Margit Farwig

Gedanken nach einem Erlebnis

 

Gedanken nach einem Erlebnis

 

Ja, es ist wirklich berührend, weil ein Vogel so hilflos erscheint, nichts von uns will, keine Hintergedanken hegt, einfach nur auf der Welt ist.
Die Zeit ist zu kostbar, um nicht verstärkt den Stimmen der Natur zu lauschen. Aus allen Büschen, Bäumen, Wegesrändern zirpt und zwitschert es unaufhörlich. Selbst wenn zum Abend hin die Geschäftigkeit abebbt, schwingen sich sichtbare und unsichtbare Sänger noch einmal auf und verabschieden sich von uns, als wenn es keinen Morgen mehr geben würde. Dabei kommt mir der Gedanke, ob in ihren Träumen Geschichten entstehen, ob sie sich ängstigen, ob sie noch einmal glücklich sind wie sie es am Tag waren. Das wird wohl niemand ergründen können. Ich weiß aber wohl, wie sie die ersten Sonnenstrahlen morgens genießen, wenn sie sich auf Äste setzen und ihre Federn genießerisch der Sonne zuwenden und Wärme tanken. Ganz still verharren sie bis zur Wiedergeburt. Dann stürzen sie sich hinein ins volle Leben, verbringen ihre Zeit mit eben den Pflichten, die kleine und große Tiere bewegen.

Dazu zähle ich natürlich das Singen, das Hüpfen von Ast zu Ast, damit auch wir sie mit unseren Augen begleiten und uns daran erfreuen dürfen.
Es gibt noch mehr Begebenheiten solcher Natur. Vorigen Sommer saß ich mal wieder an der Vechte unter Weiden auf der Bank. Ich legte meine Tasche auf den Schoß, um schreiben zu können, schlug dafür ein Bein übers andere, das weiße Blatt Papier wartete auf seinen Einsatz. Da fliegt eine kleine Kohlmeise auf die Banklehne. So ein schönes Gelb und das Schwarz sah aus wie aus einem Bilderbuch. Nun flog der kleine Wicht auf die Bank und hüpfte gleich auf meinen Schoß unter den schreibenden Arm in die Beuge, pickte ein wenig am T-Shirt und hielt noch ein Weilchen aus. Dann flog er seelenruhig davon. Ich glaube, er hat überhaupt nicht gemerkt, dass ich ein Mensch bin. Also ziehe ich daraus den Schluss, dass ich die Ruhe eines Baumes besitze. Von diesem Ereignis war ich noch ganz hin- und hergerissen.

Da kam die Frau mit dem kleinen Hund wieder vorbei, Trixie riss sich los, sauste in meine Richtung so 25 m Entfernung, sprang auf die Bank und schleckte mich erst einmal gründlich ab, voll durchs Gesicht. Eh ich mich versah, war keine Stelle trocken. Trixie kam in die Mitte und war nun zufrieden. So hielten wir es noch eine gute Stunde aus mit Erzählen.
Es gibt noch mehr Geschichten, für heute muss es reichen.

 

© Margit Farwig

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 08.06.2012. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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