Hans-Werner Kulinna

Das kleine Licht

     
 
Draußen auf den Feldern vor Bethlehem hüteten die Hirten ihre Schafe und Ziegen. Da erschien ihnen in der Nacht der Engel und er erzählte von der Geburt des neuen Königs. Auch der kleine Hirtenjunge Lukas hörte die Nachricht. Er überlegte, was er dem neugeborenen Kind schenken sollte. Lukas war arm wie alle anderen Hirten auch. Was er hatte, brauchte er selbst. Er suchte in seiner Hütte nach einem Geschenk. Da sah er plötzlich auf seinem kleinen Tisch in der Ecke die alte Öllampe stehen. „Die werde ich mitnehmen!“, dachte er, „die Lampe kann dort bestimmt jemand anzünden und dann wird sie dem neugeborenen Kind Wärme und  Licht geben.“ Er legte noch ein paar Holzstücke in den Herd und nahm die Öllampe mit. Mit den anderen Hirten machte er sich also eilig auf den Weg hinunter ins Tal. Der  große Stern zeigte ihnen den Weg. Als sie endlich im Stall von Bethlehem angekommen waren und das Jesuskind in der Krippe liegen sahen, waren schon viele andere Hirten versammelt. In großer Freude bestaunten sie das Kind in der Krippe. Der kleine Lukas wollte nun seine Öllampe verschenken, doch die großen Hirten lachten ihn aus. Das  Kind in der Krippe schaute den kleinen Hirten lange an.  Es lachte nicht. Es streckte seine Hände der Lampe entgegen. „Zündet sie an der  Stalllampe an!“, sagte Maria, die Mutter des Kindes, zu den anderen Hirten. Lukas  war wie versteinert. Die anderen Hirten wurden ganz still. Einer der großen Hirten  nahm das Feuer aus der großen Stalllampe und zündete damit die kleine Hirtenlampe  an. Da lachte das Kind in der Krippe und auch Josef und Maria freuten sich. Die Mutter Maria sagte zu Lukas: „Danke für dein kleines Licht. Schön, dass du den weiten Weg  zu uns gekommen bist. Lukas freute sich sehr. Im hellen Schein seiner Lampe sah er das Kind.  Dann gab Maria ihm die Lampe zurück „Hier!“, sagte sie, „du wirst das Licht brauchen,  kleiner Lukas. „Wir haben hier doch die große Stalllampe!“, lächelte  sie ihn freundlich an. Die anderen Hirten aber zogen ihn mit und machten sich auf den langen Weg zurück zu  ihrer Herde.  Lukas war sehr traurig. Er trug seine Lampe vorsichtig und dachte nach. Unterwegs kamen sie an einer einsamen Hütte vorbei. Eine alte Frau stand in der Tür  und rief: „Gebt mir von eurem Feuer, ich habe nichts.“ Lukas sah die alte Frau, er  schaute auf die Hütte und bemerkte, dass das Dach nur wenige Bretter hatte. Er überlegte: „Ihr wird drinnen sicher sehr kalt sein. Auch wird sie kein Feuer  haben, um sich etwas Warmes zu machen. Ich werde ihr mein Licht geben.“  Lukas ging auf die alte Frau zu und reichte ihr seine helle Lampe. In wenigen  Augenblicken brannte wieder das Feuer im Herd. Lukas nahm seine Lampe und die Frau  bedankte sich. Sie freute sich, dass die Wärme wieder in ihre Hütte zog. Die anderen Hirten  murrten mittlerweile, er möge sich beeilen und kommen, der Weg sei noch weit und sie zogen Lukas endlich  mit. Als sie auf dem Weg zu ihren Feldern waren, brach plötzlich ein  heftiger Sturm  los. Die Hirten stemmten sich gegen den eisigen Wind. Der kleine Lukas  hatte Mühe gegen den Sturm anzugehen. Da stolperte er plötzlich über einen Stein, fiel mit  seiner Lampe zu Boden und die kleine Flamme erlosch. Erschöpft und mit letzter Kraft  kamen sie endlich in ihrer Berghütte an. Von der langen Reise waren sie sehr müde  geworden und der heftige Sturm hatte an ihrer Hütte seine Spuren hinterlassen.  Mittlerweile war auch das Herdfeuer ausgegangen. Nicht einmal die Glut war noch heiß. Die großen Hirten schimpften: „Nun siehst du, wie es ist, in einer undichten und kalten  Hütte zu leben. Konntest du nicht besser auf deine Lampe aufpassen, dann hätten wir jetzt Feuer?“, riefen sie enttäuscht. In dieser Nacht wurde es bitterkalt und die Hirten krochen zusammen, um sich gegenseitig zu wärmen. Am nächsten Morgen hatte sich der Sturm gelegt und Lukas ging mit seiner Öllampe noch einmal den Weg zurück zum Haus der alten Frau, der er damals sein Feuer geschenkt hatte. Als er in die Hütte trat, brannte das Herdfeuer und die alte Frau freute sich. Sie hatte den kleinen Hirten sofort erkannt und Lukas erzählte seine Geschichte vom Sturm. Die Frau überlegte nicht lange. „Lukas, gib mir deine Lampe!“, bat sie ihn. Am Herdfeuer zündete sie die kleine Öllampe wieder an und gab sie ihm zurück. „Hier Lukas, hast du dein Feuer zurück, pass gut auf, dass dir die kleine Flamme nicht wieder ausgeht.“ Lukas nahm sein kleines Licht zurück, bedankte sich und ging eilig hinauf zu den anderen Hirten. Als die großen Hirten ihn sahen, fielen ihnen Steine von ihren Herzen. Lukas trug seine Lampe ganz langsam in die Hütte und zündete damit das Herdfeuer an. Alle sahen sich erleichtert an und sie freuten sich miteinander. „Wusstet ihr nicht, dass jeder von uns sein Licht teilen kann?“, sagte Lukas und dabei lachte er leise in sich hinein. Nun hatte er verstanden, warum Maria ihm die Lampe zurückgab. 

© Hans - Werner Kulinna

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