Alfred Hermanni

Tage in Rom

 

 

 

von Alfred Hermanni 04.12.2011 Alle Rechte vorbehalten

 

Samstag, 30.07. 2011

 

Tag 1

 

Schon lange haben meine Frau und ich uns auf diese Reise gefreut. Damit wir stressfrei unseren Urlaub beginnen können, hatte ich uns am Tag zuvor ein Taxi für morgens um 6:10 Uhr bestellt.

Natürlich kam der Fahrer fünf Minuten früher und besaß die Unverschämtheit auch noch anzuklingeln. Fünf Minuten können eine lange Zeit sein, vor allem wenn man gerade dabei ist, zur Sicherheit alle Stromverbraucher abzustellen. Mitten in dieser wichtigen Aktion klingelt dieser Mensch und bringt mich völlig durcheinander. Nun gut, wir schnappten uns unser Gepäck und ließen uns zum Bahnhof chauffieren. Plötzlich, wir saßen am Bahnsteig, überkam mich dieses seltsame Gefühl etwas vergessen zu haben. Habe ich wirklich alle Stecker gezogen? Habe ich meine X BOX 360 wirklich vom Netz

genommen? Ich konnte mich bewusst nicht mehr erinnern. Es ist ja eigentlich ganz normal, diese alltäglichen Handlungen nicht auf der körpereigenen Festplatte zu speichern, und gerade deshalb war ich verunsichert. Früher fragte man sich: Habe ich den Herd angelassen, das Bügeleisen oder anderes. Heute ist es die Spielkonsole oder der Computer.

Um das zu überprüfen war es zu spät, denn in zehn Minuten sollte der Zug ankommen.

Also hoffte ich das Beste und ließ den Zug kommen.

Ein paar angetrunkene Nachtschwärmer bestiegen mit uns den Waggon und gröhlten in ihrem Restrausch herum. Lästig, aber nicht vermeidbar. Im Zug tummelten sich gleich mehrere, die es ihnen gleichtaten. Ansonsten war die Fahrt zum Flughafen doch recht entspannend und wir kamen in guter Stimmung am Flughafen in Düsseldorf an.

Unsere gute Stimmung verflog sogleich und machte einem gehörigen Frustgefühl Platz.

Es war halb acht, der Flug sollte um 9:45Uhr starten. Entsetzt starrte ich auf die Anzeige und las mit zusammengepressten Lippen: 13:45 erwartete Abflugzeit. Satte vier Stunden Verspätung. Am Tag zuvor hieß es noch, alles pünktlich, keine Verspätungen. Dafür waren wir mitten in der Nacht aufgestanden. Um viertel vor acht beendeten wir den Check-in und hatten noch satte sechs Stunden Zeit. Und wie jeder weiß, im Flughafen vergehen sechs Stunden wie im Fluge. Ist ja auch ein Flughafen. Zwischendurch lasen wir die Abflugzeiten anderer Flüge und stellten fest, dass unsere Airline, Air Berlin, an diesem Tage weit über fünfzig Prozent verspätete Abflüge verzeichnen durfte. Am schlimmsten erwischte es die Reisenden nach Korfu, satte sechs Stunden Verspätung. Statt 6:30Uhr nun 12:30Uhr.

Eine Familie, die neben uns in der Wartehalle saß, war schon um halb drei morgens aufgestanden. Entsprechend genervt waren die Kinder, die es auf den Sitzen nicht mehr aushielten.

Endlich war es soweit. Wir wurden zum Flugzeug gebracht, stiegen ein und um kurz nach zwei hoben wir ab.

Um 15.45Uhr landeten wir und überraschten das italienische Flughafenpersonal doch völlig. Keine Gangway, kein Rollgate war für uns da und wir mussten weiter zehn Minuten warten, um das Flugzeug verlassen zu können.

Gegen 16:00Uhr erreichten wir die Gepäckausgabe und stellten fest, das einige Gepäckstücke von Mitreisenden schon auf dem Band lagen. Doch plötzlich, keiner wusste

warum, blieb das Band stehen und auch das Gepäck blieb aus. Also weiterhin warten.

Nach einer Stunde ging es weiter und wir bekamen unsere Koffer.

Jetzt aber wacker zur Touristen Information, wir wollten wissen, wie wir am besten zu unserer Hoteladresse gelangten. Geplant war eigentlich mit dem Leonardo Express zum

Hauptbahnhof...aber erstens kommt es anders, und zweitens war da dieser Mensch in der

Touristen Information. Den Bus sollten wir nehmen, sagte er. Der braucht nur eine halbe Stunde, sagte er. Das Ticket bekommen wir im Terminal 1, sagte er. Wir befanden uns im Terminal 3.

Also auf zum Terminal 1. Aber wo ist hier ein Ticketschalter? Zu sehen war keiner. Also fragen. Wir bekamen auch Antwort, aber wo der Ticketschalter sich befindet, fanden wir so nicht heraus. Es gab nämlich keinen Ticketschalter. Ein Gemischtwarenladen verkaufte Tickets, ist ja auch ganz offensichtlich. Wahrscheinlich konnte man dort auch Panzer oder

Autoreifen erwerben. Naja, endlich hatten wir unsere Tickets und schleppten uns und unser Gepäck zur Busstation. Immerhin hatten wir ja die Aussicht in nur dreißig Minuten zu unserem Hotel zu gelangen.

Dann tauchte die Frage auf, welchen Bus wir nehmen sollten. Immerhin wussten wir aus der Touristen Information, dass es ein Bus von CO.TRA.L. sein sollte.

Endlich, eine Stunde später kam der Bus.

Aus behaupteten dreißig Minuten wurden allerdings neunzig Minuten in einem völlig überfüllten Bus, mit schwitzenden und lärmenden Mitreisenden.

Aber wir erreichten unser Ziel. Die Station Cornelia, hier sollten wir eigentlich den Bus 246 nehmen. Aber der fuhr gerade los und ich entschied zu Fuß zu gehen. Ich Blödmann.

Es war heiß, wir waren zu dick angezogen und ich wollte das Taxigeld sparen. Wie gesagt, ich Blödmann.

