Heideli

Omas Pflaumenkuchen

 

Früher...also ziemlich viel früher...da brachte man noch seine großen Kuchenbleche mit den selbstgemachten Kirsch- und Pflaumenkuchen persönlich zum Bäcker in der Nähe...

Wir natürlich auch! Besonders zu Feiertagen, wenn Gäste kamen, wurde groß aufgefahren. Omi Frida machte den saftigsten Pflaumenkuchen weit und breit- so mit einem Eier-Gries-Sud obendrauf, dass einem schon das Wasser im Mund zusammenlief, wenn man ihn nur sah!

Aber der  Unfall mit genau diesem Kuchen werde ich nie mehr vergessen! Denn er geschah an Omis Geburtstag!

Sie hatte sonst ja immer alles im Griff, meine liebe Omi, aber diesmal konnte sie um die vorgesehene Zeit den Kuchen beim Bäcker Eitze nicht persönlich abholen. Deshalb schickte sie mich.

Das Blech unterm Arm war groß und schwer, aber ich schaffte die 100 Meter irgendwie nach Hause.

Omi lobte mich, wie stark ich schon sei, und meinte, ob ich ihn noch schnell zum Abkühlen nach oben tragen könne? Na klar, ich war doch schon groß und stark! Ich stieg die enge Treppe mit dem schönen glänzenden Holzgeländer hoch, aber dann stand mir diese verflixte Türe ganz oben im Weg, die sich obendrein nur nach vorn öffnete.
So musste ich, das Blech balancierend, zwei Stufen zurück gehen und versuchen, sie irgendwie auf zu kriegen.
Dabei stieß die Türe leicht aber unheilsvoll gegen das Blech, wodurch sich der riesige  Pflaumenkuchen geschmeidig aus dem Blech bemühte um dann langsam über das glatte gerundete Geländer nach unten zu rutschen.
Und dann drehte sich der Kuchen in der leichten Treppenbiegung und legte sich über den Schutzdeckel  der Singer Nähmaschine, die rechts unten am Treppengeländer stand...

Nie werde ich vergessen, wie meine Oma Frida in ein Wolfsgeheul ausbrach: "Oh mein schöner Kuchen! Oh mein schöner Kuchen! Was mach ich denn jetzt mit meinen Gästen, huh huh huuuuh!!!!"
Dann sah sie mich verzweifelt an: "Rauuuuus! Komm mir ja nicht so schnell wieder unter die Augen!"

Ich machte schnell die Fliege und erst zwei Stunden später wagte ich mich leise wieder ins Haus, erst durch den Flur...an der Stube vorbei und wollte mich grade  in meinem Zimmer im Bett verstecken...

Aber aus der "guten Stube", die nur zu Sonn und Feiertagen benutzt werden durfte, klang ein großes Gelächter und Heiterkeit! Und am lautesten hörte ich meine Omi lachen!

Ich blieb nicht unentdeckt und alle rief: "Ja Heidele! Wo warst Du denn die ganze Zeit? Nun komm! Ist nicht mehr viel von dem herrlichen Kuchen übrig geblieben!"...
Sogar die böse Omi lachte mich wieder an, tat so, als wäre nichts geschehen und zwinkerte mir dabei zu, dass ich JAAA nichts verraten solle!
Und so habe ich geschwiegen. Aber nun gibt es ja keinen mehr von den damaligen Gästen! Da werde ich  ja wohl mal mein Schweigen brechen dürfen:

Oma Frida hatte in ihrer Verzweiflung aus der Not einfach eine Tugend gemacht, vorsichtig das ganze  Kuchengemansche aufgerafft und daraus lauter schöne rechteckige oder quadratische Einzelstückchen kreiert!
...Dann mit Sahne satt garniert und....


Ach, was war das wieder mal  für ein herrlicher Pflaumenkuchen a la Oma Frida!!!


heideli@20.5.2012

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 20.05.2012. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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