
C. Anschließend machen wir noch eine kleine Stadtrundfahrt im
Dunklen bis zum  Night Market. Um dort noch einmal das „fliegende
Gemüse" zu erleben, reicht die Zeit leider nicht mehr aus. Angenehme Erlebnisse habe ich auch beim
Tanken: Volltanken (mit Bedienung) 35 Liter für 750 Baht (15 EUR). Wenige Kilometer vor
dem Flughafen geraten wir in einen Stau. Ein schwerer Unfall auf der Ausfallstrasse
mit zwei übel zugerichteten Mopeds erinnert uns nochmals an die
Risiken des thailändischen  Straßenverkehrs.
Nach dem Start auf der Piste 12 trägt
uns die schon vom Hinflug bekannte B 737-400 mit dem Kennzeichen HS TDH wieder zurück nach
BKK, wo schon der Minibus des Asia-Airport Hotels auf uns (und andere Passagiere)
wartet. Der Fahrer kann sich in dem vollgestopften Auto zwar fast selbst nicht mehr
bewegen, schafft es aber, das Hotel zu erreichen.
Mein berufliches Misstrauen registriert
die Risiken der Übernachtung: Unsere Zimmer liegen im 17. Stock, sind also nicht von einer
Drehleiter aus zu erreichen. Der Notausgang zu einer Feuertreppe im Freien liegt zwar nur
wenige Meter von unseren Zimmern entfernt, da es in den bis zu 90m langen Fluren aber
keinerlei Rauchschutztüren gibt, wäre im Ernstfall eine Verrauchung der Rettungswege zu
erwarten. Allerdings verfügt das Hotel über eine fächendeckende Brandmeldeanlage und
ist voll gesprinklert. Ich kann nur hoffen, das diese Anlagen auch funktionsfähig sind.


3.12.2004 Tag 20
Wecker auf 4.30 stellen, dann öffnet
nämlich der Ticket Schalter der Bangkok Airways. Nach telefonischer Vorbestellung
bekommen wir noch 5 Tickets für die 9.00 Uhr Maschine nach Trat. Einchecken diesmal ohne Probleme, die
fangen erst auf dem Vorfeld an. Die von Siam Reap angemietete ATR 72 rollt zwar pünktlich
um 9.00 Uhr an, dann stehen wir aber in einer langen Reihe von Maschinen, die auf den Abflug
warten. Nach 10 Minuten macht der Kapitän eine Ansage, dass wir wegen sehr hohen
Verkehrsaufkommens  voraussichtlich erst in 15 Minuten starten können. Kurze Zeit später
wechseln wir beim Vorrücken in der Schlange den Rollweg und ich habe Gelegenheit, die auf zwei
parallel zueinander verlaufenden Rollwegen wartenden Maschinen zu zählen: 3 B747
und 6 kleinere Jets. Alles klar, welcher Kapitän sagt schon gerne die Wahrheit und zieht sich
den Unwillen seiner Passagiere zu? Statt der angekündigten 15 Minuten steht unsere
ATR dann auch satte 45 Minuten mit brummenden Triebwerken auf dem Vorfeld, der
anschließende ruhige Flug unter wolkenlosem, aber dunstigem Himmel nach Trat dauert 50
Minuten. Bevor wir auf dem neu gebauten Trat Airport (TDX) landen, entschuldigt sich
die Crew nochmals für die Verspätung. Die Maschine bleibt auf der Runway
stehen und die Passagiere werden mit straßenbahnähnlichen Freiluftbussen zum Terminal gefahren.
Hier warten dann schon einige Minibusse, die je nach Ziel der Touristen die jeweiligen
Fährhäfen ansteuern. Am Schiffsanleger Laem Ngop stellen wir fest, dass die Insel Koh Kood am
selben Tag nicht mehr zu erreichen ist, es gibt nur ein Boot täglich am Vormittag, und das hat
längst abgelegt. Um 15 Uhr fährt noch ein Boot nach Koh Mak, und die sehr stimmgewaltige
Fahrkartenverkäuferin will uns auch gleich Zimmer mit Klimaanlage dort vermitteln (2200
Baht). Da uns der Preis abschreckt, kümmern wir uns selbst um eine Unterkunft und bekommen
telefonisch vom Koh Mak Resort einen Bungalow mit zwei Zimmern direkt am Strand für
1400 Baht pro Zimmer zugesagt. Die Anlage gehört in die Kategorie
„Gehobener Standard" und bietet neben ca. 20 Bungalows in verschiedenen Größen auch noch
einen kleinen Supermarkt, Kaffeebar, Internet-Cafe und Sportmöglichkeiten. Die Strandbar und
das großzügige Restaurant verfügen über blitzsaubere Toiletten, die sogar den Ansprüchen
meiner Frau gerecht werden.
Bei unserer Ankunft ist die Sonne schon
untergegangen und es wird sehr schnell ganz dunkel. Das kommunale Elektrizitätswerk der
Insel wird nachts um 2 Uhr abgeschaltet und liefert erst ab 10 Uhr morgens wieder Strom. Für
die Gäste, die Bungalows mit Aircondition gebucht haben, wird während dieser Zeit ein
kleiner privater Generator die Energieversorgung sichern. Der erste Mai Tai Cocktail an der
Strandbar schmeckt vorzüglich, so wollen wir ihn nicht lange im Magen allein lassen. Sehr bald
schon gesellen sich weitere leckere Mixgetränke zu ihm. Heißt es nicht: „Fisch muss
schwimmen"? Nun, der frische Fisch zum Abendessen hat in uns ganz sicher nicht auf dem
Trockenen gelegen.
 
04.12.2004 Tag 21
Früh um 7.00 Uhr treibt es mich hinaus
an den Strand und ich lasse mich von 2 weiteren Frühaufstehern dazu verleiten, ein
erstes Bad im warmen Ozean zu nehmen. Nach dem Frühstück folgt ein langer 
Strandspaziergang, um die Bucht zu erkunden. Durstig kehren wir zurück und bekommen an der Kaffeebar
nicht nur den ersten wirklich guten Bohnenkaffee sondern auch die ersten Insider-Tipps
von Conny, dem Pächter. Der war früher Kellner bei der Köln-Düsseldorfer-Rheinschifffahrt
und lebt schon seit einigen Jahren hier auf Koh Mak. Nick hat keine Langeweile mehr, er
schließt Freundschaft mit einem Nachkommen der zahlreichen herumstreunenden
Inselhunde. So ein junger Hundekamerad braucht natürlich einen Namen. Weil er so klein und
ungeschickt ist und ihn außer uns niemand so recht leiden kann, schlage ich vor, ihn Picco zu
taufen. Er hat keine Einwände und bleibt für den Rest unseres Aufenthaltes auf der Insel
Nick's liebstes Spielzeug.
 
05.12.2004 Tag 22
Wochendurlauber aus Bangkok fallen in
Scharen ein. Es ist der Geburtstag des Königs, also Feiertag, weil aber sowieso Sonntag
ist, wird der Feiertag eben Montags drangehängt. Für solch ein langes Wochenende kommen
zahlreiche Thais aus Bangkok und Umgebung mit Bussen angereist, um auch einmal ein
wenig am Strand zu relaxen. Ausflugsboote von der benachbarten Insel Koh Chang setzen
zusätzliche Tagesgäste an unserem Strandabschnitt ab. Wir erkunden mit zwei geliehenen Mopeds
die Insel und bekommen so auch fast alle anderen Unterkünfte zu sehen, nur zwei davon
bieten Wohnkomfort wie wir ihn genießen, dafür sind die anderen deutlich preiswerter.
Bungalows ohne Klimaanlage sind hier schon für 400 bis 800 Baht (8 bis  16 EUR) pro Nacht zu
haben. Die Strände sind ohne Ausnahme traumhaft schön. Überall auf der Insel  hängen
Info-Zettel, in welcher Anlage an welchem Tag besondere Aktionen stattfinden. Sonntags gibt es
z. B. bei TK Hut das beste Barbecue der Insel. Das lassen wir uns nicht entgehen, auf
einem langen Tisch finden wir dekorativ aufgebaut allerlei Fische und diverse Fleischsorten, die
man sich nach persönlicher Auswahl  frisch grillen lassen kann. Das der Chef von TK Hut
aus Deutschland kommt merken wir unverkennbar an den Beilagen: Es gibt leckeren
Kartoffelsalat und gefüllte Folienkartoffeln, beides Gerichte, die hier im Land sonst kaum zu finden
sind. Zu diesem Genuss schmeckt uns das frisch gezapfte Fassbier der einheimischen
Marke „Chang" ganz ausgezeichnet. Die großen 0,8 Liter-Gläser sorgen dafür, dass der
Kellner außer uns auch noch die anderen Gäste bedienen kann. So gegen 22 Uhr ist unser
Fassungsvermögen ausgereizt, es geht nichts mehr hinein. Da trifft es sich gut, dass für die
Gäste auch ein Transportservice zur Verfügung steht, der uns kostenlos zu unserem Resort
zurückfährt.
 
06.12.04 Tag 23
Pai bekommt den „Inselkoller"
und drängt zur Abreise. Sie fühlt sich auf der einsamen Insel nicht recht wohl, und macht sich
allerlei Sorgen, was passiert, wenn jemand krank wird oder einen Unfall hat usw.. Ausschlaggebend
war wohl, das sie versucht hat, von dem Arzt der Sanitätsstation der Insel einige 
Kopfschmerztabletten zu bekommen. Beim ersten Versuch war der Doktor noch nicht aufgestanden.
Eine Stunde später war er gerade unter der Dusche, beim dritten Versuch war er gar nicht
mehr da, weil er bei Freunden zum Karten spielen eingeladen war. (Die Tabletten wurden
am späten Nachmittag dann doch noch von einem Mitarbeiter unseres Resorts bei ihm
abgeholt). Also buchen wir telefonisch eine
Unterkunft in Pattaya. Dort werden wir versuchen, ein Dauerquartier zu finden, in dem wir
einen Teil unseres Gepäcks unterbringen können und nicht mehr ständig so viel
transportieren müssen. Vorher will ich aber unbedingt noch einen Tagesausflug nach Koh Kood machen, der
Insel von der ich bislang nur schöne Bilder im Internet gesehen habe. Michael, der
deutsche Tauchlehrer, fährt am nächsten Tag mit einigen Gerätetauchern zu Tauchgründen vor
Koh Kood und bietet mir an, mit zu kommen. Anschließend wollen sie noch im 
Süßwasserbecken unterhalb des Insel-Wasserfalls tauchen. Natürlich werde ich mitfahren, Thomas
und  Nicole wollen nicht mit und Nick wird lieber mit seinem vierbeinigen Freund spielen!
 
07.12.2004 Tag 24
Der Ausflug nach Koh Kood, beginnt mit
einer Aufsammel-Tour: Conny taucht mit einem uralten Pick-Up auf und wir klappern
(im wahrsten Sinne des Wortes) alle die Resorts ab, wo Teilnehmer der Tour wohnen. Zwei junge
Düsseldorferinnen weisen unseren Fahrer darauf hin, dass die wacklige Holzsitzbank
sich immer mehr in Richtung der fehlenden Heckklappe bewegt und alle paar Minuten zurück
geschoben werden muss. Conny entgegenet:"heute nachmittag, wenn ihr zurück kommt,
habe ich eine neue Sitzbank." Worauf die Mädchen ihn erinnern: „Das
hast Du vor einer Woche auch schon gesagt." Conny lacht: „Ja, aber ihr seid hier in
Thailand, hier gelten andere Zeitmaßstäbe!" Die Bootsfahrt nach Koh Kood dauert
rund 2 Stunden. In Sichtweite des Inselanlegers ankern wir in der Nähe einer
Unterwasserhöhle, die sich unsere Taucher ansehen wollen. Für die übrigen Passagiere stehen
Tauchermasken und Schwimmflossen bereit, so können wir ein wenig umher schnorcheln. Zwischen den
Felsformationen sehe ich einige silbrige Fischschwärme aber auch schöne bunte
Einzelexemplare. Nach rund einer Stunde tauchen auch die Presslufttaucher wieder auf
und es geht weiter. Vom Anleger aus fahren wir mit zwei gemieteten Pick-Ups soweit es geht in
Richtung Wasserfall. Am Ende der befahrbaren Straße erwartet uns dann aber noch ein etwa
30-minütiger Fußmarsch, bis wir endlich schwitzend den Wasserfall erreichen. Also nichts
wie hinein in das angenehm kühle  Süßwasser. Von einem Ast über dem Wasser baumelt ein
dickes Seil herab, man kann sich also wie Tarzan über das Wasser schwingen und wenn man
im rechten Moment loslässt, plumpst man aus etwa 2 Meter Höhe mitten in das
Wasserbecken. Sobald man im seichten Uferbereich ruhig auf den Steinen steht, nähern sich
kleine Fische, die ungeniert an den Füßen knabbern. Michael klärt uns auf, dass diese
„Putzerfische" lose Hautschuppen fressen und in Deutschland erfolgreich als Therapie
gegen Schuppenflechten eingesetzt werden. Hier kriegen wir die Behandlung sogar
kostenlos. Nachdem unsere Taucher bei der Erkundung des dunklen Gewässers die mitgebrachte
Pressluftflasche leer geatmet haben, treibt uns der Durst auf gekühlte  Getränke zurück zum
Boot. Nach dem Ablegen bekommen wir noch einige traumhafte Strände zu sehen, 
preiswerte Unterkünfte gibt es hier jedoch (noch) nicht. Lediglich zwei „All
inklusive-Anlagen" bieten auf Koh Kood recht teure
Pauschalangebote an. In der Abenddämmerung legen wir
wieder auf Koh Mak an.


