Wally Schmidt

Johanna und ihre Schafe

 

 

Es begab sich zu einer Zeit, dass die Hirtin Johanna auszog um einen Literaturkreis zu gruenden. Sie wanderte und wanderte lange Zeit, bis sie eine Huette fand.Dort liess sie sich nieder. Sie verkuendete allen Hirten im Lande, ihre Schafe zu ihr zu schicken.

Und siehe da, es kamen ihrer viele aus allen Himmelsrichtungen. Grosse Schafe, kleine Schafe, dicke Schafe, duenne Schafe, schwarze Schafe, weisse Schafe, mit grossen Ohren, mit kleinen Ohren, mit kleinen Maeulern und mit grossen Maeulern. Manche hatten ein dickes Fell und andere ein duennes Fell.

Ihre Laemmer hatten sie alle zu Hause gelassen, sie waren noch zu klein um den weiten Weg zu machen. Auch die Schafsboecke waren im heimatlichen Stall geblieben und kannten nichts anderes als auf ihrem Heu herumzukauen.Sie fanden den Weg zu beschwerlich. Ihre Maeuler waren zwar sehr gross, doch hatten die meisten zu kleine Ohren, um die Geschichten von Johanna zu verstehen. Manchmal hatten sie grosse Ohren, doch sie stopften Stroh rein um nichts zu hoeren. Doch die Schafe waren eigentlich ganz froh, einmal so ganz fuer sich zu sein.

Sie machten es sich bequem und Johanna fing an zu erzaehlen.

Sie sprach von den Menschen, die im weiten Land wohnen. Und weil die Schafe alle Muetter waren, erzaehlte sie von den Menschenmuettern und ihren Kindern,ganz besonders von den Toechtern und ihren Muettern. Alle Schafe konnten Johanna gut verstehen, denn sie waren ja auch Muetter und hatten Toechter. Ausserdem waren sie auch Toechter von ihren Muettern.

Johanna hatte einige Baender mitgebracht. Sie hatten alle verschiedene Farben und fuehlten sich sehr unterschiedlich an. Mit diesen Baendern versuchte Johanna, die Lebenswege der Toechter und Muetter zu erzaehlen.

Zunaechst legte sie ein weiches, weisses Band in die Mitte. Es fuehlte sich an wie das Fell eines kleinen Laemmchens, so zart und sauber. Alle Schafsmuetter wollten am liebsten stundenlang darueber streicheln. Doch das naechste Band lag schon daneben,und die Schafe mussten viel zu schnell das weiche, weisse Baendchen loslassen. Jetzt legte Johanna ein blaues Band neben das weisse. Es wirkte ein wenig kuehler und hatte einige Knicke.Die Schafsmuetter wollten die Druckstellen wieder glattstreichen, doch diese verschwanden nicht ganz. Sie meinten, dass sie sich draufsetzen moechten um sie mit ihrer Waerme verschwinden zu lassen. Alle versuchten es und hatten grossen Erfolg. Die Schafsmuetter freuten sich sehr,weil sie jetzt wussten, dass sie mit ihrer Waerme vieles wieder glattmachen konnten.Jetzt kam ein gelbes Band in die Mitte. Es sah etwas komisch aus,denn es hatte einen Knoten. Sie alle fanden die Farbe sehr schoen: sie leuchtete wie die Sonne. So akzeptierten sie den Knoten und ueberlegten, dass er sich vielleicht eines Tages loesen liesse.

Jetzt warteten alle auf das naechste Band. Es wurde ausgeroll, und es war feuerrot. Das gefiel allen. Sie wurden richtig aufgeregt. Das Band schillerte wie Glut und knisterte ein wenig. Die Oberflaeche war mal weich und glatt und dann wieder rauh und stumpf. Doch es war wunderschoen!Sie alle liebten es sehr.

Jetzt tauchte ein komisches Band auf, das heisst, eigentlich war es gar kein Band. Es war ein Gummiband. Das war wirklich etwas seltsam. Sie konnten es immer laenger ziehen, doch es ging nicht kaputt. Aussehen tat es nicht so schoen, aber es hielt lange- lange- lange.

Jetzt dachten alle Schafe, dass Johanna kein Band mehr uebrig haette. Doch sie hatte noch „eins“. Es fiel nicht sehr auf, und alle versuchten, es zu uebersehen. Doch es lag ueber allen anderen Baendern, und so mussten sie hinsehen. Es war – schwarz- ! Fuer die Schafe hatte es eigentlich gar keine Farbe, und sie mochten es nicht. Doch als sie laenger hinsahen,entdeckten sie,dass es doch schoen anzusehen war. Es war aus Samt und ganz weich. An beiden Enden waren goldene Schleifen. - Es wurde sehr still in der Huette, und alle hatten viele Gedanken.Jetzt machte Johanna aus allen Baendern zusammen einen Zopf. Die Schafe sahen, dasses herrlich anzusehen war, und ohne das schwarze Band haetten alle anderen Baender nicht so schoen geleuchtet. Sie freuten sich und waren zufrieden. Sie hatten verstanden, dass die Menschen und die Beziehungen viele Seiten haben und alles zuammen erst das Leben bedeutet.

Jetzt waren die Stunden mit Johanna vorueber. Die Schafsmuetter erhoben sich, um den Heimweg anzutreten. Sie schauten alle nochmal zu den Baendern hin und verabschiedeten sich dann. Waehrend sie ueber die Felder wanderten und die Sterne ihnen den Weg zeigten, dachten sie noch einmal ueber alles nach was sie erfahren und gelernt hatten.

Sie trugen alle ihre Gefuehle und Gedanken nach Hause in ihren gemuetlichen, warmen Stall, auf den sie sich jetzt alle freuten.  

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 27.12.2011. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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