Völlig erschöpft und durchgeschwitzt erreichten wir unser 4 Sterne Hotel und hatten nur noch eins im Sinn: duschen, Kleidung wechseln und ab zur nächsten Pizzeria.

Aber soweit war es noch nicht, erst mussten wir uns noch an der Rezeption anmelden.

Der Mitarbeiter war völlig überrascht, dass wir doch tatsächlich zwei Wochen in diesem Hotel bleiben wollten. Das kannte er nun gar nicht. Warum, sollten wir noch feststellen.

Im Zimmer angekommen, stellten wir unser Gepäck ab und ich zog die Vorhänge an den Fenstern auf. Wow, so schmutzige Fenster hatte ich schon lange nicht mehr gesehen. Die waren hart an der Grenze zur Durchsichtigkeit. Die waren dermaßen mit einem 4 Sterne Grauschleier versehen, dass sogar ein Blinder nach den Hausdamen gerufen hätte. Aber das war uns erstmal egal. Raus aus den Klamotten, duschen, anziehen und auf zur nächsten Pizzeria.

Es war auch nicht weit und wir wurden sehr nett begrüßt. Mille Pizza hieß der Laden. Erst einmal ein kühles Bier bestellen und dann die Pizza. Serviert wurde eine typisch römische Pizza mit sehr dünnem Boden. Für mich eher gewöhnungsbedürftig, für meine Frau optimal. So konnte sie zum ersten Mal eine Pizza völlig aufessen.

Das tat gut. Wir tranken noch ein, zwei Gläser Bier und gingen zurück auf unser Zimmer.

Müde genug, um zu schlafen waren wir. Also ab ins Bett und Augen zu.

Plötzlich gingen meine Augen wieder auf, denn von draußen penetrierten laute Geräusche

meine Gehörgänge. Da gröhlten doch tatsächlich irgendwelche Touristen, darunter auch deutsche, vor dem Hotel herum. Ich hoffte auf ein Einschreiten des Nachtportiers, leider vergebens. Dann ebbte der Lärm ab, um eine knappe Stunde später wieder zu beginnen.

Irgendwann graute der Morgen und wir standen auf.

 

 

Tag 2

 

Um 8.30 betraten wir den Frühstücksraum und stellten zu unserer Überraschung fest, dass es nicht wie erwartet nur süße Hörnchen gab, sondern ein relativ reichhaltiges, kontinentales Frühstück mit immerhin Käse und drei verschiedenen Wurstvariationen die am Buffet auslagen. Dazu Rührei, rote Bohnen (zum Frühstück?), die unvermeidlichen Cornflakes sowie Obst und Joghurt. Ein Kaffeeautomat und ein Saftspender rundeten das Angebot ab.

Heute war der letzte Sonntag im Monat. Das bedeutet, der Eintritt von 15 € pro Person für den Besuch im Vatikan Museum entfällt. Das hatten wir auch so geplant und fuhren mit dem Bus zu Station Cornelia, dann weiter mit der Metro A zur Station Cipro. Das erste was mir in der Metro auffiel, war ein Bettler der durch die Waggons zog und die Hand aufhielt. Das war mir aus Deutschland völlig unbekannt. Aber, andere Länder, andere Sitten.

Drei Stationen später erreichten wir Cipro und gingen hinauf zur Oberfläche.

Bis zum Museum war es nicht allzu weit. Eine etwa hundert Meter lange Warteschlange ließ mich Schlimmstes befürchten. Aber ich sollte mich irren. Nach noch nicht einmal zwanzig Minuten betraten wir die ehrfurchtgebietende Eingangshalle des Vatikan Museums.

Hier drängten sich Menschenmassen durch die Hallen und Korridore. Ein ständiges Raunen und vielsprachiges Gemurmel erfüllte die Säle. Blitzlichter erzeugten ein fast stroboskopartiges Wetterleuchten in diesen heiligen Hallen. So zogen wir durch das Labyrinth und ergötzten uns an der einzigartigen Fülle der verschiedensten Kunstgemälde, Skulpturen und anderer Ausstellungsstücke. Wandteppiche, Deckenmalereien, sogar ein Bild von Salvatore Dali konnten wir bewundern. Ja, die Kirche ist arm. Aber nicht der Vatikan.

Irgendwann erreichten wir die sixtinische Kapelle. Deutlich war im Eingangsbereich zu erkennen, dass Fotografieren nicht erlaubt sei. Auch um Ruhe wurde gebeten. Ist ja immerhin ein heiliger Ort.

Aber niemand hielt sich daran. Ein Blitzlichtgewitter tobte in der Kapelle und von Ruhe war ganz und gar nichts zu hören. Selbst als das Museumspersonal dringend um Ruhe bat, hat wohl niemand diese Aufforderung vernommen.

Irgendwann hatten wir fast alles gesehen. Die Fülle an Wahrnehmungen führte in uns zur Reizüberflutung und wir beschlossen das Museum zu verlassen. Draußen rauchten wir erst einmal eine Zigarette und machten uns auf den Weg zurück ins Hotel.

In der Metro das gewohnte Bild, nur das diesmal ein Musiker etwas für seinen Unterhalt tat. Er spielte Akkordeon, laut und stellenweise nicht so ganz den Noten entsprechend. Hatte halt seine eigene Note. In der Station Cornelia nahmen wir den Südausgang und ich erblickte eine Cafeteria. Cafe & Cappuccino stand über dem Eingang. Hier machten wir halt und ich bestellte einen Cappuccino für mich und einen Kaffee für meine Frau.

Statt eines Kaffee wurde ein Espresso serviert. Ich machte in holperigen italienisch darauf aufmerksam und erfuhr, das italienischer Kaffee nun mal ein Espresso sei. Der von mir gewünschte Kaffee heißt American Cafe. So hatte ich wieder etwas gelernt.

Erfreut stellte ich fest, dass der Cappuccino ganz ausgezeichnet schmeckte und auch nur einen Euro kostet. Und 80 Cent für einen Espresso ist wirklich nicht teuer. Also beschloss ich, jeden Tag hierhin zu gehen.

