Oli Meier

Usain Bolt


Sonntag morgen, viel zu früh, aber gestern früh ins Bett,
nach einem schönen Abend, also okay, Sie war gerade beim Bäcker Brötchen holen.
Ich wälzte mich noch einmal auf die andere Seite, wollte noch ein bisschen
liegen bleiben, hoffte dass sie sich gleich noch mal zu mir legen würde. Dem
aufstehen würde das Frühstücken, die Sonne und der Abschied folgen. Sie kam
wieder, hielt mir die frischen noch duftenden Brötchen unter die Nase und wir
frühstückten. Ich hätte gerne noch mehr Zeit mit ihr verbracht, aber Sie hat
einen Workshop der bis zum Abend ging und ich musste noch diverse Sachen
erledigen. Ich hinterließ ihr noch eine kleine Notiz, dass ich leider nicht
länger bleiben konnte und ging. Ich rannte zur Ubahn, sprang kurz vor dem
Schließen der Tür noch in den Zug und landete erschöpft aber zufrieden im Zug.
Ich setzte mich ans Fenster. Ich starrte die vorbeifliegenden Wandkacheln an.
Station um Station flog vorbei, Menschen strömten in den Zug, aus dem Zug,
schwiegen, sprachen. Ich war wie in Trance, im Tunnel. An einer der Stationen
beobachtete ich ein Paar. Sie umarmten sich innig, er streichelt ihren Nacken,
beugte sich zu ihr runter und küsste sie. Sie erwiederte den Kuss und
streichelte im zärtlich durchs Haar. Dann zog sie ihn zu sich runter und küsste
ihn auf die Nase. Wie es die Eskimos taten. Meine Gedanken verloren sich
wieder. In Gedanken sah ich mich mit meiner Freundin am Bahnsteig, wir küssten
uns, umarmten uns, schworen und ewige Liebe die alles überdauern würde. Wir
würden noch viele Sonntage zusammen aufwachen, frühstücken. Uns oft
verabschieden, aber noch viel öfter auf Bahnsteigen in Zeitlupe mit wehendem
Haar aufeinander zu rennen und uns in den Armen liegen.Wir würden uns unser
Leben lang lieben, und noch lange darüber hinaus.
Plötzlich, durch die Ansage der Station, aus meinen Gedanken hochgerissen
realisierte ich das ich aussteigen musste. Ich sprang auf, schlüpfte noch
gerade durch die sich gnadenlos schließende und setzte zum Sprint an. Ich war
so verdammt schnelle das ich Usain Bolt wie einen kleinen dicken Jungen mit
kurzen Beinen der in der Schule traurige Berühmtheit unter dem Namen
Stummelchen erreicht hätte. Selbst Stummelchen hätte Usain wahrscheinlich wie
einen noch kleineren noch dickeren Jungen mit kurzen Beinchen aussehen lassen
wenn er so von Amor getrieben worden wäre wie ich in diesem Moment.
Schnitt

Usain Bolt bescheißt, Der Mann muss gedopt sein, das geht gar nicht anders.
Fuck, warum habe ich von Usain Bolt geträumt. Ich drehte mich auf die Seite und
wollte noch ein wenig kuscheln, doch da war niemand, meine Hände griffen ins
leere. Ich öffnete meine Augen, Sonnenstrahlen trafen mich in die Augen und
ließen mich kurz erblinden. Als ich wieder sehen konnte warf ich einen Blick
auf den Wecker, halb 10, viel zu früh, Sonntagmorgen schläft man aus. Da fiel
es mir wieder ein, Sie war Brötchen holen. Sie musste heute früh zu einer
Fortbildung.
Das Türschloss klickte, die Wohnungstür ging auf, zu. Die Zimmertür ging auf
und sie fragte mich ob ich wach sei, ich mit ihr frühstücken wolle, weil ich ja
bald fahren wolle. Ich stand auf, wir frühstückten, sie brachte mich noch zur
Tür. Ich war wie sooft viel zu spät, ich schulterte meine Tasche und sprintete
los. Stürzte fast und stellte fest dass selbst Usain Bolt mit einer schweren
Tasche auf dem Rücken nicht rennen könne und joggte weiter. Ich nahm mehrere
Stufen auf einmal, sah den Zug, setzte zum Sprung an und … scheiterte kläglich.
Ich stieß gegen die bereits geschlossene Tür und prallte zurück auf die harten
kacheln des Bahnstiegs. Ich setzte mich auf und zeigte dem im Tunnel
verschwindenden Zug den Stinkefinger, unnötig, aber dennoch befriedigend. Ich
harrte noch ein wenig sitzend aus, bis sich eine gelbliche melierte Pfütze
langsam auf mich zufloss. Ich ging das Gleis entlang bis zum ende durch, weil
ich dann vorne in den
Zug einsteigen könnte. Denn wenn ich dann rennen würde ohne zu stürzen, dann
würde ich mit ein wenig Glück den Zug noch erreichen.
Ich wartete Der Zug schien pünktlich zu kommen, zumindest ließ das die digitale
Anzeige die die Ankunftszeit des Zuges anzeigte vermuten. Noch 5 Minuten, noch
vier, der Bahnsteig füllte sich langsam wieder mit Menschen, noch 2, mehr
Menschen bevölkerten jetzt die Station noch eine Minute, und der Zug lief ein.
Ich positionierte mich. Die Türen öffneten sich, die Menschen stiegen aus,
zuletzt ein großer blonder Mann, er schien etwas nervös, freudig erregt (Woran
ich das so schnelle sehen konnte kann ich nicht sagen, das wurde mir erst im
Nachhinein klar als ich die Situation noch tausendmal in meinem Kopf
durchspielte (Ich kam mir vor wie Spiderman, als er dem späteren vermeintlich
Mörder seines Onkels die Fahrstuhltür aufhielt), ein Paradoxum in dem Moment,
oder künstlerische Freiheit). Er ging an mir vorbei, und Ließ seinen Blick
suchend über den Bahnsteig gleiten (ab sofort läuft die ganze Szene in Zeitlupe
wie in so einem scheiss Hollywoodfilm) und wurde fündig. Sein Blick traf den
eines Mädchens das gerade am anderen Ende der Station um die Ecke bog, sie
lachte ihn an, er lächelte zurück, ich stieg ein, er fing an schnellen
Schrittes auf die zuzugehen, sie begann zu joggen, er rannte. Sie trafen sich
lagen sich in den Armen, die Tür schloss sich. Er drehte sie.

Fuck
Ich trommelte gegen die beschissen gnadenlosen Türen, Ich
schrie mein Unglück in die Welt, den Waggon, aber sie gab nicht nach, ich zog
die Notbremse, ebenfalls ohne Reaktion, vor allem deshalb weil der Zug noch
stand. Irgendwo im Zug schien noch eine Tür offen zu sein, ich rannte durch das
Abteil, suchte die offene Tür, randalierte, wütete, aber alles ohne Sinn, die
Ubahn auf die ich solange warten musste riss mich weg von Ihr, meiner großen
Liebe, in den Schlund des Tunnels, ins Dunkel! 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 02.02.2012. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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