Harald Haider

BLUTRACHE - 8.Teil

10
 
19:50
Auf einem öffentlichen Parkplatz nahe der Welser Traunbrücke
 
Die Dämmerung warf tiefe Schatten auf die Stadt. Es wurde bereits langsam ruhig in den Straßen. Nichts Ungewöhnliches für einen Montagabend im Frühling. Erst in den Sommermonaten würde das Nachtleben auch während der Woche mehr erblühen und viele Passanten und Nachtschwärmer anlocken, die dann in den Gastgärten der Lokale die angenehm lauen Abend verbrachten oder einfach durch die Fußgängerzone der Stadt schlenderten, mit einer Tüte Eis in der Hand und mit den Gedanken beim nächsten Sommerurlaub. So warm es auch während des Tages war, so schnell hatten die Temperaturen in den Abendstunden wieder nachgelassen. Ein klares Anzeichen, dass das Kalenderjahr erst bis zum März vorgerückt war. Ich wusste nicht, wie lange ich bereits in meinem Wagen saß und hinaus auf die Traun starrte. Es musste schon etwa eine halbe Stunde vergangen sein, seit ich den freien Parkplatz angesteuert hatte. Von diesem Standpunkt aus konnte ich die Traunbrücke gut überblicken. Was würde mich in knapp zehn Minuten dort erwarten? Ich sah mich bereits bei den Pfeilern mit einem weiteren Kuvert stehen, dessen Instruktionen mir erneut Angst einjagen würden. Was auch auf mich zukommen mag, ich würde es bald erfahren. Nur eines war mir schon in den letzten Stunden bewusst geworden. Ich bin kein guter Lügner, das war ich nie und werde ich wohl auch nie werden, obwohl ich zu diesem Zeitpunkt noch bei weitem nicht ahnen konnte, wie oft ich in den folgenden Tagen alle möglichen Menschen um mich anlügen müssen würde, nur dieses Eros willen. Gerhard hat nach meiner Rückkehr an meinen Schreibtisch einen erneuten Versuch gewagt zu mir durchzudringen, kein Wunder, ich war ja doch etwas durch den Wind. Mir waren ehrlich gesagt nur fadenscheinige Begründungen für mein Verhalten an diesem Tag eingefallen wie „Ich bin urlaubsreif!“ oder „Jetzt mit der Hochzeit kommt einfach so vieles zusammen!“. Auf jeden Fall tat mein Kollege so, als ob er meine Lage verstehen würde und er mir alles abnahm, was ich ihm da so erzählte, aber mir schien, dass er nicht gerade überzeugt war. Wahrscheinlich hatte er die Zwecklosigkeit seiner Fragen akzeptiert. Mich nagte mein schweres Gewissen, ich mochte es überhaupt nicht, so dumm lügen zu müssen, gerade wenn es um Personen ging, die ich echt gern hatte. Auf jeden Fall war der Nachmittag dann schneller als ich mir erwartet hatte vergangen, zum Glück war genug Arbeit vorhanden, um mich für kurze Zeit aus diesem irrwitzigen Spiel wegzuholen. Klar war es mir schwer gefallen mich zu konzentrieren, aber diese Ablenkung war mir sehr willkommen. Sogar für eine kleine Jause war keine Zeit gewesen, jedoch hätte ich ohnehin keinen Appetit gehabt. Seit Eros‘ erstem Lebenszeichen war mein Hungergefühl gleich null, nicht einmal mein Magen hatte sich bislang rebellisch gemeldet. Schließlich konnte ich um fünf Uhr wie gewohnt meine Sachen packen, den Computer herunterfahren und den Heimweg antreten. Die Verabschiedung von Gerhard fiel knapp aus, irgendwie schien es, als ob er ein bisschen enttäuscht von mir war, weil ich ihm nicht sagen wollte, was mit mir los war. Ich hoffte inständig, das wieder klar stellen zu können, sobald ich wieder raus aus dieser Farce gekommen war. Es war genauso hart, wenn noch nicht viel schwerer gewesen, vor Sarah meine Gedankengänge des heutigen Tages geheim zu halten. Hoffentlich hat sie nicht bemerkt, dass mich etwas bedrückte. „Wie war dein Tag, Schatz? Viel Stress gehabt?“ hatte sie mich keck wie immer gefragt, als ich nach meiner Ankunft von der Arbeit in ihr strahlendes Gesicht blicken konnte. Was hätte ich sagen sollen? „Es ging, hat schon gepasst.