Wally Schmidt

Plaetzchenduft

Der Abend zog ueber das Land, mit Stille und klirrender Kaelte. Mutter hatte noch viel zu tun, alles musste frisch, sauber und gemuetlich sein in unserer Wohnung, damit wir schoen Weihnachten feiern konnten.

Ich vertrieb mir die Zeit um mit meiner Puppe Dories zu spielen. Im voriegen Jahr hatte das Christkind sie mir gebracht. Sie war eine ganz besondere Puppe. Wenn ich sie hinlegte, konnte sie die Augen schliessen und wenn sie hinundher bewegt wurde, guckte sie mit ihren braunen Augen von einer Seite zur anderen. Das war fuer alle meine Freundinnen faszinierend und sie beneideten mich sehr um mein gutes Stueck. Mama schrie sie auch, doch das war nicht so besonders, das konnten viele Puppen. Ihr Kleidchen war aus weissem Voile mit rosafarben Rueschen, auch das Babymuetzchen war aus diesem Stoff. Sie war eine echte „Schoenheit“.

Ploetzlich unterbrach mich Mutter bei meinem Spiel und sagte : „Komm mal schnell ans Fenster dort kannst du sehen wie das Christkind Plaetzchen baeckt.“ Ich legte meine Puppe in das Puppenwaegelchen und lief zum Fenster, um das Ereignis zu betrachten. Der Himmel war ganz rot, das Christkind hatte den Himmelsofen angezuendet, um leckere Plaeztchen fuer alle Kinder auf der ganzen Welt zu backen. Ich war ganz aufgeregt und guckte mit grossen Augen zum Himmel. Mutter nahm mich auf den Schoss und fragte mich, ob ich nicht Lust haette mit ihr auch ein paar fuer die Kinder zu backen und dem Christkind etwas zu helfen. Das wollte ich gerne machen. Es machte mir Spass, und wir machten uns an die Arbeit.

Mutter holte jetzt alle Zutaten auf den Tisch. Wir wollten Spekulatiusplaetzchen backen. Dazu brauchten wir Mehl, Zucker, Milch, Butter und natuerlich Backpulver damit die Plaetchen auch schoen dick wurden. Jetzt fehlte nur noch die Backrolle, die aber auch gefunden wurde. Zum Austechen der Plaetzchen benoetigten wir noch Foermchen. Mutter suchte fleissig im Schrank und fand sie ganz hinten zwischen anderen Dingen, die wir selten brauchten.

Jetzt ging es an die Arbeit. Der Teig wurde mit den Haenden geknetet, eine Maschine gab es zu der Zeit noch nicht. Natuerlich mussten wir die Haende vorher gut waschen, wie mir Mutter „einhaemmerte“. Das machte ich, weil ich doch auch kneten wollte. Danach wurde mit der Rolle der Teigballen glatt gerollt. Jetzt kam die schoenste Arbeit, das Ausstechen mit den Foermchen. Es gab viele verschiedene. Ich liebte einfach alle, weil es mir einen Riesenspass machte . Die Figuren waren Huehnchen, Enten, Voegel, Nikolaeuse und noch einige andere. Monde und Halbmonde stachen wir mit Wasserglaesern aus. Wenn sie alle auf dem Backblech lagen, wurden sie mit Eigelb bestrichen und, wenn sie fertig waren, glaenzten sie schoen golden. Nun kamen sie in den Backofen. Ich konnte es kaum erwarten, dass sie fertig waren. Nach einiger Zeit duftete es herrlich bei uns in der Kueche.

Inzwischen war es draussen dunkel geworden, das Christkind hatte den Himmelsofen ausgemacht.

Als die Plaetzchen fertig waren, freuten wir beide uns sehr, und ich war richtig stolz, dass ich dem Christkind geholfen hatte.

Mutter sagte dann, dass das Christkind in der Nacht vorbei fliegen wuerde, um die Plaetzchen mitzunehmen und alle Kinder damit zu beschenken. Ich ging sehr aufgeregt, aber gluecklich ins Bett. Am anderen Morgen waren alle Plaetzchen weg. Ob ich wohl am heiligen Abend auch welche bekommen wuerde und ob sie wohl anders aussaehen?  

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 25.12.2011. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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