Andreas Rüdig

Pralinen für Sabine

 

Die gutgemeinten Rosen

gingen in die Hosen

„Ich mag Pralinen,“

sagten die Sabinen.


 

Hä? Wovon redest Du?


 

Hier kommt der Clou?:

 

Ich habe eine Schwäche, die ich bekennen muß: Ich schiele sehr leicht, wenn ich aufgeregt bin. Ob sich die Augen tatsächlich zur Nasenseite drehen oder ob sich die Bilder in meinem Kopf einfach nur entkoppeln und ich das jeweilige Bild von meinen beiden Augen einzeln sehe, kann ich nicht sagen.

Ich bin jedenfalls schwer verliebt in Sabine. Und aufgeregt, wie ich bei ihrem Anblick bin, habe ich es noch immer geschafft, sie doppelt zu sehen. „Nanu – Zwillingsschwestern, die identisch aussehen und auch noch den gleichen Vornamen haben? Gibt es so etwas denn?“ habe ich mich im ersten Augenblick gefragt. Aber schlußletztendlich war es mir egal. Ich war einfach nur verliebt. Und der Rest war mir egal.

Und dann kam dieser verflixte Valentinstag. Ich wolle meinen beiden Sabinen, von denen ich immer noch nicht gemerkt hatte, daß sie identisch sprachen und sich auch völlig synchron bewegten, eine Freude machen. Und welches Geschenk ist unter Verliebten wohl am beliebtesten? Rote Rosen. Also habe ich zwei langstielige rote Rosen, jeweils ohne Dornen, für meine beiden Sabinen gekauft.

 

Sieh mal, Sabine, ich habe hier ein Valentinsgeschenk für dich. (Ich halte ihr die Rosen, die in einer hübschen Verpackung stecken, hin)

Oh, Engelbert, das ist aber lieb von dir. Für wen ist aber die andere Rose?


Die ist für deine Zwillingsschwester neben dir. Hier -

Zu spät bemerke ich, daß meine Sabine und ihre Zwillingsschwester Sabine schon eine Rose in der Hand hielten.

Zu spät bemerke ich, daß ich wieder vor Aufregung und Verliebtheit schielte und daß die beiden Zwillingsschwestern eine einzige Sabine war. Zu spät deswegen, weil meine Sabine...

                                                                                                 ich bin nicht deine Sabine, nicht mehr, nie gewesen und werde es auch nie wieder sein! (so hat die Dame meines Herzens in dem Augenblick geschimpft)

                                                                                                                                                 Aber Sabine (so frage ich sie nach einer längeren Schrecksekunde), was kann, nein, besser, was muß ich tun, damit ich dein Herz zurückerobern kann?

                                                                                                                                                                                        Besorge mir edle, hausgemachte Pralinen! (Merken Sie es, liebe Leser: Die Strafe für mein Fehlverhalten folgt auf dem Fuße)

                                                                                              stinkesauer (noch saurer als eine Zitrone) und vor allem eifersüchtig war.

Ich habe ja auch ein Recht, eifersüchtig zu sein. Von welcher Sabine redet er? Da steht doch niemand neben mir!

Höchstens etwas neben deinem Engelbert. Nämlich sein Schielen.

Du Schuft, Du Unhold. Du Lügner. Du Engel mit einem B Davor. Du schielst doch überhaupt nicht.

Haben Sie es gehört? Haben Sie es gehört? Sie hat mich einen Engel genannt. Jauchzet und lobpreiset ihr Engel im Himmel! Doch nun zurück zu meinem Ursprungsproblem: Welche Praline ist in einer solchen Situation angemessen? Weinbrandbohnen? After Eight? Meeresfrüchte? Nein, das ist mir alles zu banal. Welche Region ist für seine Pralinen bekannt? Genau: Belgien. Dort gibt es die berühmt-

                       -und auch berüchtigsten (wie Sabine mit ihrem vorlauten Schnabel ergänzt)

                                                                                                                                                                  Trüffelpralinen. Die muß ich besorgen.

Nein. Das mußt du nicht. (hält Sabine in einem besorgten Tonfall dagegen) Ich kenn dich Lüstling, dich Lustmolch doch. Du kann dich nicht entscheiden, probierst solange, bis dir übel ist und wenn du dir von der Verkäuferin helfen läßt, verliebst du dich und bleibst dann dort. Nein, nein, geh´ lieber in den Tante-Emma-Laden um die Ecke. Die haben auch ganz gute Sachen.

Gesagt getan.Seitdem hängt der Haussegen auch nicht mehr schief.

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 19.02.2012. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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