“ war meine kurze Antwort gewesen. Dann versuchte ich ihr ganz beiläufig zu berichten, dass ich am Abend noch einmal kurz weg musste, weil der Nowak eine Mitarbeiterbesprechung einberufen hatte. Leicht enttäuscht erklärte mir meine baldige Frau, dass sie sich sehr auf einen gemütlichen Abend mit mir gefreut hätte. „Bin ja bald wieder zurück. So lange wird das schon nicht dauern. Danach bin ich dann für dich da, versprochen, mein Liebling.“ hatte ich versucht sie zu trösten, aber ich konnte eigentlich gar nicht wissen, wie lange die Nacht für mich überhaupt noch werden würde. Weil ich es vor Spannung nicht mehr in der Wohnung ausgehalten hatte, war ich bereits früher als geplant nach Wels losgefahren. So im Wagen sitzend wurde ich zwar nicht ruhiger, eher das Gegenteil war der Fall, je näher sich der Stundenzeiger der Acht näherte, aber zu Hause fühlte ich mich irgendwie nicht wohl. Der Gedanke auch dort wieder beobachtet zu werden, war mir einfach zu viel. Und dann war auch noch Sarah in denselben Räumlichkeiten, das bedeutete gleichzeitig mehr Gefahr für sie. Ich warf meinen Blick auf den Schlüsselanhänger, von welchem mich meine wunderschöne Freundin angrinste. Sie hat mir den kleinen Rahmen zu Weihnachten geschenkt, weil ich nie den passenden Schmuck für meine Schlüssel gefunden hatte. Und so zierte Sarahs Lachen statt dem ehemaligen Plüschschaf diese und erlaubte mir stets einen Blick auf meine Liebe. Ihr durfte nichts zustoßen. Diese Furcht war mein größter Antrieb, lieber alles zu Eros‘ Wohlgefallen zu erledigen, auch wenn mir noch immer der Sinn am Ganzen nicht klar war. Meine Fehler. Diese Lektionen. Julias Entführung. Wie passte dieses Puzzle nur zusammen? Was übersah ich die ganze Zeit? Wer bist du, Eros, flüsterte ich leise immer wieder und fluchte vor Schreck kurz auf, als das alte Nokia-Handy ertönte. Wenn man vom Teufel spricht, schoss es mir durch den Kopf. Sofort spürte ich heftiges Herzklopfen, meine Kehle schnürte sich zusammen, meine Handflächen waren in wenigen Sekunden vor Aufregung klitschnass. Bleib ruhig, Chris, versuchte ich mir einzureden. Obwohl dieses Unterfangen hoffnungslos war, griff ich trotzdem zum lauten Gerät und drückte ohne auf den Display zu sehen auf ‚Annehmen‘. Es konnte ohnehin nur eine Person sein, die mich über dieses Handy anrief. Eros. „Ja, ich bin hier“, räusperte ich hinein. Ich bekam keine Antwort. Nur ein leises Atmen war zu hören. „Eros?“ Meine Nervosität wuchs immer mehr. „Ich weiß, dass Sie hier sind, Herr Mraz, aber vereinbart war die Traunbrücke, also schwingen Sie ihre faulen Beine aus dem Wagen und geben lieber Gas!“ Die schroffe blecherne Stimme ließ mich in den Fahrersitz versinken. Hatte ich die Zeit übersehen? Hastig blickte ich auf die Uhr…Mist, es war genau eine Minute vor acht! Ich riss die Fahrertür auf und steuerte ohne sie hinter mir wieder zu schließen das gewünschte Ziel an. Außer ein paar Fußgängern war ich ganz alleine auf der Straße. Ich hörte die Laute meiner Lederschuhe bei jedem meiner Schritte beunruhigend laut auf dem Asphalt aufklatschen. Für dieses abendliche Treffen hatte ich mich mit meinem typischen Arbeitskleidungsstil gekleidet, damit Sarah keinen Verdacht schöpfen konnte, dass ich doch nicht bei dieser Firmensitzung war. So näherte ich mich in Jeans, weißem Hemd und Sakko der alten Brücke, die laut meinem damaligen Geschichtelehrer bereits zur Römerzeit ein wichtiger Übergang über die Traun war. Ich ließ das trendige Sommerlokal „Isola Bella“ hinter mir, welches direkt neben dem Fluss in den warmen Monaten zum gemütlichen Verweilen bei Cocktails und kleinen Snacks einlud. An diesem Abend war es