Den Nachmittag verbrachten wir am Swimming Pool und bemerkten, dass wir die einzigen Gäste waren,die an diesem Tag den Pool benutzten. Ein junger Mann, knapp zwanzig Jahre alt, war hier als Poolboy angestellt. Er las in seinem Buch, oder beschäftigte sich mit seinem Computer. So wie der arbeitet, würden andere gerne Urlaub machen, dachte ich mir.

Am Abend beschlossen wir nicht bei Mille Pizza zu essen, sondern irgendwo im Bereich der Station Cornelia. Aber hier sagte uns kein Restaurant wirklich zu und wir gingen weiter und weiter. Nach knapp über einer halben Stunde, stellten wir fest, dass wir uns im Bereich des Vatikan Museums befanden und waren über die relativ geringe Entfernung doch halbwegs überrascht.

Hier fanden wir ein nettes Restaurant und bestellten das übliche, Bier und Pizza.

Zurück im Hotel fanden wir eine mit Chinesen überfüllte Eingangshalle vor.

Wir gingen auf unser Zimmer, es wurde dunkel und ich stellte den Fernseher an.

Auf dem 4 Sterne Fernseher, so ein kleiner Campingfernseher, erschien das Bild und ich fand als einzigen deutschen Sender...das ZDF. Na prima, das versprach Abwechslung.

Die Nacht wurde laut. Die Wände in den Zimmern waren so dünn, dass man zwar nicht durchsehen konnte, aber hören konnte man alles. Blickdichte Tapete. Und unsere chinesischen Zimmernachbarn waren nicht gerade leise. Soviel zur 4 Sterne Nachtruhe.

 

Tag 3

 

Für heute hatten wir uns eine Besichtigungstour rund um das Kolosseum vorgenommen.

Nach dem Frühstück und der obligatorischen Zigarette machten wir uns auf den Weg. Mit dem Bus wollten wir zur Metrostation. Leider fahren die Busse in Rom ohne Fahrplan, das heißt der Bus kommt, oder er kommt oder vielleicht auch nicht. Und wenn er kommt, ist er vielleicht völlig überfüllt. Nach zwanzig Minuten Wartezeit kam er endlich und war natürlich proppenvoll. Wir quetschten uns hinein und fuhren die zwei Stationen zur Metro.

In der Metro hörte ich eine schöne Frauenstimme, die eine italienische Version von Frank

Sinatra's My way sang. Mir gefiel der Gesang und so gab ich dem kleinen Mädchen, das mit einem Pappbecher Geld sammelte auch gerne ein paar Münzen.

Wir fuhren bis zum Hauptbahnhof Termini und stiegen aus. Nach ein paar Minuten gelangten wir aus der U- Bahnhöhle ans Tageslicht und gingen die via Cavour in Richtung Kolosseum. Am Piazza dell' Esquilino machten wir eine kurze Rast, tranken ein wenig Wasser und rauchten.

Weiter ging es und nach einem kleinen Abstecher standen wir vor vor der Kirche

St. Pietro in Vincoli, die sich meine Frau erst einmal von innen anschaute.

Von hier war es auch nicht mehr weit und nach fünf Minuten standen wir vor dem Kolosseum. Was sich hier an Menschenmassen tummelte war schon gehörig.

Genau in diese Massen stürzten wir uns, und drängten und schoben uns von einer Richtung in die andere.

Viele als Gladiatoren ausstaffierte Männer buhlten um die Gunst, fotografiert zu werden, für nur 5 € pro Bild. Manchmal wirkte es sehr seltsam wenn ein Gladiator plötzlich sein Handy nahm und telefonierte.

Auffällig auch die vielen alten Frauen, die völlig in Kleidung gehüllt, bei dieser Hitze um ein paar Almosen bettelten.

Wir fragten uns ob wir denn das Kolosseum von innen sehen wollten, aber wegen der Massen die dort an der Kasse anstanden, verwarfen wir diese Idee.

Ein Weile erkundeten wir noch die Umgebung, machten ein paar Fotos und schritten durch den Arc di Constantino in Richtung Trastevere.

Wir überquerten die Ponta Fabricio und waren nun auf der Isla Tiberina auf der sich, wen wundert es, auch eine Kirche befand, S. Bartolomeo all' Isola.

Über die Ponte Cestio galangten wir nach Trastevere, einem Ortsteil, in dem sich ein Restaurant neben dem anderen finden ließ.

Dort, so entschieden wir, werden wir am nächsten Tag zu Abend essen.

An der Station Trastevere nahmen wir den Zug FR3 und fuhren nach Valle Aurelia, wo wir in die Metro A nach Cornelia umstiegen.

Selbstverständlich legten wir bei Camillioni unsere tägliche Kaffeepause ein. Für mich einen der besten Cappuccino die ich je hatte und für meine Frau den American Cafe.

Danach genossen wir den Nachmittag am Pool.

Unser Abendessen nahmen wir bei Mille Pizza ein, wo wir sehr herzlich begrüßt wurden.

Zurück am Hotel fuhr gerade ein Bus vor, der eine neue Ladung Chinesen brachte. Da wurde uns klar, warum der Portier beim Check- in so überrascht war, dass wir zwei Wochen bleiben wollten. Es war ein Transithotel. Die Leute kamen, blieben ein oder zwei Nächte und verschwanden wieder.

 

Tag 4

 

Nach dem Frühstück quetschten wir uns in den völlig überfüllten Bus und fuhren zur Metrostation. In der Metro dasselbe, gewohnte Bild. Ein musizierender Jugendlicher mit Akkordeon.

Ein paar Stationen bis Ottaviano, dann in Richtung Petersplatz. Von einem Händler erwarb ich nach zähen Verhandlungen einen Hut für 8€ anstelle von 15€. Ich reichte ihm einen 10€ Schein und er gab mir 1€ zurück und behauptete wir hätten uns bei 9€ geeinigt. Nachdrücklich forderte ich den ausstehenden Euro zurück und widerwillig gab er ihn mir.

Also weiter zum Petersplatz, ein paar Fotos machen und ein wenig schauen. Hinein in den Dom wollten wir heute noch nicht.

