Er ist der Größte. Er ist der Herrscher im Revier. Er lässt keinen Kampf aus.Und wehe, einer versucht, ihm sein Territorium streitig zu machen!
Tom heißt der Kater, ein schwarzes Ungeheuer mit einer weißen Hinterpfote, zerfetzten Ohren und etwas struppigem Fell.
Ein Straßenkater ist er nicht, er hat ein Zuhause, wohin er sich zurückziehen kann, aber er besucht es selten. Ständig muss er auf der Hut sein, seine Kontrollgänge machen, vor allem nachts. Oft wird die Nachbarschaft durch ärgerliches Gemaunze und Gefauche oder die lautstarken Liebeswerbungen des Helden im Schlaf gestört, wenn eine der Katzen sich zur Paarung bereit findet.
Eines Tages aber ändert sich einiges.
Eine neue Familie zieht in das Haus neben der Heimstatt des Katers ein. Sie bringt eine schöne Siamkatze mit, schlank, blauäugig, mit schimmerndem Fell.
Tom kann sie nur durch das große Terrassenfenster bewundern, denn als Stubenkatze darf sie nicht raus.
Tag für Tag, wenn ihre Leute zur Arbeit gefahren sind, streunt er auf der Terrasse herum, maunzt und setzt sich in Szene. Vergebens. Die Schöne nimmt keine Notiz von dem Casanova. Sie putzt sich im Sonnenschein oder rekelt sich auf dem Sofa.
Am Sonntagabend aber vergessen die Leute, das Badezimmerfenster zu schließen, bevor sie ins Kino gehen.
Die schöne Siamesin nimmt die Gelegenheit wahr, zwängt sich durch den offenen Spalt und schnuppert zum ersten Mal Freiheit.
Sofort ist Tom zur Stelle und macht ihr Avancen. Das erschreckt sie. Sie flüchtet in den nächsten Apfelbaum. Er hinterher. Sie zieht sich höher und höher zurück, er folgt ihr. Die Äste werden dünner. Plötzlich kracht es, ein Ast bricht ab, er hält das Gewicht des schweren Katers nicht aus. Tom stürzt zu Boden.Und schon ist Carlo über ihm, der ewig unterdrückte Kater aus der nächsten Straße. Ehe es sich Tom versieht, wird er ordentlich verprügelt, gebissen, zerkratzt. Sein Ohr blutet, in der Schulter fehlt ein Stück Fell, seine Pfote schmerzt, vom Sturz verstaucht.
Carlo lässt von ihm ab und verschwindet im Apfelbaum auf den Spuren der Schönen. Ein ärgerliches Fauchen, und Carlo landet neben dem immer noch benommenen Tom. Beide Kater schauen sich an. Ihre Kampfgelüste und ihre Liebeswut sind verraucht. Gemeinsam schleichen sie weg, jeder strebt in sein Zuhause: Tom, um seine Wunden zu lecken und die Schmach zu überdenken, Carlo, gewöhnt, immer der zweite zu sein, um erst einmal seinen Frust mit Futter zu betäuben.
Und die schöne Siamesin? Sie harrt auf dem Baum aus, bis am nächsten Morgen ihre Leute sie herunter locken und sie in die Sicherheit des Hauses retten.
©I. Beddies
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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 09.05.2012.
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