natürlich geschlossen, denn bei den frischen Temperaturen würde sich kaum jemand auf die Sonnenterrasse sitzen und kühle Drinks schlürfen. Ich kam mir ziemlich einsam und hilflos vor, hörte mein unregelmäßiges Atmen, welches eher ein nervöses Schnaufen war, unwirklich laut. Trotz meines Sakkos fröstelte es mich am ganzen Körper, nun wurde auch der abendliche Wind stärker und wehte mir erbarmungslos ins Gesicht. Mittlerweile war am Beginn der 120 Meter langen Brücke angekommen. Ich nahm das Handy an mein Ohr und bestätigte nicht gerade mit selbstsicherer Stimme: „Ich bin da, ich bin auf der Brücke!“ Eigentlich war diese Aussage völlig sinnlos gewesen, da ich mir sowieso sicher war von Eros beobachtet zu werden. Er hatte ja schließlich auch gewusst, dass ich vorhin gerade noch in meinem Auto gesessen hatte. Der Unbekannte war hier, irgendwo versteckt in einer dunklen Ecke. „Ich sehe es, dass sie die Brücke betreten haben, bin ja nicht blind, Herr Mraz. Gehen Sie bitte bis ungefähr zur Mitte der Brücke weiter.“ Er war da, hatte mich bei jeder Bewegung fest in seinem Visier. Ich nickte knapp und ging weiter am Fußgängerweg entlang, musste ein paar Mal zum Eisengeländer greifen, um mich unter Kontrolle zu halten. Stets mit dem Blick nach vorne näherte ich mich mit zaghaften Schritten dem gewünschten Ziel. Drei Autos fuhren zügig an mir vorbei, der stinkende Geruch der Auspuffe stieg mir in die Nase. Angewidert blickte ich von der Straße weg direkt hinab auf die Traun. Mein inneres Gefühl sagte mir, dass gleich etwas ganz Schlimmes geschehen würde. „Was soll ich jetzt machen?“ fragte ich Eros, der meine Aufregung ganz sicher spüren musste. Als Bestätigung hörte ich ihn als Antwort kurz auflachen. Dieser Laut hörte sich so verzerrt unheimlich und grausig an. „Herr Mraz, jetzt wird es ernst. Bei der ersten Aufgabe dieser Lektion geht es im Prinzip darum seine Ängste zu überwinden und damit die Schwächen zu bekämpfen, die einen stets bremsen. Sie haben auffällig viele Ängste, Herr Mraz, das muss ich schon sagen. Ständig haben Sie Angst davor Verantwortung für Ihre Fehler zu übernehmen. Das wird sich jetzt ändern. Blicken Sie einmal kurz hinunter auf die so schöne Traun. Wenn Sie genau hinschauen, sehen Sie ein kleines Holzkästchen auf die Brücke zutreiben. Darin befindet sich etwas, was sehr wichtig für Sie ist, wenn Sie die kleine Schlampe finden wollen. Stecken Sie nach unserer kleinen Unterhaltung das Handy in ihr Sakko und legen Sie dieses auf den Boden. Dann springen Sie ins Wasser und holen Sie dieses Kästchen heraus, da ist ja eigentlich nichts dabei, oder? Leider haben Sie nicht viel Zeit, bald wird es unter der Brücke durchschwimmen und dann auf der anderen Seite ziemlich schnell in der Dunkelheit verschwinden. Die Strömung ist heute ebenfalls nicht zu unterschätzen. Dann wären die ohnehin geringen Überlebenschancen Ihrer Julia weiter gesunken. Also, Herr Mraz, es liegt an Ihnen. Oder haben Sie leicht Höhenangst? Eventuell sogar vor tiefen Gewässern? Na, das ist dann aber bitter für Sie.“ Ein Klicken verriet mir, dass unser Gespräch beendet war. Wie konnte Eros von meinen Ängsten wissen? Warum tat er mir das an? Und von welchem Kästchen hatte er gesprochen? Zuerst konnte ich im Wasser nichts erkennen, doch dann kam das Kästchen im reflektierenden Mondlicht eine hölzerne kleine Box zum Vorschein. Sie schaukelte in den kleinen Wellen hin und her und würde spätestens in ein bis zwei Minuten unter mir durchschwimmen. Man konnte sie immer deutlicher erkennen, je näher sie heran getrieben wurde. Ein Ton ertönte. Das Display des Handys in meiner Hand leuchtete. ‚Eine neue Bildnachricht‘. Ich spürte den festen Kloß im Hals, als ich