Fred Schmidt
Falsche Brille oder böser Wille
Wir wohnen in Südfrankreich, und in der Weihnachtszeit haben wir viele Pakete auch nach Deutschland zu verschicken, die mit Liebe gepackt und sorgfältig mit Adressen versehen werden. Drei davon schickten wir Anfang Dezember an unseren behinderten Sohn, der in einer Außenwohngruppe der Diakonie in Köln-Ossendorf lebt. Zwei davon kamen innerhalb weniger Tage bei ihm an, das dritte jedoch kam am 28. Dezember zu uns nach Frankreich zurück mit dem lapidaren Vermerk: Adressfehler (sic!). Außerdem waren sämtliche Beschriftungen mit mit Klebezetteln vom DPD zugeklebt. Der Fehler musste in Deutschland passiert sein, und deshalb wendeten wir uns telefonisch an DPD, um eine Reklamation anzubringen. Fehlanzeige! Man erklärte uns freundlich, sie seien nicht zuständig, wir müssten die Angelegenheit in Frankreich mit La Poste klären, mit der wir den Servicevertrag abgeschlossen hätten.
Wir verfassten einen Brief über den Vorfall, stellten dann aber fest, dass La Poste keine schriftliche Reklamation entgegennahm. Man gab uns aber eine Telefonnummer, wo man sich unserer Sache annehmen würde. Dann ging es los mit Warteschleife und Musik und der schier endlosen Wiederholung Haben Sie noch einen Augenblick Geduld. Dann ging’s weiter mit: Wenn Sie dies wünschen, drücken Sie 1, wenn das, drücken Sie 2, wenn jenes, drücken Sie 3 usw., und als wir die richtige Zahl gedrückt hatte, wiederholte sich das Spielchen, bis wir endlich eine Frauenstimme an der Strippe hatte, mit der wir reden konnten. Sie versprach, unsere Reklamation weiterzuleiten, wir würden benachrichtigt. Das war’s und bisher hat sich nichts ergeben.
Nun gut. Das für das Colissimo-Paket gezahlte Porto von 21, 50 € konnten wir verschmerzen. Wir verpackten und beschrifteten das Paket sorgfältig ein zweites Mal, zahlten nochmals das Porto. Unser behinderter Sohn sollte endlich sein Weihnachtsgeschenk erhalten.
Erneute Fehlanzeige! Das Paket kam nach zwei Wochen wieder zurück, diesmal mit dem Vermerk von DPD: Adressfehler, kein Name an der Klingel und Tour Nr. 271. Wir riefen wieder bei DPD in Frechen an, der wohl für die Auslieferung verantwortlich sein musste. Man nahm den Fall auf, aber verwies uns an eine e-Mail Adresse in Frankreich. Als Antwort kam wiederum, man sei nicht zuständig, DPD müsse sich geirrt haben, wir müssten uns an La Poste wenden.
Diesmal versuchten wir es mit dem Internet, wo jedoch auch keine Kontaktmöglichkeit mit La Poste für Beschwerden oder Reklamationen zu finden ist. Man kann aber den Verlauf eines Colissimo Pakets per Internet abrufen, und wir stellten fest, am 4. Januar war das Paket nicht zustellbar gewesen.
Erneuter Anruf bei DPD in Frechen. Wir erklärten, man habe uns eine uneffektive e-Mail Adresse gegeben, aber wir wüßten jetzt das genaue Datum und hätten auch die Tour Nr. für das nicht ausgelieferte Paket, der Vermerk Name nicht an der Klingel sei schlicht falsch, wir hätten uns nochmals am Wohnheim erkundigt, das bestätigt habe, der Name der Einrichtung sowie die Namen aller dort betreuten Behinderten seien an der Türe zu lesen. Wir erklärten, jetzt wo man wisse, wer diesen Fehler begangen habe, müsse doch jemand die Verantwortung übernehmen. Ja, man werde den Fall verfolgen, aber die Auslieferung werde von Subunternehmen ausgeführt, und da wisse man nie. Erneut gab man uns eine e-Mail Adresse für den Kontakt mit La Poste, aber bisher ist von dort keine Antwort gekommen. Uns scheint, bei diesem Postverkehr wird man unter Umständen masslos verarscht. Keiner will mehr wissen, wer verantwortlich ist oder man ist einfach für den Kunden nicht erreichbar.
Wir haben das Paket unserem behinderten Sohn zuliebe ein drittes Mal aufgegeben. Inzwischen hat es uns 64, 50 € gekostet.
Jetzt fragen wir uns, ob diese Odyssee eine Folge unser modernen zerstückelten Service-Gesellschaft ist oder ob ein Angestellter etwas gegen Behinderte hat.
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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 20.01.2012.
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