Christiane Mielck-Retzdorff

Deutsche Wertarbeit



 

 
Man kann ja das Putzen von Toiletten, das Kochen von Fertiggericht und das Verarzten von bewegungsfreudigen Kindern als Familienunternehmen bezeichnen und die gemeine Hausfrau als dessen Leiterin, aber in meinen Augen ist das ein Euphemismus und überhaupt nicht zu vergleichen mit den wirklichen Problemen einer Unternehmensführung.
 
Ich kenne mich da aus, denn ich bin nicht nur die Chefin eines Unternehmens sondern auch die alleinige Inhaberin und gebiete über Hunderttausende von Arbeitern, wobei sich diese Zahl natürlich ständig verändert, meistens nach oben. Es drängen ja zunehmend Ausländer auf den Markt und vertreiben treue, deutsche Mitarbeiter. Einerseits will man schließlich flexibel bleiben, aber andrerseits gibt diese Entwicklung schon zu denken.
 
Es ist mir ein Bedürfnis, jeden meiner Arbeiter genau zu kennen, was bei den fleißigen, stets anwesenden, verhältnismäßig einfach ist. Sie machen ihren Job so selbstverständlich, dass sie nur in außergewöhnlichen Situationen Beachtung finden. Und weil sie sich so willig den Umständen entsprechend beugen, werden sie oft ausgenutzt und sogar in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft falsch behandelt. Diese Mitarbeiter sind allgegenwärtig und finden doch selten Würdigung. Den Schuh muß auch ich mir anziehen. Dabei sind sie ein unverzichtbares Rad im Getriebe meines Unternehmens.
 
Andere streben plötzlich wie aus dem Nichts an die Vorherrschaft, bringen zwar anfangs neue Impulse, wiederholen sich dann aber ständig. Das stört erheblich die gewünschte Vielfalt der Produktion und stellt für mich als Chefin immer wieder eine Herausforderung dar. Sie müssen in das Unternehmen eingebunden werden und dabei ihrer Tätigkeit ohne Anspruch auf besondere Bevorzugung nachgehen. Und ich darf natürlich jene nicht vergessen, die die Bindeglieder zwischen allen darstellen. Da gibt es solche, die sich durch die Hervorhebung von Gegensätzen beweisen und die friedliebenden, die alles in Reih und Glied bringen.
 
Und dann sind da eben noch die Ausländer, die durch ihre Fremdartigkeit den Eindruck vermitteln, besondere Zuwendung zu verdienen. Dabei verstehen viele sie nicht einmal richtig. In Zeiten der Globalisierung schöpfen diese ihre Existenzberechtigung aus dem Wunsch nach Weltoffenheit. Der gebildete Mensch denkt und redet über deutsche Grenzen hinaus und meint diese Einstellung mit dem täglichen Kontakt zu Ausländern untermauern zu müssen. Nicht dass ich etwas gegen die Angehörigen fremder Länder hätte, aber es ist oft schwierig, sie wirklich zu begreifen.
 
Da ich ein deutsches Unternehmen leite und wert auf deutsche Qualitätsprodukte lege, habe ich mir nun vorgenommen, den Ausländeranteil unter meinen Mitarbeitern drastisch zu kürzen. Das stößt natürlich auf erheblichen Widerstand, doch öffnet sich durch die frei werdenden Stellen die Möglichkeit, auch älteren, beinahe schon in Vergessenheit geratenen Arbeitern eine Chance zu geben. Warum nicht auf Bewährtes zurückgreifen, anstatt sich dem Trend anzupassen? Zuerst sollte doch das deutsche Potential ausgeschöpft werden, bevor auf fremdländische Mitarbeiter zugegriffen wird.
 
Jetzt halten Sie mich wohl für eine ausländerfeindliche, überhebliche Kuh, dabei führe ich gerade durch diesen Text meine Einstellung ad absurdum. Den Plan nur noch urdeutsche Worte zu verwenden, versuche ich erstmal schwerpunktmäßig auf meine Erzählungen anzuwenden. Alle Fremdworte sofort rauszuschmeißen, erscheint mir zu ehrgeizig. Aber es ist ein Anfang.
 
Verstehen Sie überhaupt, worum es geht? Natürlich habe ich Sie bewußt auf eine falsche Fährte gelockt. Ich bin Schriftstellerin und gebiete damit über Hunderttausende von Worten, die zu einem Produkt zusammenzuführen, meine Aufgabe ist. Wenn das keiner unternehmerische Führung bedarf? Noch läßt der Gewinn zwar zu wünschen übrig, aber deutsche Wertarbeit genießt ja nach wie vor ein hohes Ansehen. Allerdings mehrheitlich im Ausland!

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