zitternd mit meinem Daumen auf ‚Öffnen‘ tippte. Beim Anblick des Bildes kippte ich fast zusammen. Oh mein Gott! Julia! Meine Ex-Freundin lag festgeschnallt auf einem Tisch oder einer Platte, war nur mit einem alten Nachthemd gekleidet und trug das Grauen in ihren Augen. Pure Angst und Verzweiflung leuchteten heraus und ließen mich schaudern. Ab diesem Moment war ich endgültig bewusst, dass ich es hier mit keinem bösen Scherz zu tun hatte, das hier war echt, verdammt echt. Schnell drückte ich das Bild von Julia wieder weg. Mir blieb keine Wahl, ich musste ihr da raushelfen. Meine Hände waren fest um das Geländer geschlossen. Ich betrachtete das dunkle Wasser unter mir. Sterne begannen vor meinen Augen zu tanzen, Panik stieg in mir hoch. Nein, das konnte ich nicht. Gedankenfetzen zogen an meinen Augen vorbei, es waren Bilder, die ich glaubte beinahe vergessen zu haben, aber nun waren sie wieder deutlich da, wie an diesem Abend vor zwei Jahren. Die Fahrt. Das Lachen. Der andere Wagen. Der Schrei. Das viele Wasser. Nein! Ich konnte das nicht, nicht so etwas. Seit jenem Tag war es schon große Überwindung genug für mich hohe Übergänge zu passieren oder ins Gewässer zu springen. Sogar ein tiefer Swimmingpool lässt kalte Schweißausbrüche in mir aus. Erst wenn ich mich dann ein paar Minuten im kühlen Nass befand, konnte ich die Kontrolle über meine Psyche und meinen Körper langsam zurückgewinnen. Tom hat einmal gemeint, dass eine Behandlung wegen dieses Traumas nicht schaden würde, doch ich fand, dass ich meinen Alltag ganz gut meisterte. Das hier war jedoch etwas ganz anderes. Einige Meter unter mir warteten die kalten Wellen auf mich. Zu dieser Jahreszeit würde das Wasser keine fünfzehn Grad warm sein, wahrscheinlich war es noch kälter. Die Traun war hier ziemlich tief und um diese Tageszeit stockdunkel, was meine Ängste noch verstärkte. Das Kästchen war bereits bis auf geschätzte zwanzig Meter herangekommen. Ich musste handeln. Immer wieder sprach ich Julias Name laut aus. „Julia! Julia!“ Ich durfte sie nicht im Stich lassen. Es konnte nicht so schwer sein, im Hochsommer hatte ich schon häufiger Jugendliche beobachtet, die zur Abkühlung von der Brücke in den Fluss gesprungen waren. Hastig verpackte ich wie befohlen das alte Handy in der Seitentasche meines Sakkos. Dieses streifte ich ab und legte es sorgfältig vor meine Schuhe auf den Asphaltboden des Fußgängerweges. Ein weiteres Fahrzeug fuhr am mir vorbei, dieses Mal Richtung Innenstadt. Langsam hob ich meinen linken Fuß und zog mich beim Geländer in die Höhe. Ich kann das, ich kann das, trichterte ich mir immer ein. Ohne hinunter zu sehen kletterte ich sehr wackelig darüber und klammerte mich sofort wieder am sicheren Eisen fest. Ich wagte einen kurzen Blick hinab, wo der hölzerne Behälter die Brücke fast erreicht hatte. Nein! Ich würde das nicht schaffen! Schwindel übermannte mich, alles drehte sich um mich. Plötzlich konnte ich zwei braune Boxen vor mir sehen, die immer näher kamen. Alles drehte sich, jede Straßenlaterne funkelte doppelt vor meinen Augen. Mein ganzer Kreislauf drohte zusammen zu sacken, meine Hände fanden kaum mehr Halt am kalten Geländer, ich zitterte am ganzen Körper vor Panik und Angst. „Julia, es tut mir leid!“ schrie ich aus mir raus. Ich musste wieder auf die andere Seite! Sofort! Gerade als ich mich vorsichtig umdrehen wollte, vernahm ich plötzlich eine kreischende Frauenstimme. „Junger Mann, was tun Sie denn da?“ Darauf war ich nicht gefasst. Meine Hände rutschten weg, ich verlor den Halt. Mit offenem Mund konnte ich das entsetzte Gesicht der alten Dame sehen, als ich rücklings hinab fiel und wenige Augenblicke darauf im eiskalten Wasser versank.
