Karl-Heinz Fricke

Meine Zahnarzt Besuche

Meine Zahnarzt Besuche
 
Nachdem ich damals als Schulkind am Hohen Weg in meiner Heimatstadt Goslar die Schrecken der damaligen Zahnarztkunst kennengelernt hatte, gehörten die späteren Notwendigkeiten, ähnlichen Erfahrungen wiederholt ins Auge zu sehen, nicht zu meinen besten Erinnerungen. Zahnschmerzen jedoch, wie wohl Jeder weiss, lassen sich nun einmal nicht beschwichtigen, sie nehmen eher zu, aber niemals ab. Ein Zögerer erreicht schließlich den Höhepunkt der Unerträglichkeit, der ihn in die nächste Folterkammer treibt. Allein das damalige Bohren auf den entblößten Nerv genügte die Engel singen zu hören. Ein kranker Zahn erforderte gewöhnlich drei Termine bis die Füllung endlich die Behandlung beendete. Die Methode kranke Zähne entweder zu plombieren oder zu ziehen sind nun einmal das A und das O der Behandlung. So werden diese zahnärztlichen Prozeduren  auch noch heute durchgeführt, allerdings sehr verbessert zur Erleichterung des Patienten. Als ich Jahrzehnte später in Kanada eine Plombe benötigte, erlebte ich meine erste schmerzlose Zahnbehandlung im Zahnarztstuhl bis auf einen kleinen Stich ins Zahnfleisch für die Betäubungsspritze. Dieser Behandlung folgten im Laufe der Jahre etliche mehr, die ich mehr oder weniger, bis auf eine Ausnahme, mit dem Weg zum Friseur vergleichen konnte. Diese Ausnahme war das Ziehen eines Backenzahnes ohne Betäubung, weil sogar die zweite Spritze erfolglos blieb. In meinem jetzigen Wohnort lernte ich vor zirka dreißig Jahren Old George kennen. Ein Zahnarzt noch aus der alten Schule, aber up-to-date mit den neuen Errungenschaften. George stand damals kurz davor seine Ruhezeit zu beginnen. Er litt an Arthritis, was ihm oft derart zusetzte, dass er nicht arbeiten konnte. Wie auch ich war George ein passionierter Angler, was immer einen interessanten Erfahrungsaustausch bei meinen Terminen zur Folge hatte. Deshalb beorderte er mich auch nicht sofort in den Behandlungsstuhl. Er setzte sich zu mir, wenn kein anderer Patient zugegen war, sprang aber gleich wieder auf und kam mit einer Flasche Schnaps und zwei Gläsern zurück. Anstatt ‘Zum Wohl’ zu sagen, sagte er augenzwinkernd ‘Zur Desinfizierung’. Nach einer völlig schmerzlosen Wurzelfüllung setzte er einen Stiftzahn ein, der nach fünfundzwanzig Jahren noch immer fest verankert ist, während ein Stiftzahn, den meine augenblickliche Zahnärztin einsetzte, sich lockerte und zweimal neu befestigt werden musste. Vor dem zweiten Mal hatte ich ihn verschluckt, so konnte der teure Zahn eine Erkundungsreise durch Magen und Darm antreten. Nachdem er wieder, nicht gerade appetitlich, ans Tageslicht kam, erhielt er nach gründlicher Reinigung und Desinfizierung seinen alten Platz wieder. Die restlichen Hickerchen in meinem strapazierten Mund werden nun seit Jahren halbjährlich hygenisch gereinigt, untersucht und notfalls repariert. 
Ich wünsche all meinen Lesern angenehme Besuche in den modernen Liegestühlen der Zahnärzte mit oder ohne alkoholische Desinfizierung.

Karl-Heinz Fricke  15.7.2012

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