Wir schlenderten noch ein wenig herum, als ich an einer Kreuzung vom Lärm anfahrender Motorräder- und Roller aufgeschreckt wurde. Mindestens zwanzig dieser Fahrzeuge standen vor einer Ampel und fuhren bei grün zugleich los. Das sah schon heftig aus und ich sollte so etwas noch öfter sehen. Noch etwas fiel mir auf. Für Fußgänger hat diese Stadt nicht viel übrig. Zu schmale Gehwege, Fußgängerampeln an denen man endlos lange warten muss und lebensgefährliche Zebrastreifen lassen gehende Verkehrsteilnehmer ein möglicherweise tödliches Vabanquespiel erleben bzw. überleben. Viel zu schnelle Zweiradfahrer, die nicht unbedingt bei rot an der Ampel stehen bleiben, vervollständigten dieses „Überlebnis“.

Irgendwann nahmen wir einen Bus und ließen uns zurückfahren. Natürlich legten wir eine Rast bei Camillioni ein und tranken den besten Cappuccino weit und breit.

Der Nachmittag am Pool war ja mittlerweile obligatorisch. Vorher hatten wir uns Trauben und Pfirsiche gekauft. Die verzehrten wir am Pool liegend. Die Pfirsiche waren einmalig. Weich, saftig, einfach lecker. Nicht wie diese harten, faden Dinger die es in Deutschland zu kaufen gibt.

Am Abend wollten wir nach Trastevere und machten uns rechtzeitig bereit.

An der Rezeption hatten wir uns schon vorher nach einer Busverbindung erkundigt.

Den 916 sollten wir nehmen, sagte man uns. Der fährt vom Busbahnhof in Cornelia, sagte man uns.

Das machten wir auch, fanden aber keine Buslinie 916 am Busbahnhof.

Ich fragte sogar einen anderen Busfahrer, der mir aber auch nicht helfen konnte.

Wie es der Zufall so will entdeckten wir eine Haltestelle in der Nähe, von der aus die Linie 916 fuhr. Irgendwann kam auch der Bus und wir fuhren los.

Um 20:15Uhr erreichten wir Trastevere. Um 18:15Uhr waren wir aber losgegangen und hatten tatsächlich zwei Stunden gebraucht, um hier anzukommen. Nun gut, ließ sich ja nicht ändern.

Hauptsache wir waren da. Tja, und dann stellten wir fest, dass alle da waren. Ich hatte den Eindruck, dass sämtliche Touristen Roms heute hier eingefallen sind und alle Tische der Restaurants besetzten. Es war nirgendwo etwas frei. Und wenn doch, so gingen wir nach einem Blick auf die Preisliste gleich weiter. 6 € für ein Bier, nicht mit mir. Reimt sich sogar.

Wir suchten an diesem Abend vergebens nach einem freien Tisch und nahmen enttäuscht den Bus 492 nach Cipro. Am dortigen Busbahnhof angekommen, fuhr uns die Linie 247 vor der Nase weg. Also rund 20 Minuten warten und Kohldampf schieben. Ich freute mich schon auf ein kühles Bier und eine Pizza bei Mille Pizza. Endlich waren wir da und Mille Pizza hatte geschlossen. Mittlerweile war es halb elf und ich hatte keine Lust mehr ein anderes Restaurant zu besuchen. Also ab auf das Zimmer und ein paar Kekse mit Weintrauben verzehren. Ach ja, auch heute Abend war die Hotellobby mit Chinesen bevölkert.

 

Tag 5

 

Nach dem Frühstück stiegen wir in den mal wieder überfüllten Bus und fuhren zur Metro.

Heute war wieder die Dame mit der schönen Stimme anwesend und sang ein italienisches Lied. Gern gab ich ihrem Kind ein paar Münzen.

In der Station Flaminio stiegen wir aus und gingen zum Piazza del Popolo. Hier setzten wir uns und machten ein paar Fotos. Dann ging es weiter zur Villa Medici wo wir einen herrlichen Blick über Rom genossen. Zur spanischen Treppe war es nicht weit. Irgendwie habe ich mir diese immer größer vorgestellt als sie wirklich ist.

Der Trevi- Brunnen war auch nicht mehr weit entfernt, also gingen wir dorthin. Menschenmassen umlagerten ihn und es war kaum ein durchkommen.

Weiter ging es zum Piazza Venezia wo das mächtige Vittorio Emanuele II Monument die dortige Kulisse beherrscht.

Mit dem Bus 916 fuhren wir weiter und irgendeiner Eingebung zufolge, schaute ich mir die Autos etwas genauer an. Fast jedes hatte ein Beule oder einen Kratzer. Also begann ich zu zählen, hörte aber schon bald auf, weil es zu viele wurden.

Meine Frau und ich machten uns dann den Spaß und sagten bei vorbeifahrenden Autos nur noch: Beule, Kratzer, Beule und Kratzer usw.

Die Kaffeepause bei Camllioni konnten wir entspannt genießen. Ich bezahlte und erklärte dem Besitzer, dass ich einen Reisebericht schreiben wolle und sein Lokal lobend erwähne.

Darüber freute er sich sehr und verabschiedete uns überaus freundlich.

Zurück am Pool genossen wir den warmen Tag und das kühle Wasser, das wir tranken oder in dem wir schwammen. Wir fragten uns, was wir wohl ohne den Pool machen würden und kamen überein, dass ein Hotel in der Stadtmitte ohne Pool, mit Verkehrslärm

und Hektik nichts für uns waren und wir mit diesem Hotel die genau richtige Wahl getroffen hatten.

Am Abend beschlossen wir wieder zu Mille Pizza zu gehen. In der Empfangshalle sahen wir einen gelangweilten Portier, der mit seinem Zeigefinger in seinem Mund herumspielte.

Und noch etwas bemerkten wir, keine Chinesen weit und breit. Sie waren alle weg.

Bei Mille Pizza wurden wir sehr nett begrüßt und bestellten das Übliche. Bier und Pizza.

 

Tag 6

 

Beim Frühstück stellte ich fest, das statt der Chinesen heute viele Philippinen im Frühstücksraum anwesend waren.

Auch gut. Störte uns ja nicht. Ein Besuch im Petersdom stand für uns auf dem Programm. Also zog ich mir heute etwas feineres an. Es war zwar sehr warm, aber so eine halblange Hose und T- Shirt schien mir irgendwie nicht angemessen.