08.12.2004 Tag 25
Unsere Abreise heute per Speedboat ist
noch unsicher. Nach einer stürmischen Nacht weht auch am Morgen och ein kräftiger Wind
und es herrscht ein ziemlich hoher Wellengang. Die Abfahrt wird von 11.30 Uhr zunächst
auf 12.00 Uhr, dann auf 13.00 Uhr verschoben. Um 13.20 Uhr trifft es dann tatsächlich
ein, ein ca. 9 m langes offenes Holzboot mit Sonnensegel und zwei mal 220 PS Außenbordern von
Yamaha. Den übermächtigen 440 PS hat die See nichts mehr entgegen zu setzen, mit
gelegentlichen Spritzwasserduschen im mittleren Bootsteil und gewaltiger Heckwelle
schaffen wir die 50 km bis zum Festland in 55 Minuten.  Erwartungsgemäß steht der am Tag
zuvor gebuchte Minibus nicht am Anleger sondern muss erst mit einem erneuten Anruf von der
Ernsthaftigkeit der gestrigen Vorbestellung überzeugt werden. Die Kofferflut findet diesmal ihren
Platz auf dem Dachgepäckträger. 3 Stunden später ziehen wir in Pattaya ein. Ich erkenne es kaum
wieder, lediglich der Straßenverlauf zur Jomtien Beach ist noch der alte. Das Guest House "de  Windmolen"  liegt an
der Jomtien Beach in der Soi 5, der Strand ist nur etwa 40 m entfernt. Eine junge 
Thailänderin mit dem untypischen Format eines Sumo-Ringers wuchtet unser Gepäck bis in den 3.
Stock. Thomas meint, sie müsse als Kind wohl in den Kessel mit Zaubertrank gefallen sein,
und schon hat „Obeline" ihren Spitznamen. Oben beziehen wir eine klimatisierte
„Suite", bestehend aus Wohnzimmer (ca. 20 m2) mit Couchgarnitur und Tisch sowie einem
Esstisch und 4 Stühlen. Im Schlafzimmer finden wir einen Tresor und eine kleine Nasszelle
mit Dusche und Toilette.


09.12.2004 Tag 26
Nach dem Frühstück kaufe ich erst
einmal eine aktuelle Ausgabe des „Farang", einer lokalen  deutschsprachigen Zeitschrift mit
Kleinanzeigenteil. Hier stoße ich auf das Inserat von Max, einem pensionierten Schweizer
Bauingenieur. Max zeigt uns seine Senioren Residenz, er vermietet neue Appartements
teilmöbliert für 2500 Baht / Monat, allerdings 6 km hinter der Sukhumvit Rd (Siam Country Rd. Soi 27).
Der Preis ist o.k., aber die Lage ist uns denn doch zu weit vom Strand entfernt. Mobil werden wir nachmittags mit der
Anmietung einer fast neuen 125er Honda für 150 Baht / Tag, allerdings ohne Nummernschild
und ohne Zulassungsplakette. Kein Problem, angeblich darf man mit neuen Fahrzeugen bis zu 3
Monaten erst einmal so herumfahren. Thomas und Nicole wählen eine 125er Yamaha mit
Automatik. In Erwartung unserer zukünftigen Gäste
buchen wir in de Windmolen für Tobias und Irina ein Zimmer, bevor wir uns weiter auf
Appartement- oder Wohnungssuche für unseren weiteren Aufenthalt begeben. In der Soi 7 bekommen wir zum
Abendessen ein Thai-Barbecue, all-you-can-eat für 79 Baht (1,60 EUR).
 
10.12.2004 Tag 27
Beim Frühstück will Thomas Sunny, den
Kellner von de Windmolen abwerben (der Kerl spricht besser deutsch als unsere
Thai-Geschäftspartner englisch). Sunny hingegen hält nichts von einem Umzug nach Europa. Im nahe gelegenen Monkey Trainings
Center bekommen wir dressierte Affen vorgeführt, den Besuch im Aquarium "Underwater
World" sparen wir uns, angesichts der Warteschlangen vor den Kassen. Nebenan im Elefanten Park
nutzen Nicole und Nick die Gelegenheit zu einem Elefantenritt. Wir überzeugen uns,
dass die künstliche Wasserskianlage Lakeland noch immer an alter Stelle existiert.
 
11.12.2004 Tag 28
Morgens zieht es mich alsUL-Pilot zum Eastern
Flying Club, dort stehen einige schöne halb leere Hangars mit 2 oder 3 halbkompletten Dreiachsern
und etwa ein halbes Dutzend Trikes. Die 350 m Graspiste direkt vor  den Hangars macht
einen ungepflegten Eindruck, zusätzlich verspricht eine unmarkierte Freileitung
unmittelbar vor der Schwelle im Landeanflug einen besonderen Nervenkitzel. Das gesamte Gelände ist
menschenleer, bis sich nach einiger Zeit ein PKW mit zwei Frauen nähert, die sich
freundlich erkundigen, ob sie mir helfen können. Auf meine Frage nach den Betriebszeiten des
Flugplatzes erklärt mir die jüngere der beiden, das der Platz von den Behörden geschlossen worden
ist, unmittelbar nachdem ihr Mann dort tödlich abgestürzt sei. Ich verkneife mir die
Frage nach weiteren Einzelheiten und lasse mir nur noch den Weg zum Pattaya Airpark
beschreiben, dort soll täglich Flugbetrieb stattfinden.
Dank der detaillierten Beschreibung
habe ich keine Schwierigkeiten, das Gelände zu finden: Zunächst ca. 10 km weiter in Richtung
Sattahip, von der vierspurigen Sukhumvit Rd. links abbiegen. Der Beschilderung zum Phoenix
Golf Court folgen. Nach 600 m überquert man die eingleisige Eisenbahnstrecke
Pattaya-Sattahip, nach 3,4 km zweigt links von der Betonstrasse eine neue Asphaltpiste ab mit weißen 
Fahrbahnrandmarkierungen und gelbem Mittelstreifen. Dieser folgt man 1 km, bis hinter einer
Wohnhausruine in einer Linkskurve rechts die unbefestigte Zufahrt zum Pattaya
Airparkt abzweigt. Der Platz ist noch im Aufbau, Bahn
(Piste 10 /28 600 m Asphalt), Tower und Flugvorbereitungsraum sind bereits
fertig, außerdem stehen einige Freiluft-Hangars, zum Teil nur schattenspendende Netzdächer, aber
auch Regendichte Dächer ohne Außenwände. Das Restaurant soll im Dezember 2004 noch
fertig werden, der Getränke-Automat funktioniert schon. Ein Master-Plan gibt Auskunft
über den Weiteren Ausbau: Der Bau einer Piloten-Siedlung von etwa
35 Wohneinheiten soll im Dezember 2004 beginnen. Einige Gast-Piloten Appartements sollen
im Juni 2005 entstehen. Das Club Gebäude Pattaya Airpark Sport
Club und Spa soll Ende 2005 begonnen werden Eine Unterkunft für von außerhalb
anfliegende Piloten soll bereits im März 2005 fertiggestellt sein. Mitte nächsten Jahres soll der
Grundstein für das Pattaya Airpark Museum gelegt werden. Ich erinnere mich an Conny's Ausspruch,
das in Thailand andere Zeitmaßstäbe gelten und hege ernsthafte Zweifel an diesem
ausgehängten Zeitplan. An Maschinen finde ich hier außer
einer Cessna 206 G zum absetzen von  Fallschirmspringern noch eine betagte Cessna 150 B, zwei
STOL CH 701 im Privateigentum, eine mit Experimental-Zulassung, hergestellt von
den Czech Aircraft Works im September 2004 mit Rotax 912 S, die andere als UL
registriert. Zwei weitere UL CH 701 sind Vereinsflugzeuge und können gechartert werden. Ein
schon sehr mitgenommen aussehender Flight Star II und ein UL – Tandemsitzer mit
Schubpropeller  (Hamilton, USA) vervollständigen die Auswahl an flugfähigen Geräten. An einem
Rohr-Tuch-UL Dream Fantasy wird gerade gebaut, es steht die Rahmenkonstruktion aus Alu-Rohren
und auch die Größe der Tragflächen ist bereits erkennbar. Informationen für ausländische
Piloten sind im Flugvorbereitungsraum ausgehängt. Die Validation eines PPL-A erfordert keinen
großen Aufwand, da der Schein international anerkannt wird. Es ist lediglich ein
Checkflug zu absolvieren.
Inhaber einer UL-Lizenz können hier
mit Safety-Pilot fliegen (CH 701 3000 Baht/h) oder müssen die thailändische UL Prüfung
vor der staatlichen Prüfungskommission in Bangkok ablegen. Dazu sind mindestens 15
Flugstunden erforderlich. Einer der netten Fliegerkollegen am
Platz erzählt mir, dass am Morgen fünf Maschinen mit Ziel Chiang Mai (900 km?) gestartet
sind, die erst am nächsten Tag (Sonntag) zurückerwartet werden. Als ich ihm mein Flugbuch zeige, fragt
er sofort, wann ich den fliegen wolle. Wir verabreden uns für Montag gegen 10 Uhr.


12.12.2004 Tag 29
Wir sehen uns den Wongamat-Strand in
Nord Pattaya an. Weil es recht windig ist, haben wir Wellen wie an der Nordsee. Ausgesprochen
unruhig wird der Aufenthalt durch sehr viele Strandhändler, die Uhren,  Kosmetik,
Eis, Karaoke- und Porno-DVD's, Drachen, Kleidung, Essen, Getränke, Sonnenbrillen, und
andere Artikel feilbieten. Zwei Flugzeuge fliegen in ca. 20 m Höhe
den Strand entlang, eine Cessna 150 und einige Zeit später ein UL-Hochdecker. Legal? Egal!
Das will ich auch!
Abends um 9 Uhr gönnt Nicole sich auf
unser Anraten im Salon neben unserem Hotel eine Thai-Massage
(1 Stunde 230 Baht, EUR
4,30) und ist so begeistert, dass sie sich am selben Abend (22.30 Uhr) auch noch eine
Gesichtsreinigung machen lässt (45 Minuten 400 Baht,8,00 EUR).
 
13.12.2004 Tag 30
Ich fahre zum Airpark, treffe den
Betreiber Neil dort aber nicht an, er musste kurzfristig nach Bangkok und sein Partner, der Manager
des Airpark wird erst am Abend aus Chiang Mai zurück erwartet. Wir sehen uns im Jomtien Beach
Condominium ein möbliertes Appartement an, ziemlich klein, aber eines der wenigen, die man
auch für die kurze Zeit von nur zwei Monaten mieten kann. Da uns der Mietpreis von 9500
Baht (190 EUR) pro Monat vertretbar erscheint, machen wir sofort einen Mietvertrag.
 
14.12.2004 Tag 31
Ausflug nach Nong Nooch, dem tropischen
Garten mit allerlei Tieren, die meisten sogar zum Anfassen. Das zweijährige Orang Utan
Baby wird sogleich sehr anhänglich und will gar nicht mehr von mir weg.
Die zwei Mopeds müssen wir heute
zurückgeben, ich frage vorsichtshalber, ob wir sie noch drei Stunden länger als im Vertrag
vereinbart behalten können. „Kein Problem"! Allerdings hätte ich besser fragen sollen, wie
viel das kostet. Bei der Rückgabe nach inzwischen 250 gefahrenen Kilometern macht uns die
Dame folgende verblüffende Rechnung auf: Stundenweise vermietet kostet so ein
Moped 60 Baht, drei Stunden später als vereinbart zurück gegeben sollen also 180 Baht
kosten, aus Kulanz für gute Kunden will sie aber nur 150 Baht berechnen. Das verschlägt uns
fast die Sprache, 150 Baht war der von uns ausgehandelte Mietpreis für einen Tag. Sie spürt
unsere Verärgerung und denkt wohl auch an Folgegeschäfte. Schließlich hat sie
uns auch das Appartement vermittelt und weiß, das wir noch zwei Monate in Pattaya bleiben
werden und dann wieder einen fahrbaren Untersatz brauchen. Also ruft sie den Chef an und
fragt nach einem Sondertarif für die 3 Stunden. Der erklärt sich auch gleich bereit, nur
80 statt 150 Baht zu berechnen. Meine Miene muss wohl deutliches Missfallen ausgedrückt
haben, denn sie drückt mir für weitere Verhandlungen das Telefon selbst in die Hand. Es braucht
nur 30 Sekunden und den Hinweis auf mögliche weitere 47 Tage Vermietung, bis er sich
meiner Meinung anschließt und für die strittigen drei Stunden gar nichts mehr kassieren will.

