Giulia Eber

Quer durch Deutschland oder von Weißwasser nach Kusel

Sonntag, 10.20Uhr:

 

Nach einem stark eingeschränkten Frühstück, auf einem Sonntag schien es weniger Gäste und daher auch weniger Frühstücksangebot zu geben, im Hotel Kristall konnten wir uns dennoch gestärkt mit viel, vorher eingekauftem, Proviant auf dem Weg zum Bahnhof Weißwasser machen.

Zunächst blies es uns wahrlich die Haare vom Kopf, als ein recht langer Güterzug den kleinen Bahnhof passierte, doch dann, nach ein paar bangen Blicken auf die Uhr, fuhr pünktlich der ODEG auf Gleis 1, von wohlgemerkt zwei Gleisen, ein.

Uns bangte es dennoch etwas, sollte es wohl komisch anmuten, dass auf dieser langen Strecke mit extrem kurzen Umsteigezeiten alles glatt gehen sollte.

Natürlich, kaum war der Gedanke aus dem Kopf entwichen, standen wir plötzlich am Bahnhof, mit dem bildlichen Name „Schleife“, geschlagene 10 Minuten, da der entgegenkommende ODEG verspätet aus Cottbus abfuhr.

Uns wunderte es nicht, dass es in dieser Region tatsächlich außerhalb der Bahnhöfe nur ein Gleis gab.

Die nette Zugbegleiterin erklärte sich bereit unseren Anschlussregio anzurufen, stand uns zum Umsteigen doch nur ein Zeitfenster von 6 Minuten zur Verfügung. Etwas ängstlich, aber dennoch mit dem abenteuerlichen Humor unserseits, nahmen wir den Umstand so hin und atmeten erleichtert auf, als die Zugbegleiterin das Okay gab.

Der Zug würde auf uns warten.

Dennoch mussten wir in Cottbus die Beine in die Hand nehmen. Ich schnappte mir den großen Koffer, meine Kollegin deponierte ihren im DEGS-Transporter, und humpelte mit meinem die Stufen hinab. Es scheint wohl keine Fahrstühle oder Gepäckbänder zu geben. Frohen Mutes marschierte meine Kollegin voran und ich dachte nur, dass dies wohl ein sehr gutes Training für mich werden würde.

Dennoch gut gelaunt sprangen wir in den Regio. Wohl eher hangelten wir uns, denn das Abteil war recht hoch und mein Koffer recht schwer. 

Doch die Aufgabe war gemeistert und erleichtert sanken wir lachend in die Sitze. So muss es sein.

 

 

Sonntag, 11.03 Uhr

 

Der Blick führte direkt wieder auf die Uhr. Moment mal. Sollten wir nicht unlängst auf den Schienen sein und fahren?

Doch es rührte sich nichts. Stattdessen erklang die liebliche Stimme des Lokführers:

„Der Personenbetreuer bitte sofort nach vorne zum Lokführer.“

Ich witzelte noch, dass jener wohl umgefallen sei. Kurzes Lächeln der anderen Fahrgäste, doch dann knackte es abermals in den Lautsprechern. Diesmal, mit den Gedanken schon in Leipzig beim ICE, war uns nicht nach Lachen zu Mute.

„Bitte alle Fahrgäste aussteigen und in den Zug auf Gleis 10 umsteigen, da dieser hier wegen einem Schaden am Triebfahrzeug ausfällt.“

Abermals hieß es den Koffer auf den Bahnsteig zu schmeißen und Treppe runter und Treppe hoch zu schleppen. 

Meine Kollegin kletterte vor mir in den Regio und gemeinsam hieften wir wieder meinen Koffer in den neuen Regio.

Ich muss wohl anmerken, dass die umstehenden Leute, besonders die Männer, nicht wirklich hilfsbereit sind.

Der Regio, auch gemeinhin bekannt als „Ferkeltaxe“, setzte sich mit der typisch ländlichen Gemütlichkeit in Bewegung.

Unser Glück war es wohl, dass mehrere Passagiere den ICE in Leipzig bekommen mussten, sodass der umsichtige Zugbegleiter unlängst bescheid gab.

Der nächste Blick auf die Fahrkarte ließ uns erneuert an den Kopf fassen. Die Spontanität der Bahn in allen Ehren, auch bedenkend, dass Leipzig ein Kopfbahnhof ist, aber wenn wir schon von einem Zug zum Anderen rennen sollten, dann mussten wir vorher auch wissen, wohin wir rennen sollten.

Das war nicht der Fall, denn die Bahn war sich noch unschlüssig auf welchem Bahnsteig unser Zug einfährt und damit es auch wirklich spannend bleibt, von welchem Bahnsteig der ICE abfährt, jedoch wurden die Gleise noch rechtzeitig angesagt. Es waren letztendlich wieder „nur“ eine Treppe runter und eine Treppe hoch.

Aber wir hatten den ICE und ich Rückenschmerzen.

Eine Zugbegleiterin stoppte uns in unserer Euphorie und wies uns einen Wagen weiter, da der ICE vollkommen überfüllt und reserviert sei.