Dann ging es wieder zum Bus, und siehe, heute war er nicht überfüllt. Dafür durften wir aber etwas länger auf ihn warten. Eines lehrte uns Rom: Geduld.

Mit der Metro ab nach Ottaviano. Hab ich schon erwähnt, das es viele Bettler in der Metro gibt? Raus aus der Metrostation und den Menschenmassen Richtung Petersplatz folgen.

Auf dem Weg dorthin mussten wir uns an den vielen Leuten vorbei schleichen, die Führungen durch den Petersdom gegen Entgelt anboten. Lästig.

Eine recht lange Warteschlange erwartete uns, aber auch hier ging es recht zügig.

Hinweistafeln erinnerten uns daran, dass angemessene Kleidung erwünscht wurde. Bei Frauen z.B. keine freien Schultern usw.

Einige, nein, viele hielten sich aber nicht daran und wunderten sich, dass sie an der ersten Schleuse aufgehalten wurden und man sie aufforderte, sich ein paar Meter weiter ein Tuch zu kaufen, um sich die Schultern zu bedecken.

Im Petersdom zeigte sich dasselbe Bild wie im Vatikanmuseum. Menschenmassen, Blitzlichter, ständiges Raunen in allen möglichen Sprachen und viel Prunk unserer armen Kirche. Obwohl ich konfessionslos bin, bereue ich es aber nicht hier gewesen zu sein.

Man sollte es schon gesehen haben.

Anschließend schauten wir uns diesen kleinen Friedhof an, der nur für deutschsprachige

Menschen auf dem Gelände des Vatikanstaates angelegt wurde. Der war schon recht interessant.

Auf dem Rückweg kaufte sich meine Frau einen neuen Bikini. Die entsprechende Figur hat sie ja. (Grunz, hechel, hechel)

Dann fuhren wir wieder zurück ins Hotel, der Pool rief uns. Natürlich legten wir unsere tägliche Rast bei Camillioni ein und tranken lecker Cappuccino und American Cafe.

Im Hotel bemerkte meine Frau, dass an dem neuen Bikini das Halteband für das Oberteil fehlte, ärgerlich. Aber es ging auch ohne. Als wir so am Pool lagen, fiel mir auf, dass meine Frau schon eine recht ansehnliche Sonnenbräune vorweisen konnte, ich dagegen sah aus wie ein Engländer, einfach nur blass. Außer im Gesicht und an den Armen, war der Rest meines Körpers irgendwie nicht von den Sonnenstrahlen erreicht worden.

Die Bräune an Armen und Gesicht hatte ich allerdings dem warmen Frühling in diesem Jahr zu verdanken. Ich nehme es vorweg, auch nach vierzehn Tagen war ich nicht besonders angebräunt. Ist halt so, ich brauche wohl immer etwas länger.

Am Abend fuhren wir zum Piazza Republica, um dort in der Nähe bei Er Buchetto lecker kaltes Wildschwein zu essen.

Dieses Restaurant, nein, eigentlich eine kleine Küche, hat nur drei kleine Tische.

Serviert wurde das Wildschweingericht auf einem Stück Papier. Dazu gab es ein großes Brötchen und ein großes Glas Rotwein. Frascati. Anschließend servierte uns der Wirt eine leckere, hausgemachte Käsespezialität. Gorgonzola mit klein geschnittener Peperoni und

Aceto Balsamico. Alles schmeckte ausgezeichnet und wir wussten, dass wir unbedingt wieder kommen mussten.

Überhaupt war das kein üblicher Restaurantbesuch. Eher so, als ob man zu einem Freund in die Küche kommt.

Eigentlich sollte dieses Gasthaus unter Denkmalschutz stehen. Seit 1890 steht es an diesem Platz und serviert seit dieser Zeit immer dasselbe. Kaltes Wildschwein mit Brot und Wein.

Ich hatte noch zwei Stunden später den Geschmack im Mund, so lecker war das.

Zurück am Hotel stieg gerade eine neue Wagenladung Chinesen aus.

 

Tag 7

 

Auch heute wollten wir uns die Stadt ansehen. Zuerst aber wollte meine Frau in der Boutique nachfragen, ob das Halteband eventuell dort gefunden wurde.

Also auf zur Metro und in Ottaviano aussteigen. Tatsächlich befand das Halteband sich im Laden und meine Frau freute sich darüber. Dann fuhren wir mit der Straßenbahn bis zum Villa Borghese Park, machten dort eine kleine Rast und aßen unsere mitgebrachten Weintrauben. Besonders groß war dieser Park nicht, und ich habe auch schon schönere gesehen. Zum Beispiel den Rombergpark in meiner Heimatstadt Dortmund.

Zu Fuß ging es dann weiter zum Piazza del Popolo. An der spanischen Treppe vorbei zum Pantheon. Ein von außen eher hässliches Gebäude. Von innen aber doch sehr beeindruckend. Die kreisrunde Öffnung im Kuppeldach und das dadurch einfallende Licht

machen aus diesem Bauwerk doch etwas besonderes.

Weil wir in der Nähe waren schauten wir uns auch den Piazza Navona an, der natürlich von vielen anderen Touristen ebenso besichtigt wurde und entsprechend voll war.

Der Brunnen und die schönen Skulpturen verleihen diesem Platz eine besondere Note und machen ihn sehr interessant.

So langsam wurde es sehr warm und genug gelaufen waren wir auch. Also fuhren wir zurück ins Hotel. Natürlich legten wir unsere tägliche Rast bei Camillioni ein, wo ich mit einem Händeschütteln sehr freundlich begrüßt wurde. Ich bestellte auf italienisch unseren Kaffee und einen Aschenbecher, woraufhin ich ein „Bravo“ des Besitzers erntete.

Anschließend gingen wir zum Supermarkt und kauften gemischten Salat, Tunfisch, Edelpilzkäse, Balsamico Essig, Öl, Brot und Bier. Natürlich auch Plastikbesteck und Plastikteller. Denn heute Abend wollten wir nicht ausgehen.

Den Nachmittag genossen wir am Pool und hatten ihn fast für uns allein.