15.12.2004 Tag 32
Für Nicole und Thomas geht der Urlaub
zu Ende, wieder einmal ist packen angesagt, wir reisen ab heute mit leichtem Gepäck
(nur einem Koffer) weil wir den Rest in unserem neu angemieteten Domizil lassen können.
Die Fahrt im Minibus nach Bangkok kostet 1500 Baht (30 EUR) und dauert auf dem Highway bis
zur Abfahrt Innenstadt zwei Stunden, für die restlichen vier Kilometer bis zum Hotel
Nana Tai Mansion in der Sukhumvit Soi 4 brauchen wir noch einmal 40 Minuten. Dieses
Hotel kenne ich noch nicht aus eigener Erfahrung, ich habe nur von einem Bekannten einen
Prospekt des Hauses bekommen. Die Bilder der Zimmer sehen ganz ordentlich aus und der Preis
für unsere gestern telefonisch reservierten Zimmer liegt mit 800 Baht (16 EUR) auch nicht
über unserem Limit. Allerdings steht auf unserem Anmeldeformular dann plötzlich 900
Baht, worauf Thomas sich ziemlich aufregt und auf dem gebuchten Preis besteht. Zuerst heißt
es, die Zimmer für 800 seien nicht mehr frei, dann sieht man nach und, natürlich sind im 4.
Stock doch noch welche frei. Aber was für welche! Zwei Räume, Wohn- und Schlafraum für uns,
sogar mit einer Küche auf dem sehr großen überdachten Balkon. Das war die
positive Beurteilung. Aber Wände und Teppich sind mehr als schmuddelig, in die Badewanne
möchte man nur mit Gummistiefeln einsteigen, die Klimaanlage brummt und ist undicht, das
WC steht in einer permanenten Wasserpfütze, der Ventilator im Bad hängt nur noch an
den zwei Drähten seiner elektrischen Zuleitung und die Schiebetür zum Balkon lässt sich nur
schwer öffnen und gar nicht mehr schließen. Der Hausdiener geht mir zur Hand, schiebt
sie mit etwas mehr Kraftaufwand und schon fällt die gesamte Tür mit einem lauten Knall aus
der Führung und liegt, mit erstaunlicherweise immer noch intakter Glasfüllung auf dem
Balkon. Das ist uns denn doch keine 800 Baht wert, wir fragen nach besseren Zimmern und werden
mit leicht schadenfrohem Lächeln darauf hingewiesen, wir hätten ja unbedingt
die billigen haben wollen. Für 900 Baht im 6. Stock gibt es immerhin schon Tapeten an den Wänden
und einen etwas besseren Gesamteindruck, aber die Badezimmer wirken auch dort noch
recht unsauber. Wirklich zufrieden sind wir erst mit den 1000 Baht-Zimmern (20 EUR) im 8.
Stock. Preiswerter wären in Etage 7 die Suiten mit zwei Schlafräumen und gemeinsamem
Wohnzimmer und Bad (1400 Baht, 28 EUR) aber mir erscheint es sicherer, etwas Abstand zu
Thomas zu halten, der inzwischen auf „180" ist. Entweder hat er einen schlechten Tag
oder das nahe Urlaubsende zerrt an seinen Nerven, er beurteilt das Hotel, den Service und
die Mängel jedenfalls nach deutschen Maßstäben und tobt und wettert nach Herzenslust über
die Thais im Allgemeinen und dieses Hotel im Besonderen.
In der Lobby bekommen wir mit
unfreundlichen Blicken zwei Zimmerschlüssel aus der achten Etage hingeschoben und sollen
den Umzug in die besseren Räume selbst organisieren. Als wir mit unseren Koffern dort
ankommen stellen wir fest, dass diese Räume noch gar nicht bezugsfertig sind, weil dort noch das
Reinigungspersonal arbeitet. Jetzt wird sogar Pai leicht ungehalten, doch nach kurzem
Wortwechsel bekommen wir vom Zimmermädchen zwei andere Schlüssel von schon fertigen
Räumen und ziehen dort ein. Daraufhin muss die Empfangsdame die Zimmernummern auf
unserem Meldeformular zum dritten Mal ändern und weigert sich fortan, mit uns auch
nur noch ein Wort zu sprechen. Als Thomas seine Wertsachen im kostenlosen Safe
deponieren will, sieht man der Frau so gar nicht mehr an, dass sie im „Land des Lächelns"
zu Hause ist. Immerhin bietet das Hotel einen
kostenlosen Tuk-Tuk Service bis zur etwa einen Kilometer entfernten Sukhumvit Rd. wo wir einige
Einkäufe erledigen. Etwas später kommen Lek und Khao mit Tochter Nüng und Chin mit Sue
zu Besuch. Sie alle sind neugierig und wollen Nicole und Thomas kennen lernen. Das
keiner mehr nach Hause fährt und sich die Geschwister bis halb sieben morgens
unterhalten, ist für mich schon keine Überraschung mehr.
 
16.12.2004 Tag 33
Nicole und Thomas machen mit mir meine
kleine Bangkok-Sight-Seeing-Tour: Mit dem Sky Train (Hochbahn) für 35 Baht pro
Person von der Sukhumvit Rd., Nana Station erst 3 Haltestellen Richtung Zentrum, in
Station Siam umsteigen und dann bis zur Endstation Thaksin Brücke am Menam Chaopraya.
Hier handeln wir den Preis für ein privates Boot (25 Plätze für uns vier) auf 400 Baht (8
EUR) pro Stunde herunter und buchen eine zweistündige Fahrt durch die Klongs von Thonburi.
Unterwegs gibt es die Möglichkeit, an einer Schlangen- und Krokodilfarm anzuhalten, den
berühmten Tempel Wat Arun zu besichtigen und dann bei den bekanntesten Gebäuden Bangkoks,
dem königlichen Palast und den daneben liegenden Wat Phra Kheo die Bootsfahrt zu
beenden.
Leider verbringen wir gut 40 Minuten
der Gesamtfahrzeit in den Schleusenkammern beim zweimaligen schleusen. Gleich hinter
Schleuse 1 beginnt eine andere Preiszone. Hier versucht man, uns von einem kleinen Paddelboot
aus teure Souvenirs zu verkaufen. Wir wollen allerdings nur gekühlte Getränke und
bekommen auch Bier und Cola, das Bier kostet allerdings den vierfachen Ladenpreis,
Cola ist nur doppelt so teuer wie im Supermarkt. Die Schlangen- und Krokodilfarm lassen
wir aus, nachdem Nicole dort die bislang schlimmsten Toiletten Thailands
festgestellt hat. Die Klongs von Thonburi bieten viele Einblicke, einzelne Supervillen neben
Wellblechhütten, alte Holzhäuser in direkter Nachbarschaft von schmutzigen 
Industriebetrieben. An vielen Stellen münden noch verschlammte kleinere Kanäle in den
schiffbaren und mit einer Straßenbeleuchtung ausgestatteten Hauptklong und man kann
sich gut vorstellen, wie viel Ähnlichkeit dieser Stadtteil vor der Verbreitung von Autos
mit Venedig gehabt haben mag. So richtig abgezockt werden wir nach dem zweiten Schleusen
an der Anlegestelle des Wat Arun. 20 Baht Anlegegebühr, 80 Baht für ein von uns
selbst geschossenes Foto, weil wir zwei dort aufgestellte Sperrholzfiguren als Motiv
benutzt haben, Vor dem Eingang zum Tempelgarten stehen schon wieder Kassenhäuschen,
nein, uns reicht es jetzt schon! An einer weiteren Besichtigung haben wir kein Interesse
mehr.
Auch auf der anderen Uferseite am Wat
Pra Kheo dürfen wir den Bootssteg erst verlassen, nachdem wir 20 Baht Anlegegebühr
entrichtet haben. Da wir uns hier im Zentrum der touristischen Sehenswürdigkeiten
befinden wundern wir uns auch kaum noch, als wir in einem viel zu kalten Restaurant ein
viel zu teures Essen von minderer Qualität serviert bekommen. Also nichts wie weg, das nächstbeste
Tuk Tuk fährt uns für 70 Baht zum Siam Center, wo man in gediegener Atmosphäre z. B.
Designer-Pullover für 19 000 Baht kaufen kann. Den Rückweg zum Hotel legen wir mit einem
Taxi zurück, wobei ich wieder die virtuose Fahrzeugbeherrschung der Taxifahrer im
höllischen Feierabendverkehr von Bangkok City bewundere.
 
17.12.2004 Tag 34
Tobias meldet sich aus Dhaka, wo Irina
und er statt der planmäßigen 5 Stunden nun doch 8 Stunden bis zum Weiterflug nach Bangkok
warten müssen. Dank Biman Airlines brauchen wir also nur einmal zum Flughafen
fahren, denn nun stimmt die Ankunftszeit von Tobias fast genau mit der Abflugzeit von Thomas
überein. Der Rest des Tages vergeht mit warten!
Warten wann Irina und Tobias aus dem Ankunftsbereich herauskommen (sie sind
schon raus, warten aber an einer anderen Stelle), warten, wann Tobias sein Handy
einschaltet (kann er nicht, weil er dreimal den falschen PIN eingegeben hat), warten, ob Thomas
Irinas Handynummer findet (das hat Erfolg, und wir finden einander), warten auf Somboon,
der Thomas noch frische Papayas für Nong und Ratana in Steinhagen mitgeben soll, der
aber auf der Fahrt zum Flughafen irgendwo im Verkehr stecken geblieben ist und
schließlich warten auf den Fahrer des Minibus, der nicht im Parkhaus geblieben ist sondern in der
Ankunftsebene nach uns sucht. Für Nicole und Thomas ist der Urlaub
nun endgültig zu Ende, sie nehmen einen letzten Imbiss in Thailand bei Burger King,
vermutlich um sich über internationales Fast Food wieder der europäischen Küche
anzunähern. Mit guten Weihnachts- und Neujahrswünschen verabschieden wir uns und schicken die
beiden zurück in den europäischen Winter.
Irina und Tobias sind insgesamt rund 30
Stunden unterwegs gewesen, doch die Kondition reicht noch für einen ersten
abendlichen Erkundungsbummel im Bereich unseres Hotels, bevor sie sich zum Ausschlafen
zurückziehen.
 
18.12.2004 Tag 35
Während wir bei wolkenlosem Himmel und
33 Grad die Annehmlichkeiten des Hotel-Pools genießen meldet Thomas per SMS die
pünktliche Ankunft in Frankfurt (5 Grad, Regen). Mit Irina, Tobias und Nick gehe ich auf
kurze Einkaufstour in den Central Department Store, Nick bekommt seine ersehnte
Taucherbrille.


19.12.2004 Tag 36
Wir müssen das Hotelzimmer im Nana
Mansion bis 12 Uhr verlassen, der Flieger nach Phitsanuloke geht aber erst um 18.35
Uhr. Wo sollen wir die Wartezeit verbringen? Erst einmal heißt es, das Gepäck zum
Flughafen bringen und schon mal einchecken. Dazu brauchen wir wieder einmal einen
Minibus, weil Chit, Lek und Mem uns natürlich begleiten wollen. Bei dieser Gelegenheit erhalte
nun wieder einmal die Bestätigung, dass Pai zum aushandeln von Preisen völlig
ungeeignet ist. Sie wird nämlich aufgrund ihres ausländischen Akzentes noch mehr übers Ohr gehauen
als ich, während ich mich im Fall des Falles als durchaus zäher Verhandlungspartner
erweise. Sie will die geforderten 1000 Baht (20 EUR) für die Fahrt zum Flughafen zahlen,
mir gelingt es, den Preis auf 800 Baht (16 EUR) zu drücken. Nachdem wir das Gepäck aufgegeben
haben bleiben uns noch immer 5 Stunden Wartezeit. Die erste davon nutzen wir zu einem
ausgiebigen Mittagessen. Obwohl Chit nur etwa 8 km vom Flughafen entfernt wohnt, kommt es
für Pai aufgrund der hygienischen Verhältnisse nicht in Frage, dort hin zu fahren.
Also erkunden Irina, Tobias, Nick und ich die Infrastruktur eines internationalen Flughafens. Wir
finden Internet-Terminal, Raucher-Cafes, Aussichtsterrasse, Eisdielen und
Beautysalons, Friseure, Wechselstuben, Buchhandlungen und sehr saubere Toiletten und machen
jeder nach seinen persönlichen Bedürfnissen auch Gebrauch davon. Nach gut zwei Stunden
finden wir Pai mit ihren beiden Schwestern und der Nichte immer noch im klimatisierten
Restaurant vor. Meinen Vorschlag, doch noch einen Bummel über den Markt auf der anderen
Seite der vielspurigen Straße vor dem Flughafen zu machen, lehnt meine Frau entrüstet ab.
Die Stahlbrücke (vgl. Tag 2) erscheint ihr immer noch nicht geheuer, also bleiben die vier
weiter im Restaurant während wir anderen auf der anderen Straßenseite für Tobias einen
Anbieter von günstigen Sonnenbrillen suchen. Wir finden außer Essensständen mit Fisch-, Schweine-,
Enten-, Rinder-, Frosch- und Hähnchengerichten auch einige Optikerläden, aber entweder
sind die Sonnenbrillen dort zu teuer oder sie gefallen Tobias nicht. Designer-Brillen mit
klangvollen Namen wie Harley Davidson, kosten hier zwischen 5000 und 8000 Baht
(100 bis 160 EUR). Jedenfalls wird uns Zeit nicht lang und
wir kehren um kurz vor 6 Uhr zurück um die vier anderen endlich aus ihrem  unterkühlten
Restaurant zu befreien.
Der Flug nach Phitsanulok hat wegen der
Wartezeit vor der Startfreigabe ebenfalls wieder Verspätung, dieses Mal sind es aber
nur 15 Minuten. Nach der Landung stellen wir erstaunt fest, dass es hier deutlich kühler als
in Bangkok ist. Alles weitere klappt problemlos, der Hotelbulli steht bereit, unsere Zimmer
im Rajapruk Hotel sind reserviert und den Mietwagen bekomme ich ohne weitere Verhandlungen
zum gleichen Preis wie beim letzten Besuch.
 
20.12.2004 Tag 37
Nach etwas Erholung am Pool gehen wir
auf den Nachtmarkt und anschließend sehen auch Irina und Tobias das Gemüse fliegen.
Die Lotus Fliegeruhr kostet mich nur 250 Baht (5 EUR). Das Lederportomonnaie mit 12
Kartenfächern aber kaum Platz für Kleingeld bekomme ich für 180 Baht (3,60 EUR).


21.12.2004 Tag 38
Beim Einkaufen auf dem Markt begrüßt
uns unerwartet Burt, der schon Schulschluss hat. Wir nehmen ihn mit zu unserem Besuch bei
Pai's Großeltern, die Irina und Tobias natürlich auch kennenlernen
wollen. Auf dem Rückweg nehme ich nach den
vagen Beschreibungen der Verwandten eine mir bislang unbekannte Strecke, die sich
aber als viel kürzere und schnellere Verbindung nach Phitsanulok herausstellt.
 
22.12.2004 Tag 39
Gegen Mittag setzen wir Pai mit einem
reichhaltigen Sortiment an Lebensmitteln vom Markt bei ihren Großeltern ab. Gemeinsam mit
Irina, Tobias und Nick fahre ich weiter zum Suam Nam Resort, wo wir dieses Mal zwar
nicht wohnen, aber einen schönen Nachmittag am Pool verbringen. Bei Einbruch der Dunkelheit
sind wir zurück bei Oma und Opa, dort haben die Verwandten aus den mitgebrachten
Zutaten wieder einmal diverse kulinarische Köstlichkeiten zubereitet. In der lauen Abendluft
kommt mir spontan die Idee, die zweite meiner großen Himmelslaternen vom Loy Kratong Fest
auszuprobieren. Natürlich weiß ich, das diese bei Schaad zu Hause liegt, also immerhin so
ca. 15 km vom Haus der Großeltern entfernt. Ich nehme aber den kürzeren Weg über die
unbefestigten Sandwege durch die Reisfelder und schaffe die Strecke in knapp 30
Minuten. Weil auf diesen abgelegenen Wegen niemand im Dunkeln unterwegs ist, bleibt mein
Rallye-Fahrstil von Außenstehenden unbemerkt, Schaads Kinder aber werden von dieser Fahrt
vermutlich noch ihren  Enkelkindern berichten. Als Tribut büßt unser braver Toyota seine
Lackierung in gold-metallic ein und präsentiert sich im Licht des nächsten Morgens in einem
stumpfen rotbraun, über und über von Staub bedeckt. In dieser Nacht schlafen wir bei den
Großeltern, die für uns flugs einige Matratzen und leichte Decken unter den Moskitonetzen bereit
legen. Pai macht durch und lässt mit ihrem Onkel und einigen anderen während dieser Nacht
die vergangenen 25 Jahre Revue passieren. Mich treibt es gegen 4.15 Uhr aus dem Bett; mir ist
lausig kalt. Das ändert sich auch nicht, als ich mich in kurzer Hose und T-Shirt still zu den
anderen an den Tisch setze. Oma Nim macht derweil im Garten ein kleines Lagerfeuer, an dem
sich Opa nach dem Aufstehen wärmen kann. Gerne assistiere ich ihr dabei und halte dann
das Feuer durch kontrolliertes Nachlegen immer auf dem Niveau, das es mir erlaubt ohne
klappernde Zähne daneben zu stehen. Das Feuer lasse ich erst gegen 8.30
ausgehen, als die Sonne endlich die erwünschte Wärme spendet.
 
