Helga Edelsfeld

Küchenfee und Badenixe




Seit vielen Jahren leben zwei Katzendamen mit uns zusammen. Sie bereichern unseren Alltag mit ihrer heiteren Unbekümmertheit und haben uns durch ihre eleganten - weil meist schleichend vollzogenen Regelübertretungen -  gelassener und toleranter gemacht.
Mohrli – unser Mini-Panther – mit smaragdgrünen Augen und schwarzem, seidigem Fell, ist eine richtige Naschkatze und Genießerin. Sie kommt sofort angeflitzt, wenn sich die Küchentüre öffnet. Ansonsten bringt sie nichts so schnell aus der Ruhe oder von ihrem gemütlichen Schlafplatz weg. Das Öffnen des Kühlschranks übt aber eine besondere Faszination auf sie aus. Da geht für sie sozusagen das Tor zum Paradies auf.
Gini – die jüngere der beiden – eine zierliche Tigerkatze, haben wir zusammen mit ihren drei Geschwisterchen vor einem auf dem Land üblichen Schicksal bewahrt. Aber das ist eine andere Geschichte. Während Mohrli gerne auf dem Sofa ruht und sich intensiv der Fellpflege widmet – seidenweiche,  glänzende Haare bekommt man ja nicht von alleine – geht Gini auf die Jagd. Sie interessiert sich für alles was da so kreucht und fleucht. Seit sie bei uns ist, haben wir eine fliegen- und spinnenfreie Wohnung. Wenn sie ein Objekt ihrer Begierde erspäht, ist leider auch kein Vorhang vor ihr sicher. Gini ist ein bemerkenswertes Kätzchen. Gesprächig und clever, beobachtet genau und hat sich dadurch schon so manchen Vorteil verschafft. Sie liebt Action und lässt sich immer wieder etwas einfallen um uns zu überraschen. Wie jede Wohnungskatze hat auch sie so ihre Lieblingsplätze. Einer davon ist das Badezimmer. Dort fasziniert sie besonders die Waschmaschine. Auf der macht sie es sich bequem und schnurrt vor Wohlbehagen, wenn sie beim Schleudergang so richtig durchgerüttelt wird. Außerdem erledigt sie im Badezimmer ihre Morgentoilette, hüpft in die Badewanne und besteht darauf, dass der Wasserhahn aufgedreht wird. Anschließend hält sie ihre Pfote unter den Wasserstrahl und wäscht sich ihr Gesicht.
Etwas, das Gini absolut nicht ertragen kann, sind geschlossene Türen. Als ich eines Tages vom Einkaufen zurückkam, traf mich fast der Schlag. Die Wohnungstüre – ich hatte sie nur zugezogen und nicht abgesperrt – stand weit offen und im Vorhaus liefen laut miauend unsere beiden Katzen herum. Ich dachte schon Einbrecher hätten in der Zwischenzeit unsere Wohnung ausgeräumt, dabei  war  es Gini,  die damals - noch als kleines Kätzchen - bereits erfolgreich ihren ersten „Klinkensprung“  absolvierte. Seither wissen wir, dass sie mühelos auf Türklinken springt und sich selbst so jede Türe öffnet, auch die schwere Eingangstüre. Die Moral von der Geschicht: „Ohne absperren geht es nicht“!
Das gilt aber nicht nur für die Wohnungstüre.  Die Erfahrung lehrte uns, dass gelegentlich auch noch andere Türen abzuschließen sind.  Beispielsweise an einem Ostersonntag, an dem wir Freunde zu Kaffee und Kuchen eingeladen hatten, wäre dies jedenfalls von Vorteil gewesen. Während wir auf unserem Balkon mit einem Glas Prosecco auf den schönen Frühlingstag anstießen, nahm das Schicksal seinen Lauf. Da schlich sich unser Mini-Panther auf leisen Pfoten unbemerkt davon. Mohrli nutzte die Gunst der Stunde und die offene Esszimmertüre. Sie sprang auf den bereits gedeckten Tisch, fiel über meine schön dekorierte Ostertorte her und ließ sich Biskuit und Sahnecreme schmecken. Als ich ihr Werk der Zerstörung sah, hätte ich sie am liebsten erwürgt. Von meiner schönen Torte war nur mehr ein süßer Trümmerhaufen übriggeblieben. 
        
Zum Glück konnten wir aus der nahe gelegenen Konditorei  noch einen Ersatz dafür beschaffen und der Ostersonntag war gerettet. Mohrli aber hatte sich schuldbewusst unter die Couch verkrochen und kam erst am späten Abend wieder hervor.
Als sie sich dann kläglich miauend und verlegen an ihren Pfoten knabbernd vor mir aufbaute, konnte ich ihr nicht mehr böse sein. Trotz manch unliebsamer Überraschung haben wir viel Freude mit unseren beiden Katzendamen und genießen das Zusammenleben mit ihnen sehr. Nachhause zu kommen und bereits schnurrend erwartet zu werden, ist einfach schön. Wenn sich unser  Mini-Panther liebevoll an meine Beine schmiegt und der Plüsch-Tiger  freudig miauend seine Zuneigung zeigt, ist die Welt für mich in Ordnung. Diese Anhänglichkeit und das uneingeschränkte Vertrauen berühren mich  immer wieder. Haustiere sind eben etwas Wunderbares und Katzen im Besonderen.
 
Helga Edelsfeld

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 01.08.2012. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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