Dann kam der Abend und ich bereitete uns einen leckeren Salat. Schmeckte wirklich gut und satt wurden wir auch. Ein bisschen Karten spielen, ZDF gucken und der Tag war gelaufen.

 

Tag 8

 

Heute wollten wir uns einen Markt ansehen, der kaum von Touristen besucht wurde.

Wir gingen zu Fuß zur Metro und wurden, als wir an der Cappuccinobar vorbeigingen von drinnen gegrüßt. Fand ich sehr nett. Mit der Metro fuhren wir zur Station Ottaviano und stiegen dort in die Straßenbahn. Über Tiburtina ging es weiter nach Testaccio, wo wir uns die Piramide de Cestio anschauten. Diese kleine hässliche Frucht der Ägyptomanie aus vergangenen Zeiten enttäuschte mich. Im Schatten der Aurelianischen Mauer gelegen, bot sie mir einen jämmerlichen Anblick. Für eine Pyramide war sie mir zu klein, die Verhältnisse der Maße passten nicht wirklich zu einer Pyramide wie wir sie aus

Ägypten kennen und überhaupt wirkte sie ungepflegt.

Weiter ging es zum Markt von Testaccio. Hier wurden hauptsächlich Schuhe, Kleidung und Reinigungsmittel angeboten. Aber auch Fleisch und Fisch lag dort in den Auslagen, vielfach aber ohne Kühlung. Und es war ein sehr warmer Tag. Ich schaute vergeblich nach Elektronik Artikeln, weil mein Kopfhörer für den kleinen Fernseher defekt war.

Den Markt hatten wir schnell durch, es gab nicht wirklich interessantes zu sehen.

Wir kamen zu einem kleinen Platz mit Bänken und Spielgeräten für Kinder.

Ich sah einen Laden der CD's und DVD's anbot, dort wollte ich nachschauen, ob es vielleicht auch einen Kopfhörer zu kaufen gab. Meine Frau wollte sich solange auf ein Bank setzen und auf mich warten. Im Laden wurde ich nicht fündig, aber man sagte mir, das um die Ecke ein kleiner Laden wäre. Aber der hatte geschlossen. Also ging ich zurück zu dem kleinen Platz, wo ich meine Frau abholen wollte. Aber von ihr war nichts zu sehen.

Ich suchte sie und ging mehrmals kreuz und quer über diesen Platz. Aber sie blieb verschwunden. Gut zehn Minuten vergingen und ich machte mir schon Sorgen, als sie aus einem kleinen Laden herauskam. Innerlich atmete ich tief aus, zeigte ihr aber nicht, dass ich mich sorgte.

Am Abend fuhr ich mit dem Bus zu Euronics und kaufte einen Kopfhörer.

Jetzt konnte ich das ZDF wieder Stereo empfangen und meine Frau wieder ruhig einschlafen.

 

Tag 9

 

Heute schleppte mich meine Frau über den Flohmarkt in Trastevere. Sie liebt Flohmärkte.

So gut wie jeder Stand wurde gründlich inspiziert. Langsam kämpften wir uns durch die Menschenmassen die uns entgegenkamen oder an uns vorbei wollten.

An einem Stand entdeckte ich eine Hose, die mir gefiel. Reichte bis knapp übers Knie und sah sehr luftig aus. Genau richtig für die Hitze des Tages. Also kaufte ich sie, für 1 €.

An einem andren Stand erwarb ich einen Gürtel und an einem anderen noch eine Hose.

Insgesamt 5 € für zwei Hosen und einen Gürtel, nicht schlecht.

Meine Frau kaufte nichts, seltsam.

Irgendwann hatten wir den Flohmarkt hinter uns und wir fuhren zurück zum Hotel.

Selbstverständlich legten wir unsere Kaffeepause bei Camillioni ein.

Dann wartete der Pool auf uns.

Wir waren mal wieder die einzigen. Aber nicht lange. Plötzlich fiel eine Horde Amerikaner

über den Pool her. Mit Armbanduhr, Sonnenbrille und manche sogar im T-Shirt stürzten sie sich in den Pool, um sich zu erfrischen.

Ich schnappte einige Gesprächsfetzen auf und erfuhr, das sie diesen kleinen vier Sterne Fernseher am liebsten gegen die nächste Wand geklatscht hätten. Schließlich seien sie Amerikaner und hätten mindestens einen 42 Zoll Flachbildschirm verdient.

Dann sprachen sie über Filme wie Green Lantern, Avatar oder dem neuen Conan. Der aber irgendwie nicht der echte sei, weil nun einmal nur Arnie der einzig wahre Conan ist.

Amis.

Irgendwann verschwanden die Amis und machten der nächsten Horde Platz. Diesmal Spanier. Aber auch die verschwanden nach einer Weile und machten sich erst in der Nacht wieder lautstark bemerkbar. Sehr laut. Diesmal reichte es mir. Ich öffnete die Zimmertür und sah wie sich die Spanier durch die offenen Türen unterhielten. Manche standen im Flur und mischten mit. Mit einem lauten: „Silencio, por favor!“ ließ ich meinen Ärger über diese Ruhestörung freien Lauf.

Verdutzt blickten sie mich an und nach zwei Sekunden redeten sie einfach weiter, als sei nichts geschehen.

 

Tag 10

 

Heute stand die Besichtigung des Castel Sant' Angelo, die Engelsburg, auf dem Plan.

Also ab in den Bus, natürlich proppenvoll und mit der obligatorischen Verspätung.

Wir kamen am Vatikanmuseum vorbei und staunten nicht schlecht, als wir eine über fünfhundert Meter lange Warteschlange erblickten. Na dann, viel Spaß beim Warten in der prallen Sonne. Bevor wir uns die frühere päpstliche Fluchtburg, inklusive Kerker, anschauten legten wir eine kleine Rast im Schatten einiger kleiner Bäume ein, neben dem über 700 Meter langen überirdischen Verbindungsgang zum Vatikan. Wir aßen Weintrauben, fütterten mit kleineren Trauben die Spatzen und rauchten noch eine Zigarette.

Die Engelsburg ist schon ein imposantes Gebäude. Gewaltige Mauern umgeben dieses

mächtige Mausoleum. Beeindruckend aber ist auch die Ponte Sant' Angelo, die Brücke über dem Tiber mit ihren zehn Engelsfiguren auf den Balustraden.