23.12.2004 Tag 40
Um 11.00 Uhr fahren wir nach
Phitsanulok zurück, duschen kurz, packen die Koffer und können pünktlich um 12.00 Uhr
auschecken. Unser gesamtes Gepäck ist trotz mehrerer Versuche nicht im Auto  unterzubringen.
Spontan erklärt sich das Hotelpersonal bereit, die Koffer abends mit dem Hotel-Bulli zum
Airport zu bringen. Die restlichen Stunden vor dem Abflug
verbringen wir im Haus von Yen und Morn. Ich erkunde per Toyota noch den kürzeren
Weg nach Nong Tom durch die Reisfelder (6 km). Anschließend wird für und mit Tobias
wird noch ein Ta Kor Turnier veranstaltet. Wieder einmal muss ich die  Geschicklichkeit
und sportliche Fitness aller bewundern, vor allem aber von Schwager Schaad, der trotz seiner
37 Jahre allerlei akrobatische Einlagen zeigt. Bei Einbruch der Dämmerung kommt der
unvermeidliche Abschied von unseren Lieben in Nong Tom, ein trauriger Moment für uns
alle, mit Tränen in den Augen treten wir die letzte Fahrt mit unserem Mietwagen zum Flughafen
Phitsanulok an. Das Gepäck ist schon da, die Plätze
sind reserviert, der Start erfolgt fast pünktlich, so dass wir um 21.30 wieder in Bangkok sind. Sogar
der von uns im voraus bestellte Minibus erwartet uns und es dauert nicht einmal ganz
zwei Stunden bis wir wieder in Pattaya ankommen.
 
24.12.2004 Tag 41
Trotz meiner schon bekannten
Hartnäckigkeit gelingt es mir nicht ganz, meine Preisvorstellung bei der Anmietung des
Mopeds für die restlichen 6 Wochen durchzusetzen. Immerhin kann ich einen Monatspreis von
2800 Baht herausholen. Dem entspannten Nachmittag am Strand
folgt abends ein Besuch auf dem Markt. Ohne Mühe finden wir trotz großem Andrang noch
eine Parklücke für die beiden Mopeds und bummeln in der nächsten Stunde von Stand zu
Stand. Klar, das dabei auch das leibliche Wohl nicht zu kurz kommt, hier kostet eine einfache
kleine Mahlzeit nur 10 oder 20 Baht (0,20 – 0,40 EUR). Das Pattaya Police Department hat sich
für uns eine besondere Weihnachtsüberraschung ausgedacht: Bei unserer Rückkehr zu
den Fahrzeugen finden wir die Mopeds mit einer dicken Kuhkette aneinander gekettet vor, je
ein Strafzettel in thailändischer Sprache bezichtigt uns des Parkens im absoluten Haltverbot
(rot-weiße Bordsteinmarkierung). Die Lektion habe ich schnell begriffen, aber wie werden wir
wieder mobil? Plötzlich taucht ein hilfsbereiter Polizist auf (vielleicht der selbe, der unsere
Maschinen angeschlossen hat?) und öffnet die Kette. Inkassovollmacht hat er offenbar keine,
denn er schickt Pai und mich zum Bezahlen zur Polizeistation und behält Irina und
Tobias als Geiseln vor Ort. Fröhlich berappe ich 600 Baht, immerhin habe ich bei der Polizei die
Gelegenheit eine Arrestzelle zwar aus der Nähe, aber von der offenen Seite aus zu sehen.
Sofort nach dem ich bezahlt habe ruft Tobias an und teilt uns mit, sie seien auf dem Rückweg,
der freundliche Polizist habe sie freigelassen. Spätere Erkundigungen ergeben die Tatsache,
dass Einheimische für das gleiche Vergehen nur die Hälfte bezahlen.
 
25.12.2004 Tag 42
Am Airpark treffe ich endlich auf Neil,
der aber nur kurz einen Passagierflug mit dem Flightstar durchführt und dann wieder
eilig nach Bangkok muss. Immerhin reicht es für einige Infos. Am Strand besucht uns Pai's
Tante Phia die aus dem 30 km entfernten Chonburi angereist ist. Die beiden haben sich
seit 30 Jahren nicht gesehen, erkennen sich aber dennoch. Spät in der Nacht fahren die
Verwandten wieder ab. Ich kann das Tagebuch nicht mehr elektrisch führen, denn der Laptop
lässt sich plötzlich nicht mehr einschalten.
26.12.2004 Tag 43Gegen Mittag am Strand schnappe ich
einige Geprächsfetzen über Tote in Südthailand auf, schreibe dies aber den schon bekannten
politischen Unruhen in dem Gebiet zu. Abends beim Essen erhält jemand am Nebentisch eine
SMS, in der von einem Erdbeben die Rede ist. Immer noch sind wir völlig ahnungslos.
Erst als nacheinander Chid und Schaad anrufen, sich völlig aufgeregt nach unserem
Aufenthaltsort erkundigen und kaum glauben wollen, dass Pattaya nicht in Südthailand liegt,
schalten wir die  Fernsehnachrichten ein und erfahren von der wahrscheinlich größten
Naturkatastrophe, die sich unweit von uns ereignet hat. Ein Tsunami, eine durch Seebeben ausgelöste
gigantische Flutwelle hat im gesamten südasiatischen Raum verheerende
Verwüstungen angerichtet, ganze Dörfer und Ferienanlagen weggespült und ca. 300000 Menschen das
Leben gekostet. Auch ein Enkelsohn des thailändischen Königs ist unter den
Opfern. Thailand ist mit etwa 2500 Toten noch relativ glimpflich davon gekommen, allein in
Indonesien spricht man von 80000 Toten und auch Indien und Sri Lanka hat es übel
erwischt. Aber durch die beliebten Urlaubsziele Phuket, Koh Phi Phi, Koh Phangarn und Khao Lak ist
der Anteil der betroffenen Ausländer in Thailand außergewöhnlich hoch. Ich setze per E-mail umgehend Lebenszeichen nach Deutschland ab und kann versichern, dass wir hier an
der Ostküste absolut nichts mitbekommen haben.
 
27.12.2004 Tag 44
Wir besichtigen 2 von 3 Kartbahn
Anlagen, ich bringe den Laptop zur Reparatur, Tobias versucht sich auf der Wasserskianlage
und ich treffe am Airpark auf Uthai, der umgehend dieZenair CH 701 für mich klarmacht. Die
U-V 99 fliegt sich ähnlich wie unsere alte Wild Thing, ist dank der Vorflügel noch
gutmütiger und braucht für Start und Landung extrem wenig Pistenlänge. Nach einem
gemütlichen Flug in 1000 ft. entlang der Strände rät Uthai erst zur 180 Grad Umkehrkurve, als er vor
uns im Dunst ein Polizeiboot ausmacht. Seine diesbezüglichen Erklärungen bekomme
ich in ihrer Bedeutung nicht so ganz mit, höre aber im Funk, dass wir für unseren Flug eine
Freigabe von der Navy erhalten haben. Einige Touch-and-go Landungen runden die Einführung
auf dem für mich neuen Flugzeugtyp nach knapp einer Stunde ab. Auf der Zufahrtsstraße
zum Airpark überfährt der PKW vor mir eine giftgrüne etwa daumendicke Schlange
von gut einem Meter Länge, die von innen übrigens rot aussieht.
Zum Abendessen gibt es für mich
Rinderrouladen mit Bratkartoffeln in der Kakadu Bar in Nord Pattaya (210 Baht, ca. 4 EUR).
 
28.12.2004 Tag 45
Eigentlich müssten wir heute unser
Bergfest feiern, da aber der PC immer noch nicht einsatzbereit ist, sind wir uns nicht
ganz sicher, ob wirklich schon die Hälfte unseres Urlaubs herum ist. Um nicht lange von Hand
nachrechnen zu müssen, legen wir das Bergfest kurzerhand auf Freitag, den 31.12.
fest. Jeder der möchte, ist eingeladen, unser Bergfest mit Feuerwerk und Sekt gebührend zu
feiern. Wir verbringen den Tag am
Wongamat-Strand der zwar mit klarem Wasser zum Baden einlädt, aber ansonsten außerhalb der
Liegestuhlreihen ziemlich mit Müll verdreckt ist. Das deutsche Gericht Rinderrouladen wird
hier für den sagenhaften Preis von nur 99 Baht (2EUR) als Tagesgericht angeboten.
 
29.12.2004 Tag 46
Heute machen wir zum ersten Mal von
unserem Mitgliedsausweis Gebrauch und besuchen das zu unserer  Appartementanlage
gehörende Clubhaus und den „Schmetterlingspool".


30.12.2004 Tag 47
Wieder nur Pool, da Nick hier kaum aus
dem Wasser zu kriegen ist. Auch Pai geht hier zum allerersten Mal in diesem Urlaub zum
Schwimmen ins Wasser. Thomas ruft an und verrät mir, wie ich
nach der erfolgten Computerreparatur auch Windows wieder starten kann.
 
31.12.2004 Tag 48
Nach einigen Besorgungen schlage ich
vor, an den Strand zu gehen, werde aber zugunsten des Schmetterlingspools überstimmt. Nick
zeigt für einen Fünfjährigen erstaunliche Frauenkenntnis, als er mir unvermittelt
vorschlägt, von vier Frauen (Mutter, Tochter und zwei Tanten?) die uns an der Theke des
Restaurants den Rücken zuwenden, diejenige mit dem schönsten Hintern auszuwählen. Er
wählt die Tochter, eine Entscheidung, der ich uneingeschränkt zustimme.
Abends, so gegen 22.00 beim
Thai-Barbecue zünden einige schon ziemlich betrunkene Ausländer ihre bombastischen
Feuerwerksbatterien in der schmalen Soi 7 zwischen den Gebäuden. Prompt erscheint die Polizei
und unterbindet zu unserer Erleichterung weiteren Unfug dieser Art. Die Böller und
Kanonenschläge die dennoch immer wieder einmal in unserer Nähe detonieren haben nach
meiner Einschätzung ein Format, das in Deutschland nur von ausgebildeten Feuerwerkern gezündet
werden dürfte. Jedenfalls reagieren diverse Diebstahlwarnanlagen in abgestellten
PKW's auf die Explosionen mit andauerndem Gejaule. Uns wird schon Angst und Bange, wenn
wir an die Rückfahrt mit dem Moped über die Jomtien Beach Road um kurz vor
Mitternacht denken. Aber es geht alles gut, wir kommen unbehelligt an unserem gewohnten
Strandabschnitt an, wo man uns sofort Spanferkels vom Grill anbietet. Auch heute starten einige der schon
erwähnten Himmelslaternen und tragen geheime Wünsche ins neue Jahr. Die Füße
umspült vom warmen Meerwasser, Sektbecher oder Bierflaschen in den Händen und gut
gesättigt dehnen wir unseren ersten Strandaufenthalt im Jahr 2005 bis um 2 Uhr in der Frühe
aus.
 
01.01.2005 Tag 49
Während Tobias und Irina sich Nong
Nooch, den tropischen Garten ansehen, trifft Chid per Bus aus Bangkok ein. Am Swimmingpool
werden wir von Heinrich aus dem Schwarzwald über die reellen Preise in unserem
Condominium aufgeklärt, die etwa um die Hälfte unter dem von uns bezahlten Betrag liegen. Wir
nehmen uns vor, beim nächsten Urlaub hier etwas sorgfältiger zu recherchieren.
Irina hat Magen-Darm Probleme,
wahrscheinlich eine ansteckende Infektion (Fortsetzung siehe Eintragung vom 03.01.).
 
02.01.2005 Tag 50
Abfahrt mit Exclusiv-Minibus (nur für
uns 3) nach Laem Ngob um 9.30, Ankunft 14.00 Uhr, reine Fahrzeit 4 Stunden, Preis 2500
Baht. Wenn man bedenkt, dass die kommerziellen Minibusse ihre Wagen möglichst mit 11
Fahrgästen und Gepäck vollstopfen und dann pro Person 350 Baht kassieren, hat er uns
wirklich einen fairen Preis gemacht.
In Pattaya kommt derweil viel Besuch,
Tante Phia und ganz viele Verwandte.
Wir kommen gerade rechtzeitig zum
sonntäglichen BBQ bei TK Hut an und werden von Michael (Eigentümer) mit zwei
Familienbungalows versorgt. Wir wohnen also in einem Doppelbungalow mit zusammen 4
Doppelbetten. Da er keine kleineren Bungalows frei hat, zahlen wir statt 600 aber nur den Preis
für die kleinen, nämlich 350 Baht. Nach dem essen sitzen wir noch lange an
der Freiluft-Bar und trinken kühles gezapftes Chang Bier aus Literkrügen. Dabei erfahren
von Peter, einem in Norwegen lebenden Schweden die schmerzhafte Skorpion-Geschichte: Er
zieht sich nie wieder seine Shorts an, ohne sie vorher gründlich auszuschütteln, der
Skorpion, der sich nachts in seiner Hose versteckt hatte, stach ihn zweimal in seinen Allerwertesten,
als er sich zum ersten Mal hinsetzen wollte. Danach wollte Peter sich mehrere Tage gar
nicht mehr hinsetzen. Ein Mitarbeiter von Daimler Benz aus Bremen arbeitet am Ende der Bucht
an seinem neuen Haus, spätestens in fünf Jahren will er mit seiner Thai-Frau auf Dauer nach
hier übersiedeln.


