Engelbert Blabsreiter

Weihnachten wird unter dem Weihnachtsbaum entschieden



Gar winzig erscheint die kleine zweiteilige Glastüre an der Vorderseite des übermächtigen Gebäudes.
Als sie sich lautlos öffnete stand die Frau kurz danach in einem großen steril erscheinenden Treppenhaus aus dem sich viele Gänge in alle Richtungen erstreckten.
Sofort nahm sie die typischen Gerüche eines Krankenhauses wahr.  Die hallenden Geräusche ihrer Schritte vermischten sich mit denen anderer Personen, die mehr oder weniger eilig durch die riesige Eingangshalle gingen.
Zahlreiche Hinweisschilder dienten zur Orientierung der Besucher im Labyrinth der Gänge und Treppenhäuser,  aber sie kannte den Weg schon aus zahlreichen Besuchen in dem Krankenhaus. Nein...sie hätte den Weg sogar blind finden können, ist sie den Weg doch auch schon in zahllosen Träumen gegangen. Immer und immer wieder...
 
Bevor sie die große Klinke der überbreiten Türe niederdrückte fasste sie alle Kraft zusammen, um den Eindruck von Stärke und Zuversicht zu erwecken, aber irgendwie gelang es ihr nicht.
 
Als sie sich dem Krankenbett näherte erwartete sie der Blick aus den übergroß erscheinenden neugierigen Augen ihrer Tochter bereits sehnsuchtsvoll.
Nur ihr kahler kleiner Kopf lugte ein bisschen aus der weißen Decke heraus, sowie ein Schlauch der in einer Infusionsflasche auf einem Halteständer endete.
 
Wie geht es denn meinem Sonnenschein fragte sie ihre Tochter die nur mit einem vielsagendem Lächeln antworten konnte. Vorsichtig nahm sie die Hand ihrer Tochter unter der Decke hervor um sie zu halten.
Lange schmale und abgemagerte Finger einer zierlichen Hand bewegten sich fast unmerklich als sie die Hand drückte.
Wie immer erzählte sie ihrer Tochter die Dinge des Tages von denen sie wusste, dass es sie interessieren könnte, bis ihrer Tochter die Anstrengung wieder einmal zu viel wurde und sie einschlief.
 
Als sie die fein gezeichneten Linien des Gesichtes ihrer schlafenden Tochter betrachtete durchkreuzten die Bilder vergangener Zeiten ihre Sinne. Die wunderbaren Momente der Zweisamkeit mit ihrer Tochter.
 
Ihr herzliches Lachen genauso wie die Momente als sie einfach nur da stand und den Stolz ihrer Mutter genoss. Wie oft hatte sie sich um ihre Tochter gesorgt, wie oft sie getröstet…..  Nur mit Mühe konnte sie verhindern, dass die unendliche Traurigkeit in Form von Tränen aus ihren Augen hervorquoll. Was würde sie nur dafür geben wenn ihre Tochter wieder gesund werden dürfte…
 
Als ihr der Rücken schmerzte erkannte sie wie schnell die Zeit am Bett ihrer Tochter vergangen war und schob die Hand ihrer Tochter wieder langsam unter die wärmende Decke, küsste sie auf die Stirn um dann lautlos das Krankenzimmer zu verlassen.
 
Der Wiederhall ihrer Schritte in den Fluren und Treppenhäusern durchdrang ihren Körper…
Wieder die zweiteilige Glastüre die sich vor ihr lautlos öffnete, bevor sie die kalte Winterluft in sich einsaugen konnte. Sie blieb kurz stehen um durch ein paar tiefe Atemzüge die Krankenhausluft aus ihrer Lunge zu verdrängen.
 
Auf dem Weg zum Parkplatz kam sie an einer großen Plakatwand vorbei auf der ein großer Elektronikmarkt für seine Produkte warb.
In übergroßen roten Buchstaben stand dort  zu lesen….

 
Weihnachten wird unter dem Weihnachtsbaum entschieden…
 
Mitleidig und angeekelt wendete sie sich ab…. wusste sie es doch viel besser… 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 30.12.2011. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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