Ein wenig schlenderten wir noch durch die römischen Straßen und Gassen und machten uns dann auf den Weg zur verdienten Cappuccino Pause. Bei Camillioni wurde ich wieder mit Handschlag begrüßt. Toll.

Der Nachmittag gehörte natürlich dem Pool.

Abends fuhren wir wieder zu Er Buchetto, Wildschwein essen. Auch die Käsespezialität durfte nicht fehlen.

Mit dem leckeren Nachgeschmack im Mund gingen wir langsam zum Piazza Venezia und

fuhren mit dem Bus wieder zurück.

Bei Mille Pizza hatte ich auf einmal Lust auf ein leckeres, kühles Bier. Der Wirt begrüßte uns sehr freundlich und wir setzten uns draußen an einen Tisch.

Der Wirt verließ kurz sein Lokal und überließ die Bedienung seiner dicken, griesgrämigen Frau. Bei unseren vorherigen Besuchen fiel mir auf, dass diese Frau irgendwie unfreundlich war und sich nur ungern über unser Trinkgeld freute.

Tja, heute Abend war sie wohl sehr schlecht gelaunt. Über zwanzig Minuten ignorierte sie uns, gab uns keine Karte oder fragte ob wir etwas trinken wollen. Besonders viel zu tun hatte sie aber auch nicht, schließlich war das Lokal nicht gerade überfüllt.

Also gaben wir auf und verließen diese Lokalität. Schade.

Zum Glück hatte ich ja noch im Kühlschrank eine kühle Flasche Bier. Prost.

 

Tag 11

 

Heute frühstückten wir etwas später als sonst und betraten einen fast leeren Frühstücksraum. Die Tische waren noch nicht abgeräumt und es fiel dem Kellner sichtlich schwer uns einen freien Tisch geben. Schließlich fand er einen halbwegs ordentlichen und wir durften uns setzen. Was wir aber dann beobachten konnten war schon etwas seltsam. Anstatt einen Tisch komplett abzuräumen, damit die nächsten Gäste einen Platz finden konnten, wurden erst nur die Gläser von allen Tischen entfernt, dann in aller Seelenruhe die Tassen, dann die Teller usw. Unterstützt wurde das Ganze von einem Oberkellner, der leise flüsternd seine Anweisungen gab. Alles in allem dauerte das natürlich seine Zeit und die nächsten Gäste warteten schon.

Auch heute war es wieder ein schöner Tag und wir fuhren mit der üblichen Verspätung im überfüllten Bus zum Piazza Venezia. Hier beherrscht das Denkmal des früheren Einigungsmonarchen Vittorio Emanuele II die gesamte Szenerie. Ein imposantes Bauwerk, ein mächtiges Monument aber irgendwie deplatziert; und ein seltsamer architektonischer Stil der nicht nicht wirklich in diese Nahtstelle, so nahe an den antiken Stätten passt. Meine ich. Ist ja Ansichtssache.

Ein Aufzug bringt Gäste die letzten paar Etagen in die Cafeteria Italia hinauf. Allerdings für 7 € pro Person, ich finde das unverschämt teuer.

Wir schlenderten noch eine Weile durch das Monument und gingen dann zu den antiken Stätten. Forum Romanum, alte Steine, Kolosseum, wieder ein paar alte Steine, Arco di Constantino, Arco di Tito, Monte Palatino, auch hier lagen alte Steine herum und dann weiter am Circo Massimimo entlang in Richtung Isola Tiberina führte uns unser Weg.

Mit dem Bus fuhren wir zurück und legten selbstverständlich unsere Kaffeepause bei Camillioni ein. Den Rest des Tages verbrachten wir entspannt am Pool und genossen das herrliche Wetter.

 

Tag 12

 

Neuer Tag, neues Glück. Heute fuhren wir einfach mal ziellos in die Stadt und guckten uns das Treiben an. Am Piazza Navona hörte ich gute Gitarrenmusik. Ich hockte mich auf eine Bank und lauschte der Musik. Meine Frau schaute sich eine Basilika an und ich hörte weiter der guten Musik zu. Ich fand die Mucke so gut, dass ich mir eine CD kaufte. Vinzcenzo Campa heißt der Musiker und ich gab ihm gerne die 10 € für seine selbstgebrannte CD.

Zuhause stellte ich dann aber leider fest, dass ich die CD nicht in dem CD-Player abspielen kann, sondern nur auf meinem Laptop. Schade.

Nach einer Weile kam meine Frau wieder und wir gingen weiter.

Campo Fiore erreichten wir und legten am Denkmal des Giordano Bruno eine kleine Pause ein. Mir fiel ein, dass ich den Namen Giordano Bruno zum ersten Mal in

Hoimar von Ditfurth's Buch Im Anfang war der Wasserstoff gelesen habe. In seinem Buch hatte sich der Autor sehr über die katholische Kirche geärgert, nein, eigentlich war er sehr wütend über das was die Kirche Bruno widerfahren ließ. Tod durch den Scheiterhaufen, nur weil Bruno an Leben auch außerhalb unseres Planeten glaubte. Auch die Unendlichkeit des Universums gehörte zu seinen Ansichten, was der Kirche aber überhaupt nicht gefiel. Nun wissen wir heute zwar, dass unser Universum nicht unendlich ist (dann gäbe es ja auch unendlich viele Sterne und es wäre Nachts nicht dunkel), aber jemanden für diese Ansicht gleich verbrennen...

Dieses und anderes ging mir durch den Kopf und ich bereue es nicht, dass ich vor zwanzig Jahren aus der katholischen Kirche austrat.

An diesem Tag war Markt hier auf dem Platz und ein vielstimmiges Gemurmel drang in mein Gehör. Händler priesen ihre Waren und ich stellte mir vor wie es wohl im Mittelalter war. Wahrscheinlich nicht viel anders, außer dass es keine amerikanischen Touristen gab.

Wir schlenderten weiter und kamen zum Largo Argentina. Hier konnten wir die Area Sacra

sehen, die Reste der alten republikanischen Tempel.

Bald darauf kam unser Bus und wir hörten wie uns der Pool rief.