03.01.2005 Tag 51
Früh morgens, nachdem der Strom schon
abgeschaltet ist, werde ich wach und fühle mich hundeelend. Durchfall, Magenkrämpfe
und Erbrechen sind in der Zivilisation schon unangenehm genug, hier im Outback, nur
im Licht der Taschenlampe und vor allem ohne Trinkwasser (ich habe abends nicht
daran gedacht, zumindest eine Flasche vom Restaurant mitzunehmen) kann ich die Redensart vom
„üblen Nachgeschmack" mit Nachdruck bestätigen. Selbst als ich mich
endlich um 7.00 Uhr mit Trinkwasser versorgen kann, bessert sich mein Zustand nicht. Bis auf eine
Scheibe Toastbrot und einige trockene Kekse, die mein rebellierender Magen gnädig annimmt,
kann ich an diesem Tag nichts zu mir nehmen und bleibe den ganzen Tag groggy im Bett.
Am späten Abend versorgen mich Irina und Tobias noch mit mehreren Tassen Tee, danach
geht es mir wieder etwas besser.
 
04.01.2005 Tag 52
Das sehr reichhaltige „German
Breakfast" schmeckt mir wieder und sorgt für ausreichend Kalorien. Ich fühle mich wieder gesund
und bin auch in der Lage, mich weiter als 3 Minuten von der Toilette zu entfernen. Wir
wandern den ganzen Strand entlang, nach meiner Schätzung etwa 5 km, und sehen dabei
Resorts in unterschiedlichen Preisklassen. Da jedes Resort über ein Restaurant verfügt,
ist unser Wohlbefinden bei der Strandwanderung gesichert. Abends paddeln wir mit den
zwei See-Kanus von TK Hut in 45 Minuten noch bis kurz vor das vorgelagerte Inselresort
und zurück. Sobald die Sonne untergegangen ist, wird es ziemlich kühl, mit langer Hose und
langen Ärmeln ist man gut beraten. Die Einheimischen ziehen sich dicke Jacken an und Michael
denkt laut darüber nach, an der Bar Glühwein auszuschenken.
 
05.01.2005 Tag 53
Um viertel vor sieben heißt es
aufstehen, heute beginnt für Irina und Tobias die sehr lange Heimreise. Nach dem Frühstück bringt
uns der Fahrer von TK Hut zum Pier, wo um 8.00 Uhr die Fähre zum Festland ablegt. Nach
drei Stunden erreichen wir Laem Ngob und fahren unmittelbar darauf im vollbesetzten
Song Teo in die City von Trat. Hier kaufen wir Fahrkarten für die klimatisierten VIP
Busse, Irina und Tobias nach Mor Chit in Bangkok, ich nach Chonburi, weil es keinen Bus
direkt nach Pattaya gibt. Mein Bus fährt als erster um 12.00 Uhr ab, die beiden haben bis zur
Abfahrt um 12.30 noch ein wenig Zeit, um Geschenke für die Heimat einzukaufen. Mein Bus hat den ersten längeren
Aufenthalt in der Busstation von Chantaburi, zum zweiten Halt stoppt er für 15 Minuten an einem
Rasthof an der Nationalstraße. Um mir etwas die Beine zu vertreten steige ich aus und
werde im Rasthaus hinterrücks auf Deutsch angesprochen: „Na, habt ihr euch
verfahren?" Ich  fahre herum und traue meinen Augen kaum, dort sitzen seelenruhig meine beiden
Heimkehrer, von denen ich mich doch schon drei Stunden zuvor in Trat verabschiedet
hatte. Ihr Bus hatte vor fünf Minuten hier ebenfalls Halt gemacht. Wir kommen ins Plaudern und
sehen plötzlich aus den Augenwinkeln, dass sich einer der beiden Busse schon wieder in
Bewegung setzt, der zweite Abschied fällt also extrem kurz aus. Die beiden hetzen im
Laufschritt auf den Parkplatz, ein hilfsbereiter Passant stoppt den schon angerollten Bus und weiter
geht es in Richtung Bangkok. Wenige Minuten später fährt auch mein
Bus weiter, die Busbegleiterin startet den DVDPlayer wieder und wir alle können die
thailändische Version eines Disney-Piraten-Spielfilms zu Ende ansehen. Um 16.30 Uhr erreichen
wir Chonburi und man zeigt mir auf der anderen Straßenseite den Regionalbus, der nach
Sattahip über Pattaya zurückfährt. Der letzte freie Sitzplatz auf der Rückbank scheint für
mich reserviert zu sein. Noch bevor ich mich gesetzt habe, geht die Fahrt los. Weil an
beiden Seiten alle Gardinen des Busses zugezogen sind, kann ich meine Wahrnehmungen ganz auf
den Innenraum konzentrieren. Der Fahrer scheint auf der Kartbahn groß geworden zu
sein, jedenfalls kennt er nur Gas oder Bremse, beides betätigt es im virtuosen Wechselspiel
ganz oder gar nicht. Genau so ruckartig wie die Vorwärtsbewegung erfolgen auch die
Spurwechsel. Nach Kurzstopps an Bedarfshaltestellen beschleunigt er nicht selten auf den
schlaglochübersäten Seitenstreifen bis er sein Fahrzeug urplötzlich wieder in eine Lücke des
fließenden Verkehrs nach rechts springen lässt. Doch ich bin scheinbar der einzige Fahrgast in
dem inzwischen völlig überfüllten Bus, dem es an Vertrauen fehlt. Alle Passagiere die
das Glück hatten, noch Sitzplätze zu bekommen, befinden sich im Tiefschlaf. Nur die 20 Leute,
die im Mittelgang stehen müssen, werden durch die Schaffnerin wachgehalten, indem sie
sich immer wieder zum kassieren durchschlängelt und bei der Gelegenheit auch schon eine
Vorsortierung derjenigen vornimmt, die als nächste aussteigen müssen. Die Ein- und
Austiegstür liegt vorne und ich mache mir Gedanken, in welchem Zeitraum es einer Person mit
meinem Umfang wohl möglich ist, sich durch den Mittelgang von ganz hinten nach ganz
vorne zu bewegen. Praktische Beispiele fehlen, alle anderen Mitfahrer verfügen zusätzlich
zu ihrem Körpergewicht von nur 40 oder 50 kg über die Geschmeidigkeit von Aalen und
gelangen scheinbar mühelos rechtzeitig zur Tür. Sichtkontakt nach außen gibt es immer
noch nicht, wie also soll ich erkennen, wann ich aussteigen muss? Die Entfernung
Chonburi – Pattaya beträgt knapp 60 km und wir fahren inzwischen gut eine Stunde. Ich frage
meinen Nebenmann, ob wir schon in Pattaya sind. Nach kurzem Blick auf die geschlossenen
Gardinen beruhigt er mich. Nein, nein, er will selbst nach Pattaya, so weit sind wir noch nicht.
Der Mann mit dem Röntgenblick erscheint zwar vertrauenswürdig aber ich bleibe
skeptisch. Als der Mittelgang des Busses zwischen zwei Haltestellen etwas leerer geworden ist,
schaffe ich es bis zur Mitte. Dort treffe ich auf die schlangengleiche Schaffnerin und gebe
ihr meine Zielhaltestelle bekannt. Sie platziert mich auf den nächsten freiwerdenden Sitz im
Mittelbereich, damit ich meine kleine Reisetasche nicht immer über dem Kopf halten muss.
Dann endlich, nach 90 Minuten denkwürdiger Busfahrt, wird im Bus von vorne nach
hinten die Meldung weitergegeben, der Ausländer müsse an der nächsten Haltestelle
aussteigen. Hilfreiche Hände schieben und drücken mich nach vorn und tatsächlich erreiche ich
die Tür just in dem Moment, als der Bus an meiner Zielhaltestelle anhält. Jetzt sind es
nur noch 10 Minuten mit dem Moped-Taxi bis ich wieder in unserem Appartement bei Nick und Pai
ankomme. Ich habe länger gebraucht als die beiden Heimkehrer, die schon vor 30 Minuten in
Bangkok angekommen sind.
Tobias meldet pünktlichen Abflug um
21.30 nach Dhaka, Ankunft ebenfalls pünktlich gegen 23.00 Uhr voraussichtliche Aufenthaltsdauer
8 Stunden.
 
06.01.2005 Tag 54
Post von Robert (Flieger-Zeitschriften)
kommt nach 8 Tagen Laufzeit per Boten bis insAppartement. Tobias meldet Abflug mit DC 10 nach 12
Stunden Wartezeit. Jetzt soll es über Djidda und Rom nach Frankfurt gehen. Irina feiert
Ihren heutigen Geburtstag also in vier Ländern, Bangla Desh, Saudi Arabien , Italien und
Deutschland.
Wir verabschieden Chit per Bus nach
Bangkok und begrüßen unsere Bekannten Horst und Oy Quelle, die heute mit der LTU aus Düsseldorf eingeflogen
sind. Es gibt Bacardi Black aus dem Duty free Shop, bis Horst Schwierigkeiten hat, seine
Gedanken auszusprechen und das Gleichgewicht zu halten.
 
07.01.2005 Tag 55
Morgens um halb zwei Ortszeit kommen
Irina und Tobias in Frankfurt an und sind nach rund dreißig Stunden Reisedauer nicht mehr
ganz so guter Dinge. Thomas hat den Verlauf der Reise mitverfolgt und weiß, dass erst
um 05 Uhr 50 der erste Zug geht. Um den beiden diese Wartezeit nicht auch noch zuzumuten,
steht er am Airport zur Abholung bereit. Nicole und er opfern großmütig ihre Nachtruhe um
die beiden nach Hause zu holen, wo sie endlich um 05.30 eintreffen.
Unser Tag verläuft ruhig und erholsam
am Pool, bevor wir gegen Abend schon wieder zu Quelle's müssen. Offenbar sind sie der
Meinung, dass wir, wenn wir schon nicht bei Ihnen wohnen, zumindest jeden  Urlaubstag mit
Ihnen verbringen werden. Wie sag ich ihnen bloß ab, ohne unhöflich zu werden?
 
08.01.2005 Tag 56
Neil bietet mir am Pattaya Airpark
Sonderkonditionen, um dort zu chartern und zu fliegen: Die Lehrunterlagen plus Anmeldung zur
theoretischen Prüfung bei der DCA in Bangkok plus persönliches Coaching zur
Prüfungsvorbereitung bekomme ich gratis. Die (zwingend) erforderliche Mitgliedschaft im
thailändischen Fliegerverband (Sport Flying Association Thailand, SFAT) kostet 2700 Baht und
gilt lebenslang. Für die ebenfalls erforderliche Mitgliedschaft im Pattya Airpark Flying
Club, PAFC ist ein Jahresbeitrag in Höhe von 7700 Baht fällig. Dazu kommen dann nur noch
die praktischen Flugstunden, für die ich mit Safety-Pilot genau so viel bezahlen muss wie
die Chartergebühr für Mitglieder beträgt. Der Flightstar II kostet 2500 Baht pro Stunde, die
Zenair CH 701 3000 Baht. Zwar verlangt das DCA von jedem Piloten mindestens 15 Stunden
Praxis, aber Neil lässt durchblicken, dass ich mit meiner Flugzeit von inzwischen fast 100
Stunden diese erforderliche Mindeststundenzahl nach erfolgreicher Einweisung auf dem für
mich neuen Muster bescheinigt bekomme.
Leider streikt seit heute auch die von
Uwe geliehene Digital-Fotokamera Sony Cybershot. Obwohl ich die Bedienungsanleitung
mitgenommen habe, gelingt es mir nicht, sie wieder in Ordnung zu bringen. Ich werde wohl
Ausschau nach einem Sony-Händler halten müssen, der mir hoffentlich helfen kann. Das Abendessen nehmen wir wie schon so
oft wieder an der Ecke Jomtien Beach Rd. / Soi 3 ein, hier ist die Auswahl einfach
riesig und die Preise stimmen. Heute kostet es inkl. Getränke für uns drei 260 Baht. Dafür gab es
eine gegrillte Makrele mit Reis, ein Omelett mit Reis, eine Thai-Nudelsuppe, einen
Thai-Papaya-Salat (sehr scharf), zwei Bier, eine Fanta und einen Melonen-Shake.
 
09.01.2005 Tag 57
Im Sony Shop im Thailand Entertainment
Center an der 2nd Road wird innerhalb von wenigen Minuten die Uwes Digitalkamera
wieder belebt. Um sicher zu gehen, dass der Fehler nicht noch einmal auftritt, werden alle
Kontakte nochmals gründlich gereinigt und alle Funktionen getestet, nach einer halben
Stunde kann ich das Gerät wieder mitnehmen. Die Reparatur kostet mich (genau wie zuvor
die Laptop-Instandsetzung) 300 Baht. Vielleicht sollte ich hier auch einmal das Problem
mit Uwes Videokamera lösen lassen. Nachmittags am Pool lerne ich Som Pong
kennen, einen agilen Thai, der immer sonntags mit seinen beiden Kindern (6 und 7 Jahre
alt) hierher zum Baden kommt. Weil er keine Visitenkarten dabei hat, schreibt er
mir außer seiner Telefonnummer auch noch gleich eine Auswahl seiner Dienstleistungen auf die
Rückseite eines alten Kassenbons: Vermittlung von Häusern und
Appartements zum mieten oder kaufen, Verkauf von Grundstücken, PKW Verleih (Mazda 323 1000 Baht/Tag), Motorrad Verleih (175er Honda Chopper
350 Baht/Tag), Airport Taxi mit Volvo-Van 1700 Baht. Weil der Kassenbon voll ist, erfahre
ich von weiteren möglichen Geschäften zunächst nichts konkretes, aber ich bekomme wertvolle
Hinweise auf naturbelassene, fast unberührte Strandabschnitte a la Koh Chang nur 30
km von Pattaya entfernt. Som Pong empfiehlt Pla Lah Beach und die beiden
Nachbarstrände. Hoffentlich kann ich die mündliche Wegbeschreibung behalten, es sollte
einen Versuch wert sein, mit unserem Moped mal einen Ausflug dort hin zu machen. Um 19 Uhr treffen wir uns mit Emmy zum
Abendessen in Andy's Mangoon Restaurant, ganz in der Nähe unseres früheren Domizils
Jade House Berlin. Welch ein Team, Emmy, die schwer kranke 79-jährige
Deutsch-Belgierin, die sich ihre Beschwerden kaum anmerken lässt und nicht aufhört zu erzählen, wie
wohl sie sich in Thailand fühlt und Andy, der junge in Karachi geborene Düsseldorfer, der
seit knapp 2 Jahren mit seiner Thaifrau dieses Restaurant mit Erfolg betreibt. Beide necken sich
wo sie nur können, sie haben offensichtlich ein Verhältnis zueinander, wie man es von
einer Oma und ihrem Enkel erwarten würde. Andy's Preise sind durchaus nicht übertrieben,
der Abend kostet uns mit Filet-Steak vom Rind, Rinderroulade nach Düsseldorfer Art,
Kinderteller, Bier, Fanta, Eiscreme, zwei doppelte Fernet (zur Verdauung) 730 Baht (knapp
15 EUR).


