Stefanie Specht

ohne Titel

Meine Eltern starben vor kurzem -gestern- vor 22 Stunden und etwa 14 min -15 Minuten jetzt. Es ist jetzt- lassen sie mich auf die Uhr sehen- 17.58 Uhr.
Gleich Zeit zum Abendessen.
Meine Eltern pflegten immer um 6.00 Uhr zu Abend zu essen, obwohl mein Vater einmal in Erfahrung gebracht hatte, es wäre besser nach 6.00 Uhr abends nichts mehr zu essen. Das wäre gesünder.
Nun ja , er tat es trotzdem, soweit ich weiß, nie. Und er wird es auch nie wieder tun. Denn er ist tot, wie ich bereits erwähnte. Ein Autounfall. Ich war nicht dabei. Wie ich in letzter zeit so selten bei ihnen war.
Die Trauerfeier findet am Mittwoch statt.
Ich habe sie getötet.
Im CD-Spieler läuft Brahms. Ich mag Brahms. Es hat etwas monumentales, tiefes. Ich will nichts heiteres , wie Mozart, nichts so aufgesetztes. Es muss zu dieser Zeit passen. Die CD ist zu Ende. Neustart.
Es wird dunkel. Auch wenn ich davon nichts mitbekomme. Die Vorhänge sind nicht aufgezogen worden. Ich spüre es gehen. Ich mag kein natürliches Licht. Nicht jetzt es ist zu fröhlich. Ich werde zum Vampir, dem Sonnenhasser, dem Bluttrinker.
Ich bin die Waise und werde eine trauernde Waise sein - zumindest in nächster Zeit.
Ich habe kaum Schwarzes, nur Graues - tristes grau - so wie ich es will.
Sie werden verbrannt werden, sie wollten es so. Zumindest meine Mutter sprach davon. Sie sprach oft davon, wenn die Familie, bzw. ihre Familie, nicht die meines Vaters, zusammenkam. Es wäre besser, sie wolle den anderen nicht zur Last fallen - also mir. Ich bin das einzige Kind. Die Waise. Die Mörderin. Ich werde für die Einäscherung aufkommen.
18.23Uhr vielleicht sollte ich mir etwas zu essen machen. Dazu müsste ich das Zimmer verlassen. Mein Zimmer. Ich würde den Leichen begegnen.
Mein Zimmer ist dunkel, stickig. Niemand anderes kommt in diese Zimmer.
Die Polizei kam -gestern- sie sagten es mir - ich war erstaunt - ich kann doch schauspielern. Sie sagten es gäbe Menschen, die mit mir reden würden, die mir helfen könnten. Ich lehnte ab. Dankend. Ich rief ein paar Nummern an - die Familie - die, die ich kenne. Sie waren bedrückt. Sie sprachen von Mitgefühl. Ich weinte. Das licht tut meinen Augen weh.
Ich sollte wirklich gehen. Sie würden sagen, ich bin bloß faul.I
Ich sollte noch etwas Schwarzes kaufen. Ich werde auswärts essen. Das Haus verlassen - allein.
18.43Uhr es sind jetzt 23 Stunden. Ich schleiße die Tür. Drehe den Schlüssel. Ziehe ab.
Frei

Am letzten Weihnachtsfest kam mir die Idee zu dieser Geschichte, oder besser die Geschichte kam so über mich..naja was euch das nun zu der Geschichte sagt weiß ich auch nicht*g
Mich würde ein Kommentar von Lesern sehr freuen...oder auch nur etwas, was mich wieder etwas aufbaut und mir sagt, dass ich noch was schreiben soll:-)
Stefanie Specht, Anmerkung zur Geschichte

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 27.02.2003. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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