Aber vorher wollten wir uns unsere Kaffeepause bei Camillioni gönnen. Doch leider war hier wegen Ferien geschlossen. Schade.

Am Abend fuhren wir wieder lecker Wildschwein essen und wurden vom Wirt sehr nett begrüßt.

Nach der leckeren Ferkelei wanderten wir weiter durch die Stadt. Aus dem Reiseführer wusste meine Frau das es irgendwo in Rom eine Eisdiele mit besonders leckerem Eis gibt.

Zum Glück hatte meine Frau den Reiseführer immer bei sich, und nach kurzer Suche fanden wir die Adresse und kauften uns ein Eis. Lecker.

 

 

Tag 13

 

Am Morgen streunten wir durch einen nahegelegenen Park und genossen die warmen Sonnenstrahlen. In die Stadt wollten wir heute nicht, zumindest nicht heute Vormittag.

Stattdessen gingen wir nach dem Spaziergang im Park, früh zu unserem Lieblingspool und ließen uns von der Sonne verwöhnen. Auch heute waren wir wieder die einzigen Gäste am Pool. Ich lag so schön auf der Liege, in halb aufrechter Position, als ich in etwa zehn Metern Entfernung etwas auf mich zufliegen sah. Es kam direkt auf mich zu, und mit einer blitzartigen Reaktion, wich ich mit meinem Kopf dem „Angreifer“ aus.

Etwas streifte meinen Hals, ich sprang auf und drehte mich um. Was ich dann sah, ließ mich erschrecken, aber auch froh sein, dass ich so schnell reagiert hatte.

Ein Hornisse saß nun dort, wo kurz vorher sich noch mein Kopf befunden hatte.

Das war schon ein mächtig beeindruckendes Geschöpf, das ich da sah.

Und einen Hornissenstich in den Hals brauchte ich auch nicht unbedingt.

Vorsichtig bewegte ich mich einen Schritt zurück, als der Angreifer auch schon wieder weiterflog.

Am Abend machten wir uns wieder einen leckeren Salat und fuhren anschließend in die Stadt.

San Giovanni in Laterano war unser Ziel. Ein beeindruckendes Gebäude. Ich musste an die armen Bauarbeiter denken, die sich für diese Kirche abrackerten.

Und dann dieser wegen der Ägyptomanie der alten Römern verschleppte Obelisk.

32 Meter hoch und 400 Tonnen schwer ragt der auf der Piazza San Giovanni in Laterano senkrecht in die Höhe. Wie haben die alten Römer den bloß transportiert?

Weiter ging es zum Kolosseum. Es wurde langsam dunkel und als wir ankamen, war dieses alte Bauwerk sehr schön farbig beleuchtet. Viele Musiker gaben hier ihre kleinen Konzerte. Ob Saxophon, Flöte oder Gitarre, es war alles sehr schön anzuhören.

Meine Füße machten sich heute Abend ein wenig schmerzhaft bemerkbar. Naja, wir sind ja auch Meilen gelaufen.

 

 

Tag 14

 

Unser letzter Tag brach an. Nach dem Frühstück fuhren wir im wie immer verspäteten und überfüllten Bus in die City. Ziellos schlenderten wir durch die Stadt mit ihren engen Gassen. Wir kamen an vielen bekannten und zuvor schon von uns besuchten Bauwerken, Plätzen und Monumenten vorbei, und mir fiel auf, dass die Innenstadt von Rom eigentlich gar nicht so groß ist, wie ich vorher dachte. Irgendwann sahen wir die Eisdiele mit dem leckeren Eis und meinen Frau kaufte sich sogleich eins.

Mir war nicht unbedingt danach, stattdessen rauchte ich mir eine Zigarette und beobachtete das Treiben auf den Straßen.

Es war ein heißer Tag heute und ich freute mich schon auf den Pool.

Den Nachmittag verbrachten wir auch an demselbigen und am Abend gingen wir zu Mille Pizza. Der Wirt wollte wissen warum wir beim letzten Mal so schnell weg waren und ich erklärte ihm in holperigen italienisch, dass wir zwanzig Minuten warten mussten und dann ohne Bestellung sein Lokal verließen. Dafür entschuldigte er sich sehr höflich und nahm unsere Bestellung auf. Wie immer Bier und Pizza. Mit Handschlag verabschiedete er sich, als er von uns erfuhr, dass wir am nächsten Morgen abreisen.

 

 

Um sechs Uhr morgens war die Nacht vorbei, die übliche Morgenhygiene erfolgte und um halb sieben gingen wir zum Frühstück. Dann checkten wir aus und pünktlich um 7:15 Uhr fuhr unser Chauffeur mit der schwarzen Limousine vor. Ursprünglich wollten wir ein Taxi zum Flughafen bestellen, aber von der Rezeption erfuhren wir, dass es einen Fahrdienst gibt, der vom Hotel bestellt wird, und für den gleichen Betrag uns zum Airport bringen würde. Darauf gingen wir ein und schnell und bequem wurden wir in einem Pontiac mit Privacyverglasung zu unserem Ziel gebracht. Natürlich hatte Air Berlin auch heute wieder, wie üblich, Verspätung. Aber nur knapp über eine Stunde.

Nachmittags um 3 Uhr waren wir wieder daheim und Rom war wieder weit, weit weg.

Wir hatten einen schönen Urlaub hinter uns, nichts ging verloren, wir wurden nicht belästigt und nichts wurde uns gestohlen. Das ist doch schon mal was.

 

In der darauf folgenden Woche kaufte ich mir für meine XBOX 360 das Spiel Assassins Creed: Brotherhood.

Völlig begeistert war ich als ich bemerkte, dass die Handlung im mittelalterlichen Rom spielte und ich viele Bauwerke und Örtlichkeiten wiedererkannte.

So lief ich also mit Ezio Auditore da Firenze, der Hauptperson des Spiels durch Roms Straßen und Gassen, besuchte das Kollosseum, die Engelsburg, das Pantheon, Forum Romanum usw.

Die Grafik dieses Spieles ist schon beeindruckend und gerne wandele ich auch heute noch durch dieses virtuelle Rom und denke daran, das ich auch dort war.

 

Ende

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 04.12.2011. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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