10.01.2005 Tag 58
Zum Frühstück gibt es heute frisches
Baguette mit Gouda-Käse aus Neuseeland. Gegen Mittag habe ich Gelegenheit, im Haus
der Quelles einheimische Handwerker bei der Arbeit zu sehen. Am Vortag wurde  bereits eine
Klimaanlage der neuesten Generation im Schlafzimmer eingebaut (15000 Baht), jetzt sind im
Obergeschoss die Fliesenleger am Werk. Durch den höheren Fußbodenaufbau müssen die
Zimmertüren gekürzt werden. Das passiert mit einer Handsäge (Fuchsschwanz) nach Augenmaß.
Als die zwei  gewünschten neuen Steckdosen im Schlafzimmer montiert werden sollen,
kann Horst in letzter Minute verhindern, dass die Stromversorgung als Aufputzleitung von
der Zimmerdecke heruntergelegt wird. Sein ausdrücklicher Wunsch, das Kabel
hinter der Sockelleiste des neuen Fußbodens zu verlegen und unter Putz bis zur Steckdosenhöhe
herauf zu legen, wird zwar erfüllt, doch scheinen die Handwerker das eher für den spinnerten
Wunsch eines verquerten Ausländers zu halten.


11.01.2005 Tag 59
Der Tag am Pool vergeht schnell, am
späten Nachmittag kommen die Quelles und abends fahren wir zur Soi 3 zum essen. Gegen
20 Uhr sehe ich mal nach, ob mein Fliegerfreund Volker mit seiner Frau Marianne schon
beim Holländer eingetroffen sind. Ich komme gerade dazu, als die beiden aus dem Taxi
steigen und es wird noch ein langer Abend, an dem die beiden die ersten Eindrücke von
Thailand bekommen.


12.01.2005 Tag 60
Wir warten am Strand auf Marianne und
Volker, leider ist das Wasser heute wohl aufgrund der Windrichtung und -stärke ziemlich
schmutzig, es werden allerlei Gegenstände an den Strand gespült. So sind wir froh, kurz
vor Einbruch der Dunkelheit bei uns im Pool noch ein erfrischendes sauberes Bad nehmen zu
können. Den beiden, die zu Hause sehr einsam auf dem Land wohnen, ist das Zimmer bei dem
Holländer zu laut. Sie wollen morgen, wenn sie Ihren schon in Deutschland über
DER-Tours gebuchten Mietwagen in Empfang genommen haben, eine ruhigere Unterkunft suchen. Das Abendessen dehnen wir über 3 ½
Stunden bis kurz vor Mitternacht aus, wir können den Thailand-Anfängern noch einige
nützliche Hinweise geben.


13.01.2005 Tag 61
Wecken durch Volker um 09.30, er will
seinen Mietwagen abholen. Weil ich aber gerade erst aufgestanden bin, macht er sich allein
auf die Suche nach der Tipp-Plaza. Später ruft er mich an und erzählt mir, dass er blanko
unterschreiben sollte, die Vermietbedingungen gelesen zu haben. Allerdings waren diese
Bedingungen in dem Büro zumindest in englischer Sprache, überhaupt nicht verfügbar. Mit
Mietwagen-Angelegenheiten im Ausland erfahren findet Volker aber schnell einen Ausweg: Er
setzt einen kurzen Text auf und lässt sich von den Mitarbeitern der Firma unterschreiben,
dass er die Vermietbedingungen nicht einsehen konnte. Mit diesem Auto finden die
beiden denn auch binnen kurzer Zeit ein neues ruhigeres Hotel etwa 15 km südlich von Pattaya
im Sunset Village Resort (1900 Baht pro Nacht und Bungalow am Strand).
 
14.01.2005 Tag 62
Der Tag beginnt mit zwei
Überraschungen:
1. Es herrscht großräumiger Stromausfall, damit sind Aufzug und Licht außer Betrieb,
und es gibt auch keinen Kaffee und keinen Toast und keine Eier zum Frühstück. Irgendwo
ist eine Umspannstation ausgefallen und niemand weiß, wann es wieder Strom geben wird.
2. Es fallen Wassertropfen in großer
Anzahl aus einem bewölkten Himmel. Ähnlich verwundert wie wir muss seinerzeit Noah
über dieses Phänomen gewesen sein. Immerhin können wir uns noch an die Zeit vor 62
Tagen in Deutschland erinnern. Wie nannten wir es dort? Ach ja, Regen!
Schade, bei Regenwetter in
Strandkleidung Moped zu fahren macht auch nicht sehr viel Spaß, sonst wäre ich auf einen richtigen
Kaffee aus der Kaffeemaschine zu Oy und Horst Quelle gefahren, die übrigens exakt heute den
Tag ihrer Silberhochzeit feiern. Der Westfale an sich zeigt sich ja oft recht
wetterunempfindlich und so gehen Nick und ich erst einmal bei
stetigem Landregen im Swimmingpool ausgiebig
schwimmen.  Erwartungsgemäß sind wir lange Zeit die einzigen. Erst kurz vor Mittag
gesellt sich Chaya zu uns, ein in Borken lebender Wahl-Westfale. Der Stromausfall hält auch
über Mittag noch an, der Regen weitet sich zum Wolkenbruch aus aber Pai bekommt
Hunger. Also wate ich mit Nick, beide in kurzen Hosen aber mit unseren deutschen Regenjacken
ausgerüstet durch zum Teil knöcheltiefes Wasser in Richtung Beach Road. Die Song Teos
verkehren noch, also kommen wir problemlos zu einem bekannten Restaurant, in dem es alle
Gerichte auch zum Mitnehmen gibt. Am Strand ist deutlich weniger Betrieb, aber trotz
des immer noch  strömenden Regens sind tatsächlich einige Unentwegte (alles Westfalen?) im
Wasser und unter den Sonnenschirmen zu finden, die ihre Funktion als Regenschirme nur
unzureichend erfüllen. Bei unserer Rückkehr sind endlich auch
die Aufzüge wieder in Betrieb und auch im Appartement ist der Stromausfall
beendet. Gegen 14.30 Uhr hört der Regen auf und die beiden Essenholer beschließen, ihre
völlig durchnässten Regenjacken auf einer Moped-Tour trocken zu fahren. Wir fahren die
Sukhumvit Rd. südwärts und sehen uns einige (für unsere Verhältnisse zu teure) Hotelanlagen
an. Wir treffen auf Volker, der uns bis zum Pattaya Airpark folgt und dort im letzten
Büchsenlicht mit Uthai noch einen 40-minütigen Rundflug macht.
 
15.01.2005 Tag 63
Wir werden von Oy und Horst geweckt,
die schon um 10.15 Uhr mit ihren Einkäufen fertig sind und lautstark bei uns anklopfen.
Sie überzeugen uns, dass das Wetter immer noch schlecht genug ist, um mit ihnen den
Tag in ihrem Haus zu verbringen. Tatsächlich beginnt es kurz nachdem wir dort angekommen sind,
fein und ausdauernd zu regnen und dieser Regen hält bis zum späten Abend an.
Unterhaltung, Fernsehprogramm und nicht zuletzt Saeng Som und Cola sorgen derweil dafür, dass
keine Langeweile aufkommt. Am 22.01. soll übrigens im nahe gelegenen Seafood Restaurant eine
nachträgliche Silberhochzeitsfeier stattfinden. Das heutige Abendessen bestellen wir uns
schon einmal dort, um uns von der guten Qualität der angebotenen Speisen einen Eindruck zu
verschaffen.
 
16.01.2005 Tag 64
Der Himmel zeigt sich immer noch
bewölkt, aber trocken. Es gilt also Dinge zu unternehmen, für die es nicht unbedingt
Sonnenschein braucht. Marianne und Volker planen einen Elefantenritt, ausgiebige Massage und
einen Tempelbesuch. Nick und ich machen einige Besorgungen und sehen uns die
Nordspitze des Wongamat Strandes an. Sehr sauber und wenig besucht, zumindest heute bei
bedecktem Himmel. Wir wandern am Strand nordwärts bis wir in die Bucht von Naklua blicken
können. Dort erhebt sich in Sichtweite ein gewaltiger Tempelbau in den Himmel, an dem
offensichtlich noch gearbeitet wird. Die Spitze des Gebäudes ist eingerüstet und die
typischen rot-gold-grünen Farben eines Tempels fehlen ganz. Nach 25 Minuten Fußmarsch am
Strand entlang, haben wir die Umfassungsmauer erreicht, es dauert aber noch einmal 15
Minuten um an dieser entlang bis zum Eingangstor zu gelangen. Dort werden wir in ein
Informationsbüro gebeten, wo man uns in fehlerfreiem Deutsch das Projekt „The Sanctuary of
Truth" erklärt. Mehrere Hundert Handwerker und Künstler aus verschiedenen asiatischen
Ländern arbeiten seit 1982 an diesem imposanten Bauwerk. Annähernd 100 m hoch soll es
werden, ausschließlich aus Holz in traditioneller Bauweise ohne einen einzigen Nagel
errichtet, dafür mit riesigen geschnitzten Figuren auf den vier Giebeln, davon je einer in
thailändischem, kambodschanischem, chinesischem und indonesischem Baustil gearbeitet. In
Inneren der riesigen, etwa 20 m hohen Haupthalle finden sich Wand- und Säulenschnitzereien von
unendlicher Vielfalt, wohin das Auge auch blickt, glattes Holz gibt es nicht, immer
zeugen fein bearbeitete Oberflächen von dem unermüdlichen Fleiß der am Bau beteiligten Künstler.
Aus Sicherheitsgründen müssen Besucher und Führer bei der Besichtigung Schutzhelme
tragen, immerhin wird an dem Gebäude ständig weitergearbeitet.
Als Zugabe kann man von der Terrasse
des Restaurants aus noch eine Dressurvorführung mit zwei Delfinen bewundern. Nick nutzt
hier erstmals die Gelegenheit, diese faszinierenden Tiere zu füttern und sogar anzufassen.
Am Abend bewundern wir die
Travestie-Show im berühmten Tiffany-Theater, eine glanzvolle Revue mit beeindruckenden
Bühnenbildern, die uns am Ende zu dem Schluss kommen lässt, dass Männer halt doch die besseren
Showgirls sind. Ein Abendessen in Andy's Mangoons
Restaurant rundet den gelungenen Abend ab, allerdings sind die Thai-Gerichte dort nicht nur
weniger schmackhaft, sondern auch deutlich teurer als inunseren bekannten Straßenküchen.
 
17.01.2005 Tag 65
Ein neuer, sehr großer Koffer wird
gekauft, für unsere Begriffe haben wir ihn für 1550 Baht sehr preiswert bekommen. Per Handy regt
Volker einen Männerabend im berüchtigten Pattaya Süd an und tatsächlich
bekommen wir beide dafür grünes Licht von unseren Ehefrauen. Nach einer Stippvisite im Dollhouse, wo
die Go-Go-Girls in äußerst knappen Bikinis tanzen, führt uns ein einheimischer Schlepper
in die Fantasia-Show, die erstaunlicherweise nicht nur von Männern, sondern auch von vielen
Touristenpaaren besucht wird. Dort erleben wir eine sehr beeindruckende Vorstellung, deren
Einzelheiten zu beschreiben nicht nur der Jugendschutz verbietet. Der Gentleman
genießt und schweigt! Anschließend reicht die Zeit gerade noch aus, um in der angrenzenden
Bar noch einen Drink mit den besonders süßen Go-Go-Girls Nr. 34 und 38 zu nehmen, bevor
wir uns zu Beginn der Sperrstunde um 1.30 Uhr auf den Heimweg machen.
 
18.01.2005 Tag 66
Um nicht schon zu früher Stunde schon
durch den zu erwartenden Anruf von Frau Quelle geweckt zu werden, hat Pai ihr Handy
ausgeschaltet. Mit dem Erfolg, dass Herr Quelle uns um 11.30 Uhr durch ausdauerndes
Anklopfen weckt, um uns an den Strand zu locken. Dort hat man wenige Stunden zuvor einen
ertrunkenen Touristen aus dem Wasser gefischt. Aber wieder einmal geben wir dem Wunsch von
Nick nach und bleiben am Swimmingpool, wo er sich mit anderen Kindern besser
austoben kann.
 
19.01.2005 Tag 67
Nick nund ich besichtigen das Resort, in dem Marianne und Volker sich eingemietet haben, es bietet einen schönen Pool und das Essen ist ebenfalls ausgezeichnet. Anschließend begleiten wir meinen Fliegerfreund Volker noch zum Airpark, wo er seinen zweiten Flug mit der CH 701 macht. Auf der Rückfahrt setzt Regen ein, prompt landen einige PKW, die offenbar zu schnell unterwegs waren, vor uns im Graben.
20.01.2005 Tag 68
Überraschend zwingt mich mein Lendenwirbelsäulensyndrom durch starke Rückenschmerzen zur Absage meines für heute geplanten Lustfluges. Statt dessen liege ich am Pool und versuche, mich möglichst wenig zu bewegen. Ich beschließe, baldmöglichst eine Massage zu buchen.
 
