Ein abenteuerliches Beduerfnis.
Das Wochenende stand bevor. Wir sind befreundet mit vier „Regenfluechtlingen“ aus England, die in unserem Dorf wohnen. Wir haben sehr viel Spass zusammen und nennen uns „ the Laughing Club“. Ueber den groessten Bloedsinn koennen wir laut und herzlich lachen. Fuer mich ist das immer wie die Intelligenz der Seele.
Wir machen manchmal zusammen einen Wochenendausflug. Diesmal ging es aus unserer Haute Provence in die suedliche Provence. Mein Mann und ich, wir kannten ein kleines Doerfchen mit einem huebschen Hotel Restaurant, wo wir einmal was getrunken hatten. Da wollten wir hin und einmal uebernachten. Gesagt, getan. Das Wetter war herrlich, wie meistens bei uns.
Nach einem Picknick unterwegs und einer wunderschoenen Fahrt kamen wir gegen Abend in dem Doerfchen an.
Wir bekamen ein nettes Zimmer, nicht zu pompoes, aber sauber und ganz ordentlich. Wir waren zufrieden. Das Bad und die Toilette waren im Zimmer abgeteilt durch eine Trennwand mit Schiebetueren, wie das oft in Landhotels ist.
Wir wollten uns etwas frisch machen und uns dann zum Abendessen treffen. Mein Mann guckte einmal in den Spiegel, und dann war er „ frisch“ fuer den ganzen Abend. Er ging schon ins Restaurant um sich einen Aperitif zu genehmigen. Ich guckte dreimal in den den Spiegel und war immer noch nicht „ frisch“ genug, wie das halt bei den Damen so ist. Irgendwann war ich mit meiner Schoenheit zufrieden.
Jetzt wollte ich nur noch schnell dorthin wo selbst ein Kaiser zu Fuss hingeht. Also schob ich die Schiebetuere von der Toilette auf, die getrennt vom Bad war. Mein erster Gedanke war: ich habe mein Zentimetermass zu Hause vergessen! Nachdem ich die Tuere von innen zugeschoben hatte, Luft anhalten, Bauch einziehen und mich konzentrieren auf das was noetig war um mein kleines Geschaeft zu erledigen. Mit viel Gewurschtel und mit einigen Verrenkungen schaffte ich es auf der „ Brille“ zu sitzen. Meine Knie waren so fuenf Zentimeter von der Tuere entfernt. Nachdem meine „Arbeit“ erledigt war, versuchte ich, ganz langsam aufzustehen, was mir dann auch gelang. Jetzt ging das Gewurschtel in umgekehrter Richtung los. Ich zog meinen Schluepfer und die schicke „Pantalon“ hoch, und mein sonntaegliches Oberteil nach unten. Das war geschafft. Um zu sehen ob alles am richtigen Platz war, schaute ich nach unten und bums haute ich mit meinem Kopf an die Tuere. Diese hatte standgehalten und mein Kopf auch. Ich bin ein Stier, und mein Mann sagt immer, ich haette „einen dicken (harten) Kopf“. Die Tuere hatte uebrigens eine wunderschoene Maserung, was man aus zehn zentimeter Naehe gut bewundern konnte. Als alles getan war, wollte ich auf den Spuelknopf druecken ind drehte mich um. Bums, haute ich mit dem Ellenbogen gegen die Tuere. Jetzt hatte ich nur noch einen Gedanken: raus aus dem Kaefig!
Jetzt wurde das elegante „Objekt“ zur Seite geschoben, und es war mir moeglich, endlich kraeftig durchzuatmen. Ich hatte die Freiheit erreicht und die „Beduerfnisanstalt“ hinter mir gelassen.
Als ich ins Restaurant kam, sagte mein Mann: „ Schick bist du, doch warum grinst du so komisch?“ Ich sagte zu ihm: „ Ich freu mich wenn du nachher mal auf das stille Oertchen musst“. Er sah mich an und dachte sicher, meine Frau tickt nicht mehr richig, warum redet sie so ein dummes Zeug?
Das Essen war uebigens wunderbar und das Restaurant gemuetlich nund gepflegt. Am anderen Morgen wollte ich den Besitzer schonmal nach seinem Architekten fragen, habe es aber nach einem Blick aus dem Fenster gelassen. Eine Landschaft wie aus dem Bilderbuch, sanfte Huegel in der Ferne, Lavendelfelder, Zypressen, Oliven und ueber allem ein morgentlicher, wunderbarer Gesang der Voegel hatten mich fuer alles entschaedigt.
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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 17.01.2012.
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gmail.com (Spam-Schutz - Bitte eMail-Adresse per Hand eintippen!)Wally Schmidt als Lieblingsautorin markieren

Jahre wie Nebel: Ein grünes Jahrzehnt in dunkler Zeit
von Horst Lux
Es wurde sehr viel geschrieben über jene Jahre der unseligen Diktatur eines wahnwitzigen Politikers, der glaubte, den Menschen das Heil zu bringen. Das meiste davon beschreibt diese Zeit aus zweiter Hand! Ich war dabei, ungeschminkt und nicht vorher »gecasted«. Es ist ein Lebensabschnitt eines grünen Jahzehnts aus zeitlicher Entfernung gesehen, ein kritischer Rückblick, naturgemäß nicht immer objektiv. Dabei gab es Begegnungen mit Menschen, die mein Leben beeinflussten, positiv wie auch negativ. All das zusammen ist ein Konglomerat von Gefühlen, die mein frühes Jugendleben ausmachten. Ich will versuchen, diese Erlebnisse in verschiedenen Episoden wiederzugeben.
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