
In der Früh zog sie schon ihr Tanzkleid an. Ja, heute wollte sie tanzen.
Doch wer schaute ihr zu?
Da hatte sie einen Einfall. „Ich werde den Tulpen meinen Frühlingstanz zeigen“, und schon war sie aus dem Haus.
Draußen standen sie in Reih und Glied. Also Publikum hatte sie genug.
Die Tulpen wunderten sich, dass schon früh am Morgen, alles war im Hause noch still, so eine außergewöhnliche Vorstellung statt fand.
Die Sonne war noch hinter dem Hause versteckt, aber das störte das kleine Tulpenmädchen nicht. Sie drehte sich schwungvoll, und ihr Röckchen flatterte.
Auch der Forsythienstrauch schaute zu, und lauschte dem Gesang. Zwar verstand er nichts, doch er fand die Melodie einfach schön. Ihm gefiel die klare, reine Stimme des Mädchens, und sie schaute so fröhlich dabei aus.
Eine Tulpe tuschelte mit den Umherstehenden: „ Die hat sich die Farbe von uns abgeguckt, schau mal, dasselbe Rot.“
„Sieht sie nicht allerliebst aus?“ sagten die gelben, die in der Minderzahl waren.
„Das ROT steht ihr so gut.“ Darüber waren sich alle einig, und sie neigten dezent zum Schluss ihre Köpfchen.
„WUNDERSCHÖN“, hauchte der Forsythienstrauch, als das Tulpenmädchen an ihm vorbei zurück ins Haus ging.
© C.W.
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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 30.04.2012.
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Infinity: Zeitgenössische, zärtliche Lyrik aus Wien - Hietzing
von Heinrich Soucha
Mit dem Schreiben und Dichten, ist das so eine Sache.So war ich oft der Meinung, nur lyrisch Schreiben zu können, falls ich mich in einem annähernd, seelischen Gleichgewicht befände, erkannte aber bald die Unrichtigkeit dieser Hypothese.Wichtig allein, war der Mut des Eintauchens.Das Eins werden mit dem kollektiven Fluss des Ganzen. Meine Gedanken, zärtlich zu Papier gebrachten Gefühle,schöpfte ich stets aus diesem Fluss.
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