Das nächste Abteil war die erste Klasse. Wir beschlossen dennoch hier einzusteigen, bevor wir das ganze Gleis hoch rennen und letztendlich doch nur noch die Rückleuchten des edlen Zuges sehen würden.

Wohl an kämpften wir uns an Ledersitzen, Anzugträgern und Buissnespeople vorbei um im vollkommen überfüllten Bistro zu landen.

Und weiter ging es. Endlich waren da Sitze, sogar mit Tischen.

HEUREKA! Wir ließen uns nieder, nachdem wir meinen Koffer verstauen konnten. Doch schon die nächste Durchsage ließ uns Aufseufzen.

Es sollte zwei unplanmäßige Aufenthalte geben, aber die Umsteigezeit war wieder so knapp. Unwissend, ob wir den internationalen TGV bekommen würden, setzten wir unsere Reise im ICE nach Frankfurt am Main fort.

 

Sonntag, 16.40 Uhr

 

Natürlich sind wir nicht pünktlich in Frankfurt a. Main angekommen, aber diesmal machte uns das nicht viel aus, denn der TGV sollte erst 16.57 Uhr fahren.

Die Spannung stieg, denn immerhin war dies doch ein französischer Zug. Mal etwas anderes als ein ICE oder ein Regio. Man lernt wohl auch in diesem Jahr nicht aus, wieviele Züge es doch tatsächlich gibt und unser Land kreuzen.

Meine Kollegin und ich schwingen uns, nach einer kleiner Fotosession mit dem Zug, in unseren Wagen und suchen die Nummern der Sitzplätze. Automatisch ist der Blick nach oben gerichtet, doch die Franzosen befinden sich auf Bauchhöhe. Die Nummern befinden sich direkt auf den Sitzen.

War das Problem auch gelöst.

Da wir den TGV recht leer vorfanden, war die Unterbringung meines Koffers das kleinere Übel.

Die Toilette wurde gesucht. Etwas französisch ist noch aus der Schule hängen geblieben, aber die Spülung habe ich dennoch wie verrückt gesucht. Direkt unter der Toilette in der Form eines uns bekannten Gaspedals war sie zu finden. Also, dann einmal Gas geben und wieder auf den Sitzplatz.

Wo am Anfang noch Wohlfühlstimmung, ob des rosa Toilettenpapiers und der lilafarbigen Inneneinrichtungen, herrschte, wurde es richtig eng, als wir in Mannheim ankamen. Und, wie sollte es auch anders sein, warteten wir dort zehn Minuten auf einen anderen Zug. Wenigstens sorgte der französische Lokführer mit schwerem Akzent für ein Amüsement unsererseits.

Doch, er konnte so akzentreich sprechen wie er wollte, es änderte nichts an der Tatsache, dass es mal wieder mit unserem Anschlusszug knapp werden sollte.

Beengend ist der Zug, da einige Passagiere stehen müssen. Begegnungen mit Franzosen sind nicht ausgeschlossen und meine Kollegin und ich liebäugeln nicht doch noch schnell nach Paris mitzufahren. Das sind ja nur noch drei Stunden.

Aber wer bezahlt das Ticket?

Mittlerweile haben wir es 18.05 Uhr. Langsam macht es sich bemerkbar wie lange wir eigentlich schon am Sitzen sind.

 

Sonntag, 18.26 Uhr

 

Den Franzosen sei Dank, der TGV hat die zehn Minuten wieder sehr gut rausgeholt, sodass wir noch bequem umsteigen konnten.

Mittlerweile neigt sich die Sonne dem Horizont zu und der Himmel färbt sich in ein dunkles Blau. Zumindest im Norden.

Der Regio stand schon auf seinem Gleis und füllte sich auch langsam. Gespannt und auch erschöpft treten wir also nun die letzte Etappe unserer langen Reise an.

Erstaunlich wie die Zeit in den Zügen vergehen kann. Heute morgen erst noch in Weißwasser und nun in Kusel.

Der erste Eindruck der kleinen Stadt war ein ziemlich geruchsstarker. Es roch doch sehr nach Chemie? Abfall? War etwas übergekocht?

Wir wissen es nicht und treten den Weg zum Hotel an. Kusel mutet selbst im Dunkeln niedlich und verwinkelt an. Die Häuser scheinen recht alt zu sein und geben dem Ort ein mittelalterliches Aussehen.

Das Hotel unterhält nebenan gleich ein Café und auch eine Bäckerei, doch wir steuerten direkt die kleine Rezeption an.

Ich persönlich fühlte mich an den Empfang einer Praxis erinnert. Die Umbuchungen haben wir gut hinbekommen, alles lief wie geplant.

Meine Kollegin und ich warfen unsere Sache in die Ecke und steuerten zugleich den unweit liegenden Italiener an um den Abend ausklingen zu lassen, aber vor allem trieb uns die Neugierde um was uns in jenen weißen Umschlag vom Feldvorbegeher erwarten sollte.

Uns traf der Schlag beim Italiener und das lag durchaus nicht am Essen. Aber diese Woche wird auch vergehen und wir werden das hinbekommen.

 

Vor allem, erstens kommt es anders und zweitens als man denkt.

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 07.02.2012. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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