 
 
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Im kalten Kellerraum, zur selben Zeit
 
Wie lange war sie nun schon hier an diesem abscheulichen Ort? Zehn Stunden? Zwanzig? Zwei Tage? Wie spät war es eigentlich? Die junge Dame hatte mittlerweile jegliches Zeitgefühl verloren. Sie konnte nicht mal sicher sagen, wie lange sie seit dem letzten Besuch ihres Entführers bereits alleine war. Die wahnsinnigen Rückenschmerzen machten ihr aber noch viel mehr zu schaffen. Jeder Wirbel, jeder Muskel und jedes Glied ihres Körpers sonderten mit diesen Schmerzgefühlen Warnzeichen aus. Der harte Untergrund, auf dem sie festgeschnallt lag, fühlte sich mittlerweile wie ein Nagelbett an, wie es die Fakire bei ihren magischen Tricks verwenden. Wäre das nicht schon Qual genug gewesen, regierten scheinbar unstillbarer Durst und Hunger innerhalb der kalten dunklen vier Wände, in dem Julia gefangen war. Die feuchte Frische ließ den weiblichen Körper der Frau auf dem Tisch zittern, ihr fror fürchterlich. In den letzten Stunden hatte bereits die ersten Hustenanfälle Einhalt in den Raum gefunden. Die Frau war leicht erkältet, ihr Körper geschunden, ihre Kehle ausgetrocknet, doch in diesen Sekunden war sie nicht in diesem Keller, sondern ganz weit weg, am Strand von Porec mit ihren Freundinnen. Die Wellen des Meeres spülten über die nackten Körper der Frauen, die nur mit ihren Bikinis und trendigen Sonnenbrillen bekleidet die heiße Sonne Istriens genossen und genüsslich an ihren Drinks schlürften, welche praktischerweise genau neben ihnen auf einem Beistelltisch parat standen. Nebenbei standen an der Strandbar drei knackige Beachboys, welche ihnen schmachtende Blicke schenkten. Ja, das Leben konnte verdammt schön sein. Der heißeste von ihnen näherte sich Julia mit selbstsicheren Schritten. Er beugte sich über die Frau und hauchte ein kitschiges „Das es so etwas Schönes auf dieser Welt überhaupt geben kann!“ in ihr Ohr. Der Schönling strich sanft mit seiner linken Hand über ihre Wangen, dann tastete er mit seinen verführerischen Lippen nach ihrem Mund, den er sogleich leidenschaftlich umschloss. Julia nahm ihre Sonnenbrille herab, um ihren Verehrer noch besser sehen zu können und blickte ins Leere. Die junge Frau schloss ungläubig ihre Augen, um sie kurz darauf gleich wieder zu öffnen. Das einzige, was sie vor sich sah, war Dunkelheit. Sie war nicht mehr in den schönen Rückblicken an den Kroatien-Urlaub 2010 samt heißer Romanze, sondern wieder zurück in ihrem Verlies, weit abgeschnitten von der Welt, wie sie sie noch vor kurzem gekannt hatte. Als die entführte Frau das realisierte und die Schmerzen wieder überhandnahmen, ging das Schreien von Neuem los.
  

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 24.03.2012. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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