21.01.2005 Tag 69
Am Airpark ist die große Cessna gestartet, wir sehen, wie sie Fallschirmspringer absetzt. Am Strand verabschieden sich die westfälischen Mitbewohner aus dem Condominium. Für Michaela, Jona und Chaier ist der Urlaub zu Ende. Während ich mein Vorhaben wahrmache und mich für 200 Baht massieren lasse, bekommt Nick am Strand eine Gratis-Fanta, weil Tukta und Jona  ersehentlich durch seine Sandburg gelaufen sind.
 
22.01.2005 Tag 70
Quelles Silberhochzeitsfeier findet wie geplant in dem Seafood-Restaurant statt. Außer uns sind noch zwei Nachbar-Ehepaare geladen, Kung und Werner aus Bielefeld und ein pensionierter Lokomotivführer aus Italien mit seiner Frau.


23.01.2005 Tag 71
Der Tag beginnt mit einer Nachfeier am Strand bei Soi Chayapruk. Weil ich in der Nähe bin, schaue ich mal beim Airpark vorbei und lerne dort eine nette Kolumbianerin kennen. Wie sich herausstellt ist es Neils Frau.
Zur Zeit kein Flugbetrieb, weil wieder Fallschirmspringer in der Luft sind.
Die Flugpreise wurden über Nacht
erheblich erhöht, die Flugstunde mit dem betagten Flightstar kostet jetzt 3000 Baht, die
Zenair CH 701 sogar 3500 Baht für Mitglieder des PFC.
 
24.01.2005 Tag 72
Vom Pool aus sende ich eine
Mitleids-SMS an Chaier, der ja heute schon wieder bei Eiseskälte auf dem Bau im Münsterland arbeiten muss.
Marianne und Volker melden ihre Abfahrt
aus Laem Mae Phim, ca. 15 km östlich von Rayong, kurz hinter Koh Samet. Dort gibt es
einen einsamen Strand mit nur einem Hotel (850 Baht / Nacht), ganz wenigen Sonnenschirmen und
ganz viel Natur. Die Versorgung ist natürlich nicht so vielseitig wie in Pattaya,
außer dem Hotelrestaurant gibt es nur zwei Garküchen mit eingeschränktem Angebot. Nachmittags
sind sie wieder in Pattaya und wohnen jetzt im Hotel Jomtien Garden. Die sehr schönen und
sauberen Zimmer können sie mit wenig Mühe von 1500 auf 1260 Baht herunterhandeln.
Nick und ich finden den Pool dort toll, es gibt nämlich eine Poolbar, an der man auf
Unterwasserhockern vor der Theke sitzt und so bis zum Bauch gekühlt die ebenso kühlen wie
preiswerten Getränke genießen kann. Knapp über der Höhe der Sitzfläche sind in der Theke
Whirlpool-Spritzdüsen eingelassen, deren Wasserstrahl genau die Körperregionen massiert, die bei
einigen Pauschaltouristen hier oft besonders pflegebedürftig sind. Abends steht Volker der Sinn nach
koreanischem Essen und wir treffen uns in einem Restaurant, das sich außer durch
gesalzene Preise nur durch gähnende Leere auszeichnet, wir bleiben den ganzen Abend lang die
einzigen Gäste. Vermutlich muss unser  Umsatz dort (3600 Baht) die koreanische Familie dort mehr
als einen Tag lang ernähren, denn auch an den folgenden Abenden sehen wir dort keine
Gäste. Bis kurz vor Mitternacht bummeln wir
noch zu Fuß herum und entdecken dabei das TBMI (Thai Blind Massage Institut). Dort
sollen die Massagen, die ausschließlich von Blinden durchgeführt werden, besonders gut und
preiswert sein.


25.01.2005 Tag 73
Wir statten dem Pattaya Park einen Besuch ab. Ein Vergnügungspark mit großer Wasserlandschaft, gigantischen Rutschen und der Möglichkeit, sich von einem Aussichtsturm an einem Schrägseil hängend herabgleiten zu lassen. Beim Vietnamesen dort kostet das
4-Gänge-Menü 295 Baht, was im Vergleich zum Vorabend durchaus angemessen erscheint.
 
26.01.2005 Tag 74
Marianne, Volker und ich fahren mit einem gecharterten Speedboat zur vorgelagerten Insel Koh Pai, während Nick und ich vom Boot aus angeln bleibt das turtelnde Paar allein am einsamen Strand zurück. Aber nur so lange, bis ein weiteres Ausflugsboot mit ca. 30 angetrunkenen Russen die gleiche Bucht ansteuert. Aus ist' mit der Zweisamkeit. Unseren Fang lassen wir auf dem Rückweg auf Koh Larn frisch grillen und kommen so satt wieder in Pattaya an, wo auf
der Bühne am Hafen ein Live-Konzert stattfindet. Der Einkauf einer geschnitzten Harley beschwört einen Ehekrach bei uns herauf, weil Pai nicht versteht, dass ich das gute Stück als künftiges Geburtstagsgeschenk für meinen Freund Dirk mitnehmen will.Marianne bemängelt das Überangebot käuflicher Damen und fragt nach adäquaten Beschäftigungsmöglichkeiten für Frauen. Dabei denkt sie nach eigenen Angaben etwa an gut gebaute Nigerianer. Ich erinnere sie daran, dass wir uns in Asien und nicht in Afrika befinden und empfehle ihr, sich in Boyz-Town umzusehen. Dort fand sie tatsächlich keinen einzigen Nigerianer, aber kleine agile Thailänder hätten ihr sicher gerne jeden Wunsch erfüllt.
 
27.01.2005 Tag 75
Die Massage durch die blinden Mitarbeiter des TBMI ist wirklich sehr zu empfehlen. Anschließend reicht es nur noch zum relaxen am Pool und guter Pizza zum Abendessen.

28.01.2005 Tag 76
Marianne und Volker verabschieden sich nach Bangkok. Wir kriegen zwar auch nur so einen
schwachbrüstigen und rappeligen Suzuki Caribbean, zahlen dafür aber auch nur 750 Baht
pro Tag oder als besonderen Deal 1 ½ Tage für 1000 Baht inkl. Vollkasko, Polizeischutz und
24 Stunden-Pannen-Service. Allerdings fährt man auch mit diesem Auto besser nicht über
100 km/h, ab 105 tanzen die Vorderräder Samba. Wir benutzen ihn zu einem Besuch bei Tante Phia (4 km hinterm
Robinson Einkaufszentrum in Sri Racha links rein). Sie beherbergt zu Hause allerlei Tiere, graue Eichhörnchen,
blaugrünweiße Echsen, Frösche, 7 Katzen, zwei Hunde, zwei Hamster und wohnt in Sichtweite des Wassers, allerdings findet man dort keinen nutzbaren Strand.
 
29.01.2005 Tag 77
Pai's Augen jucken nicht mehr so stark,
natürlich hält sie die Krankheit für überstanden und will nicht mehr zum Pattaya Memorial
Hospital, wo ja heute ein Augenarzt anwesend sein soll. Statt dessen fahren wir auf den
Markt nach Naklua, Pai beginnt mit den Vorratseinkäufen für Deutschland und bei mir mischen
sich so langsam wehmütige Gefühle in die Urlaubsstimmung. Nur noch zwei Wochen
und zwei Tage sind von  unserem Langzeitaufenthalt übrig geblieben.
Ach wie wird mir dies alles fehlen: Frischfisch der exotischsten Sorten, Barrakuda, Rochen,
Riffbarsch, Krebse, Hummerkrabben, Wasserkäfer (groß), Gambas,  Tintenfische,
Calamaris, dazwischen die inzwischen vertrauten Gerüche der vielfältig sortierten Obst- und
Gewürzstände, plötzlich Wannen mit Schildkröten aller Größen, gleich danach junge
Rassehunde neben  Küchenutensilien. Einzig das von mir gesuchte Wasserspiel aus Bambus für
unseren Gartenteich finde ich hier nicht.
Nachmittags besuchen wir die ehemaligen
Bielefelder Kung und Werner am Wongamat Strand. Eine rote Ameise zerstört dort
Pais's neue Brille., indem sie ihr über den Unterarm krabbelt. In Panik schlägt meine Frau
um sich und erwischt dabei auch die Brille, die anschließend in zwei Teile zerbrochen
traurig an der Kette um den Hals baumelt. Jetzt stellt sich dann auch (wie von mir erwartet)
bei Pai das Augenjucken wieder ein. Leider ist der Augenarzt inzwischen
nicht mehr im Pattaya Memorial Hospital. Man gibt uns immerhin die Adresse einer
Augenarztpraxis in der Nähe, natürlich ist am späten Samstagnachmittag dort auch niemand
mehr anzutreffen. Ein Anruf im Bangkok-Pattaya Hospital bringt immerhin die Auskunft,
dass am morgigen Sonntag von 8 bis 16 Uhr die dortige Augenklinik mit Fachärzten
besetzt sei. Zum Ausklang des Tages gönnen Pai und ich uns noch eine Blindenmassage.


30.01.2005 Tag 78
Gleich nachdem sie wach geworden ist
(11.45 Uhr) telefoniert Pai noch einmal mit dem Bangkok-Pattaya Hospital, um sich zu
vergewissern, dass die Augenabteilung heute am Sonntag geöffnet ist. Antwort:
Positiv! Also fahren wir die 6 km zum Bangkok-Pattaya Hospital. An der Notaufnahme informiert
man uns, dass ein Augenarzt nicht im Hause sei. Auf Pai's erstaunten Hinweis, man habe
ihr vor einer halben Stunde am Telefon etwas anderes erzählt, schickt man uns dann
doch in die zweite Etage, wo eine hochmoderne Augenabteilung uns ganz normal
aufnimmt, untersucht und abfertigt. Für 950 Baht bekommen wir die fachärztlich
abgesicherte Diagnose einer Vireninfektion, Augentropfen, Tabletten und eine europataugliche
Rechnung. Anschließend machen wir uns mit dem klapprigen Suzuki auf die Suche nach Pla La Beach. Zunächt gelangen wir in einem militärischen Sperrgebiet zur Sor Beach mit kristallklarem Wasser, finden dann in Bang Chang, 40 km von Pattaya,
zunächst Phayun Beach. Dort werden in unmittelbarer Strandnähe große
Bungalows zur Miete angeboten. Der Strand ist o.k., heute am Sonntag mäßig besucht und in der
Woche wahrscheinlich fast leer. In der Ferne sieht man links die Raffinerieanlagen von Rayong
am Horizont. Pla La Beach liegt ca. 3 km weiter westlich und sieht sehr steinig und
wenig einladend aus. Unter Zeitdruck (um 17.00 Uhr müssen wir den Suzuki zurückgeben)
sehen wir nicht mehr genauer hin sondern fahren auf direktem Weg 40 km nach Pattaya zurück. Mit dem Moped
fahren wir zum Abendessen zu Quelle, der anschließende Umtrunk endet so gegen
2.30 Uhr.
 

31.01.2005 Tag 79
Der Besuch bei der Kasikorn Bank in
Pattaya City soll unser hiesiges Konto online-fähig machen, bringt aber wenig Erfolg. Kurz
und knapp werden wir auf die website der Bank verwiesen, wo es die entsprechenden
Anträge zum herunterladen gibt. Alles weitere sei dort nachzulesen.
 
01.02.2005 Tag 80
Heute muss eine neue Brille her. Die
Reparatur der zu Bruch gegangenen alten muss bei Apollo in Deutschland erfolgen, weil
wir speziell für diesen Fall eine Brillenversicherung haben. Pattaya Optical hat
auch
günstige Brillen, aber wir wählen schließlich das federleichte und unkaputtbare Spitzenmoden aus
Titan, welches wir hier mit entspiegelten Gleitsichtgläsern aus Kunststoff für
15000 Baht (300 EUR) bekommen.Mit Oy und Horst haben wir uns am
Strand des Pinnacle Resort verabredet, heute kann man dort einige Kite-Surfer beobachten, die
gekonnt über die Wellen springen. Die Liegestühle sind umsonst, die
Toiletten sauber und zu essen gibt es dort auch in reichlicher Auswahl.
 
02.02.2005 Tag 81
Wir haben Quelles zu uns an den Pool
eingeladen, Natürlich treffen sie dort auf einen alten Bekannten aus Berlin, der ebenfalls in
unserem Condominium wohnt. Kaum ist der Besuch nach Hause
gefahren, passiert es: Nick stolpert auf den Stufen des Planschbeckens und schlägt sich beide
Kniee übel auf. Die zunächst ziemlich stark blutenden Wunden werden mit den aus Deutschland
mitgebrachten Flüssigpflaster erfolgreich verarztet.
Abends ist er schon wieder so weit,
dass er mit und Pizza essen gehen kann und auch noch geduldig abwartet, bis wir beide unsere
erste Ölmassage im TBMI verabreicht bekommen haben.
 
03.02.2005 Tag 82
Hier am Jomtien-Strand gibt es auch
eine Poststation, in der Soi 5, gleich neben unserem 1. Quartier mit dem holländischen
Inhaber. Hier kann ich mich rückversichern, dass der Versand des für unseren Fliegerfreund Dirk
gekauften Geburtstagsgeschenks per Post möglich ist. Ich muss es also nur noch ordentlich
verpacken und dann noch 1 bis 3 Monaten Geduld aufbringen. Kein Problem, Dirk hat ja
erst im Frühjahr Geburtstag.
 
04.02.2005 Tag 83
Die Verpackung ist inzwischen gelaufen,
wir haben eine Menge Wäsche und Kleidungsstücke um das Geschenk drapiert und es damit
gut abgepolstert. Gewicht nach meiner Schätzung: Knapp 20 kg. Ich bin gespannt, was die
Wägung ergeben wird. Nachmittags am Pool lerne ich eine Dame
aus Deutschland kennen, die auf der Suche nach deutschem Lesestoff ist. Natürlich
kann ich ihr in diesem Punkt weiterhelfen. Sie berichtet, dass sie ihren Sohn begleitet, der
möchte die Schwester von der thailändischen Frau seines Freundes mit nach Deutschland nehmen,  evtl. heiraten(?). In diesem Punkt möchte ich mich mit
meinen Erfahrungen lieber zurückhalten. Immerhin ist der Freund auch erst seit einem Jahr
verheiratet. Sohnemann ist jetzt am Wochenende unterwegs in den Norden zum Dorf der
Schwiegereltern. Und die Mutter freut sich über meine ausgelesenen Bücher.
 
05.02.2005 Tag 84
Nach einem sonnigen unbeschwerten
Badenachmittag mit Nick nutzen wir unseren vorletztenSamstag zum vorletzten (?) Besuch des
Nachtmarktes. Hier bekomme ich für 230 Baht einen neuen Akku für mein Handy, der alte
hat in der letzten Nacht den Geist aufgegeben. Nick entdeckt Gameboy-Spiele für 350 Baht.
Wir werden in der nächsten Woche wohl noch welche kaufen, Den niedlichen jungen
Hund muss ich ihm jedoch ausreden.
 
06.02.2005 Tag 85
Heute ist Wahlsonntag, es darf den
ganzen Tag lang offiziell kein Alkohol verkauft werden, die Busse mit den Wochenend-Urlaubern
aus Bangkok sind gar nicht erst gekommen und am Strand und auch an unserem Swimmingpool
ist es außergewöhnlich leer. Das Abendessen bei Familie Quelle führt dazu, dass ich
für den für Montag geplanten Ausflug zu Oasis Waterworld in Chantaburi ein größeres
Auto brauche. Die beiden laden sich samt ihrer Nichte und deren Sohn selbst ein, sie würden
uns sehr gerne begleiten. Ich werde mal sehen, was sich da machen lässt. Der von mir bestellte
Nissan hat schließlich nur zwei Sitze und eine Notsitzbank.
 
07.02.2005 Tag 86
Dank John und Gary von Q-Cars bekomme
ich nur eine halbe Stunde später als vereinbart einen großen Nissan Diesel-Pick Up.
Die geschlossene Ladefläche ist sehr gut gepolstert und und diese Liegefläche dort hinten ist
auch mit an die Klimaanlage angeschlossen. Für die gut 200 km bis Chantaburi brauchen wir zwei
Stunden, fragen in der City nach Oasis Sea World und erfahren schließlich, dass wir
noch gut 20 km weiter nach Laem Ping muessen. Wegen der sehr schlechten Ausschilderung
vergeht noch einmal eine Stunde, bis wir uns endlich zum Ziel durchgefragt haben.
Die gute Show ist sehenswert, große
Enttäuschung aber beim Schwimmen. Nur vorher angemeldete 8 Personen
dürfen zu den Delfinen und ihren Trainern ins Wasser. Davon stand
leider nichts im Prospekt. Man schlägt uns vor, uns jetzt auf die
Anmeldeliste setzen zu lassen und am nächsten Tag wieder zu kommen.
Leider zu viel Aufwand – wir lehnen ab. Mit einem Besuch auf dem Nachtmarkt in
Pattaya Nua lassen wir den Tag ausklingen.
 
08.02.2005 Tag 87
Chin, Sue und Lek kommen aus Bangkok zu
Besuch und wir bleiben den ganzen Tag am Pool. Die Schwestern
palavern bis früh um 5.30 im Zimmer noch weiter.
 
09.02.2005 Tag 88
Kaum eingeschlafen werden wir um 10.30
Uhr durch Quelle's geweckt. Müde und willenlos folgen wir ihnen zum
Strand.
 
10.02.2005 Tag 89
Ich stelle den Wecker auf 4 Uhr, weil
ab 5 Uhr die Busse nach Bangkok fahren, aber die Damen entscheiden spontan, dass aufstehen
keinen Zweck hat weil Lek sowieso nicht mehr pünktlich bei der
Arbeit in Bangkok wäre. Also bleiben Lek, Chin und Sue samt Baby
Nüng noch bis 20 Uhr.
 
11.02.2005
Bei den ersten Vorbereitungen zur
Abreise fällt der Verlust meiner EC Karte auf, die ich zuletzt vor etwa 2 ½ Monaten benutzt
habe. Also Zeitabgleich, warten bis in Deutschland die Geldinstitute
öffnen und dann Anruf bei der Sparkasse zwecks Kartensperre. Da ich
Uwe seine wieder einmal streikende Digitalkamera nicht kaputt
zurückgeben möchte, fahre ich noch einmal zu Sony. Dort angekommen
lässt sich das Ding einwandfrei einschalten und bedienen. Diese
wundersame Selbstheilung war das Positive. Negativ bleibt mir der
Regenschauer in Erinnerung, der mich vollkommen durchnässt im Condo
ankommen lässt.
Während die Kleidung trocknet,
versuche ich das gesuchte Wasserspiel zu skizzieren um die Suche mit
diesem „Steckbrief“ zu vereinfachen. Aber zeichnen gehört
eindeutig nicht zu meinen Stärken. Vielleicht hilft ein Foto aus dem
Internet weiter, das könnte ich mir ausdrucken, wenn ich wieder
meine E-mails abrufe. Auf dem Wochenendmarkt an der
Thepprasit Rd. Finde ich jedenfalls auch nicht das, was ich suche. Statt dessen kaufen wir Gameboy-Spiele
für 1000 Baht.
Anschließend geht noch eine komplette 300 Baht
Prepaid-Karte drauf, weil Pai am Handy die Eheprobleme ihrer
Schwester Yen zu lösen versucht.
 
12.02.2005 Tag 90
Während meiner Mopedfahrt auf der
Hauptdurchgangsstraße fällt mir auf, dass an jeder Kreuzung und
Einmündung Polizei steht. Die ersten Kreuzungen passiere ich noch
unbehelligt, dann winkt mich einer der Uniformierten links raus und
bedeutet mir, hier anzuhalten. Da er nichts weiter von mir will und
sich wieder abwendet, verstehe ich den Sinn nicht , gebe Gas und
fahre weiter. Aber nur bis zur nächsten Einmündung. Sein Kollege
dort hält mich wieder an und stellt sich vor mein Zweirad. O.k.,
also diesmal besser nicht weiterfahren. Es vergehen ereignislose 5
Minuten, dann nähert sich von Osten Sirenengeheul. Eine Kolonne von
etwa 20 Luxusautos rast mit geschätzten 160 km/h durch die Stadt,
vorn und hinten eskortiert von je einem halben Dutzend Polizeiwagen,
die alle vorhandenen Fahrspuren besetzen. Einen Augenblick später
ist der Spuk vorbei und mein schweigsamer Polizist winkt mich weiter.
Was war das denn? Ich frage an der nächsten Tankstelle und erfahre,
dass Mitglieder der Königsfamilie oder ranghohe Politiker hier so zu
reisen pflegen.
Holla, als staugeplagter Normalbürger
möchte man sich doch gleich als Promi-Chauffeuer bewerben!
Nachmittags noch schnell einen letzten Besuch bei Neil am Airpark. Er
gibt mir die Erlaubnis, den Pattaya Airpark auch bei meinen
Fliegerfreunden in Deutschland bekannt zu machen.
Ich fahre auf der Suche nach einem
Bambus-Wasserspiel vergeblich weitere 50 km entlang der Sukhumvit
Rd.. Auch das ausgedruckte Foto aus dem Internet führt zu keinem
Sucherfolg.
Am Telefon versucht Pai, Somboon in
Bangkok zu beschreiben, was ich gerne hätte. Er bekommt den Auftrag,
auf dem Sunday-Market danach zu fahnden. Da wir nicht wissen, ob er
uns richtig verstanden hat, bleibt das Ergebnis abzuwarten.
 
13.02.2005 Tag 91
Ein letztes erwachen im Condo um 10
Uhr, dann noch mal schnell zum Markt, um Proviant für Deutschland einzukaufen. Ich gehe
davon aus, dass Pai getrockneten Fisch, Tintenfisch und Chili mitnimmt, sie aber kommt mit
12 kg frischem Gemüse zurück. Meine Befürchtungen bestätigen sich, als
wir die schon gepackten Gepäckstücke auf der von Q-Cars geliehenen Waage kontrollieren: 87 kg
von den erlaubten 90 bringen allein die beiden Koffer und der für den Postversand
vorbereitete Karton auf die Waage, die große Reisetasche ist aber noch gar nicht gepackt. Keine Frage,
das Frischgemüse kann nur ins Handgepäck, was ja nicht gewogen wird. Chit und Pai packen
weiter, während ich noch 2 Stangen Zigaretten einkaufe und dann die Strom- und
Wasserabrechnung (1450 Baht für 2 Monate) begleiche. Das Moped ist bis 17 Uhr zurück zu
geben, als ich um 16.45 Uhr losfahren will, ist der Vorderreifen platt. Also
wird schön langsam gefahren und ich muss beim Vermieter noch die voraussichtlichen
Reparaturkosten von 40 Baht abdrücken. Der Minibus kommt pünktlich wie
vereinbart, so dass wir um 18 Uhr samt unserem umfangreichen und Chits kleinerem
Gepäck schon losfahren. Ein letzter wehmütiger Blick auf den uns so vertrauten Swimmingpool
und auf den Strand in der Abendsonne, bald darauf brummen wir mit Tempo 80 auf der
Autobahn in Richtung Bangkok. Weil wir alle seit dem Frühstück nichts mehr gegessen haben,
sind wir froh, als der Fahrer nach 1 ½ Stunden Fahrt auf einem großen Rasthof anhält. Hier
kann Nick sich mit einem Fischburger von McDonalds schon wieder an europäische Kost
annähern, wir allerdings nutzen diese Gelegenheit um noch einmal thailändische Kost zu genießen.
Gleich nebenan werden in einem Supermarkt typische Artikel verkauft, die gerne
von Reisenden auf dem Weg in ferne Länder noch mitgenommen werden. Klar, dass Pai mit
einigen Packungen Snacks, Süßigkeiten und Trockenfisch wieder in den Wagen
steigt. Eine knappe Stunde später treffen wir am Don Muang Airport ein und wuchten unser
Gepäck erst einmal auf drei Kofferkulis. Am Schalter von Thai Airways zeigt die Waage dann
auch gut 110 kg! 90 kg haben wir frei, für die 20 kg Übergewicht soll ich 20000 Baht (400
EUR) bezahlen. Also nehmen wir den 17 kg Karton mit den gebrauchten Textilien und einem
Holz-Souvenir wieder zurück. Den soll jemand von der Verwandtschaft per Seefracht
abschicken. Die verbleibenden 93 kg sind ohne Zuzahlung o.k., allerdings wiegt der große neu
gekaufte Koffer allein schon 45 kg. Der Mann am Schalter klärt uns auf, dass die
Gewichtsgrenze in Europa bei 32 kg pro Gepäckstück liegt. Wir werden also aufgefordert, das
Gewicht dieses Koffers zu reduzieren und schwere Gegenstände auf die beiden anderen
Gepäckstücke zu verteilen. Die Schlange der Wartenden hinter uns ist schon deutlich
angewachsen, mir tropft der Schweiß von der Stirn und Pai kann nur mit Mühe freundlich bleiben, aber
wir packen um, so viel die große Reisetasche noch fassen kann. In den  Hartschalenkoffer
geht nichts mehr rein, der ist komplett voll. Als die Tasche auch prall gefüllt ist und wir
die Reißverschlüsse nur noch zu dritt schließen können, wiegt der große Koffer immer noch 35
kg. Aber der Mann am Schalter hat Mitleid und checkt jetzt endlich das Gepäck ein. Wenig
später erscheint Schwager Somboon mit einem großen Karton, er hat auftragsgemäß auf dem
Sonntagsmarkt ein Bambus-Wasserspiel gekauft. Nun muss er also zwei Kartons per Post
schicken, den leichten mit dem Wasserspiel und den schweren, den wir wegen Übergewicht
nicht mitnehmen konnten. Eine Stunde bleibt uns noch, von
unserer Familie dort Abschied zu nehmen. Aus Bangkok sind sie alle gekommen: Chit, Somboon,
Ched mit Freundin, Mem, Chin, Sue und auch Lek, Khao und Tochter Nüng. Wann werden wir
uns wiedersehen? Traurig passieren wir nach einem allerletzten Winken die
Passkontrolle und sind jetzt endgültig auf dem Weg nach Deutschland.
 
14.02.2005 Tag 92
Der Jumbo hebt um 0 Uhr 06 Minuten ab
und nimmt über die Nordroute (Myanmar, Kasachstan, Russland, Polen,
Tschechien) Kurs auf Frankfurt. Wir haben einen 12-Stunden-Nachtflug vor uns, während der ersten
5 Stunden sind die Luftmassen durch die wir fliegen so unruhig, dass die Anschnallzeichen
permanent eingeschaltet bleiben. Erst als wir für die letzten 7 Stunden auf einen
westlicheren Kurs gehen, liegt das Flugzeug endlich ruhig in der Luft und es gelingt mir, einzuschlafen.
Nach 11 Stunden und 59 Minuten setzen wir früh um 6 Uhr 05 Ortszeit in Frankfurt auf. Bis
wir unsere Koffer in Empfang nehmen können dauert es fast eine Stunde. Der große neue
Koffer kommt als Totalschaden mit zerbrochenem Griff und einer aufgetrennten Naht vom
Gepäckband. Wir lassen den Schaden schnell aufnehmen und kümmern uns dann um den vorbestellten
Mietwagen. Sixt überlässt uns für 89 EUR einen Mondeo Kombi mit belgischer Zulassung.
An den ersten Kreuzungen muss ich mich noch ganz bewusst konzentrieren, um nicht
auf die falsche  Straßenseite zu fahren, drei Monate Linksverkehr hinterlassen ihre Spuren.
Aber als wir um 8.00 Uhr auf der Autobahn sind, habe ich mich wieder an deutsche
Verkehrsregeln gewöhnt. Das Wetter bietet uns gleich einen bunten Querschnitt von allem:
Sonnenschein, Nebel, Regen, Schneetreiben und vereiste Fahrbahnen wechseln sich ab, bis wir um
10.45 Uhr nach 92 Tagen wieder in Ostwestfalen unser Haus betreten.
Urlaubsende, morgen muss ich wieder arbeiten!


© Schurke Pete




 

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